Knives Out – Mord ist Familiensache (2019)

War es Colonel Mustard im Arbeitszimmer mit dem Revolver? Oder doch Miss Scarlett mit dem Strick im Billardzimmer? Bei Knives Out – Mord ist Familiensache scheint die Sache wesentlich klarer zu sein als im heute leicht angestaubt wirkenden Gesellschaftsspiel Cluedo, sieht man doch schon in den ersten Minuten: Es war Harlan Thrombey selbst, mit dem Dolch, im Arbeitszimmer.

Aber nichts ist, wie es scheint. Rian Johnsons „Murder Mystery“ mag zunächst sehr altmodisch daherkommen, aber das ist elegante, sehr zugestellte Oberfläche – ähnlich wie das Haus, in dem Thrombey lebte, ein Haus, wie einer der anwesenden Polizisten bemerkt, gleich einem Cluedo-Spielbrett.

Knives Out ist ein Genuß, eine Feier vor allem des Ensembles, das offenbar wahnsinnig viel Spaß hatte. Die Kritik (eher dringende Empfehlung) gibt es auf kino-zeit.de.

Hoodwinked! (2005)

Das Grundkonzept von Hoodwinked! hat einen gewissen Charme: mit Rotkäppchen ein bekanntes Märchen zu nehmen und dann eine Kriminalgeschichte darum herum zu stricken, die völlig die Grenzen der althergebrachten Geschichte verläßt und stattdessen vor Spielereien mit anderen Märchen und popkulturellen Referenzen nur so strotzt. (Jasper Fforde macht ähnliches, womöglich noch besser in der Literatur zum Beispiel in Big Over Easy und The 4th Bear auf ziemlich beeindruckende Weise.)

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Daß das Ganze dann in eine Kriminalgeschichte eingebettet wird (der postmodernen Erzählform par excellence) gibt dem Pastichespiel eine schöne Struktur, in der zunächst alles zusammengreift, bis dann allerdings der ganze Film rasch in ein Actionabenteuer zerfällt. Zugleich konzentriert sich die Handlung zunehmend auf eine eher schlichte Gut-Böse-Konstellation, während viele der vorher recht schön eingeführten Figuren stark in den Hintergrund treten.

Hoodwinked bleibt dann immer noch ziemlich harmlos-unterhaltsam (und wahrscheinlich brauchbar für Kinder so ab ca. 6 Jahren aufwärts), aber ohne das Verwirrspiel à la The Usual Suspects, das am Anfang eingeführt wird, gerät das letzte Drittel des Films zur eher flachen, vorhersehbaren Standardware. Die jüngst angekündigte Fortsetzung sieht nicht unbedingt vielversprechender aus.