Das Echelon-Desaster (2015)

Es ist wieder soweit: Computer übernehmen die Macht! Diesmal nennt sich das System nicht Matrix oder Skynet, sondern eben Echelon – eine Künstliche Intelligenz, entwickelt vom amerikanischen Militär, die alle Computersysteme steuern, künstliche Menschen übernehmen und schließlich sogar das Wetter kontrollieren kann: mit metergenau platzierten Wirbelstürmen. Aber was sollte ein solches Computersystem dringender vorhaben, als die Menschheit bzw. vor allem und erst einmal die USA auszulöschen? Prompt rast ein gewaltiger Sturm aufs Festland zu. Helfen kann nur die Tochter des Mannes, die das System einst entwickelt hat…

Das Echelon-Desaster ist ein billig produziertes Action-Spektäkelchen, als Stormageddon direkt fürs Fernsehen produziert und ganz um den WWE-Wrestler John Morrison bzw. John Hennigan herum gedreht. So richtig Spaß macht das nur, wenn man keine hohen Ansprüche hat. Die Spezialeffekte sind unterste Kanone, die Dramaturgie hinkt schlimmer als Quasimodo, und die Dialoge leuchten von flirrender Komplexität: „Wir kontrollieren alles!“ – „Ihr kontrolliert mich nicht.“ Wenigstens bemühen sich einige der Schauspieler sogar, gegen die Hirnlosigkeit ihrer Texte anzuspielen, allein, gelingen will es nicht. 90 Minuten Lebenszeit, die man dringend mit anderen Dingen ausfüllen sollte.

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Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

Orphan Black – Staffel 3

Man kann es ja schier nicht oft genug sagen und betonen, wie großartig Orphan Black ist. Die dritte Staffel der Serie von BBC America beweist das aufs Neue, mit weiteren Drehs und noch höherer Komplexität als die beiden Jahre zuvor. Für Neulinge: In der Serie geht es um Sarah (Tatiana Maslany) und ihre diversen Klone, die versuchen herauszufinden, woher sie kommen, warum das mysteriöse Dyad Institute sie beobachtet und jagt, und schließlich warum eine von ihnen eine plötzlich und heftig krank wird.

Am Anfang der dritten Staffel mischt auch noch eine Bruderschaft männlicher Klone (Ari Millen) mit, alle mit militärischer Ausbildung – aber es ist beileibe nicht alles, wie es scheint. Orphan Black zeichnete sich von Anfang an dadurch aus, dass es sich die Sache in Handlung und Charakteren nie einfach gemacht hat. Motive aus Science Fiction, Drama und gelegentlich Komödie mischen sich elegant, Bündnisse und Machtverhältnisse sind kontinuierlich in Bewegung. Und ebenso entwickeln sich die Figuren: Die brave Hausfrau Alison startet einen florierenden Drogenhandel, Helena ist immer noch wahnsinnig, während Cosima sich eine neue Freundin sucht und Rachel Mühe hat, wieder zusammenhängende Sätze zu sprechen, nachdem Sarah ihr einen Bleistift durchs Auge bis ins Gehirn gerammt hatte.

Das Glück von Orphan Black ist, dass alle diese Handlungsstränge stets verständlich bleiben, und das liegt nicht nur am Drehbuch und der sauberen Inszenierung, sondern vor allem und wieder an Tatiana Maslanys großartigem Können. Sie gibt jeder ihrer Figuren – und es kommt noch der eine oder andere Klon dazu – eine ganz eigene Persönlichkeit, eigene Körpersprache und Redeweisen. Ari Millen bringt ähnliches mit seinen „Castor“-Brüdern zustande; aber auch die anderen Darsteller haben nicht einen Moment der Schwäche. Orphan Black ist eine Serie, die aus einem SciFi-Thema eine enorm dichte Erzählung macht; ein irrwitziger Versuch, grandios gelungen.

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Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth (2014)

Zugegeben, eigentlich war spätestens mit Die Bestimmung – Divergent und was da noch folgen mag (z.B. Die Bestimmung – Insurgent), das Thema der „Young Adult“-Dystopien eigentlich schon arg durchverhandelt. Aber was soll man machen, so viel Geld, wie sich offenbar mit Die Tribute von Panem verdienen lässt, da wird uns das Thema wohl noch eine Weile erhalten bleiben. Die Protagonistinnen dieser Filme ergänzt Maze Runner durch einen fast durchgehend männlichen Cast; nur dem Helden Thomas wird irgendwann noch eine junge Frau zur Seite gestellt, deren Rolle in der Handlung allerdings zunächst genauso undurchsichtig ist wie die von Thomas selbst.

Der nämlich wacht zu Beginn des Films in einem großen Lastenaufzug auf, der ihn in die Mitte eines seltsamen Ortes befördert: Eine grüne Lichtung, ringsum durch hohe Betonmauern umgrenzt. Er kann sich nur an seinen Namen erinnern, sonst ist ihm keine Erinnerung geblieben an ein früheres Leben, und so geht es all den Jungs und jungen Männern, die hier gelandet sind. Die hohen Mauern verbergen ein Labyrinth, dass durch ein sich nachts stets schließendes Tor betreten werden kann, darin verbergen sich seltsame, insektenhafte Wesen… Alle haben sich ganz gut eingerichtet in ihrem Dasein, aber Thomas ist nicht nur neugierig, er will auch raus – und plötzlich scheinen sich auch die Spielregeln geändert zu haben.

Wes Balls Film basiert auf dem ersten Band einer (natürlich) Trilogie von James Dashner – die Fortsetzung ist schon abgedreht, da kommt also noch mehr. Sonderlich originelle Ideen wird man hier vergebens suchen – da winkt natürlich der Herr der Fliegen aus dem Hintergrund, und es scheinen Ideen aus den Panem– und Divergent-Buchreihen drinzustecken, allerdings entstand Dashners Buch vor diesen beiden Trilogien. Allerdings ist auch die Umsetzung zwar dicht und nicht unspannend, aber ohne originelle, gar zündende Einfälle. Wenn man Maze Runner etwas zugute halten kann, dann allerdings dies: Dass sein Ende ohne große Vorbehalte düster und ein wenig zynisch ist. Mal sehen, ob es dabei bleibt.

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Diese Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

FFF 2012: Starship Troopers: Invasion (2012)

Alle meine Beiträge zum Fantasy Filmfest (FFF) 2012 finden sich unter dem Schlagwort FFF2012

Starship Troopers: Invasion

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Warum eigentlich immer Paris? Ach was, immerhin versuchen die Außerirdischen ausnahmsweise nicht als erstes, die USA zu erobern. Starship Troopers: Invasion ist vollständig am Computer animiert (wie etwa auch Resident Evil: Degeneration), und umgeht die größten Schwierigkeiten dieser Technik, indem es vor allem Figuren (der „mobile infantry“) in Ganzkörperrüstungen zeigt – so muss der Film nur in wenigen Szenen Gesichtszüge direkt aus dem Uncanny Valley zeigen muss – die dann wenig aufregender, detaillierter und menschlicher ausfallen als in den frühen Final-Fantasy-Streifen.

Starship Troopers: Invasion setzt auf reine, auch vage motivierte Action, militaristische Kamaraderie, viel Geballer und Geschrei der „Bugs“ (die zu animieren natürlich auch verhältnismäßig unaufwendig ist. Das ist ein Low-Budget-Peng-Peng-Abenteuer, bei dem in der ersten Dreiviertelstunde immer noch immer wieder nackte (CGI-3D-)Brüste zu sehen sind, wohl um die Hauptzielgruppe der männlich (Spät-)Pubertierenden an der Stange zu halten, bis das hirnlose Geballer so richtig los geht. Von Verhoevens Original Starship Troopers mit seiner bösen Medien- und Militarismuskritik ist in der endlosen Reihe an Sequels natürlich nichts mehr übrig. Alas.

http://www.youtube.com/watch?v=TSYLD37yc-8

FFF 2012: Doomsday Book (2012)

Alle meine Beiträge zum Fantasy Filmfest (FFF) 2012 finden sich unter dem Schlagwort FFF2012

Doomsday Book

Drei Geschichten vom Ende der Welt sind das: Platt, metaphysisch, grotesk. Episoden voller Schwankungen zwischen Religion und Weltlichkeit, von Gammelfleisch bis Erleuchtung, und selbst Online-Shopping kann das Ende der Welt beschleunigen.

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In „Brave New World“ bleibt ein von seiner Familie als Außenseiter behandelter Militärforscher allein in Korea zurück, während die anderen eine Reise unternehmen – er kümmert sich vor allem um die Entsorgung des häuslichen Mülls und geht dann mit einer Bekanntschaft essen, in die er sich prompt verliebt. Leider ist das Essen, das sie zu sich nehmen – unter anderem recht frische Rindsleber – zwar lecker, aber verseucht. Und so sind sie nur die ersten unter vielen, die sich in hungrige Zombies verwandeln.

In „Creation of Heaven“ fragen sich die Mönche eines buddhistischen Klosters, ob einer ihrer Roboter Erleuchtung erlangt haben könnte, ob er Buddha sei; und in „Happy Birthday“ löst der verzweifelte Online-Einkauf eines kleinen Mädchens den Untergang der Zivilisation aus.

Die koreanischen Regisseuren Jee-woon Kim und Pil-Sung Yim haben sich (zum Teil recht lustige) Gedanken dazu gemacht, wie die menschliche Gesellschaft ihren eigenen Untergang vorbereitet und betreibt. Im Falle der dritten Episode ist das eine eher leichtfüßige Angelegenheit, ein humoriges Spiel mit den Weiten des Internets und den darin lauernden, ahem, Gefahren. Die ersten beiden Geschichten hingegen sind ernster (nicht ernst) und stellen die Apokalypse immer sowohl in einen technologisch-gesellschaftlichen als auch einen religiösen Kontext.

Die Episoden sind stilistisch und ästhetisch, ihren Themen und Tonlagen entsprechend, sehr unterschiedlich. „Creation of Heaven“ ist zweifellos die ruhigste der drei, eine fast schon meditative Betrachtung über Erleuchtung in der buddhistischen Philosophie und der spezifischen Konstitution des Geistes avancierter menschenähnlicher Roboter – und über die Frage, ob wir unser Leben womöglich lieber mit Robotern als anderen Menschen teilen wollen würden. „Brave New World“ hingegen ist ein nervöses Stück Erzählung über industriell produzierte Nahrung – und zugleich eine Liebesgeschichte voll biblischer Anspielungen.

Grundsätzlicher kann die Apokalypse kaum sein: die Weltenzerstörung folgt zum Schluß. Und auch wenn das alles den Geist der Zuschauer_innen nicht völlig durchpustet: interessantes Hirnfutter ist das allemal.

(Foto: Splendid)