Trash am Mittwoch: The Taint (2010)

Auf eine ganz unsubtil perverse Art hätte dieser Text auch für den Weltfrauentag gepaßt (glücklicherweise kein Mittwoch) bzw. eben nicht gepaßt, denn The Taint, ein trashiger Very-low-budget-Streifen mit mehr Blut als Verstand, geriert sich als gedankenfrei-irrer Feminismussplatter, aber das ist in etwa so, als wolle man Aliens vs. Zombies als kapitalismuskritische Fabel lesen wollen: Versuchen kann man’s ja mal, aber Spaß macht der Film auch so nicht.

Die Handlung, wenn man das so nennen will, beginnt, als Phil O’Ginny (Drew Bolduc) irgendwo im Wald… ich hab schon vergessen, schläft er oder knutscht er mit seiner Freundin? Und war das wirklich der Anfang? Um die Wahrheit zu sagen, The Taint ist eine derart haltlose Ansammlung von Bruchstücken, daß es schon kurz nach Ende des Films schwerfällt, sich an ihren genauen Zusammenhang oder ihre Bedeutung zu erinnern. Nur dies ist hängengeblieben: Eine geheimnisvolle Seuche, wohl übers Trinkwasser vermittelt, scheint nur Männer (aber offenbar alle außer Phil) anzugreifen, die dann sogleich mit blutbeschmierten und angeschwollen aus ihren Hosen hängenden Penissen durch die Gegend ziehen und Frauen ermorden, bzw. ihnen mit Steinen den Schädel einschlagen oder sonstige Dinge antun, die im Splatterkino den Einsatz von viel Latex und Kunstblut erfordern.

Womit wir schon bei einem Vorzug von The Taint sind: Hier ist viel noch handgemacht, die meisten Effekte sind „old school“, aber das macht ja noch keinen guten Film. Irgendwann stößt Phil dann auf Misandra (Colleen Walsh), die ihn aus seinem Stupor und aus dem Wald rausholt und ein wenig zur Klärung der Situation beiträgt. Das geschieht vor allem über langatmige Flashbacks, die mehr als zwei Drittel des Films ausmachen. Sinn ergibt sich daraus übrigens immer nur bedingt, was auch daran liegen mag, daß die Schauspieler_innen nicht nur abgrundtief schlecht sind, sondern auch nur rudimentäre Dialogzeilen zu sagen bekommen (gegrunzt und geschrien wird hingegen viel), was den Eindruck hinterläßt, daß die Filmemacher nicht nur ziemlich faule Menschen sind, sondern ihnen auch wurscht ist, ob die Handlung in irgendeiner Form verständlich wird.

Zwischendrin tut der Film so, als sei ihm das alles Ernst. Als seien die Namen (Phil O’Ginny – Philogenie und Misandra – Misandrie – gettit?) albern gesetzte, aber sonst ernstzunehmende politische Positionen, als werde hier der Misogynie der Welt mit der Erkrankung „The Taint“ nur ein besonders überspitztes Bild gegeben, als gehe es dem Projekt tatsächlich darum, die in Worten und Taten ubiquitäre Frauenfeindlichkeit anzuprangern. Und dann sieht man den dümmlichen Gesichtsausdruck von Phil, seine in der Handlung festgeschriebene Ahnungslosigkeit; und man sieht, daß Misandra schon früher gerne Eichhörnchen erschossen oder mit der Peitsche enthauptet hat (WTF?); und schließlich wird man gewahr, daß die gleiche alberne blonde Perücke, die Phil die ganze Zeit trägt, offenbar auch anderen Komparsen auf den Kopf geschnallt wurde. Und alle Ernsthaftigkeit wird zum offensichtlich schlechten Scherz.

Natürlich sind sich die Filmemacher Drew Bolduc und Dan Nelson wohl einigermaßen bewußt darüber, daß sie ein großes Stück Schrott fabriziert haben, schreiben Sie doch auf der Website zum Film:

THE TAINT is an intellectual experience. It is an violent and misogynistic film about violence, misogyny, and entertainment. It features sadistic violence, gratuitous sexual content, and scenes of spellbinding dramatic interest. It also contains more cock explosions than any other movie ever.

Davon ist mindestens die Hälfte gelogen, oder zumindest grandios übertrieben – der Rest vielleicht sogar Geschmackssache. Aber selbst große Trashfans werden sich nur mit Mühe durch die 75 Minuten Martyrium quälen wollen, die dieser Film für Zuschauer_innen wie Protagonist_innen bereithält.

Der Trailer des Films ist von Anfang bis Ende NSFW und nur dazu geeignet, einen Eindruck von den Schauwerten des Films zu vermitteln, nicht von seiner Schaurigkeit.