Fantasy Filmfest Nights 2013

Fünf Filme habe ich dieses Jahr auf den Fantasy Filmfest Nights sehen können (heuer mal in Stuttgart, im sehr schönen Metropol-Kino); zu allen hier kürzeste Besprechungen.

Stoker


Nicole Kidman in einem Thriller, in dem Nicole Kidman letztlich kaum vorkommt und stattdessen Mia Wasikowska full center steht – mutig, und ziemlich gelungen. Kidman spielt, was sie vielleicht schon zu oft gemacht hat, eine Frau ohne Haftung im Leben; sie wähnt sich im Mittelpunkt, aber das eigentliche Geschehen geschieht doch ausschließlich um sie herum. Das ist ein schöner Thriller mit übernatürlichen Anklängen, der dann aber doch sehr direkt und gelegentlich sehr blutig ist, mit schönen visuellen Ideen und eigenwilligen Schnitten, die zuerst rauszureißen scheinen aus der Handlung und dann doch eigentlich nur viel, viel tiefer hineinführen.

American Mary


Die wenigsten werden mit diesem Film wirklich viel anfangen können, der irgendwo zwischen Drama, Splatter und Tragi-Komödie changiert und dabei in der Tat, wie Stefan und Björn zurecht anmerkten, gelegentlich unfokussiert, unkonzentriert wirkt. Es hat aber eine eigene Eleganz, wie die Soska-Schwestern (Dead Hooker in a Trunk) hier body modification in ein ganz eigenes Licht rücken, so dass das Thema auch nicht mehr zur Freakshow gerät, sondern zumindest eine Ahnung von Normalität erhält. Das Ende allerdings wird dafür dann ziemlich an den Operationsfäden herbeigezogen, als sei noch ein Kommentar nötig, der klarmacht, dass die Gesellschaft sich diesem Thema noch zu verklemmt gegenüber stellt. Nunja.

No One Lives


Die einen Psychopathen auf die anderen Psychopathen loszulassen, gehört ja seit einigen Jahren zu den Standardsituationen des Horrorthrillers (gerne kombiniert und variiert mit psychopathologischen Außerirdischen oder ähnlichen Situationen). Dies ist einer der ganz und gar Down-to-Earth-Sorte: Eine Gruppe hinterwäldlerischer Gelegenheitskrimineller mit zu viel Waffenkraft und einem akuten Problem trifft auf einen nicht eben menschenfreundlichen Mörder, der in seinem umgebauten Kofferraum eine schon seit langen Monaten entführte junge Frau mit sich herumfährt. Bis auf letztere unterschätzen alle Beteiligten die Situation, woraufhin sich ein Blutbad ausbreitet. No One Lives kombiniert das ganz schön, wenn auch nicht komplett überzeugend mit einer ganz fiesen Psycho-Nummer zwischen dem Entführer und der Entführten und gehört neben Stoker zu den erfreulichen Erlebnissen des Wochenendes.

John Dies At The End


Eigentlich ein schönes apokalyptisches Szenario auf Mescalin, anfangs hemmungslos durchgeknallt und klauend rechts und links: von Cronenbergschen Körpermutationen, von Akte X/Fringe-Episoden, das alles hübsch durchgeknallt und mit einem nur milde nervigen Erzähler zusammengefasst, zudem zeitlich schön unklar angemischt. Das gefällt. Nur geht der Film dann den Weg der meisten so furios gestarteten Projekte: Ihm geht schlichtweg die Puste aus. Das wird dann zwar irgendwann, unter Einsatz von gewollt schlechtem CGI, nochmal völlig gaga, aber richtig neue Ideen kommen nicht mehr dazu, und das Ende vom Lied ist dann nur noch fade. Schade eigentlich.

The ABCs of Death


Ein Omnibus-Film, ein ganzer Reisebus voll Regisseure. Jeder bekommt einen Buchstaben und darf sich dazu ein Thema aussuchen, das irgendwie mit dem Tod zusammenhängt. Was dabei herauskommt, ist von unterschiedlicher Länge (irgendwo zwischen zwei und sechs Minuten), Machart (von Knetgummi-Animation bis Realfilm Scifi ist alles vertreten) und ebenso unterschiedlicher Qualität (örks bis ziemlich gut). Mein persönliches Lieblingssegment ist natürlich das von den Amer-Machern Bruno Forzani and Hélène Cattet, die den Buchstaben O zum Anlass nahmen, sich den „kleinen Tod“ genauer anzusehen – ein visuell-akustisches Fest. Ansonsten gibt es wilde Geschichten und fundamental Seltsames, vor allem aber eine rundum sichtbare Obsession mit Körperflüssigkeiten und Ausscheidungen. Vor allem kommen überdurchschnittlich Toiletten vor, was mir natürlich sehr zupass kommt.

(Fotos: Fantasy Filmfest)