Derrière les murs

Nach Eigenwerbung ist dieser Horrorfilm mit Laetitia Casta der erste französische (Genre)Film in 3D – aber die ersten kritischen Stimmen sprechen von einem eher eindimensionalen Erlebnis. Auch der Trailer kann diese Ahnung nicht zerstreuen, denn was sich dort dabietet, wirkt doch alles sehr nach dem üblichen Einerlei des Mystery-Horrors.

Auvergne, 1922. Suzanne, jeune romancière, décide de s’isoler à la campagne pour écrire son nouveau livre. Mais peu à peu des visions et des cauchemars font leur apparition tandis que de mystérieuses disparitions de petites filles sèment le trouble dans le village…

Eine junge Schriftstellerin fährt also aufs Land, um ihr Buch zu schreiben, hat dann aber Visionen und Alpträume, während kleine Mädchen im Dorf verschwinden… Doch, klingt vertraut, oder was meint Ihr?

Der Film startet Anfang Juli in Frankreich.

Catacombs (2007)

Natürlich gibt es tausend gute Gründe, warum man einen Horrorfilm in den Pariser Katakomben spielen lassen könnte, sollte, müßte: Die Enge des Raumes, die labyrinthischen Gänge, von denen in der Tat nicht alle öffentlich zugänglich sind, die zahllosen Gebeine, die zu Phantasien über Tote und Untote fast zwingend einladen. Aber man möchte dann eigentlich schon, daß so ein Film die (eingebildete) Mythologie des Ortes mit ein wenig Respekt behandelt und nicht nur als billigen Hintergrund für wirres Filmemachen.

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In dieser Hinsicht scheitert Catacombs nämlich ziemlich eindeutig. Die Protagonistin Victoria, eine milde psychotisch überverängstigte Shannyn Sossamon, wird schon in den allerersten Szenen mit mit viel zu vielen Sorgen, Problemen und Phobien belastet – die im übrigen nie größere psychologische Tiefe bekommen -, als daß man sich noch wirklich mit ihr beschäftigen wollte. Ihre Schwester Carolyn (gegeben von der von mir eigentlich geschätzten Pink) ist eine ultranervige Partygöre, die ihre Schwester nach Paris eingeladen hat, um sie ein wenig aus ihrem Schneckenhaus zu befreien, aber von der ersten Minute an von deren Ängsten schon wieder total genervt ist.

Nach einer kurzen Phase exzessiven Shoppings geht es dann zu einer Party in die Pariser Katakomben, wo Carolyns Freunde der armen Victoria eine Geschichte davon auftischen, daß angeblich der Sohn des Antichristen hier geboren und aufgezogen worden sei, der seitdem mordend und menschenfressend in den Höhlen hause; und prompt muß sich Victoria, als sie die Party verläßt, vor einem bedrohlichen Fremden in Sicherheit bringen…

Der Film zeigt anfangs also eine Handvoll Partyszenen, aber stroboskopartige Lichteffekte gibt es dann auch später noch, weil sich angeblich Taschenlampen so verhalten, wenn die Batterie nachläßt. Aha. Das Licht reicht jedenfalls immer gerade noch aus, daß man Sossamon sehr, sehr viel dabei zusehen kann, wie sie sehr, sehr ausführlich schreiend oder schwer atmend durch halbdunkle Gänge läuft; wenn die Hektik zunimmt, wackelt die Kamera, oder, wenn’s Adrenalin angeblich pumpt, werden die Schnitte schneller, die Bilder erratischer. Die dann gerne noch blitzartig kurz eingeblendeten Szenen dessen, was sich Victoria so nach den Erzählungen ihrer Schwester vorstellt, sind tricktechnisch wie dramaturgisch stümperhaft ein- und ausgeführt, vor allem aber: unfreiwillig komisch.

Wer nach dieser Beschreibung meint, das womöglich alles schon mal oder gar besser gesehen zu haben, täuscht sich nicht; der Film von Tomm Coker und David Elliot (auch Drehbuch) ist fade Standardware vom feinsten abgelutschten Genrelolli, und obendrein ein stilistisches und ästhetisches Ärgernis. Shannyn Sossamon, die sonst immerhin ein Grund wäre, den Film zu sehen, ist nicht nur im Dauerhalbschatten, sondern darf auch nur schreien und verängstigt gucken.

Vielleicht ist es deshalb kein großes Wunder, daß Coker seitdem filmisch nicht mehr in Erscheinung getreten ist, während Elliot immerhin anschließend mit Stuart Beattie und Paul Lovett das Drehbuch für G.I. Joe: The Rise of Cobra gestrickt hat. Vielleicht brauchten sie jemanden, der schon mal in Paris war und dann auch bei der geographischen Zuordnung keine Hilfe war.

Das Ende ist übrigens halboriginell und wirklich ganz hübsch. Die Qual der Filmsichtung allerdings ist es dann doch nicht wert.

Red Riding Hood (2011)

Kommt es mir nur so vor, als ob sich in letzter Zeit besonders viele Filme auf das Rotkäppchen-Märchen beziehen? Die britische Red Riding-Trilogie ist natürlich noch die offensichtlichste, in Trick’r Treat spielt die Geschichte eine Rolle, in Hoodwinked! natürlich sowieso, von Hard Candy zu schweigen. Und auch Hanna versteckt (nicht nur) dieses Märchen unter seiner Actionoberfläche.

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Wollte man böse sein, so bräuchte man nur zu behaupten, Regisseurin Catherine Hardwicke (Twilight) habe sich allein deshalb für dieses Projekt interessiert, weil es (wie in Twilight) eine pseudo-starke, schmachtende weibliche Hauptfigur gibt und im Hintergrund (wie in Twilight) ein Werwolf lauert. Natürlich ist der Film dennoch ganz anders als die Vampir-Schmonzette (sorry, ich bin schon beim zweiten Buch immer eingeschlafen und konnte Hardwickes Verfilmung kaum ertragen), aber eine wirklich aufregende neue Sicht auf den Märchenstoff bietet das Drehbuch von David Johnson auch nicht.

Der Film beginnt mit einem ausführlichen Flug über eine anscheinend am Computer erzeugte Märchenwelt – und genau dieser ästhetische Zugriff, das Märchenhaft-Artifizielle, bleibt dann auch die entscheidende Perspektive des Films. Sobald das Böse hier sein behaartes Haupt regt (auch wenn man’s noch nicht sieht), beginnt es zu schneien, und hört dann für den Rest des Filmes nicht mehr auf. Die Holzhütten in diesem angeblich ärmlichen Dorf sind solides Blockhäusermaterial, das alles pittoresk, aber eigentlich unpraktisch an- und nebeneinandergetürmt. Natürlich gibt es zwei Männer, die um die Hand der schönen Valerie (Amanda Seyfried) werben, und natürlich könnte jeder von ihnen auch der Werwolf sein, der den Ort heimsucht. Sie mögen sich nicht besonders, und zwar auf die plattest mögliche Weise. („If you are the wolf, I will chop your head off.“ – „And I will do the same to you.“ Werdet mal erwachsen, Jungs.)

Mit Gary Oldmans Father Solomon bricht dann ein bißchen dringend benötigter Wahnsinn in diese Geschichte ein, und gerne sähe man ihn seine Dracula-Zähne ausfahren, selbst auf das Risikio, damit wieder näher an Twilight zu rutschen; einfach nur, damit Oldman mehr zu sehen ist. Aber, alas, seine Rolle beschränkt sich hier auf den milde historisch begründbaren Wahnsinn (und zugleich eine Zwischenfigur zwischen Dracula und van Helsing), das wird recht bald geklärt und sich dann seiner vorhersehbar entledigt; wie man im übrigen auch recht blind sein muß, um die sonstigen Andeutungen über die Identität des Monstrums zu übersehen. (Man kann sich aber dennoch ein wenig täuschen.)

Es gibt haufenweise Seltsamkeiten in diesem Film; eine sehr steampunky daherkommende Apparatur, groß und aufwändig, die nach einer kurzen Szene niemand mehr braucht; ein rotes Cape, das zwar viel rumgezeigt, herumgetragen und ausgebreitet wird, aber doch seine ja nicht nur vagen Bedeutungsebenen psychosexueller und anatomischer Art bloß auf keinen Fall ausstellen soll. Was dabei herauskommt, ist ein ziemlich lieblos dahinkleckernder Film, der aus dem Märchen kaum mehr macht als ein Werwolf-Whodunnit mit schmalzigem Ende und seltsamer Geschlechterpolitik und -ikonografie, in der das Männliche (Schwarz, Mut, Ehre, Kraft, Lust) und das Weibliche (Rot/Weiß, Weisheit, Verständnis, Sehnsucht) einander Kontrastfolie sind. Altbackener geht’s ja nun kaum.

Immerhin sieht das alles von Anfang bis Ende gut aus, und nicht allein wegen Amanda Seyfried.

Foto: Warner Bros.

Play Dead

Das ist natürlich eine völlig beknackte Idee, aber irgendwie niedlich und vielleicht auch schon wieder so knülle, daß es gut werden könnte: The Meza Brothers wollen einen Film drehen, in dem es um das Schicksal einiger Hunde nach der Zombie-Apokalypse geht. Oder so ähnlich.

Der Kurzfilm ist schon in Arbeit, wie am Bild oben und dem Trailer unten zu erkennen ist, und soll durch eine Kickstarter-Aktion zu Ende finanziert werden. Und lustig sieht es allemal aus.

(via)

Kurz verlinkt, 16. Februar 2011

Lesens- und Sehenswertes aus den vergangenen Tagen (29. Januar 2011 bis 16. Februar 2011):

  • Loving the Bad – An Interview with Frankie Latina and Sasha Grey on Modus Operandi
    "Any director who shoots a grindhouse film without exquisite, triumphant, dangerous, and naked women is doing a disservice to the genre and should move into a different field."
    by Matthew Sorrento
  • The Best Sex in Contemporary Hollywood – Utopia, Ecstasy, and the (Classical) Musical Number in The 40-Year-Old Virgin
    by Kelli Marshall
  • Something That Festers – The Silence of the Lambs, The Texas Chainsaw Massacre, and the Visual Pleasures of Horror
    "We're drawn to and fascinated by horror because the genre reminds us that we have both outsides and insides, skin and guts, eyes and gray matter, ideas and appetites."
    by Jesse Stommel
  • The Cinematic Islands of Dr. Moreau – Beasts, Monsters, and Mad Scientists
    Why the doctor endures
    by Richard A. Voeltz
  • Interview mit Denis Villeneuve – Regisseur von 'Incendies'
  • Girls on Film: Redefining Date Movies – The dating world is a hideous business. We're taught that to woo, to romance, to love; the man must cover his beloved in all manner of monetary adoration and personal torment. He must buy overpriced roses, grandoise gifts and wallet-burning meals every Valentine's Day. He must take his beloved, or hope-to-be-beloved, to romantic comedies and five-tissue romances. On the flip side, the woman is expected to groom, to woo (though all bets are off when the fish is caught) and to offer up sexual spoils to show her appreciation (though not required). If she's super-swell, she might give the guy a day off now and then to partake in his burly deeds and see his manly friends, but ultimately, she just has to keep him marginally entertained … and rule him with an iron fist of feminity.
    And it all starts with the "date movie."
  • 15 movie sex and bedroom scenes that might just put you off sex and bedrooms – The movies have some valuable lessons to teach us about bedroom shenanigans. For here are 15 films that might just put you off sex altogether…
  • Heteronormativitätskritische Filmbildung – Plädoyer für queere Perspektiven in der Medienpädagogik – Medienpädagogische Filmbildung hat es bislang gänzlich versäumt queer-theoretische Ansätze in der Filmbildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen aufzugreifen. Darum schlage ich ein Konzept heteronormativitätskritischer Filmbildung vor, mit dem medienpädagogische Ansätze innerhalb der Filmbildungsarbeit für queer geöffnet werden, das sich insbesondere für subjektbezogene Konzepte von Filmbildung dringend empfiehlt. Heteronormativitätskritische Filmbildung stellt eine veränderte Möglichkeit der Herangehensweise an das Medium Film dar: Filmische Repräsentation wird als Ort der Reproduktion heteronormativer Strukturen fokussiert und gleichzeitig der Frage nachgegangen, inwiefern Interventionen in die symbolische Ordnung durch filmisch vermittelte Formen des Widerstandes aussehen können. (Feministisches Institut Hamburg / von Julia Bader)
  • Wieland Speck über Kinofestivals – Nachdem Wieland Speck in den siebziger Jahren für das Berliner TALI Kino verantwortlich war und als Darsteller unter anderem für Marlene Dietrich, Ulrike Ottinger und Robert van Ackereren vor der Kamera stand, wurde er im Jahr 1982 Assistent von Manfred Salzgeber bei der Berlinale. Gemeinsam mit ihm gründete er den schwulen Filmpreis TEDDY AWARD, der seit 1987 auf der Berlinale verliehen wird. Seit 1992 ist Wieland Speck Programmleiter der Sektion PANORAMA. Mit uns hat Speck darüber gesprochen, warum das Kino in Festivals zu Hause ist.

Gérardmer 2011: Cold Prey 3 (2010)

Gérardmer 2011 - SchriftzugDer dritte Film der schwedischen Horrorserie ist kein Sequel zum zweiten Film – der mit dem womöglich endgültigen Tod des Bösewichtes endete –, sondern vielmehr ein Prequel, der zumindest Teile der Vorgeschichte beleuchtet, die in den ersten beiden Filmen ja doch etwas weniger detailliert zur Sprache kam.

Das Wesentliche wird in den Anfangsszenen abgehandelt: Wie nämlich aus dem von seinem Vater mißhandelten und abgelehnten Jungen ein Mörder wird, der seine Eltern, Halloween läßt grüßen, kurzerhand dahinmeuchelt. Um dann zwölf Jahre später mit einer Gruppe von sechs jungen Leuten konfrontiert zu werden, die sich aus Jux für eine Nacht im früher von seinen Eltern betriebenen Hotel einnisten wollen.

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Das klingt bekannt? Natürlich ist das wie ein Echo des ersten Cold Prey-Films von Roar Uthaug, auch wenn da der Ausflug im Winter stattfand und das Hotel nur unfreiwillig besucht wurde. Aber die Handlungseffekte sind die gleichen: Böser Junge jagt junge Leute. Wobei der Jagdcharakter dieser Veranstaltung hier deutlicher noch als in den Vorgängerfilmen betont wird (zumal die Handlung fast durchweg im Wald spielt und reichlich klassische Jagdwaffen zum Einsatz kommen).

Wesentlich Neues hat Cold Prey 3 dabei nicht zu bieten. Das ist, von den Figuren bis zur Umsetzung, handwerklich solide, aber meist nicht besonders einfallsreich. Der Film geht verhältnismäßig sparsam mit seinem Personal um und hebt sich einige der Protagonist_innen wirklich bis kurz vor Schluß auf, was man aus vergleichbaren Abzählreimstreifen auch schon anders kennt. Zwischendrin gibt es einen Moment, in dem man befürchten muß, Regisseur Mikkel Brænne Sandemose wolle die Spannung zugunsten der Goremomente vernachlässigen, aber das legt sich rasch wieder.

Das Hauptproblem dieses dritten Films ist natürlich, dass man im Grunde schon wissen kann, wie es ausgehen muß, damit dann – in der diegetischen Chronologie – die Ereignisse des ersten Films möglich sein werden; ein Grundproblem aller nachgereichten Vorgeschichten, dass hier immerhin in seinen knapp wirkenden 95 Minuten einigermaßen stilvoll ignoriert wird.

In eigener Sache:
Festivalberichterstattung ist für mich aufwendig und erst einmal mit einigen Kosten verbunden. Ich versuche dennoch, möglichst viel darüber in meinem Blog zu schreiben. Daher würde ich mich besonders freuen, wenn viele meine Einträge mit einem Klick auf die
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Mirages

Seltsamer Trailer zu einer marokkanisch-französischen Koproduktion.

Die IMDb hat folgende Synopsis:

Five individuals with contrasting profiles compete for a position within „Matsuika“, a multinational corporation recently set up in Morocco. Following an interview with the CEO, they are advised to undertake a mysterious test in a secret location. It will determine who will hold the position. All five applicants accept and are led into a distressing bus with no windows. After endless driving, an accident occurs with the candidates trapped in the wreck. Thanks to a joint effort, they manage to evacuate the bus only to find themselves lost in the desert with their driver nowhere to be found. They start to wander, questioning the nature of the accident. Is it part of the test? Despite their will to survive and an urge to find clues, mirages of their most intimate fears start to haunt them.