Secuestrados

Trailer zu dem großartigen Secuestrados, den ich schon aus Sitges kurz gepriesen hatte und von dem ich im Grunde nur viel zu überrascht war, um wirklich so ausführlich darüber zu schreiben, wie es nötig gewesen wäre. Auf Twitch wird richtigerweise darauf hingewiesen, daß der Trailer nur den Geist des Films wiedergibt, nicht aber sein Wesen: Weil nämlich wenige, sehr lange Takes seine eigentliche Struktur sind, kein Schnittgewitter wie das unten gezeigte. International wird er, wie gerne mal bei guten Filmen, nur langsam aufgenommen. Immerhin hat der Film inzwischen offenbar einen Verleih in den USA gefunden.

(via)

Sitges 2010: die restlichen Filme

Zum Abschluß der Filmübersichten (einige ausführliche Kritiken folgen in den nächsten Tagen) noch eine Handvoll Filme, die ich am Festival auch gesehen habe, die hier aber aus unerfindlichen Gründen bisher unter den Tisch gefallen waren:

After.Life

Als sei sie in die Addams Family zurückgekehrt, so blaß und zombiehaft wirkt Christina Ricci hier, was ihre Schönheit vielleicht noch intensiver erscheinen läßt. Fast leuchtet sie von innen in After.Life, wären da nicht die dunklen Augenringe. Natürlich muß sie zugleich hinfällig aussehen, schließlich ist sie – darum geht es – tot, jedenfalls behauptet ihr Bestatter (ein gruseliger Liam Neeson) das, der ihren Körper langsam für die Beerdigung vorbereitet. Nur er könne mit den Toten sprechen, sagt er, und immer wehrten sie sich gegen das Unvermeidliche. So ganz glaubt die Tote ihm nicht, aber auch die Zuschauer_innen werden bis fast zum Schluß darüber im Unklaren gelassen, was hier eigentlich vor sich geht. Für einen richtig mitreißenden Thriller gerät das gleichwohl ein wenig dünn, für eine Meditation über Leben und Tod ist Agnieszka Wojtowicz-Vosloos erster Langfilm etwas zu unterkomplex. Dennoch ein sehenswerter Film für eine Gewitterherbstnacht.

Sharktopus

Dieses Direct-to-TV-Streifchen des amerikanischen SyFy-Kanals kann sich zwar mit dem Namen Roger Cormans als Produzenten schmücken, aber auch mit dem Titel für die schlechtesten Spezialeffekte des Festivals. Mit einigem Abstand. Außerdem mit dem Preis für das grauenhafteste Drehbuch, die dümmsten Dialoge und schmerzhaft talentfrei agierende Schauspieler. (Newsflash: Wie mir aus gut informiertem Munde zugetragen wurde, wurde bei der hiesigen Mitternachtsvorstellung von Sharktopus auch noch Birdemic gezeigt, der offenbar an dessen Stelle alle hier von mir verliehenen Preise verdient hätte.)

Wenn Sie jemals gegen einen riesenhaften, gentechnisch hergestellten Hai-Oktopus-Hybriden kämpfen müssen sollten, der minutenlang auch außerhalb des Wassers existieren kann und dort auf seinen Oktopus-Armen herumläuft, wäre es klug sicherzustellen, daß Ihr Granatwerfer nicht dauernd klemmt. Andererseits füllt man so Filmzeit, und die ist nicht nur für die Werbekunden wichtig, sondern kann ja z.B. auch dazu dienen, alle paar Minuten ein paar knapp bekleidete junge Damen durchs Bild laufen zu lassen. Schließlich sind wir am Strand in Mexiko.

Andererseits ist das natürlich alles – und dafür steht ja nun der Name Corman auch – beste Trash- und Exploitationtradition. Und wenn man mit ausreichend Bier oder ähnlichen Stimmungsaufhellern versorgt ist, kann Sharktopus sicher der Star jedes Filmabends werden.

Defendor

In Sitges kam Defendor, nur in einer einzigen Vorstellung gezeigt, ein bißchen wie der kleine, nicht so lustige Stiefbruder von James Gunns Super daher, und in der Tat ist der Erstling von Autor und Regisseur Peter Stebbings (der vorher vor allem als Darsteller gearbeitet hatte) ruhiger, ernsthafter als Super, zugleich aber moralisch wie ästhetisch weniger komplex. Woody Harrelsons Hauptfigur Arthur Poppington ist eine klar positiv akzentuierte Person, und sein Wunsch nach Gerechtigkeit wie die Wahl seiner Mittel – Superheldentum mit einfachen Mitteln – wird unter anderem auch dadurch geadelt, daß Arthur als geistig eher schlichtes Wesen gezeichnet wird. Sein Handeln sei dadurch eben nicht gefiltert durch die Strukturen von Recht und Gesetz, habe mit den Grauzonen von Rechtsprechung und Undercover-Ermittlungen wenig zu tun.

The Final

Die High School, noch so ein amerikanischer Filmtopos, ist die Hölle, bzw. dort natürlich die Anderen. In der geläufigsten Tradition der Schulfilme sind es am Ende die Underdogs, die Außenseiter und Geeks, die doch die Oberhand behalten – moralisch natürlich sowieso. The Final spielt einmal eine andere Phantasie einigermaßen konsequent durch: Die brutale, auslöschende Rache der Unterdrückten an ihren Peinigern, und zwar nicht ungeplant und in einer emotionalen Ausnahmesituation wie in, zum Beispiel, Carrie, sondern als kühl kalkulierte, wohlvorbereitete Abendveranstaltung. Alle coolen Leute werden zu einer Party eingeladen, und dort werden dann die Prom Queens und Jocks mit Zangen, Messern und ätzenden Substanzen traktiert. Die Schwäche von Joey Stewarts Film ist nun auch nicht, daß die Grundidee nicht bis zum Schluß tragen würde, sondern daß es zu viele Stränge gibt, die das Drehbuch zwar andeutet, der Film aber nie umsetzt. Denn natürlich gibt es Konflikte zwischen den mörderischen Außenseitern, aber die werden nie dazu genutzt, Spannung zu erzeugen; und die gefesselten Opfer sitzen die meiste Zeit nur passiv herum und sagen gar nichts. Das Problem daran ist nicht, daß der Film nicht alle Möglichkeit ausnutzen würde, sondern vielmehr, daß er an diesen Stellen unglaubwürdig wird, die Figuren zu Erfüllungsgehilfen seiner eigenen Racheidee macht, ohne ihnen ein komplexes Eigenleben zu schenken. So wird dann auch das sukzessive Quälen der Mitschüler zu einer in der Ikonographie offensichtlich an Saw und Hostel geschulten, aber leblosen Nummernrevue ohne emotionale Kraft.

Fotos: Sitges Film Festival

Sitges 2010, Tag 9: die Filme

Die Filme vom Samstag – das Festival ging da schon spürbar seinem Ende entgegen.

Mother’s Day

Geschlechterkampf-Remake I: Darren Lynn Bousman hat aus dem (in Deutschland verbotenen) Film von Charles Kaufman aus dem Jahr 1980 nur die wesentliche Idee übernommen – die von der Matriarchin, die ihre Söhne (und neu: auch eine Tochter) zu Kriminellen erzogen hat, aber gleichzeitig auf gute Manieren und Einhaltung von Regeln besteht. Ein Ehepaar in emotionalen Schwierigkeiten wird gemeinsam mit ihren Partygästen von dieser Höllenfamilie heimgesucht, und es folgt ein grausames Spiel von Verantwortung, ethischen Dilemmata und offener Grausamkeit. Frauen sind der Frauen Wölfinnen, könnte das heißen, und der Männer sowieso. Ein ziemlich gemeiner Film mit einer beeindruckend kalten Rebecca De Mornay als titelgebende Mutter; mehr dazu bald.

Catfish

Ein durchaus umstrittener Dokumentarfilm, der in Sundance mit großem Erfolg gezeigt worden war: Ein New Yorker Fotograf beginnt eine Facebook-Freundschaft mit einem jungen Mädchen, die seine Fotos nachmalt – und schließlich eine erotisch aufgeladene Onlinebeziehung mit deren großer Schwester. Seine Filmemacherfreunde beginnen, diese Beziehung zu dokumentieren – bis sich schließlich herausstellt, daß die Figuren, mit denen er Kontakt hatte, die Erfindung einer einzelnen Frau waren. Der Film macht daraus aber weniger eine Betrachtung über Identität, Glaubwürdigkeit und Naivität im digitalen Zeitalter als vielmehr ein Portrait dieser Frau – mit durchaus problematischen Folgen in der realen Welt.

I Spit On Your Grave

Geschlechterkampf-Remake II: Das Remake des gleichnamigen Skandalfilms von Meir Zarchi – es geht nach wie vor um eine Autorin, die eine Waldhütte gemietet hat, um einen Roman zu schreiben, und von Männern aus einer benachbarten Siedlung mißhandelt und vergewaltigt wird – ist in seiner Darstellung der Rache exploitativer, brutaler als das Original. Hier gibt sich das Vergewaltigungsopfer jedoch nie den Anschein sexueller Verfügbarkeit, um an die Täter heranzukommen; kühl geplant zahlt sie jedem auf spezifische Weise die Gewalt zurück, die ihr angetan wurde. Eine genauere Betrachtung folgt demnächst auf blairwitch.de.

Isolation

Ein bißchen habe ich jetzt bei diesem letzten Film des Festivals die Nase voll von Streifen, in denen für das letzte Viertel oder Drittel offenbart wird, daß die Handlungsprämisse des vorher gesehenen gar nicht stimmten – auch wenn Isolation beträchtliche Energie darauf verwendet, schon vorher durchscheinen zu lassen, daß in der Isolationsstation, in der sich Amy Moore eines Tages wiederfindet, etwas nicht stimmen kann. Leider ist das so erkennbar die einzig interessante Information, die der Film zu verteilen hat, daß man sich so recht gar nicht dafür interessieren kann. Insgesamt: fad.

Fotos: Sitges Film Festival

Sitges 2010, Tag 8: die Filme

Das Festival ist inzwischen vorbei, ich bin wieder daheim, müde und etwas überdreht – aber die Filme der letzten Festivaltage (in denen ich mich zu tief ins Zelluloidland begeben habe, um auch noch schreiben zu können) bedürfen noch der Zusammenfassung. Was jetzt sukzessive folgt, beginnend mit: Freitag.

Let Me In

Matt Reeves‘ Version des großartigen Låt den rätte komma in (meine Kritik) ist ein erfreulicherweise ziemlich gelungener Film, der die beklemmende Handlung und Stimmung des Originals recht paßgenau ins Amerika der 1980er Jahre überführt. Reeves hat sich im Wesentlichen auf Oskar (hier: Owen) konzentriert und strickt daraus eine schön dunkle Coming-of-Age-Geschichte. Daß Tomas Alfredsons Film dennoch der bessere ist, liegt vor allem daran, daß Reeves‘ Fassung – trotz einiger sehr kluger Ergänzungen und Abwandlungen – insgesamt weniger komplex ist als das Original und zum Teil unnötig vereindeutigt, wo etwas mehr Ambivalenz nicht geschadet hätte. Mehr bald bei blairwitch.de.

Primal

Dieser eigentlich recht ansehnliche australische Streifen leidet vor allem darunter, daß er sich nicht recht entscheiden kann, ob er Trash oder doch lieber ernsthaftes Monsterkino sein soll. Irgendwo im Outback sind ein paar Studenten auf dem Weg zu Aboriginee-Steinmalereien, die seit angeblich Hunderten von Jahren niemand mehr gesehen hat. (Woher sie dann von ihrer Existenz und genauen Lage wissen, bleibt rätselhaft.) Nach einem nächtlichen Bad im benachbarten Tümpel verwandelt sich eine der jungen Damen zu ihren Ungunsten zu „your sabre-tooth girlfriend“, wie eine Figur das freundlich nennt, und bekommt großen Hunger auf Menschenfleisch. Nach den üblichen Diskussionen darüber, ob man ehemalige Geliebte nur deshalb erschlagen dürfe, weil sie einen auffressen wollen, dezimiert sich die Gruppe rasch – zur Auflösung hin gleitet der Film aber in fiese Trashästhetiken samt schlechter Spezialeffekte ab, die er vorher gezielt vermieden hatte. Die Kombination ist eher unfreiwillig komisch, und zurück bleibt das Gefühl eines in dieser oder jener Richtung unvollendeten Werkes.

La Casa Muda

Ein – wie schon angekündigt – in der Tat äußerst clever erschreckender Film, dessen Alleinstellungsmerkmal natürlich der auch in der Werbung hervorgehobene Umstand ist, daß er in einer einzigen Einstellung und mit einer kleinen HD-Fotokamera gedreht wurde. Die junge Hauptdarstellerin Florencia Colucci ist also auch dafür, wie für ihre überzeugende Darbietung, zu preisen. Sieht man vom Technischen ab, bleibt immer noch ein durchaus gekonnter Gruselfilm über ein Haus, in dem ein Vater mit seiner Tochter auf ein wenig erfreuliches Gegenüber stoßen. Filmemacher Gustavo Hernández spielt seine Schreckenskarten gekonnt dann aus, wenn man sie eben gerade nicht erwartet, und setzt alle möglichen Tricks ein, um die Zuschauer_innen auf falsche Fährten zu setzen; der nur sehr subtil vorbereitete Plottwist am Schluß ist dann sogar eine ziemliche Überraschung.

(Der Trailer legt übrigens falsche Fährten.)

The Perfect Host

Rotweintrinker, aufgepaßt! Die Dinnerparty, zu der Warwick Wilson (David Hyde Pierce aus Frasier) lädt, gerät etwas anders als ursprünglich geplant. Denn unerwartet platzt der Bankräuber John (Clayne Crawford) in die Vorbereitungen, der sich als Freund einer Freundin vorstellt – und als Warwick erkennt, um wen es sich handelt, ist es fast schon zu spät. Wäre nicht alles anders als man denkt. Denn dann legt The Perfect Host erst so richtig los und stürzt seine Protagonisten in eine ziemlich aberwitzige und potentiell mörderische Nacht.

Atrocious

Allgemeines Stöhnen während dieses Films, vor allem aber danach. Ein technisch nicht einmal ganz schlecht gemachter Blair Witch/Cloverfield-Nachäffer (also: ein Film aus angeblicher „Found Footage“), der viel Applaus bekam, weil er vor Ort in Sitges und Umgebung gedreht wurde. Das Einzige, was wirklich im Gedächtnis bleibt, ist eine ewige, bald sturzlangweilige Sequenz, in der die Hauptfigur mit seiner Kamera nachts durch ein Buschlabyrinth irrt, ab und an schreit die Schwester. Natürlich gibt’s dann auch mal was zum Erschrecken, aber das will man alles schon gar nicht mehr sehen.

The Violent Kind

Dieser seltsame Genre-Mix ist vor allem dadurch anstrengend, daß man ihm keinen seiner Teile je so richtig abnehmen will. Zuerst sehen wir eine Handvoll junger Männer, die angeblich zu einer Bikergang gehören; irgendwann machen sie sich auf aufs Land zur Matriarchin der Gang. Dort wird gefeiert, bis auf einmal eine der Frauen blutüberströmt zur Tür hereinkommt. Kurz nachdem sie ihre Partygenossen angefallen und einen gebissen hat, tauchen ein paar Figuren aus, die direkt den 1950er Jahren entsprungen sein könnten und die über seltsame Kräfte verfügen. Was zuerst wie ein Körperfresser- oder auch Vampirfilm wirken könnte, kriegt irgendwann einen wieder anderen Dreh, aber dann läßt der Film ein wesentliches Handlungselement einfach liegen (im Wortsinn) und driftet ins Gebiet des völligen Gaga ab. Leider ist das aber nicht einmal lustig, ebensowenig wie die technisch bescheidenen Versuche, im grotesken Splatter zu wildern. The Butcher Brothers haben hier eine Mischung angerichtet, die zu keinem Zeitpunkt wirken will, und deren Schlußtwist und -gag einzig dazu führt, daß man sich an die Stirn fassen möchte und sich fragt, warum, zum Geier, man sich das jetzt bitteschön angetan hat. Vor allem am späten, späten Freitagabend. [Update: Eine ausführliche Kritik gibt es jetzt bei blairwitch.de.]

Fotos: Sitges Film Festival

Sitges 2010, Tag 7: die Filme

Bevor ich mich kurz zu den Filmen vom Donnerstag äußere, hier ein kurzer Hinweis auf jetzt noch anderswo erschienene längere Kritiken zum Festival:

Wir sind die Nacht

Das eigentliche Wunder wird für viele Leute sein, daß es sich bei Wir sind die Nacht um einen Vampirfilm aus deutscher Großproduktion handelt, und daß er trotzdem nicht total saugt (pun intended, natürlich). Die Dialoge sind vor allem zu Beginn des Films noch sehr gestelzt und werden von den Protagonistinnen aufgesagt, als gehörten sie nicht ganz hierhin; das Gefühl wird man bei Nina Hoss leider den ganzen Film über nicht los. Zum Ende hin wird Wir sind die Nacht dann actionlastiger und zugleich ein Stück besser. So ganz aus einem Guß wirkt der Streifen dennoch nicht, der großes Vampirepos sein will und dann Polizeiarbeit à la Tatort bietet. Mehr demnächst auf critic.de.

Monsters

Ein zärtlicher, sensibler, über weite Strecken fast meditativer Monsterfilm. Im Grenzgebiet zwischen den USA und Mexiko verbreiten sich aus dem All eingeschleppte Organismen, die Zone ist deshalb unter Quarantäne gestellt. Ein Fotograf soll die Tochter seines Chefs aber heil in die USA machen, und wegen einiger auch emotionaler Verwicklungen verpassen sie die Fähre und müssen stattdessen den Landweg nehmen. Dort kommt es natürlich auch zu Konfrontationen mit den „Monstren“, aber Regisseur und Drehbuchautor Gareth Edwards stellt hier ganz subtil und selten mal laut große Fragen nach unserem Blick auf das Fremde, unserem Baden in wohlstandssaturierter Ignoranz und damit natürlich auch (aber wirklich nur en passant) nach der US-amerikanischen Immigrationspolitik. Außerdem ist Monsters ein doppelter Liebesfilm, und sehr, sehr traurig.

Prowl

Die bluttrinkenden, Menschenfleisch zerreißenden Monstren dieses kleinen Films sehen den Vampiren aus 30 Days of Night sehr ähnlich, aber mit dem Vampirmythos hat das hier nur noch am Rande zu tun. Eine geheimnisvolle Frau sammelt diese herumstreunenden Monstren ein, und in der Filmhandlung tauchen sie auf, als sich eine Gruppe Teenager einem Trucker anvertraut, der die Monsterchen regelmäßig mit Blutkonserven versorgt. Damit setzt dann ein leider auch ästhetisch sehr unbefriedigendes Blutvergießen ein, und die Auflösung des Films ist die einzige halbwegs originelle Idee, die dem Drehbuch eingefallen ist. Ausführlicheres demnächst bei blairwitch.de.

Red Nights (Nuits rouges du bourreau de jade)

Es beginnt mit einem Lustmord in Latex, eine in grellen Farben inszenierte Angelegenheit, und dann wird es seltsamer: Mehrere Frauen und ein Mann sind auf der Jagd nach dem „Schädel des Jade-Scharfrichters“, einer Antiquität, die ein einzigartiges Gift enthält. Ruhige Sequenzen werden von explosionsartig ausbrechender Gewalt unterbrochen, und am Schluß wurden reichlich Lust erworben und viel Gewalt verteilt.

13 Assassins

Takashi Miikes zweiter Beitrag auf diesem Festival neben Zebraman 2: Attack on Zebra City ist ganz anders, nämlich ein veritabler Samuraifilm ganz klassischer Machart – ein Remake von Eiichi Kudos The Thirteen Assassins (1963). Im ersten Drittel des Films werden Bündnisse geschmiedet und Vorbereitungen getroffen, und dann wird irgendwann gekämpft, gekämpft, gekämpft. Dieser letzte Teil wird irgendwann etwas eintönig, obgleich er durchweg gekonnt in Szene gesetzt wurde; Miike kann Schwertkämpfe so gut und konzentriert inszenieren wie die durchgeknallten Bilder seines Zebraman.

Fotos: Sitges Film Festival

Podcast #002: Sitges 2010

Wir sind zur Zeit auf dem Sitges Film Festival – Festival Internacional de Cinema Fantàstic de Catalunya – mit Benjamin Richter, Head of Programming Asia des International Comedy Film Festival, habe ich mich gestern im Café des Cinema Retiro über die sehenswerteren der vielen Filme unterhalten, die wir beide in den letzten Tagen gesehen hatten.


Das Comedy Film Festival wird im September 2011 stattfinden; derzeit läuft schon die monatliche Filmreihe (bislang nur in Berlin, das soll sich aber ändern), in der als nächstes am 3. November Symbol zu sehen sein wird.

Quellen und Links:

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Sitges 2010, Tag 6: die Filme

Die Filme vom Mittwoch:

Twelve

Eine fast moralinsaure Geschichte über rich kids von der Upper East Side, die ihre angeblich tiefgehenden Probleme nicht beim Psychoanalytiker lösen wie ihre Eltern, sondern beim Drogendealer. Startet heute in Deutschland im Kino. Meine kurze Besprechung gibt es bei critic.de.

Snabba Cash aka Easy Money

Ein Wirtschaftsstudent aus einfachen Verhältnissen, der gerne zur High Society gehören will. Ein spanischer Ausbrecher, der endlich den großen Kokaindeal organisiert. Und ein serbischer Ganove, der plötzlich seine achtjährige Tochter im Haus hat. Ein bemerkenswertes Drama, das der Versuchung wiedersteht, zu einer Kopie der gängigen Gangstergeschichten zu werden, und am Schluß alle Beteiligten auf diese oder jene Weise zerstört zurückläßt. Leider einen Hauch zu lang.

The Wild Hunt

Eigentlich sind Leute, die Live Action Role Playing betreiben, ja ebenso wie Goths und Horrorfilmfans (um nur zwei äußerlich auf die meisten Menschen mindestens genauso bizarr wirkende Minderheiten zu benennen), ja äußerst ausgeglichene und friedliche Naturen. Insofern tut ihnen The Wild Hunt vielleicht etwas unrecht, der im Wesentlichen beschreibt, wie auf einem LARP-Wochenende aus dem Spiel sehr schmerzhafter Ernst wird. Regisseur Alexandre Franchi gelingt es in seinem ersten Feature, die Spannung stets leise vor sich hin köcheln zu lassen, nie weiß man genau, wann sich hier die Emotionen und Triebe Bahn brechen werden.

La posesión de Emma Evans

Dieser spanische Film (auf Englisch gedreht und in den Suburbs von London angesiedelt) ist einer der wirksamsten, gruseligsten Exorzismus-Filme, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Dank einer brillanten Hauptdarstellerin (Sophie Vavasseur in der Titelrolle) bleibt das Schicksal der Protagonistin alles andere als egal. Und weil Manuel Carballo in seinem zweiten Langfilm nicht immer das macht, was man üblicherweise erwarten müßte, bleibt die Spannung gleichmäßig hoch, bis hin zum nochmal richtig schmerzhaften Schlußtwist.

Fotos: Sitges Film Festival

Sitges 2010, Tag 5: die Filme

Gestern war ich anderweitig etwas aktiver und produktiver als sonst, dafür habe ich es nur in drei Filme geschafft:

Zebraman 2: Attack on Zebra City

Wieviel Miikes Fortsetzung seines Zebraman von 2004 mit dem Original zu tun hat, kann ich nicht beurteilen; Zebraman 2 ist jedenfalls eine wüst den westlichen Erwartungen zuwiderlaufende Superheldengeschichte, bei der es bis kurz vor Schluß dauert, bis es richtig zur Sache geht. Dann wird es allerdings so schön bescheuert und sinnfrei, daß auch das eigentlich schon wieder Spaß macht. Mir ganz persönlich war der Film dann aber nicht entschlossen trashig genug, um wirklich unterhaltsam zu sein, dafür war dann doch zu wenig originelles Material in den 106 Minuten verstreut.

Rare Exports: A Christmas Tale

Diese finnische Weihnachtsgeschichte hingegen verliert nicht viel Zeit, um zur Sache zu kommen, auch wenn zuerst nur der kleine Pietari (Onni Tommila), der mit seinem Vater Rauno (Jorma Tommila) irgendwo im einsamen finnischen Norden lebt, wirklich versteht, was vor sich geht: Irgendjemand gräbt mit seiner Firma gerade das Grab des echten Weihnachtsmanns aus. Der hat natürlich nichts mit der freundlichen Phantasie in Coca-Cola-Farben zu tun, sondern ist eher eine dämonische Figur mit ungesund wirkenden Hornfortsätzen an der Stirn. Oder doch nicht? Jedenfalls liegt am Weihnachtsmorgen ein alter Mann in Raunos Bärenfalle. Ohne große Umwege schreitet Rare Exports dann schließlich zur Klärung der Frage, wie der Weihnachtsmann eigentlich an so vielen Plätzen gleichzeitig sein kann. Das ist straff, sehr schwarz und lange nicht so frustrierend finnisch, wie man das stereotyperweise aus dem Programmkino zu kennen meint.

Stake Land

Nicht nur dem Namen nach hat der Film, der dieses Jahr in Toronto den Midnight Madness Audience Award einheimsen konnte, gewisse Ähnlichkeiten mit Zombieland – es geht, auch das sieht man dem Titel schon an, um Vampire. Amerika ist von ihnen überrannt, nur hie und da gibt es noch kleine Siedlungen Überlebender, die sich auf unterschiedliche Art und Weise – mal friedlich, mal faschistoid – organisiert haben. Durch dieses Land, auf dem Weg nach Norden, reisen „Mister“ und der junge Martin. Jim Mickles Film ist keine Komödie, nicht einmal eine schwarze, sondern ein großartiges, finsteres Drama über menschliches Überleben im Angesicht der Apokalypse.

Fotos: Sitges Film Festival

Sitges 2010, Tag 3 und 4

Dem Vernehmen nach (und wenn man, wie ich, @karatekueken glaubt) ist La Casa Muda aka The Silent House (selbst hatte ich leider noch nicht das Vergnügen) der bisher schreckenerregendste Film des Festivals. Aber immerhin ist er offenbar nicht so brechreizerregend wie für manche der zugegebenermaßen ganz neue Körperöffnungen bietende und an Kunstblut wie Ekligkeiten nicht arme (aber dabei doch seine Künstlichkeit nie verbergende) Hell Driver von Yoshihiro Nishimura.

Während der Nachmitternachtsvorstellung dieses Films erbrach sich nämlich der junge Mann rechts von mir in eine Plastiktüte – ob aufgrund des Films, aufgrund verdorbener Nahrungsmittel oder wegen einer Erkrankung, weiß ich nicht zu sagen. Schlimm scheint es jedenfalls nicht gewesen zu sein, denn er blieb anschließend, nachdem er die Tüte ordentlich zugeknotet und weggestellt hatte, bis zum Ende des Films auf seinem Platz sitzen.

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Nishimura selbst erschien ebenfalls, um seinen Film vorzustellen, und entledigte sich dann nach einer für mich leider unverständlichen (da nur in Japanisch und Katalan servierten) Einleitung seiner Kleider und nahm ein Requisit aus dem Film zur Hand. Was folgte, kann man gar nicht richtig beschreiben, da muß man diesen Film sprechen lassen:

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Die Warteschlangen vor dem großen Kino sind nicht nur gewunden, sondern zusätzlich in mehrere Teile gestückelt, damit dazwischen Platz für den roten Teppich, für den Zugang zum Kaffeezelt und zu den Ticketschaltern bleibt. Die Bereiche zum Anstellen sind auch überdacht, was insofern hilfreich ist als es seit gestern abend nun einigermaßen durchgängig nieselt (nachdem gestern abend, wohl während der Vorstellung von Insidious, wohl ein rechter Gewittersturm über Sitges hergefallen war). Es empfiehlt sich gleichwohl dennoch, möglichst rechtzeitig am Spielort zu sein, da die Überdachung für maximal zwei Drittel der Menschen ausreicht, die auch in den gigantischen Kinosaal passen.

Akkreditierte Pressevertreter freilich, diese wetterempfindlichen Schäfchen und verwöhnten Schnorrer, haben hier eine eigene Warteschlange, die meist deutlich kürzer ist.

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Durch das trotz Regen übrigens immer noch recht warme Wetter sieht man mir jetzt immerhin nicht immer gleich auf der Straße schon an, daß ich nicht ausreichend mit Kleidung versehen bin, die dem Dresscode: Black Tee entspricht. Heute ist mein T-Shirt sogar weiß. Für das Festival in Gérardmer (im Januar, in den Vogesen) hatte ich immerhin meine schwarze Daunenjacke dabei, das war ganz und gar du jour.

Und hier kann ich – kreative oder zumindest geek-ige Aufdrucke sind ja sehr, sehr wichtig – modisch mit einem Wonder Woman-Shirt punkten.

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Den offiziellen Spot des Festivals zur Würdigung von The Shining (dessen dreißigstes Jubiläum damit hier vor fast jedem Film gewürdigt wird) ist übrigens auch online, sehenswerte Sekunden:

Videos: Sitges Film Festival