Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth (2014)

Zugegeben, eigentlich war spätestens mit Die Bestimmung – Divergent und was da noch folgen mag (z.B. Die Bestimmung – Insurgent), das Thema der „Young Adult“-Dystopien eigentlich schon arg durchverhandelt. Aber was soll man machen, so viel Geld, wie sich offenbar mit Die Tribute von Panem verdienen lässt, da wird uns das Thema wohl noch eine Weile erhalten bleiben. Die Protagonistinnen dieser Filme ergänzt Maze Runner durch einen fast durchgehend männlichen Cast; nur dem Helden Thomas wird irgendwann noch eine junge Frau zur Seite gestellt, deren Rolle in der Handlung allerdings zunächst genauso undurchsichtig ist wie die von Thomas selbst.

Der nämlich wacht zu Beginn des Films in einem großen Lastenaufzug auf, der ihn in die Mitte eines seltsamen Ortes befördert: Eine grüne Lichtung, ringsum durch hohe Betonmauern umgrenzt. Er kann sich nur an seinen Namen erinnern, sonst ist ihm keine Erinnerung geblieben an ein früheres Leben, und so geht es all den Jungs und jungen Männern, die hier gelandet sind. Die hohen Mauern verbergen ein Labyrinth, dass durch ein sich nachts stets schließendes Tor betreten werden kann, darin verbergen sich seltsame, insektenhafte Wesen… Alle haben sich ganz gut eingerichtet in ihrem Dasein, aber Thomas ist nicht nur neugierig, er will auch raus – und plötzlich scheinen sich auch die Spielregeln geändert zu haben.

Wes Balls Film basiert auf dem ersten Band einer (natürlich) Trilogie von James Dashner – die Fortsetzung ist schon abgedreht, da kommt also noch mehr. Sonderlich originelle Ideen wird man hier vergebens suchen – da winkt natürlich der Herr der Fliegen aus dem Hintergrund, und es scheinen Ideen aus den Panem– und Divergent-Buchreihen drinzustecken, allerdings entstand Dashners Buch vor diesen beiden Trilogien. Allerdings ist auch die Umsetzung zwar dicht und nicht unspannend, aber ohne originelle, gar zündende Einfälle. Wenn man Maze Runner etwas zugute halten kann, dann allerdings dies: Dass sein Ende ohne große Vorbehalte düster und ein wenig zynisch ist. Mal sehen, ob es dabei bleibt.

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Diese Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

Die Bestimmung – Insurgent (2015)

Es ist der zweite Film in der Divergent-Trilogie, auf der Oberfläche einem weiteren Vertreter der „Young Adult“-Welle, die sich vornehmlich an junge Frauen richtet. Veronica Roths Romane surfen natürlich auf der Gischt, die mit Twilight und vor allem den Hunger Games über die Welt schwappte und schwappt. Die Rahmenhandlung ist eine klare Dystopie: In einer anscheinend zerstörten Welt überleben die Menschen nur in einer einzigen Stadt (die sehr an ein zerstörtes Chicago erinnert) und sind dort in fünf „Fraktionen“ aufgeteilt. Dieses Kastensystem, das die Menschen nach ihren hervorstechendsten Charaktermerkmalen einteilt, soll die Stabilität der Gesellschaft wahren. Genauso wie das aber mit den arbeitsteilenden Distrikten in Hunger Games ist, so haben auch die Grenzen zwischen den „Fraktionen“ heftige Risse.

Verkörperung dieser Risse ist Tris (Shailene Woodley), die zu den „Ferox“, den mutigen Kämpfern der Stadt zugeteilt wurde, bald aber erfahren muss, dass sie, wie (welch ein Zufall!) auch ihr Schwarm Four (Theo James), eigentlich „Divergent“ ist: Abweichend von der Norm, weil sie eben nicht nur mutig ist, sondern auch klug, mitfühlend etc. Der erste Film, Die Bestimmung – Divergent, setzte vor allem die Rahmenhandlung in Bewegung. In Die Bestimmung – Insurgent müssen sich nun die Abweichler gegen die zum Polizeistaat mutierte Herrschaft von Tris’ Antagonistin (Kate Winslet als sehr, sehr kalte Diktatorin) zur Wehr setzen, die alle „Divergent“ einsperren lassen will.

Insurgent kann nicht wirklich überzeugen; die Actionsequenzen sind teils solide, teils aber übertrieben fantastisch (und spielen sich auch zeitweise nur in der Fantasie von Tris ab), vor allem aber ist das ein klassischer Mittelteil, der sich auch wie ein unausgegorenes Füllsel anfühlt. Immerhin rückt das Finale die Künstlichkeit der ganzen Handlungskonstruktion in ein anderes Licht und ergibt sogar ein wenig Sinn. Den Film rettet das allerdings nicht mehr.

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Diese Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

The Mortal Instruments: City of Bones (2013)

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Es gibt diesen Moment in The Mortal Instruments: City of Bones, den man als Kern, Zentrum und Wendepunkt allen Geschehens verstehen muss, es geht gar nicht anders: Denn vorher wie nachher eilt die Handlung mit gerade frenetischem Eifer (um nicht zu sagen: mit einiger Hektik) von plot point zu plot point um nur ja alle wesentlichen Handlungselemente der Buchvorlage mit in die 130 Minuten zu bekommen (Twilight, auch so ein Young-Adult-Fantasytitel, hatte es da insofern leichter, als die Bücher vor Redundanz nur so strotzen und man eigentlich recht viel, wenn nicht alles, hätte weglassen können). In diesen wenigen Minuten aber bremst die Handlung, stehen die Bilder still und bleiben die Dialoge kohärent um sich selbst kreisen, anstatt nur die nächste Actionsequenz vorzubereiten. Ruhe kehrt ein, als Clary (Lily Collins) und Jace (Jamie Campbell Bower) ins Gewächshaus des „Institute“ steigen, um Clarys Geburtstag zu begehen. (Wer die größeren Zusammenhänge verstehen will, lese bitte eine der unzähligen Synopsen im Netz.)

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Es wird also mal für einen Moment ernsthaft, vielleicht gar emotional-menschlich, aber genau hier bricht der Film entzwei. Denn bis dahin konnte man noch glauben, dass City of Bones einen fürs Young-Adult-Genre angenehmen, leicht ironischen Umgang mit Verliebtheit und Teenager-Gefühlen (Clary soll, allem Lily-Collins-Anschein zum Trotz, fünfzehn sein) pflege. Der Kuss im Gewächshaus aber, den sich Clary (mit dunklen, offenen, langen Haaren und sehr schmachtend) und Jace (blonde, mittellange Locken, offenes Hemd über tätowierter Brust, leicht arrogant stets und natürlich muskulös) geben, ist ästhetisch genau das Titelbild eines Romance-Novel-Groschenromans.

Und damit bleibt an City of Bones eben nichts übrig, das man irgendwie ernst nehmen könnte: die Handlung ist eigentlich nur verständlich für jene (also die Zielgruppe), die auch das Buch gelesen haben (das im Übrigen gar nicht mal so schlecht ist), und ästhetisch Neues gibt es eh nicht zu sehen. Dabei hat der Film, wie Kollege Björn nach der Pressevorführung richtig feststellte, durchaus seine Momente, und die Vorlage liefert auch noch ein paar Steilvorlagen in Sachen Politik – nur verschwindet all das leider in hektischer Betriebsamkeit und peinlichen Emotionalitäten.

Und, again, such a waste of Lena Headey’s talent.

(Foto: Constantin Film)