Kurzer Clip aus der „Wonder Woman“-Pilotfolge

Das Trauerspiel um die Wonder Woman-Fernsehserie, die NBC in Auftrag gegeben hatte, nur um sie dann nach Abdrehen des Pilotfilms von David E. Kelley sehr schnell wieder zu begraben, hatte ich hier und auf Twitter schon gelegentlich begleitet und kommentiert. Absurd viel wurde vor allem über das Kostüm der Hauptfigur diskutiert, das Adrianne Palicki tragen sollte; in weiteren Rollen waren mit Elizabeth Hurley und Cary Elwes zumindest leidlich bekannte B-Stars gecastet.

Natürlich darf man hoffen, daß die abgelehnte Folge irgendwann im Internet auftaucht (mit einer regulären Fernsehausstrahlung ist wohl eher nicht zu rechnen), so daß wir uns selbst ein Bild davon machen können, ob NBC zu Recht kalte Füße bekommen hat. Eine erste Ahnung davon gibt nun dieser 30-Sekunden-Clip, der seinen Weg ins Internet gefunden hat (vorher gab es schon gute, wortwörtliche zwei Sekunden Footage, die nur vage einen Eindruck davon vermitteln konnten, ob Palicki zu physischer Bewegung in der Lage sei), und leider, leider sieht es so aus, als habe NBC gut daran getan, sich nicht weiter mit der Serie zu belasten.

Natürlich ist der Clip (gefunden bei Allociné) vermutlich nicht repräsentativ für das Endprodukt, welches man eventuell im Fernsehen gesehen hätte; aber trotzdem stimmt hier fast gar nichts: Schnitte, Rhythmus, Timing, sogar die herumschwingenden Arme von Palickis Wonder Woman wirken unkontrolliert. Aber vielleicht sehr Ihr das anders?

Habemus Wonder Woman: Adrianne Palicki

Wie heute bekannt wurde, hat NBC nun die Hauptrolle der neuen Wonder Woman-Fernsehserie mit der Schauspielerin Adrianne Palicki besetzt. Palicki ist in den USA bislang vor allem durch ihre Rolle in der Fernsehserie Friday Night Lights bekannt geworden; international war sie in der weiblichen Hauptrolle des eher mittelmäßigen Legion zu sehen.

Drehbuch und Konzept der neuen Serie stammen von David E. Kelley, der zum Beispiel auch Ally McBeal mitverantwortete; insofern darf man *hüstel* auf seine Perspektive und Umsetzung gespannt sein; tvovermind schreibt zu den Plänen des Senders:

Wonder Woman will apparently be a straight-faced, non-camp take on the famous superheroine, and will follow NBC’s previous attempts at a successful superhero series

Das wird auf jeden Fall anders aussehen als der mal angedachte Spielfilm aus der Feder von Joss Whedon; aber geben wir dem Projekt halt mal eine Chance. Und so lange kann man sich ja nochmal die Website des geplanten Wonder Woman-Dokumentarfilms (hier mehr dazu) ansehen oder das Projekt bei Kickstarter finanziell unterstützen – da fehlen noch fast 7500 US$, die in den kommenden vier Wochen zusammenkommen müssen!

Wonder Woman: Die Doku

Während der Wonder Woman-Realfilm wohl auf ewig in Entwicklung bleiben wird (eine Zeitlang sah es so aus, als ob Joss Whedon das Projekt übernehmen würde, aber das hat sich längst zerschlagen; in den Siebzigern gab es eine Fernsehserie, zuletzt wieder einmal eine Trickfilm-Adaption), bereitet Vaquera Films eine Dokumentation über Wonder Woman, ihre Entstehung und ihre Auswirkungen auf die Populärkultur vor. Von der Film-Homepage:

THE HISTORY OF THE UNIVERSE AS TOLD BY WONDER WOMAN is an independent documentary feature that looks at female superheroes, warrior princesses and other icons of women’s empowerment in pop culture. Examining the history of fiction’s longest running superheroine, the film raises questions about the possibilities and contradictions of women as popular action heroes.

Exploring contemporary culture for women and girls, with its emphasis on how girls and women look, rather than on what they do, the film probes why Wonder Woman has been reduced to a commodity—an icon on a bag, t shirt or mug etc. How can women claim the action genre as their own, and create more liberating narratives than that of the dominant all-powerful masculine superhero? THE HISTORY OF THE UNIVERSE AS TOLD BY WONDER WOMAN is a visually kinetic, highly constructed yet also warmly witty film, harnessing the voices of literary critics, women writers, classicists, philosophers, impersonators, collectors, feminists and fanatics to explore our very gendered notions of “heroism” and “power.”

SF360 hat schon mit der Regisseurin Kristy Guevara-Flanagan gesprochen, der Film wird aber voraussichtlich erst im kommenden Sommer fertiggestellt sein. Ich bin einigermaßen gespannt, denn die Geschichte dieser Comicfigur (die erste Superheldin, deren Geschichten DC-Comics publiziert hat) ist allein schon deshalb interessant, weil ihr „Erfinder“ William Moulton Marston sie gewissermaßen als sozialpsychologisches Experiment geplant hatte, um feministische Ideen unter die Leute zu bekommen (was für Marston ein persönlich besonders wichtiges Thema war).

Es dürfte also spannend sein, wie der Film mit den im (hier jetzt folgenden) Trailer angedeuteten, aber durchaus ja ambivalent lesbaren Folgen von Wonder Womans Existenz umgeht und sie als Erbe von Marstons Figur auslegt. Schon allein die unterschiedlichen visuellen Darstellungen der Wonder Woman-Figur bieten ja hinreichend Stoff für eine ganze Reihe von Essays.

(via)

Update: Gerade erst gesehen: Hier gibt es schon einmal mehr Material aus dem Film zu sehen.