Operation: Endgame (2010)

Operation: Endgame (mir zum ersten Mal bei Peter ins Bewußtsein gerufen) ist eigentlich ein Film, der Menschen wie mich mit einer gewissen Neigung zum schwarzen Humor und zum Actionkino zugleich, geradezu bettelnd auffordert, ihn lieb lieb lieb zu haben, und eine ganze Weile geht das auch wirklich gut mit uns beiden.

Ort der Handlung ist ein unterirdischer Bunker der amerikanischen Regierung, in der eine supergeheime Spionagetruppe ihre Büros hat. Gerade wird ein Neuling (Joe Anderson) eingeführt und bekommt den Codenamen ‚Fool‘ – alle Figuren heißen wie Karten des Tarots. ‚Chariot‘ (Rob Corddry) führt ihn herum und stellt ihm die Mitglieder der beiden Teams Alpha und Omega vor – unmittelbar miteinander konkurrierende Entitäten, die sich eigentlich gegenseitig kontrollieren sollen. Dann aber gibt es plötzlich Leichen, mit dem Programm „Operation: Endgame“ wird ein Countdown ausgelöst, und bevor ‚Fool‘ so richtig versteht, was passiert, sind die Angehörigen beider Teams kräftig damit beschäftigt, einander umzubringen, während die Zeit immer enger wird, bis alles Leben im Bunkerkomplex automatisch ausgelöscht wird.

Das ist gut gemacht, wie aus der sehr angespannten Büroatmosphäre, den kleinen Sticheleien und bösen Beschreibungen, alle schon getunkt in das Blut, das beim schmutzigen Geschäft der Filmnachrichtendienste ja gerne kübelweise vergossen wird, wie daraus also fast übergangsfrei ein Blutbad wird, ein dann doch ziemlich expliziter und schmerzhafter Abzählreim der Mordtaten.

Und auch daß es dazwischen immer wieder den Blick gibt auf zwei Beobachter, die durch Überwachungskameras das Ganze mit distanzierter Ironie und einer gewissen Fassungslosigkeit (aber ohne jedes Entsetzen) wahrnehmen und aus dem Hintergrund kommentieren. Als sie sich einmal über die Aufnahmeprüfung für die Alpha- und Omegagruppen unterhalten, da hat es im Bunker schon Tote en gros gegeben, kommen sie auf den letzten Test zu sprechen: Jede_r mußte einen kleinen Welpen ermorden. „All those people killed puppies?“ empört sich da das Gegenüber.

So schwarz ist der Film, und in seinem Blick auf die Geheimdienstwelt sehr ironisch gegenüber den Standardfiguren des Kinos, mit den absurden Decknamen und Lebensläufen, die hier ins Pathologische gewendet werden und, statt in der Welt draußen verortet zu sein, in einen engen Bürobunker gepfercht werden, samt Kopierzimmer und Konferenzraum.

Wie gesagt, eine Weile geht das gut. Aber dann bleibt Operation: Endgame im einmal eingeschlagenen Tritt, auf das sukzessive Morden und Verfolgen folgt nichts wesentlich Neues mehr, und letztlich fällt dem Film dann nichts mehr ein, was er mit seinem tollen B-Cast noch so anfangen könnte. Ellen Barkin zum Beispiel ist großartig böse, und mit Ving Rhames und Maggie Q ist sie nicht die einzige, die sich lustvoll im Zynismus der Handlung wälzt (die auch noch eine gewisse politische Pointe hat). Emilie de Ravin bietet uns eine sehr verschlagene Triebtäterin; Odette Yustman füllt die Rolle als eye candy aus und bemüht sich redlich, ein bißchen mehr daraus zu machen, während Zach Galifianakis hier die vermutlich seltsamste Rolle seit langer Zeit spielt.

Alle diese Figuren gehen früher oder später im Laufe des Films dahin, aber an ihnen (oder ihren Darsteller_innen) liegt es eben nicht, daß Operation: Endgame am Ende scheitert. Vielleicht fehlte den Macher_innen die Bereitschaft oder das Interesse, jenseits der überzogenen Gewalt und des schwarzen Humors in jenen Bereich der Groteske einzutreten, der den Film herausgehoben hätte aus seinen eigenen Prämisse und vielleicht auch seinen politischen Ambitionen neues Feuer gegeben hätte. Aber dafür genügt es nicht, möglichst einfallsreich viel Blut zu versprühen.