Inception (2010)

Inception - (c) Warner Bros.

Inception, der neue Film von Christopher Nolan, der zuletzt den grandiosen The Dark Knight (meine Kritik) gemacht hatte, ist ein kaum weniger großartiger Abenteuerfilm, ein Heistmovie in Räumen mit irrealer Architektur, ein kleines Meisterstück der Spannungsdramaturgie und Actionmontage. Kein Streifen ohne Fehl und Tadel, und natürlich kann eine Kritik vor deren größten nicht zurückweichen – geht man aber zu sehr auf die Details ein, erinnert das rasch ans Zählen einzelner fauler Rosinen in dem enormen Kuchen, der ein kleines cinematographisches Schlaraffenland umgibt. Aber genug des Begeisterungspathos, ein paar Rosinen müssen sein.

Nolans Protagonist ist das größte Problem des Films. Das liegt zu allererst und zum geringeren Teil am Star: Leonardo DiCaprio spielt Cobb, und er macht das nicht schlecht, aber er macht es zu sehr wie in Shutter Island; Teddy Daniels und Cobb sind sich zudem recht ähnlich: Ein gebrochener Mann, psychisch womöglich instabil, den Erinnerungen an seine verstorbene Frau verfolgen…

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Immerhin geht Nolan mit solchen Rollen-Interferenzen in Star Personas bewußt und elegant um. Denn Cobbs verstorbene Frau, die sich immer wieder als Projektion in seinen Träumen einnistet, wird hier von Marion Cotillard gespielt, deren internationale Karriere erst so richtig begann, nachdem sie den Oscar als beste Hauptdarstellerin für La Môme (2007) gewonnen hatte. Da spielte sie Edith Piaf, und Nolan verwendet nun Piafs wohl bekanntestes Lied, „Je ne regrette rien“ als eine Art Leitmotiv – was nicht wenig ironisch ist in einem Film, in dem es sehr viel um Trauer und Bewältigung von Schuld geht, in dem „filled with regrets“ als Ausdruck von nicht weniger leitmotivischer Stärke immer wiederkehrt – und zugleich als ein Handlungselement, einen synchronisierenden Reiz, der den Beteiligten ankündigt, wann ihre Träume beendet werden.

Womit wir schon mitten im komplexen Konstrukt wären, das Nolan für Inception gestrickt hat, ein Spiel von so vielen Regeln und Tricks, daß der Film eine gute Stunde braucht, um diese Informationen den Zuschauer_innen zu vermitteln.

Cobb ist ein Dieb der besonderen Art, der es versteht, Informationen direkt aus dem Unterbewußten anderer Menschen zu pflücken. Dazu versetzt er diese mittels bestimmter Drogen und einer Maschine in einen traumartigen Zustand, in den er auch selbst mit eintreten kann, und entlockt ihnen das Gesuchte dort über komplexe Vorspiegelungen und Tricks – etwa durch Drohungen oder indem er sich ihr Vertrauen erschleicht. Freud hätte vermutlich eine Dauerkarte gelöst für diese Form der Informationsbeschaffung, Cobb und seinen Leuten hingegen kümmert die geistige Gesundheit ihrer Zielpersonen nur wenig.

Inception - (c) Warner Bros.

Sie sind wohl die Besten in ihrem Metier, aber nachdem ein Job schief gegangen ist (die Vorgeschichte dazu kann man sich hier als Comic herunterladen [PDF, 45 MB], dessen Inhalt man ohne Vorkenntnis des Films aber womöglich nicht versteht), muß Cobb auf ein Angebot des reichen Geschäftsmannes Saito (Ken Watanabe) eingehen. Diesmal soll er nichts stehlen, sondern seinem Konkurrenten Robert Fischer Jr. (Cillian Murphy) von Saito eine Idee einpflanzen, so daß dieser glaubt, sie selbst gehabt zu haben – diese Form der Beeinflussung wird „Inception“ genannt.

Inception ist also zuallererst ein Heist-Movie, denn ob stehlen oder einpflanzen ist hier relativ wurscht: Die Reise geht mehrere Ebenen tief ins Unterbewußte, und dann muß man irgendwie herauskommen. Und ganz in der guter alter Genre-Tradition stellt Nolan uns erst einmal die Protagonist_innen vor (dazwischen: Jagdszenen in Mombasa), neben Cobbs rechter Hand Arthur (Joseph Gordon-Levitt) sind das der „Chemiker“ (Dileep Rao), der die Schlafdrogen dosiert, der Trickbetrüger (Tom Hardy – nach Bronson [meine Kritik] schier nicht wiederzuerkennen) und vor allem die „Architektin“ Ariadne (Ellen Page).

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