District 9 (2009)

Zu District 9 ist im Grunde schon von sehr vielen auch vermutlich alles gesagt. Peter hat just noch einmal auf die vielen Einflüsse hingewiesen, die Regisseur Neill Blomkamp verarbeitet hat, von Carpenter bis Cronenberg; ein Science-Fiction-Film ist das geworden, der den Horrorfilm inkorporiert, von Bodyhorror bis hin zum Splatter. Gerade letztgenanntes Element war in meiner Wahrnehmung auch überraschend stark vertreten (Produzent Peter Jackson dürfte da klammheimlich Freude gehabt haben), und natürlich war auch dies mit ein Grund dafür, warum so viele Rezensent_innen bekunden, zum Ende hin von dem Film etwas enttäuscht worden zu sein, weil der Film seine dokumentarische Perspektive zugunsten einer eher gewöhnlichen Actionhandlung aufgab.

Wie ebenfalls Peter in seiner Kritik anmerkt, bleibt District 9 aber auch in den Actionszenen geradezu dokumentarisch im Stil; bei den ersten Wechseln aus dem Dokumentarfilm-im-Film (der ja nie ein ganzer Film ist, sondern nur im Sinne des Gesamtfilms herausgerissene Szenen) bedarf es immer eines Moments der Orientierung, bis klar ist: dies ist Spielfilm bzw. in der Filmlogik: ungefilmte Realität – oder eben: dokumentarisches Material.

Mir hat das gut gefallen, weil es auch filmisch den Status des Dokumentarischen problematisiert, der im Laufe von District 9 auch noch dadurch in Frage gestellt wird, daß sich dokumentarisch und realistisch inszenierte Szenen (for lack of a better Gegensatzpaar) inhaltlich zum Teil widersprechen, der Wahrheitsanspruch von „Dokumentation“ also implizit noch in Frage gestellt wird.

Das ist sicherlich keine originelle, wegweisende Medienkritik (jeder bessere Dokumentarfilm schließt ja heute schon die Infragestellung seiner eigenen Realitätsbeschreibung mit ein), für einen massentauglichen Genrefilm mit viel spritzendem Blut aber sicher auch nicht ganz egal.

Entscheidender sind da schon die Fragen, die damit über Motivation und Ziel der „Dokumentation-im-Film“ gestellt werden, die District 9 über die sowieso vorhandene, sehr sichtbare (und möglicherweise eher problematische und in der Darstellung der nigerianischen Gangster und Prostituierten vielleicht wieder sehr rassistische) Allegorie auf Apartheid und Rassentrennung hinausheben.