{"id":6743,"date":"2012-08-29T10:30:35","date_gmt":"2012-08-29T09:30:35","guid":{"rendered":"http:\/\/buttkickingbabes.de\/?p=6743"},"modified":"2012-08-29T10:54:48","modified_gmt":"2012-08-29T09:54:48","slug":"wie-interviews-gefuhrt-und-dann-bearbeitet-werden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/buttkickingbabes.de\/?p=6743","title":{"rendered":"Wie Interviews gef\u00fchrt und dann bearbeitet werden"},"content":{"rendered":"<p>Dr\u00fcben <a href=\"http:\/\/www.medienspiegel.ch\/archives\/004178.html\">im Medienspiegel<\/a> (<a href=\"http:\/\/www.bildblog.de\/41528\/grausamkeit-mittelmaessigkeit-berlin-mitte\/\">via<\/a>) wird gerade eine Diskussion dazu gef\u00fchrt, wie Interviews bzw. Gespr\u00e4chsrunden mit Promis (in dem konkreten Fall ein Gespr\u00e4ch mit Usain Bolt) zustandekommen, gef\u00fchrt werden und schlie\u00dflich erscheinen. Meiner Meinung nach schie\u00dft Martin Hitz dabei etwas \u00fcbers Ziel hinaus, wenn man sich die <a href=\"http:\/\/www.medienspiegel.ch\/archives\/004178.html#comment-6665\">Antwort einer Interviewers in den Kommentaren ansieht<\/a>.<\/p>\n<p>Wie sieht es denn aber in der Filmbranche aus, in welchen Gespr\u00e4chssituationen fand ich mich bisher wieder?<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/e1881fd6846b4226b3a5bb176846d75b\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p><strong>Interviews sind immer auf irgendeine Weise Teil des PR-Zirkusses<\/strong>, und in diesem Zirkus sind Vieraugengespr\u00e4che mit ein wenig Zeit eher selten; ich hatte zum Beispiel mal das Vergn\u00fcgen, mich ausf\u00fchrlich mit Vincenzo Natali \u00fcber seinen Film <em>Splice<\/em> <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/32\/32188\/1.html\">unterhalten zu k\u00f6nnen<\/a> (<a href=\"http:\/\/buttkickingbabes.de\/?p=1695\" title=\"Interview with Vincenzo Natali on \u2018Splice\u2019\">hier auch zum Anh\u00f6ren<\/a>) &#8211; das waren \u00fcber zwanzig Minuten in konzentrierter Zweisamkeit, und das Gespr\u00e4ch hatte Zeit und Raum sich zu entwickeln. Und f\u00fcr wenige Interviews hat man so ausf\u00fchrlich wie f\u00fcr jenes, das zwei Kollegen und ich in Sitges f\u00fcr die <a href=\"http:\/\/www.deadline-magazin.de\/\"><em>Deadline<\/em><\/a> mit Hauptdarstellerin und Crew von <em>The Woman<\/em> (<a href=\"http:\/\/www.kino-zeit.de\/filme\/the-woman\">meine Kritik<\/a>) f\u00fchren konnten &#8211; \u00fcber eine Stunde ging das, schlichtweg gro\u00dfartig.<\/p>\n<p>Aber alle diese ausf\u00fchrlichen Interviews fanden im Rahmen von Festivals statt, auf denen immer wieder M\u00f6glichkeiten auftauchen, die sonst nicht bestehen. Denn wesentlich \u00fcblicher, gerade f\u00fcrs Mainstreamkino, ist die &#8222;<a href=\"http:\/\/dolmetscher-berlin.blogspot.de\/2008\/02\/speed-dating-auf-der-berlinale.html\">Junket<\/a>&#8222;-Situation, in denen das Interview, das man selbst f\u00fchrt, Teil einer PR-Tour ist und Regisseur_in, Hauptdarsteller_in oder wer auch immer zu Gespr\u00e4chen bereitsteht von einem Interview zum anderen weitergereicht werden, denn pro Stadt bzw. Land steht gerade mal ein Tag f\u00fcr solche Termine zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Macht man das mit Video (<a href=\"http:\/\/www.moviepilot.de\/news\/interview-zu-dame-koenig-as-spion-114160\" title=\"Interview zu Dame K\u00f6nig As Spion\">sowas hier zum Beispiel<\/a>), bekommt man einen F\u00fcnf-, vielleicht Siebenminutenslot &#8211; das wird strikt durchgehalten und durchgesetzt, der Tag ist klar getaktet und die Kolleg_innen warten -, und f\u00fcr Print oder renommiertes Online darf man sich f\u00fcnfzehn bis zwanzig Minuten mit drei bis sieben anderen Journalist_innen an einen Tisch setzen und Fragen stellen.<\/p>\n<p>Da kann es dann kollegial zugehen, man l\u00e4\u00dft sich gegenseitig das Wort und rundum werden interessante Fragen gestellt (so war es etwa erst Anfang der Woche bei den Tischgespr\u00e4chen zu <em>Die Wand<\/em>), oder es wird ein <strong>Event voller Schnappatmung<\/strong>. Dann hecheln n\u00e4mlich alle nach einer Pause im Gespr\u00e4ch, um schnell eine der Fragen loszuwerden, die sie auf ihrem Zettel stehen haben; und wenn man Gl\u00fcck hat, die Gruppe nicht zu gro\u00df ist und der Gespr\u00e4chspartner nicht zu ausschweifend antwortet (obwohl das manchmal die interessantesten Anekdoten und Informationen abwirft), dann bekommt man sogar ein, zwei, ganz selten drei Fragen gestellt.<\/p>\n<p>Aus den nur eigenen Fragen und den Antworten dazu wird nat\u00fcrlich so kein Interview, so wenig wie sich in den sieben Videominuten nur selten ein wirkliches Gespr\u00e4ch ergeben kann. Und deshalb ist es \u00fcblich, dass man eben nicht nur das selbst erfragte Material verwendet, sondern <strong>das ganze Roundtable-Gespr\u00e4ch zur Grundlage f\u00fcr das Interview nimmt<\/strong>. Das finde ich insbesondere auch dann in Ordnung, wenn die Kolleg_innen am Tisch im Grunde \u00e4hnliche Fragen hatten, wie man sie selbst sich auch noch notiert hatte, nicht unbedingt als die dr\u00e4ngendsten (die stellt man m\u00f6glichst selbst), aber furchtbar waren sie auch nicht.<\/p>\n<p>Eine <strong>Auswahl<\/strong> treffe ich dennoch. Bei einem Round-Table-Gespr\u00e4ch vor einiger Zeit fragte etwa als allererstes ein Kollege die Schauspielerin, <strong>sie werde ja im kommenden Jahr vierzig<\/strong>, ob sie das denn k\u00f6rperlich schon merke? Jetzt mal ganz davon abgesehen, dass man so kein Interview er\u00f6ffnet, dass die Frage mit ihrer Arbeit als Schauspielerin nichts zu tun hat und dass man das, schlu\u00dfendlich (bitte mal den Knigge lesen)  h\u00f6flicherweise eine Dame nicht fragt, die zudem mindestens zehn Jahre j\u00fcnger aussieht als ihre Geburtsurkunde ausweist &#8211; so eine Frage kommt mir nicht in Schriftform.<\/p>\n<p>Das Material, das nach Streichung solcher Fragen noch \u00fcbrig bleibt, wird nat\u00fcrlich noch bearbeitet &#8211; die &#8222;\u00c4hs&#8220; und Dopplungen im Satz, die Ellipsen und Verhaspler werden nat\u00fcrlich bereinigt, aber gerade f\u00fcr Print k\u00f6nnen die \u00c4nderungen auch etwas ausf\u00fchrlicher sein &#8211; wenn der Platz begrenzt ist, wird gek\u00fcrzt und auch mal der Gespr\u00e4chsverlauf etwas umstrukturiert, um ein Thema konzentriert zu fassen, das an unterschiedlichen Stellen des Gespr\u00e4chs auftauchte.<\/p>\n<p>Wird damit etwas vorget\u00e4uscht, was nicht stattgefunden hat? Muss man die Situation in jedem Einzelfall aufkl\u00e4ren?<\/p>\n<p>Es ist ja v\u00f6llig absurd, ein Interview immer pr\u00e4zise so im Text abbilden zu wollen, wie es stattgefunden hat, eine Bearbeitung findet immer statt. <strong>Wie weit also haben die Journalist_innen, die das Gespr\u00e4ch f\u00fchrten, das Vertrauen ihres Publikums? Und wie ausf\u00fchrlich sollte dar\u00fcber informiert werden, welche Gespr\u00e4chssituation dem Text zugrunde liegt?<\/strong><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr\u00fcben im Medienspiegel (via) wird gerade eine Diskussion dazu gef\u00fchrt, wie Interviews bzw. Gespr\u00e4chsrunden mit Promis (in dem konkreten Fall ein Gespr\u00e4ch mit Usain Bolt) zustandekommen, gef\u00fchrt werden und schlie\u00dflich erscheinen. Meiner Meinung nach schie\u00dft Martin Hitz dabei etwas \u00fcbers Ziel hinaus, wenn man sich die Antwort einer Interviewers in den Kommentaren ansieht. 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