Interview mit Ellen Page zu ‚Super‘

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Collider.com hat kürzlich ein Interview mit Ellen Page zu Super (und auch zu ihren weiteren Plänen) geführt.

Super startet am Freitag in den USA, einen deutschen (oder irgendeinen europäischen) Starttermin gibt es derzeit aber leider immer noch nicht.

Neues ‚Super‘-Poster mit Ellen Page

Es gibt ein neues Poster zu James Gunns großartigem Super, diesmal mit Ellen Page hinter der Maskierung.


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Das Bild gibt es auch mit Hauptdarsteller Rainn Wilson und in Rot.

(Quelle, via)

Super

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Endlich, endlich, endlich gibt es einen richtigen Trailer zu James Gunns großartiger, schwarzer, ganz eigenartiger Superheld_innen-Tragikomödie (wenn diese Einstufung zu irgendwas nütze sein sollte) Super mit der großartigen Ellen Page und dem großartigen Rainn Wilson und … überhaupt. Ich habe den Film schon vergangenes Jahr in Sitges sehen können, meiner Begeisterung habe ich hier Ausdruck verliehen. Und hier ist der Trailer:

(via)

Super (2010)

Dieser Text ist ursprünglich in der Splatting Image Nr. 84 erschienen.

„Shut up, crime!“

Frank D’Arbo ist ein äußerst durchschnittlicher Mann, weder mit einem spektakulären Körper noch mit besonderen Geistesgaben gesegnet. Das Haar wirkt schon etwas schütter, der ganze Kerl ein wenig teigig – aber er ist, wie seinen Kollegen und Bekannten immer wieder auffällt, trotz oder wegen seines schlichten Gemüts ein grundguter Mensch.

Rainn Wilson ist nicht gerade der erste Schauspieler, an den man denkt, wenn die Rolle eines Superhelden zu besetzen ist, aber Super, in dem aus dem unauffälligen Frank der kostümierte „Crimson Bolt“ wird, will natürlich auch kein gewöhnlicher Superheldenfilm sein. Er fällt in vermutlich zeitgeistiger Synchronizität fast gleichzeitig mit Filmen wie Watchmen, Kick-Ass und Defendor auf die Leinwände der Welt. Offenbar ist es nun, da das Kino von Batman über Hulk bis Spiderman die klassischen Heroen der Popkultur in unzähligen Comicverfilmungen, Remakes, Reimaginings und Reboots verwurstet und implizit mehr und mehr dekonstruiert hat, sich der Anziehungskraft dieser Figuren einmal aus der Perspektive des Rezipienten zu stellen. Was wird aus Max Mustermann, wenn er sich ins Kostüm wirft? (Hier sind zwei Clips aus dem Film, die erste Antworten geben.)

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Die genannten Filme haben natürlich ganz unterschiedliche Antworten auf diese Frage. (Und die eigentlich radikalste, auf jeden Fall menschenfeindlichste Antwort fehlt in dieser Reihung, weil Bekmambetovs Wanted [meine Kritik] sich auf die in Millars Comicvorlage angelegte Superhelden-/Superbösewichte-Geschichte nicht einlassen wollte: Da wird der Held nämlich zum so gesetzlosen wie moralfreien Supermörder.) James Gunns Super ist von den drei Filmen Defendor wohl darin am nächsten, daß er bewußt auf eine Überhöhung seiner Protagonisten verzichtet und sich ebenfalls eher für die Entwicklung seiner Figuren interessiert als für den Karneval der Kostüme.

Franks „Crimson Bolt“ ist aber dennoch – anders als der von Woody Harrelson verkörperte „Defendor“ – ein Kind des Comics. Frank beschließt, zum Superhelden zu werden, um seine geliebte Sarah (Liv Tyler) zu retten, die sich von dem Drogendealer Jacques (Kevin Bacon) abhängig gemacht hat. Seine Recherche nach Superhelden, die auch ohne Superkräfte und teure technische Gadgets ihrer Arbeit nachgehen, führt ihn in den nächstbesten Comicladen. Dort lernt er Libby (Ellen Page) kennen, die bald hinter sein Geheimnis kommt und sich ihm als Sidekick „Bolty“ andient, um nicht zu sagen: aufdrängt.

Page spielt in Super brachial gegen das in ihren letzten Filmen oft dominante Image der schlauen, gern auch altklugen Göre an, indem sie es zuerst zu bestätigen scheint, und dann alles aus Libby herauskitzelt, was in ihr an psychotischem Verhalten angelegt sein könnte. Sie verkörpert damit aber bis an die Grenze des Erträglichen genau jenes Dilemma, vor das Frank bald auch gestellt sein wird: Daß nämlich der Superheld, die Superheldin sich zwar (vielleicht) für den Erhalt der ethischen und gesetzlichen Ordnung einsetzen mag, daß er sich aber zugleich immer über sie stellt – diese Flucht aus den Beschränkungen des „normalen“ Lebens ist Libbys eigentlicher Antrieb.

Damit stellt Gunn in seinem Film die beiden extremen Auslegungen des Superheldendaseins – der eine mit dem quasi-religiösen Auftrag, das Böse zu bekämpfen, die andere mit der selbstverschafften Erlaubnis, die mit geradezu kindlicher Begeisterung Auslauf begehrende Sex- und Gewaltsau rauszulassen – in seinen Figuren einander zur Seite (und zugleich ist er zu klug, um die Eigenschaften so scharf voneinander abzugrenzen, wie es zunächst scheinen mag).

Super zielt damit – den Anspruch auf allgemeine Gültigkeit trägt der Film ja schon im Titel vor sich her – auf eine Dekonstruktion des traditionellen Superhelden an, allerdings eben nicht von innen, wie es die besseren unter den jüngeren Superheldenfilmen tun, sondern indem er, gewissermaßen von außen beginnend, die moralischen Grundlagen des Superhelden aus ihren Motivationen heraus befragt, überhaupt erst das Kostüm anzulegen.

Moralinsauer geht es dabei aber nie zu. Denn so wie es Gunn in seiner Webserie PG Porn bereits erprobt hat, so erweist er sich auch hier als begnadeter Virtuose von Ton und Geschwindigkeit. Mal läßt er seine Protagonisten minutenlang hinter einem Müllcontainer verharren, während sie darauf warten, daß irgendwo ein Verbrechen geschieht. Dann wieder verwendet Gunn Elemente des Comics – nicht nur Verweise darauf –, um die Handlung ins Cartoonhafte zu überzeichnen und fügt mit „The Holy Avenger“ eine völlig wahnwitzige Figur ein, die die Handlung überhaupt erst in Fahrt bringt. Vor allem aber nimmt er in Momenten, in denen man es nicht erwartet hätte, plötzlich das Tempo weg (oder legt richtig zu) und wechselt die Tonart völlig abrupt von Moll auf Dur oder zurück.

Daß er damit den Zuschauer unter Umständen aus einer gefälligen Betrachtungssituation reißt, dürfte Gunn als eine mögliche Folge im Blick gehabt haben. In seiner Erzählung sind schließlich Gut und Böse auch nicht so einfach verteilt, daß man ganz ohne eigenes Nachdenken davonkäme.

Wenn die Geschichte am Ende wieder auf Sarah und ihre Beziehung zu Frank zurückkehrt – eine ganze Weile lang ist ihre Rettung nur vager Hintergrund für die Aktivitäten von „Crimson Bolt“ und „Bolty“ – dann rettet sie sich auch zuletzt nicht in ein schlichtes Happy-End. Stattdessen findet sich für Frank ein realistischer, vorstellbarer Ort. Wie „Defendor“ alias Arthur Poppington wurde auch er von einem Freund emphatisch als „good person“ beschrieben – die Guten aber sind eben immer ein bißchen zu gut für diese Welt.

Zwei Clips aus James Gunns ‚Super‘

So, jetzt habe ich mir gerade ausführliche schriftliche Gedanken zu James Gunns hervorragendem Superheldenfilm Super gemacht (der Text wird in einigen Wochen wohl auch hier zu lesen sein), und um mich dafür zu belohnen, muß ich jetzt die meines Wissens einzigen beiden Clips aus dem Film posten, die online verfügbar sind.

Und, nein, der Film hat bislang nirgendwo ein offizielles Startdatum.

Sitges 2010, Tag 4: die Filme

Der gestrige Tag stand stark im Zeichen von Umzügen und Menschen, die seltsame Veränderungen durchmachen. Und weil ich bei weitem nicht so viel zum Schreiben komme, wie ich möchte und müßte, gibt es erst eine weitere längere Besprechung zu vermelden: Meine Kritik von Agnosia ist bei blairwitch.de erschienen. Zu den Filmen von gestern hier in Kürze, zu allen mehr demnächst.

The new daughter

Ist es eigentlich so schwer zu verstehen, daß man aber auch wirklich niemals irgendwo hinziehen soll, wo vor langer Zeit schon indianische Ureinwohner Kultstätten und Friedhöfe unterhielten? Aber das Horrorkino scherte sich noch nie darum, seine eigenen Lehren auch einzuhalten, da ginge ihm womöglich der Stoff aus. Dieses Kevin-Costner-Vehikel ist glücklicherweise eigentlich keines, sondern gibt dem Star Platz für eine durchaus zurückgenommene Performance, und den Nebenfiguren Platz, sich auszuagieren. Gruselig ist das zudem die meiste Zeit auch noch. Ausführliche Kritik bei kino-zeit.de.

Super

Filme um Durchschnittsmenschen, die zu Superhelden mutieren, haben mit ganz unterschiedlichen Ansätzen ja gerade von Kick-Ass bis Defendor Konjunktur – man darf es auf die Watchmen schieben, nehme ich an; und James Gunn, ein kleiner Querdenker vor der Leinwand, macht mit Super fast alles richtig. Das verdankt er seinem eigenen Drehbuch, aber natürlich auch den Darstellern, vor allem Rainn Wilson und (die aber eh‘ von mir verehrte) Ellen Page. Eine ganz und gar nicht leichte Tragikomödie.

Vanishing On 7th Street

Ich bin mir noch nicht ganz sicher darüber, warum mich die Filme von Brad Anderson zwar durchaus erst einmal in ihre Welt hineinziehen, mich aber unterwegs irgendwann verlieren. Hier ist es genauso: Was zunächst ein hochgradig aufregender Film darüber ist, das von einem Moment auf den anderen der Großteil der Menschheit einfach verschwindet (genauer: vom Schatten aufgesogen wird) und damit die wenigen Überlebenden vor allem um Licht kämpfen, wird irgendwann in Rückblenden und sich ähnelnden Schreckmomenten langatmig und fast schon träge. Mehr bei blairwitch.de.

Insidious

James Wan, der Mann, der Saw gemacht hat, wollte mit diesem Film (sagt er) einerseits wieder zu seinen Independent-Wurzeln zurückkehren, andererseits auch einen Film machen, der sich auf Klassiker wie Poltergeist und The Haunting beruft. Herausgekommen ist ein geradezu klassischer Geisterfilm (mit sogar gleich zwei Umzügen!) über Seelenwanderung und böswollende Entitäten, der aber vor allem im letzten Drittel doch ganz erheblich schwächelt. Ausführlicheres bei blairwitch.de.

Fotos: Sitges Film Festival