Orphan Black – Staffel 5

Versucht es gar nicht erst, in der fünften Staffel in Orphan Black einzusteigen; es ist hoffnungslos. Zur Hölle, es ist eigentlich hoffnungslos, mit dieser Staffel loszulegen, ohne die vierte Staffel noch frisch im Gedächtnis zu haben, denn die erste Folge beginnt damit, dass die verschiedenen Klone in sehr unterschiedlich dramatischen Situationen sind: Sarah liegt allein im Wald, blutig und verletzt, Cosima wacht in einem seltsamen Lager in einer Jurte auf, Alison campt mit ihrem Mann und Helena irgendwo in der Pampa – und Dyad-Schergen sind allen gleichermaßen auf der Spur. Und das sind nur die klar umrissenen Umstände der ersten Folge. Mit seiner letzten Staffel geht das SciFi-Drama von BBC America noch einmal rückwärts durch seine ganze Geschichte – alte Bekannte tauchen auf, bekannte Häuser werden bezogen, Allianzen verschieben sich. Und alles kreist zunächst um PT Westmorland, den angeblich 170 Jahre alten Gründer von „Neolution“, der auf einer abgelegenen Insel für eine neue Zukunft der Menschheit und vor allem für Lebensveränderung forscht und intrigiert. Es ist, wie stets, eine Freude – eine komplexe Science-Fiction-Geschichte ohne Superkräfte und absurde Handlungssprünge; Tatiana Maslany glänzt wieder als Sarah, Cosima, Alison usw., und das Ensemble strahlt nicht minder. Das einzige Problem der Serie ist an diesem Punkt womöglich, dass zu viele Handlungsstränge zusammenkommen, verwoben sind und aufgelöst werden müssen. Was Orphan Black in seinen ersten beiden Staffeln so großartig machte – die Interaktionen und dramatischen Momente zwischen den Figuren, vor allem den Klonen –, ist am Anfang dieser Staffel zuweilen auf Dialoge beschränkt, die allein der Exposition und Handlungsentwicklung dienen. Das wird zum Ende hin wieder besser – in Vorbereitung eines möglichst befriedigenden Finales. Und vielleicht Sprungbretts: Maslany jedenfalls dreht jetzt mit Karyn Kusama und Nicole Kidman einen Thriller [Destroyer kommt hoffentlich auch bald ins Kino.]. Ich kann‘s kaum erwarten.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

Orphan Black – Staffel 4 (2016)

Tatiana Maslany ist ein Wunder. Mit jedem Jahr, in dem sie die Klone aus Orphan Black spielt, wird ihre Darstellung differenzierter. Mit jeder Entwicklung von Sarah, Cosima, Alison, Rachel, Krystal und MK präzisiert sie die Unterschiede. Und in welchem Maße die Schauspielerin da engagiert ist, zeigt sich auch daran, dass sie inzwischen mit als Produzentin der Serie erscheint.

Die Handlung schreitet voran: Nachdem das Dyad Institute anscheinend ausgeschaltet ist, tauchen nun neue Akteure rund um die Neolution-Bewegung auf: Körperveränderungen, Implantate… bis hin zu avancierter Biotechnologie mit eingebautem Verteidigungsmechanismus. Ein Exemplar der letztgenannten Technologie findet Sarah unerwartet in ihrer Mundschleimhaut – und das setzt für sie, ihre Familie samt Adoptivmutter Siobhan und Stiefbruder Felix sowie ihre Klon-Schwestern eine neue Suche in Gang.

Die Stärke von Orphan Black war schon seit der ersten Staffel, dass hier Gedanken zu Biotechnologie, Gesellschaft und Identität (und natürlich Verschwörungstheorien!) in einem Genremix von Thriller, Science Fiction und (ein bisschen) Soap dicht miteinander verwoben werden. Getragen wird es dennoch von den persönlichen Interessen, Zweifeln und Dramen, die sich bei den LEDA-Klonen und ihren Familien und Helfern abspielen – und hier wird der Serie zum Vorteil, wie stark selbst die kleinen Nebenrollen besetzt sind. Nebenbei ist die Serie mit ihren starken Frauenfiguren ein feministisches Statement par excellence und bleibt außerdem eng am Puls nerdiger Subkulturen.

Staffel Vier ist allerdings, das sollte man hinzufügen, nicht der geeignete Platz, um mit Orphan Black zu beginnen. Zwar beginnt die Serie mit einem Flashback zu der Zeit vor der ersten Staffel und springt dann viele Folgen lang in der Timeline hin und her – verstehen kann man das aber nur, wenn man den ersten drei Staffeln einigermaßen aufmerksam gefolgt ist. Das ist der Preis, den man dafür bezahlt, eine der besten SciFi- Serien der Gegenwart zu genießen.

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Official Orphan Black Season 4 Trailer – Thursday, April 14th 10/9c on BBC America

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Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

Orphan Black – Staffel 3

Man kann es ja schier nicht oft genug sagen und betonen, wie großartig Orphan Black ist. Die dritte Staffel der Serie von BBC America beweist das aufs Neue, mit weiteren Drehs und noch höherer Komplexität als die beiden Jahre zuvor. Für Neulinge: In der Serie geht es um Sarah (Tatiana Maslany) und ihre diversen Klone, die versuchen herauszufinden, woher sie kommen, warum das mysteriöse Dyad Institute sie beobachtet und jagt, und schließlich warum eine von ihnen eine plötzlich und heftig krank wird.

Am Anfang der dritten Staffel mischt auch noch eine Bruderschaft männlicher Klone (Ari Millen) mit, alle mit militärischer Ausbildung – aber es ist beileibe nicht alles, wie es scheint. Orphan Black zeichnete sich von Anfang an dadurch aus, dass es sich die Sache in Handlung und Charakteren nie einfach gemacht hat. Motive aus Science Fiction, Drama und gelegentlich Komödie mischen sich elegant, Bündnisse und Machtverhältnisse sind kontinuierlich in Bewegung. Und ebenso entwickeln sich die Figuren: Die brave Hausfrau Alison startet einen florierenden Drogenhandel, Helena ist immer noch wahnsinnig, während Cosima sich eine neue Freundin sucht und Rachel Mühe hat, wieder zusammenhängende Sätze zu sprechen, nachdem Sarah ihr einen Bleistift durchs Auge bis ins Gehirn gerammt hatte.

Das Glück von Orphan Black ist, dass alle diese Handlungsstränge stets verständlich bleiben, und das liegt nicht nur am Drehbuch und der sauberen Inszenierung, sondern vor allem und wieder an Tatiana Maslanys großartigem Können. Sie gibt jeder ihrer Figuren – und es kommt noch der eine oder andere Klon dazu – eine ganz eigene Persönlichkeit, eigene Körpersprache und Redeweisen. Ari Millen bringt ähnliches mit seinen „Castor“-Brüdern zustande; aber auch die anderen Darsteller haben nicht einen Moment der Schwäche. Orphan Black ist eine Serie, die aus einem SciFi-Thema eine enorm dichte Erzählung macht; ein irrwitziger Versuch, grandios gelungen.

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Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.