Kurz verlinkt, 18. Januar 2011

Lesens- und Sehenswertes aus den vergangenen Tagen (20. Dezember 2010 bis 18. Januar 2011):

The Princess and the Frog: Erste Minuten

Disney hat die ersten fünf Minuten von The Princess and the Frog (2009) online gestellt; die Animation ist z.T. noch nicht fertiggestellt. (via)

Ich bin nach wie vor irritiert davon, daß die gängige Froschkönig-Erzählung immer einen Kuß beinhaltet, wo doch im Märchen von einem solchen keineswegs die Rede ist – vielmehr landet der Frosch mit Wucht an der Wand, wie man bei den Brüdern Grimm nachlesen kann:

Es half nichts, sie mußte thun, wie ihr Vater wollte, aber sie war bitterböse in ihrem Herzen. Sie packte den Frosch mit zwei Fingern und trug ihn hinauf in ihre Kammer, legte sich ins Bett und statt ihn neben sich zu legen, warf sie ihn bratsch! an die Wand; „da nun wirst du mich in Ruh lassen, du garstiger Frosch!“ Aber der Frosch fiel nicht todt herunter, sondern wie er herab auf das Bett kam, da wars ein schöner junger Prinz.

Aber wahrscheinlich steht das dem familienfreundlich-romantischen Ziel der Filmerzählung entgegen. Gespannt darf man auf The Princess and the Frog aber sicher sein. Zum einen, weil der Film mit reichlich Vorschußlorbeeren dafür bekommen hat, daß er angeblich eine Rückkehr zur traditionellen 2D-Animation auf dem Zeichenbrett darstelle (als sei diese nicht anderswo als bei Disney äußerst quicklebendig); zum anderen aber, weil man gespannt sein darf, wie das Endergebnis aussehen wird, nachdem eine frühe Fassung umgeschrieben wurde, der rassistische Stereotypisierungen vorgeworfen wurden. Die Hoffnungen der feministischen, antirassistischen Community in den USA sind nicht unbedingt besonders groß.

Auch auf die Darstellung des Prinzen darf man deshalb gespannt sein. Eine erste Ahnung gibt vielleicht die Kußszene, die auch schon online auffindbar ist:

District 9 (2009)

Zu District 9 ist im Grunde schon von sehr vielen auch vermutlich alles gesagt. Peter hat just noch einmal auf die vielen Einflüsse hingewiesen, die Regisseur Neill Blomkamp verarbeitet hat, von Carpenter bis Cronenberg; ein Science-Fiction-Film ist das geworden, der den Horrorfilm inkorporiert, von Bodyhorror bis hin zum Splatter. Gerade letztgenanntes Element war in meiner Wahrnehmung auch überraschend stark vertreten (Produzent Peter Jackson dürfte da klammheimlich Freude gehabt haben), und natürlich war auch dies mit ein Grund dafür, warum so viele Rezensent_innen bekunden, zum Ende hin von dem Film etwas enttäuscht worden zu sein, weil der Film seine dokumentarische Perspektive zugunsten einer eher gewöhnlichen Actionhandlung aufgab.

Wie ebenfalls Peter in seiner Kritik anmerkt, bleibt District 9 aber auch in den Actionszenen geradezu dokumentarisch im Stil; bei den ersten Wechseln aus dem Dokumentarfilm-im-Film (der ja nie ein ganzer Film ist, sondern nur im Sinne des Gesamtfilms herausgerissene Szenen) bedarf es immer eines Moments der Orientierung, bis klar ist: dies ist Spielfilm bzw. in der Filmlogik: ungefilmte Realität – oder eben: dokumentarisches Material.

Mir hat das gut gefallen, weil es auch filmisch den Status des Dokumentarischen problematisiert, der im Laufe von District 9 auch noch dadurch in Frage gestellt wird, daß sich dokumentarisch und realistisch inszenierte Szenen (for lack of a better Gegensatzpaar) inhaltlich zum Teil widersprechen, der Wahrheitsanspruch von „Dokumentation“ also implizit noch in Frage gestellt wird.

Das ist sicherlich keine originelle, wegweisende Medienkritik (jeder bessere Dokumentarfilm schließt ja heute schon die Infragestellung seiner eigenen Realitätsbeschreibung mit ein), für einen massentauglichen Genrefilm mit viel spritzendem Blut aber sicher auch nicht ganz egal.

Entscheidender sind da schon die Fragen, die damit über Motivation und Ziel der „Dokumentation-im-Film“ gestellt werden, die District 9 über die sowieso vorhandene, sehr sichtbare (und möglicherweise eher problematische und in der Darstellung der nigerianischen Gangster und Prostituierten vielleicht wieder sehr rassistische) Allegorie auf Apartheid und Rassentrennung hinausheben.