Trash am Mittwoch: The Taint (2010)

Auf eine ganz unsubtil perverse Art hätte dieser Text auch für den Weltfrauentag gepaßt (glücklicherweise kein Mittwoch) bzw. eben nicht gepaßt, denn The Taint, ein trashiger Very-low-budget-Streifen mit mehr Blut als Verstand, geriert sich als gedankenfrei-irrer Feminismussplatter, aber das ist in etwa so, als wolle man Aliens vs. Zombies als kapitalismuskritische Fabel lesen wollen: Versuchen kann man’s ja mal, aber Spaß macht der Film auch so nicht.

Die Handlung, wenn man das so nennen will, beginnt, als Phil O’Ginny (Drew Bolduc) irgendwo im Wald… ich hab schon vergessen, schläft er oder knutscht er mit seiner Freundin? Und war das wirklich der Anfang? Um die Wahrheit zu sagen, The Taint ist eine derart haltlose Ansammlung von Bruchstücken, daß es schon kurz nach Ende des Films schwerfällt, sich an ihren genauen Zusammenhang oder ihre Bedeutung zu erinnern. Nur dies ist hängengeblieben: Eine geheimnisvolle Seuche, wohl übers Trinkwasser vermittelt, scheint nur Männer (aber offenbar alle außer Phil) anzugreifen, die dann sogleich mit blutbeschmierten und angeschwollen aus ihren Hosen hängenden Penissen durch die Gegend ziehen und Frauen ermorden, bzw. ihnen mit Steinen den Schädel einschlagen oder sonstige Dinge antun, die im Splatterkino den Einsatz von viel Latex und Kunstblut erfordern.

Womit wir schon bei einem Vorzug von The Taint sind: Hier ist viel noch handgemacht, die meisten Effekte sind „old school“, aber das macht ja noch keinen guten Film. Irgendwann stößt Phil dann auf Misandra (Colleen Walsh), die ihn aus seinem Stupor und aus dem Wald rausholt und ein wenig zur Klärung der Situation beiträgt. Das geschieht vor allem über langatmige Flashbacks, die mehr als zwei Drittel des Films ausmachen. Sinn ergibt sich daraus übrigens immer nur bedingt, was auch daran liegen mag, daß die Schauspieler_innen nicht nur abgrundtief schlecht sind, sondern auch nur rudimentäre Dialogzeilen zu sagen bekommen (gegrunzt und geschrien wird hingegen viel), was den Eindruck hinterläßt, daß die Filmemacher nicht nur ziemlich faule Menschen sind, sondern ihnen auch wurscht ist, ob die Handlung in irgendeiner Form verständlich wird.

Zwischendrin tut der Film so, als sei ihm das alles Ernst. Als seien die Namen (Phil O’Ginny – Philogenie und Misandra – Misandrie – gettit?) albern gesetzte, aber sonst ernstzunehmende politische Positionen, als werde hier der Misogynie der Welt mit der Erkrankung „The Taint“ nur ein besonders überspitztes Bild gegeben, als gehe es dem Projekt tatsächlich darum, die in Worten und Taten ubiquitäre Frauenfeindlichkeit anzuprangern. Und dann sieht man den dümmlichen Gesichtsausdruck von Phil, seine in der Handlung festgeschriebene Ahnungslosigkeit; und man sieht, daß Misandra schon früher gerne Eichhörnchen erschossen oder mit der Peitsche enthauptet hat (WTF?); und schließlich wird man gewahr, daß die gleiche alberne blonde Perücke, die Phil die ganze Zeit trägt, offenbar auch anderen Komparsen auf den Kopf geschnallt wurde. Und alle Ernsthaftigkeit wird zum offensichtlich schlechten Scherz.

Natürlich sind sich die Filmemacher Drew Bolduc und Dan Nelson wohl einigermaßen bewußt darüber, daß sie ein großes Stück Schrott fabriziert haben, schreiben Sie doch auf der Website zum Film:

THE TAINT is an intellectual experience. It is an violent and misogynistic film about violence, misogyny, and entertainment. It features sadistic violence, gratuitous sexual content, and scenes of spellbinding dramatic interest. It also contains more cock explosions than any other movie ever.

Davon ist mindestens die Hälfte gelogen, oder zumindest grandios übertrieben – der Rest vielleicht sogar Geschmackssache. Aber selbst große Trashfans werden sich nur mit Mühe durch die 75 Minuten Martyrium quälen wollen, die dieser Film für Zuschauer_innen wie Protagonist_innen bereithält.

Der Trailer des Films ist von Anfang bis Ende NSFW und nur dazu geeignet, einen Eindruck von den Schauwerten des Films zu vermitteln, nicht von seiner Schaurigkeit.

Trash am Mittwoch: Mega Piranha (2010)

Menschenfressende Fische in außergewöhnlich großem Format – da man muß sich als Horrorproduzent doch an die Stirn klopfen und fragen: What could possibly go wrong? Offenbar eine ganze Menge. Mega Piranha, das mit wenig Eloquenz auf der enormen Bugwelle von Alexandre Ajas Piranha 3D (meine Kritik) mitreisen möchte, ist voller Momente, in denen man geneigt ist, die Augen zu verdrehen – teils aus Frustration ob des Gesehenen, teils um das Nachfolgende nicht sehen zu können bzw. nicht mit ansehen zu müssen.

Dabei bietet die Handlung ja genug Vorwände, um positiv besetzte Schauwerte in die Welt zu setzen: Tropische Gefilde, meist befindet man sich im oder am Wasser, und da es um gigantisch anwachsende Piranhas geht (der Name des Films verspricht da nicht zu viel), könnte man nicht nur halbnackte Körper, sondern auch reichlich Feuerkraft und Splatter im Film unterbringen. So man das denn wollte. Das ist schließlich genau die Mischung, mit der Roger Corman den von ihm produzierten und inhaltlich völlig abstrusen Sharktopus (meine Kritik) gefüllt hat, der als hirnbefreite, anspruchslose Trashunterhaltung durchaus seine Stärken hat.

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Immerhin kommt Mega Piranha schnell zur Sache: In der ersten Szene wird eine bikinitragende Schönheit nebst Begleiter gefressen. In der zweiten Szene werden gleich mehrere bikinitragende Schönheiten gefressen, ebenso wie der amerikanische Botschafter und der Außenminister von Venezuela, die sich kurz vorher noch über politischen Druck der USA auf den südamerikanischen Staat unterhalten hatten – wo ist eigentlich Wikileaks, wenn man es braucht? Dann wechselt die Szenerie zum Helden Jason Fitch (Special Forces! Oder so), der gerade knapp bekleidet in seinem Heldenbett erwacht, weil er zur Pflicht, also nach Venezuela gerufen wird.

So wird immerhin, auch wenn es nach den genannten Eingangsszenen praktisch keine knapp bekleideten Frauen mehr geben wird, der vom ewig heiser raspelnden Paul Hogan gegebene Held meist in engen T-Shirts und mehrmals mit freiem, wohlgeformtem Oberkörper gezeigt, da mag zumindest ein Teil des Publikums kurzzeitig angetan sein. (So lange er den Mund nicht aufmacht.) Erst kurz vor Schluß werden mit einer Schwimmerin und einer Nachrichtensprecherin wieder Frauen gefressen, ansonsten ist das weibliche Geschlecht fast ausschließlich durch Tiffany vertreten, die als Protagonistin gecastet wurde. Das wäre womöglich ein Marketinggag, wenn sich irgendjemand allein ihretwegen den Film ansehen würde – aber da sie leider zu keinem Zeitpunkt spontan in Gesang ausbricht, scheint mir auch dies kein unique selling point des Films zu sein.

Es stapeln sich dann Unglaubwürdigkeiten auf Planloses. Technisch allein schon ist der Film eine Katastrophe auf digital verstärktem Zelluloid: Die Effekte sind in der Tat so schlecht gemacht, wie sie im Trailer wirken, und sie werden auch dann nicht besser, als das Filmmilitär versucht, die Piranhas mit Maschinengewehren und Raketen zu erledigen. Vermutlich hat man sich dafür entschieden, um größeres Bumm zu zaubern, dem Auge bieten sich gleichwohl die schlechtesten Spezialeffekte diesseits von Sharktopus dar (gut, in Birdemic [Trailer] mögen sie noch schlechter sein, aber der darf wohl als Extremfall gelten).

Schlimmer noch: Daß die Piranhas beharrlich und „exponentiell“ wachsen, ist ja das eigentliche Feature des Films, aber trotz kontinuierlicher Beschwörungen der Figuren scheinen sich die dummen Biester nicht so recht daran zu halten. Im Gegenteil, sie ändern von Einstellung zu Einstellung die Größe – man sieht sie riesig groß heranfliegen, bevor sie auf Unterarmgröße reduziert zur Landung ansetzen; dann wieder springt ein Fisch von eher bescheidener Schiffsgröße aus dem Wasser, wird aber dann auf einem ungleich größeren Mast auf eine Weise aufgespießt, die suggeriert, daß er außerhalb des Wassers noch rasch einiges an Umfang und Masse zugenommen haben muß. Erst sieht man irgendwelche Riesenfische, die auf Hausdächer springen, später dann beteuern die Protagonisten: „Bald sind sie so groß wie Pferde!“, obwohl ich dieses Stadium für längst überstanden hielt.

Daß die Piranhas mal zu schrumpfen und mal zu wachsen schienen, bestätigte meinen Eindruck, es in Mega Piranha mit einem beschädigten Raum-Zeit-Kontinuum zu tun zu haben. Besonders deutlich wurde das in den Telefonaten zwischen Fitch und seinem Vorgesetzten in Washington: Je nach Telefonat befanden sich die beiden offenbar (das Sonnenlicht verrät’s) mal in etwa der gleichen Zeitzone (so müßte es in der realen Welt sein), mal an entgegengesetzten Enden der Welt.

Eric Forsberg, der z.B. schon bei Snakes on a Train für das Skript verantwortlich zeichnete, hat sich hier außer mit der Regie vor allem mit dem Drehbuch verausgabt – offenbar war keine Zeit mehr, den ersten Rohentwurf zu überarbeiten. So hat man es hier mit offensichtlich beknackten Szenarien zu tun, mit unterentwickelten Figuren, die nichts tun, was irgendwie anders motiviert wäre als durch die Notwendigkeit, irgendwann ans Ende des Films zu gelangen.

Tiffany gibt die Biologin Sarah Monroe, aus deren Labor die mörderische Spezies entwischt, aber nie macht ihr jemand Vorwürfe (oder sie sich selbst), und Held Fitch findet es völlig normal, erstmal wieder ins Wasser zu steigen, nachdem er die Existenz der menschenfressenden Superfische entdeckt hat.

Die Idiotie der Ereignisse wird von den Fähigkeiten der Schauspieler wie der Crew gespiegelt. Als ein Kollege von Monroe dabei zusehen muß, wie Soldaten aufgefressen werden, und seinerseits daran gehindert wird, ihnen helfend hinterherzuspringen, drückt der Schauspieler seinen Rettungswillen durch – subjektiv: minutenlanges – planloses Herumzappeln aus. Tiffany vermag es, selbst einen Satz wie „I just wanna kill them all!“ ohne emotionale Beteiligung auszusprechen, und von Logans komplexer Darstellung will ich gar nicht erst anzufangen.

Der Hauptdarsteller war zugleich für die Choreographie der Kampf- und Unterwasserszenen zuständig; mein Lieblingsmoment ist der, in dem er liegend mit den Füßen Piranhas wegtritt, die nachgerade rhythmisch auf ihn zugeflogen kommen (die Szene ist im Trailer auch kurz zu sehen). Die Inszenierung versucht gelegentlich, Geschwindigkeit durch Unschärfe zu simulieren, Dringlichkeit wird über Kameraschwenksreißen und immer die gleichen drängenden Töne vermittelt, was innerhalb von ca. zwanzig Sekunden massiv auf die Nerven beginnt, nicht zuletzt aus dem Grund, daß Dringlichkeit solcher Natur von den ersten Filmszenen an bis zum Schluß hin durchbehauptet wird.

Und dann gibt es eine Sache, in der der Film auf einmal vielleicht mit gnadenloser Offenheit und Ehrlichkeit hantiert. Was der Film als eine Militärbasis ausgibt, die für die Handlung nicht ganz unwichtig ist, scheint in der Gesamtansicht real doch eher für andere Zwecke erbautes Areal zu sein. Ich mag mich täuschen, aber mir sah das sehr nach einer Kläranlage aus.

Kurz verlinkt, 25. November 2010

Lesens- und Sehenswertes aus den vergangenen Tagen (19. November 2010 bis 25. November 2010):

Rubber (2010)

Das eigentlich bemerkenswerte an Quentin Dupieuxs Film Rubber, der seit Cannes in Europa und anderswo auf den Festivals herumgereicht wurde, ist nicht die zugegeben reichlich abgefahrene Handlungsprämisse vom mörderischen Pneu, der zwischendurch aus einem Swimmingpool gezogen werden muß – das ist zwar in sich schon originell und einigermaßen amüsant, nutzt sich aber im Laufe der nicht ganz neunzig Minuten schon ein wenig ab (und Dupieux war klug genug, den Film so knapp wie kurz zu lassen).

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Nein, das Bemerkenswerte ist, wie die – man kann nur sagen: – Illusion dieser Handlung hergestellt und aufrechterhalten wird, während zugleich die Mechanismen der Illusionserzeugung mit aller Macht ins Rampenlicht gezogen werden. Rubber ist, wenn man so will, verfremdetes Theater à la Brecht par excellence – eine Hauptfigur, mit der eine Identifikation praktisch unmöglich ist, kontinuierliche Unterbrechungen des Handlungsflusses durch Verweis auf die Fiktionalität des Geschehens usf.

Und trotzdem bastelt unser Bedürfnis nach stories aus den wirklich nur losest verbundenen Szenen so etwas Ähnliches wie ein konsistentes Gerüst, auch wenn vermutlich niemand nach Verlassen des Kinos wirklich sagen könnte, wie jetzt genau die Handlung abgelaufen sei, was man da eigentlich gerade gesehen habe. Aber Dupieux und sein Team verbinden hier clever alle Mittel, mit denen filmische Konsistenz vorgegaukelt wird. Die Musik suggeriert Emotionen (was vor allem beim Gummihauptdarsteller sehr notwendig ist) und Zusammenhänge, klassische Genresituationen werden ohne Erläuterungen eingeführt (der Stand-Off am Schluß etwa), bedürfen dieser aber offenbar auch nicht, und einfache Ausrufe einzelner Figuren („er ist wiedergeboren!“) werden, obgleich ohne Kontext und Begründbarkeit gemacht, einfach als diegetische Wahrheit weitergeschrieben.

Man läßt sich nämlich im Film (aber auch im Leben – aber das ist eine andere Geschichte) viele Dinge leicht unterjubeln, für die es keine wirkliche Begründung gibt, keine Fundierung in Charakteren oder Handlung. Drehbuchschreiber_innen wie Regisseur_innen wissen solches natürlich, und machen es sich häufig genug zunutze; aber selten wird es so vorgeführt und dann noch gleich ausdiskutiert wie in diesem Film. Gewidmet, erfahren wir in einer anfangs von einem Polizisten gehaltenen Ansprache, dem Konzept des „No reason“, dem grundlosen Auftauchen und Geschehen von Dingen im Film wie im Leben. Woraufhin er sein Glas Wasser ausschüttet und wieder in den Kofferraum seines Dienstwagens steigt. Warum? No reason.

Und dann bricht eben ein mörderischer Autoreifen über uns herein. Ich mochte den Film. Warum? No reason, really.

Fotos: Sitges Film Festival

Piranha 3D (2010)

Ich habe gewisse Zweifel daran, ob Piranha 3D wirklich jener Streifen ist, der in der Filmgeschichte den bisher höchsten Kunstblutverbrauch beanspruchen kann – schließlich habe ich Mutant Girls Squad gesehen und einige verschwisterte Filme, deren minutenlange, ausufernde Blutfontänen nur mit Mühe zu toppen sein dürften.

Aber sei’s drum: Piranha ist unter diesen Filmen natürlich derjenige mit dem größeren Budget und den größeren Schauwerten. Damit ist nicht mal das 3D-Gimmick gemeint, auch wenn das hier einmal (fast möchte ich sagen: ausnahmsweise) gut funktioniert und nicht übermäßig für billige Effekte über die Netzhaut der Zuschauer_innen geschleift wird.

Die Schauwerte sind stattdessen natürlich jene, mit denen das Publikum von Plakaten und Anzeigen herab ins Kino gelockt wird: „Sea, Sex, and Blood“. Und auch wenn der Geschlechtsakt in Piranha nicht on screen vollzogen wird, so wirkt der Film doch ein wenig wie ein Testlauf, um mal auszuprobieren, wie gut sich wohl das Pornographische fürs dreidimensionale Kino eignet. Dazu werden alle Schlüsselreize aufgerufen und dann auch in Interviews schön verbreitet (nicht selten unter willfährigem Fragen der Journalisten): full frontal underwater nudity, und auch auf den abgebissenen Penis werden die Fanboys sicher voll Begeisterung warten.

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Das Team um Alexandre Aja weiß also, wie man die Massen anlockt, im Grunde funktioniert das ja wie bei den Piranhas selbst auch: Der erste Biß läßt Blut fleßen, und dann kommen die Massen angeschossen, zur heißen Schlacht am kalten Buffet.

Das soll nicht heißen, daß Piranha ein mißratener Film sei, keineswegs. Für den Maßstab seiner eigenen Nische – massentaugliches, glattgebürstetes Exploitationkino – ist der Film nahezu perfekt gelungen, und er schämt sich keine Sekunde dafür, das zu sein, was er ist. Es gibt nur halt außer den Fischen selbst in diesem Film nichts, daß Biß oder gar Widerhaken hätte, keine Kanten, an denen der Geist wirklich Anstoß nehmen könnte.

Das Szenario für den Film, der eigentlich ein Remake von Piranha (1978) von Joe Dante ist, ist in weiten Teilen direkt Jaws/Der weiße Hai entliehen, von dem sich seinerzeit Roger Corman et al. zu Piranha inspirieren ließen. Statt des Wochenendes zum amerikanischen Unabhängigkeitstag beginnt hier halt „Spring Break“, was natürlich auch erheblich mehr Gelegenheit zu nackter Haut gibt – das Zögern der Stadtoberen ob der finanziell wichtigen Tage für den Tourismus bleibt verwandt, wenn auch in Ajas Fassung fast bedeutungslos gegenüber der Weigerung der von Hormonen und Bier benebelten jungen Menschen, das Wasser zu verlassen.

Daß Richard Dreyfus am Anfang des Films in seinem Outfit aus Jaws in einem kleinen Boot sitzt und fischt, ist eine nette Reminiszenz – und auch „we need a bigger boat“ kommt später einmal vor. Ansonsten versteckt der Film ein paar Anspielungen auf die Alien-Filme, vertraut auf den klassischen Gruseleffekt von Unterwasseraufnahmen, läßt Ving Rhames mit einem Außenbordmotor auf Fischjagd gehen und denkt sich einige extrem eklige Splattereffekte aus.

Die zentrale Sequenz des Films, in der Hunderte von Menschen von den Piranhas angegriffen werden, ist übrigens nicht nur für ihre inventiven Widerlichkeiten bemerkenswert, sondern auch für den auffallend ernsthaften Tonfall, auf die Betonung des Schreckens gegenüber dem Grotesken. In einem Film, der sich vorher stets und durchgehend als augenzwinkerndes Spektakel präsentiert hatte, ist das in der Tat (und Christopher Campbell hatte darauf schon früh hingewiesen) ein irritierendes Moment (und vielleicht der einzige Bestandteil des Films, der ihn doch noch bemerkenswert machen könnte), das die Zuschauer gewissermaßen im freien Lachanfall mit einem Eimer Schweineblut begießt.

Und dann ist alles schneller vorbei, als man dachte; das clever abgekürzte Ende bewahrt den Film vor peinlichen Lösungsversuchen (einer wird halbherzig eingeführt; er scheint, wie viele Ideen des Drehbuchs, aus dem Piranha-Nachäffer Killer Fish (1979) mit Lee Majors zu stammen) und läßt die Schleusen für ein Sequel weit, weit offen.

(Entertainment Weekly hat übrigens einen dreiteiligen Artikel von Clark Collis veröffentlicht, der die Entstehungsgeschichte aller Piranha-Filme schön und sehr unterhaltsam ausbreitet. Am schönsten finde ich dabei die Details über das ursprüngliche Piranha-Drehbuch, in dem immer neue Gründe erfunden wurden, warum die Protagonist_innen wieder ins Wasser mußten: erst wurden sie von einem Bär gejagt, dann von einem Waldbrand getrieben…)

Fotos: Kinowelt

Doghouse (2009)

Weitere Beiträge zu Filmen, die auf dem Fantasy Filmfest 2009 zu sehen waren, unter dem Tag FFF2009

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Daß Doghouse und Lesbian Vampire Killers nicht nur in ihrer Story gewisse Ähnlichkeiten haben, muß nicht weiter verwundern; beide dürften sich an ein ähnliches Publikum richten, man darf sie getrost lad movies nennen. Es sind Filme, die mann sich bevorzugt mit seinen bevorzugt heterosexuellen Kumpels ansehen wird, um sich Szenen des Geschlechterkampfs anzusehen, ins Horrorgenre transferiert und angeblich ironisch unterfüttert. Die Frauen kommen dabei nicht unbedingt besonders gut weg.

Die Sache mit der Ironie funktioniert in Doghouse leider nicht besonders gut, das glückte bei den Lesbian Vampire Killers besser, deren Frauenbild so offenbar übertrieben war, daß es, nicht zuletzt durch die patente zentrale weibliche Figur, nie als besonders ernst gemeint ‚rüberkam. (Feministisch ist das aber noch lange nicht.)

Was sich in Doghouse als solche Lust am Spiel mit den Bedeutungen ausgibt, ist aber nur altes Männergeplapper, das zu modernisieren allein mit leichtem Augenzwickern (alles nur Spaß, wink, wink, nudge, nudge) schon erledigt sein soll, und das geht natürlich, wie stets, grandios in die Binsen.

Dabei mag ich mich keineswegs über die Grundprämisse der Geschichte aufregen, da wäre ja durchaus Potential. Eine Handvoll mehr oder minder junger Männer macht sich in ein verschlafenes Dorf auf, einer von ihnen ist frisch geschieden und seine Kumpel wollen mit ihm so richtig saufen und männlich sein, um ihn aus seiner Trübsal zu erretten. Das Dorf aber entpuppt sich, da verrate ich nicht zuviel, als Stätte eines militärischen Experiments mit biologischen Kampfmitteln: Ein Virus, das nur Frauen befällt, hat diese sämtlich in menschenfressende, äußerlich an Zombies gemahnende Furien verwandelt; die Männer sind alle verspeist.

Das läßt schonmal reichlich Raum für reichlich Splatter, aber da ist der Film so halbherzig wie sonst auch; in der ersten Filmhälfte kommen die Fanboys auf ihre Kosten, danach geht es eher einfallslos zu – in Sachen Splatter wie in Sachen Handlung. Die Hauptpersonen sind nicht besonders einfallsreich konstruierte Typen, ein Schwuler ist für die Quote auch dabei, und natürlich gibt es ein paar Anspielungen auf Day of the Dead etwa, aber all das führt nirgends hin und will es wohl auch nicht.

Das könnte man dann schon wieder als entspannte lad-Haltung pro Fun-Splatter durchgehen lassen, wenn zugleich die Geschlechterkampf-Thematik nicht derart mit dem Holzhammer eingeführt und fortgeschrieben würde. Natürlich haben alle Streit mit ihren Partnerinnen bzw. dem (als effiminiert gezeigten) Partner, natürlich stellen sie sich die Selbstdiagnose einer „social gender anxiety“, und natürlich flucht gegen Ende einer der Überlebenden über die „pissed-off, man-hating, feminist cannibals“, mit denen sie es zu tun haben. („Now“, wird dann auch noch betont, „is not the time to stop objectifying women.“)

Wenn man es dennoch wirklich komisch findet, wie sich drei der Männer in einer Referenz sowohl an Some Like It Hot als auch an Shaun of the Dead als Frauen verkleiden und so eine Weile lang unbehelligt an den durch das Virus offenbar auf Minimalinstinkte reduzierten, männermordenden Frauen vorbeikommen, dann wird einem Doghouse vielleicht wirklich gefallen. Immerhin muß man dem Film zugute halten, daß er keine glatt polierte Filmästhetik vor sich her trägt und vor allem darauf verzichtet, die Frauen, wie Lesbian Vampire Killers das problematischerweise durchaus macht (oder auch Zombie Strippers [meine Kritik], um ein allerdings ganz anders gelagertes Beispiel zu nennen), ausschließlich als Geschlechtsobjekte in Szene zu setzen.

Foto: Fantasy Filmfest

District 9 (2009)

Zu District 9 ist im Grunde schon von sehr vielen auch vermutlich alles gesagt. Peter hat just noch einmal auf die vielen Einflüsse hingewiesen, die Regisseur Neill Blomkamp verarbeitet hat, von Carpenter bis Cronenberg; ein Science-Fiction-Film ist das geworden, der den Horrorfilm inkorporiert, von Bodyhorror bis hin zum Splatter. Gerade letztgenanntes Element war in meiner Wahrnehmung auch überraschend stark vertreten (Produzent Peter Jackson dürfte da klammheimlich Freude gehabt haben), und natürlich war auch dies mit ein Grund dafür, warum so viele Rezensent_innen bekunden, zum Ende hin von dem Film etwas enttäuscht worden zu sein, weil der Film seine dokumentarische Perspektive zugunsten einer eher gewöhnlichen Actionhandlung aufgab.

Wie ebenfalls Peter in seiner Kritik anmerkt, bleibt District 9 aber auch in den Actionszenen geradezu dokumentarisch im Stil; bei den ersten Wechseln aus dem Dokumentarfilm-im-Film (der ja nie ein ganzer Film ist, sondern nur im Sinne des Gesamtfilms herausgerissene Szenen) bedarf es immer eines Moments der Orientierung, bis klar ist: dies ist Spielfilm bzw. in der Filmlogik: ungefilmte Realität – oder eben: dokumentarisches Material.

Mir hat das gut gefallen, weil es auch filmisch den Status des Dokumentarischen problematisiert, der im Laufe von District 9 auch noch dadurch in Frage gestellt wird, daß sich dokumentarisch und realistisch inszenierte Szenen (for lack of a better Gegensatzpaar) inhaltlich zum Teil widersprechen, der Wahrheitsanspruch von „Dokumentation“ also implizit noch in Frage gestellt wird.

Das ist sicherlich keine originelle, wegweisende Medienkritik (jeder bessere Dokumentarfilm schließt ja heute schon die Infragestellung seiner eigenen Realitätsbeschreibung mit ein), für einen massentauglichen Genrefilm mit viel spritzendem Blut aber sicher auch nicht ganz egal.

Entscheidender sind da schon die Fragen, die damit über Motivation und Ziel der „Dokumentation-im-Film“ gestellt werden, die District 9 über die sowieso vorhandene, sehr sichtbare (und möglicherweise eher problematische und in der Darstellung der nigerianischen Gangster und Prostituierten vielleicht wieder sehr rassistische) Allegorie auf Apartheid und Rassentrennung hinausheben.

Chainsaw Maid (2007)

Dieser hübsche Animationskurzfilm von Takena Nagao (Homepage), Chainsaw Maid (YouTube-Direktlink), verrät im Namen eigentlich fast schon etwas zu viel. Andererseits kombiniert er mit den Mitteln des Niedlichen (Wallace & Gromit lassen grüßen) die schönsten Standardsituationen des Zombiefilms und splattert dann, der Titel sagt’s ja, ganz gewaltig los. Minimalistischer kann Zombiekino nicht sein.

Mehr vom Regisseur in seinem YouTube-Channel. (via)

FFF 2009: Final Destination 4 (2009)

Alle Beiträge zum Fantasy Filmfest 2009 unter dem Tag FFF2009

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Zur Final Destination-Reihe wollte ich mich in den nächsten Tagen, wenn’s meine Zeit erlaubt, noch einmal anders äußern; zum vierten Teil speziell ist letztlich nicht so viel zu sagen. Die Idee, das ist nicht ungewöhnlich, hat sich inzwischen ein wenig abgenutzt; immerhin wurde diesmal darauf verzichtet, allzu komplexe Todesszenarien zu spinnen, allerdings geht das ein wenig auf Kosten der Spannung – Teil 3 hatte durch übertriebenes und gerne mal fehlleitendes Foreshadowing auch Spannung erzeugt. Gleichwohl gerät auch der neue Film zum Lehrvideo zur Vermeidung von Unfällen am Arbeitsplatz und im Haushalt.

Dem Einsatz der 3D-Technik verdanken wir in diesem Film den häufigen Tod durch (Richtung Kamera) herumfliegende Gegenstände, es fliegen Körperteile, Organe und Blutspritzer. Insgesamt ist das zumindest effektvoll und wirkt beileibe nicht so künstlich wie bei My Bloody Valentine (2009; meine Kritik), bei dem mich das 3D-Getrickse eher genervt hatte.

Tatsächlich interessiert sich der Film kaum für seine Figuren und für die Art und Weise, wie sie sich mit ihrem drohenden Tod auseinandersetzen, und auch nicht einmal im Ansatz für die metaphysischen Fragestellungen, die dahinter verborgen liegen; die Final Destination-Reihe arbeitet sich jetzt fast nur noch an der Mechanik des Todes ab, die hier eine Mechanik des Verschleißes, der mangelhaften Technik ist. (Ganz im Gegensatz zu den Saw-Filmen, bei denen es die unerbittlich funktionierende Technik ist, die Schrecken und Tod verbreitet.)

Zum Ende hin leistet sich der Film dann eine geradezu ironische Auseinandersetzung mit seinen eigenen Vermarktungs- und Rezeptionsbedingungen. Zwei der Protagonistinnen sitzen im Kino, es läuft ein Film in 3D, und die beiden tragen Brillen von weitaus geringerer Klobigkeit als der Ziegelstein, der mir schon nach einer Stunde Schmerzen auf der Nasenwurzel bereitete. Das Publikum im Saal ist vom Geschehen auf der Leinwand nicht nur gebannt, sondern wird vor Schreck vor den heranfliegenden Illusionen dramatisch in die Sitze zurückgeworfen. Das wirkt doch arg aufgesetzt und wie aus einem Werbespot für die 3D-Technik, wenn man zeitgleich die insgesamt etwas verhalteneren Reaktionen eines realen Publikums (dem man selbst mit angehört) verfolgen kann.

Der Held derweil versucht die beiden jungen Damen zu finden, weil das Kino alsbald Ort des nächsten Unglücks zu werden droht – Final Destination 4 nutzt das übrigens nur minimal dazu aus, die/den Zuschauer_in an seine eigene Position als Kinogänger_in zu erinnern -, aber er kann sie lange nicht finden, weil der Film nicht nur in einem Kino gezeigt wird, sondern in fünf oder sechs Sälen des Multiplexes gleichzeitig.

Das scheint mehr Gag und retardierendes Mittel als irgendetwas anderes zu sein, aber viel direkter kann man eigentlich kaum thematisieren, mit wieviel Marktmacht die 3D-Technik in immer neuen Spektakeln derzeit in die Kinos gedrückt wird, ohne daß dabei wirklich immer besonders Aufregendes zu sehen wäre.

— Sehr hörenswert und inspirativ ist übrigens der F.LM-Podcast zu Final Destination 4.

Foto: Fantasy Filmfest

(Ergänzt am 7. September 2009)

Treevenge (Die Rache der Weihnachtsbäume)

Auch nicht so sensible Naturen seien gewarnt: Hier wird in nur wenigen Minuten literweise Kunstblut vergossen, werden Baumstämme zersägt, zerhackt und zerschlagen sowie menschliche Körperteile arg zerlegt. Nicht schön. Aber keineswegs unlustig, wenn nicht sogar sehr, sehr albern.

Oh, und das Weihnachtsfest wird nie mehr so sein wie zuvor.

(Mehr Infos; gefunden hier)