Why Don’t You Just Die! (2019)

Der erste Besuch beim Vater der neuen Freundin ist für junge Männer ja — patriarchale Erwartungen schwingen da viele mit — immer mit vielen Erwartungen und Sorgen überfrachtet. Da darf man schon mal nervös sein. Matvej allerdings ist vor allem deshalb nervös, weil er den Mann umbringen will – Olja hat ihn schließlich dringend darum gebeten.

Why Don’t You Just Die! von Kirill Sokolov beginnt mit diesem Warten vor der Wohnungstür, irgendwo in einem typischen, etwas runtergekommenen russischen Mietshaus mit knarzendem Aufzug und neugierigen Nachbar_innen. Matvej steht da mit dem Hammer hinterm Rücken, nervös, aber entschlossen. Es ist gerade genug Gangster in ihm, wird es später von ihm heißen, und da ist was dran: Der Junge wirkt eigentlich eher still und schmächtig, weiß aber trotzdem, wie man eine Handschelle mit einer Haarnadel öffnet.

Meine ausführliche Besprechung des so schwarz-lustigen wie blutigen Debüts von Sokolov ist auf kino-zeit.de erschienen.

Der Fluch der Hexe – Queen of Spades (2015)

Düsternis, Besessenheit, Verderben – so kann man schon auf ganz einfachen Wegen Grusel erzeugen. Svyatoslav Podgayevskiy wirft für seinen zweiten Horrorfilm nach Block 18 (2014) viele Themen zusammen, die im zeitgenössischen Kino der Schrecken gut ankommen – und setzt seine beschränkten Mittel mit gutem Erfolg ein. Es beginnt eher mit einem Spiel: Anna (Alina Babak) und ein paar Freunde spielen ein Ritual nach, von dem sie gelesen haben – sie zeichnen Symbole auf einen Spiegel und rufen die Pik-Dame an (die „Queen of Spades“), sie solle sich zeigen. Und prompt – zunächst sieht man es nur einen Moment lang in einem Video, das einer der Freunde dreht – tritt die unerfreuliche Kreatur in ihre Welt. Fortan wird jede glänzende, reflektierende Oberfläche zu einer möglichen Tür – dieser Film macht Angst vor Spiegeln, glitzernden Türknaufen und mehr.

Die Hexe des Titels strebt nach einer Person, die sie bewohnen kann; und sehr schnell finden sich vor allem die Eltern (Igor Khripunov und Evgeniya Loza) im Kampf gegen Zeit und fremde Mächte wieder. Von der Geistergeschichte changiert Der Fluch der Hexe so rasch zu einem Exorzismusdrama, das sich vorrangig in engen Räumen, schmutzig-gekachelten Kellern und einsamen Hütten im Wald abspielt. Fast bekommt man dabei das Gefühl, Podgayevskiy wolle hier die Anforderungen ans Horrorkino übererfüllen und unbedingt alle Szenarien noch mit unterbringen – das wirkt schon etwas gestopft. Zugleich macht er das grundsätzlich mit großer Kunstfertigkeit: Er versteht sein Handwerk, die Schreckensmomente sind ebenso gut im Timing wie die Kameraeinstellungen sitzen. Was dem Film etwas fehlt, sind die wirklich lebendigen Figuren, um die man sich mehr Sorgen macht als nur des Sterbens und Knirschens wegen. In der russischen Literatur gibt es die Pik-Dame übrigens tatsächlich, wenn auch in ganz anderer Form – in der klassisch-phantastischen Kurzgeschichte des großen Alexander Puschkin geht es tatsächlich um ein Kartenspiel.

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DER FLUCH DER HEXE Trailer German Deutsch (2015)
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Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.