James Bond 007 – Skyfall (2012)

Skyfall

Mr. Bond vom britischen Geheimdienst ist viel im Schatten unterwegs in seinem neuen Film. Sieht man von der Eröffnungssequenz ab, einer Verfolgungsjagd quer durch Istanbul und aus der Stadt heraus – bei hell leuchtender Sonne und stets mit einem Auge für die Sehenswürdigkeiten der Metropole –, so finden fast alle Verfolgungsjagden und Actionszenen im Schatten statt – unterirdisch, im Halbdunkel von schlecht beleuchteten Gemäuern, in U-Bahn-Röhren und farbigem Licht, und so fort. Woher Bond stamme, sagt seine Chefin M (Judi Dench) dann auch recht deutlich: „From the shadows.“

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Skyfall, unter der Regie von Sam Mendes, ist ein düsterer Bond-Film geworden, aber nicht griesgrämig, obwohl hier Bond permanent unter Beschuss ist: seine Männlichkeit, Heterosexualität, Kraft, Einsatztauglichkeit werden immer wieder in Frage gestellt, und ganz gewöhnlich beschossen und verprügelt wird er natürlich sowieso. Sogar, das war schon in den Trailern zu sehen, von den eigenen Leuten, und das ist natürlich ein Vorgeschmack darauf, was den Film ausmacht: MI6 kreist hier um sich selbst, um Gefahr für die eigenen Reihen aus den eigenen Reihen. Vielleicht.

Zur Düsternis gesellen sich Melancholie und Rückbesinnung: Es geht um Alt gegen Neu, um die alten Haudegen mit dem Finger am Abzug und die neuen Terroristen mit den Fingern auf der Tastatur – und so ist es naheliegend, dass sich Bond und der neue Q (David Ben Whishaw) erst einmal nicht so gut verstehen. Der rohe Trinker (zwischendurch sieht man Bond sogar, abwechselnd Bier und harte Alkoholika konsumierend, am Strand) gegen den arroganten Nerd, der seinen Kaffee (oder womöglich Tee) aus einer Scrabble-Tasse trinkt. Immerhin die Geschlechterordnung ist bei Bond noch oder wieder so, wie sie einst gehörte.

Auf eine gewisse Weise ist das ein regressiver Bond-Film; einer, der die unmittelbare Physis und Bedrängnis seiner Hauptfigur in den Actionszenen wieder mehr in den Hintergrund schiebt und im dritten Film mit Daniel Craig als Agenten wieder an die alten Bond-Traditionen anschließen möchte. Er macht das leichtfüßig, mit Verweisen und Reminiszenzen an die großen Bond-Filme: Hier ein Auto, da ein Knopf für den Schleudersitz und einem fast schon ans A-Team erinnernden Showdown. „Old dog, new tricks“, wie es ein Bond-Girl diesmal formuliert; ihren Namen erfahren wir erst in der letzten Szene, und auch sie verweist zurück auf die Klassiker, jedoch mit einem neuen Beiklang.

Zugleich schließt der Film genau mit dieser Szene den Erzählungsbogen ab, der mit dem ersten Craig-Bond begann: eine Neuerzählung der Ursprünge, aus denen die Figur Bond stammt. Was im Schatten lag, wird hervorgeholt, und am Ende weiß man sogar, wie die Eltern des geheimsten aller Agenten hießen. Und der neue Bond ist immer noch ein gutes Stück der alte: „I like you better / without your Beretta“ reimt er eine neugefundene gefährliche Liebschaft an. Unter der Dusche, versteht sich.

Zwischendrin spiegelt und bricht sich das verschwindende Licht in Glasscheiben, Spiegeln, Oberflächen und Täuschungen – über Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, Licht und Schatten in Skyfall lassen sich ganze Magisterarbeiten verfassen – aber am echtesten glitzern die Tränen in James Bonds Augen, als das große Drama um Brüder, Mütter, Eltern, Heimat und Vaterland sein Ende findet.

Beziehungsweise seinen Neuanfang. Jeder braucht ein Hobby, sagt Bond, seins sei: „Resurrection“ – Auferstehung. Willkommen zurück, Mr. Bond.

(Foto: Sony Pictures)