FFF 2011: La proie (2011)

Thriller machen, das können sie in Frankreich. Mit À bout portant und La Proie sind dort in den letzten Monaten zwei wirklich sehr sehenswerte Jump-and-Run-Vertreter dieses Genres gestartet, die nun auch beide auf dem Fantasy Filmfest zu sehen sind – beide wären aber auch in der regulären Kinoauswertung wirklich gut aufgehoben.

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La proie ist ein rechter Verfolgungsthriller, in dem viel gerannt, gesprungen und gelegentlich geschossen wird. Das bleibt nicht vollständig im Bereich des Realistischen; Eric Valette hat hier einen Protagonisten in die Welt gesetzt, dessen Durchhaltewillen und -vermögen, psychischer wie physischer Natur, schon ins leicht Übermenschliche tendiert – aber man will ja im Kino auch gerne außergewöhnlichen Menschen dabei zusehen, wie sie außergewöhnliche Dinge tun.

Und Franck Adrien (Albert Dupontel) ist genau das: Er ist auf jeden Fall kein gewöhnlicher Held, keine leichte Identifikationsfigur. Er ist nicht unbedingt klassisch gut aussehend, und der Film bemüht sich anfangs sehr darum, zu Dupontels harten Gesichtszügen durch Kleidung und Frisur noch abschreckende Merkmale hinzuzufügen. Der Mann sitzt gerade ein, und offenbar nicht unschuldig – aber er müht sich um ordentliches Verhalten, denn er möchte heim zu Frau und Tochter. Weil er sich aber einmischt, wenn im Gefängnis andere geschlagen werden, gerät er in Konflikt mit den Gangs dort und den Wärtern – und dann wird er schon einmal rasch sehr gewalttätig.

Dann bekommt er einen neuen Zellengenossen: Jean-Louis Maurel (Stéphane Debac), der immerzu seine Unschuld beteuert. Eine eher schwächliche Gestalt ist er, Franck schützt ihn vor einem Übergriffen, und als Jean-Louis tatsächlich entlassen wird, gibt ihm Franck einen Brief für seine Frau mit. Natürlich ist Jean-Louis, dieser Saubermann und Leisetreter, in Wirklichkeit etwas ganz anderes: Ein Psychopath und Serienmörder, viel gefährlicher als das Rauhbein Franck – und als er das erfährt und befürchten muß, daß seine Frau und seine Tochter in Gefahr sind, nutzt er die erste Gelegenheit zur ziemlich gewaltsamen Flucht.

Für die Polizei ist aber dennoch Franck natürlich der gefährliche, flüchtige Gewalttäter, und die junge Polizistin Claire Linné (Alice Taglioni) heftet sich an seine Fersen. Es beginnt dann ein ziemlich aufregendes Hund-und-Katz-und-Maus-Spiel, das Valette, der hierzulande vor allem durch One Missed Call (und ein wenig vielleicht auch durch seinen Politthriller Une affaire d’état) bekannt geworden ist (über seinen gräßlichen Film Hybrid wollen wir mal lieber den Mantel des Schweigens legen), über die ganze Dauer des Films auf ziemlich hohem Tempo zu halten weiß.

Man möchte mehr davon sehen.

Foto: Fantasy Filmfest