Planet 51 (2009)

Spätestens seit meiner Besprechung von Chicken Little dürfte ja irgendwie klar sein, daß ich leichtfüßigen Animationsfilmen „für die ganze Familie“, die sich komödiantisch den Science-Fiction-Film vornehmen, nicht abgeneigt bin. Insofern ist es naheliegend, daß ich mir auch Planet 51 näher ansehe.

Die Geschichte karikiert die klassischen Alien-Invasionsfilme der 1950er Jahre, indem sie zunächst einmal die Prämisse völlig umdreht. Handlungsort ist hier nämlich nicht die Erde, sondern der titelgebende „Planet 51“, bewohnt von (natürlich sehr niedlichen) grünen Aliens mit Fühlern, deren Lebensstil ziemlich genau dem entspricht, was man von einer amerikanischen Kleinstadt der 1950er erwarten würde – außer daß nahezu überall Kornkreis-Symbole auftauchen und die Mensche kleine Gigersche Aliens mit Säurenurin als Haustiere durch die Gegend zerren. Das ist eine knallbunte Szenerie wie aus Back To The Future, allerdings noch deutlich überdrehter, und wenn es regnet, dann fallen Steine vom Himmel.

Teenager Lem ist gewissermaßen der Marty McFly in dieser Konstellation: sympathischer Underdog. Er ist ein bißchen zu brav, seine Angebetete schmeißt sich lieber an den lokalen Hippie heran, und er träumt von einer Zukunft bürgerlichster Natur. Gerade hat er stolz seinen neuen Job im Planetarium angetreten, als ein Alien auf seinem Planeten landet (und sich dann unerwartet an Lems Arbeitsplatz versteckt): Captain Charles T. Baker von der NASA. Eine Weile spielt der Film mit dem beidseitigen Mißverständnis, wer hier das Alien und also schrecklich und zu fürchten sei; glücklicherweise läßt er das dann bald hinter sich. Danach wird aus Planet 51, wenn auch eben unter umgekehrten Vorzeichen bzw. Hautfarben und Körperformen, eine gut gemachte, wenn auch nicht besonders herausragende typische Alienkomödie, bei der das Militär die einerseits Bösen, andererseits aber vor allem etwas Tumben repräsentiert, die den Fremden fangen und studieren wollen. Nicht zuletzt ist da Professor Kipple (im Original von John Cleese gesprochen), der Charles‘ Gehirn einer genaueren Untersuchung unterziehen möchte – ex vivo, versteht sich.

Für das etwas erwachsenere Publikum dieser absolut jugendfreien Veranstaltung gibt es reichlich spielerische Verweise auf Filme wie E.T. (natürlich die Flugszene bei Vollmond), Star Wars (das Geräusch von Lukes Landspeeder) und Wall-E, der offenbar Pate stand für Charles‘ hundeartigen Roboter „Rover“. Den kann nichts mehr begeistern als Steine, die er aufsammeln kann, und wenn es hier regnet, dann ist er euphorisch glücklich, „Singing in the rain“ inklusive.

Origineller wird das nicht (sieht man von einem völlig überzogenen John-Woo-Moment ab), und das Ende schmalzt so heftig (of course he does get the girl), daß man sich im Sessel zu krümmen beginnt; für brauchbare Familienunterhaltung reicht das aber schon, wenn man nicht das Bedürfnis nach höherer Komplexität hat. Den Einheimischen von Planet 51 steht da im Übrigen noch einiges bevor, denn selbst das mit dem Protestieren und Aufbegehren gegen die herrschende Ordnung müssen sie noch üben: „We’re really upset! We’re really upset!“ reicht als Schlachtruf auf Dauer nicht.

Chicken Little (2005)

Natürlich ist Chicken Little ein allenfalls durchschnittliches Beispiel dafür, was der moderne Animationsfilm aus Hollywood so kann und will; vor allem hat er einige ganz erhebliche dramaturgische Schwächen, die ihn auch dort unnötig episodenhaft bemüht scheinen lassen, wo das gar nicht nötig wäre.

Es sind aber halt alle Ingredienzien da, die so ein „Familienfilm“, wie das ja gerne heißt, wenn vor allem Kinder gemeint sind, gemeinhin braucht: Die Underdog-Geschichte, die hier halt eine Underchicken-Geschichte ist, vom schwächlichen Schlaumeier, der im Sport nicht reüssiert (bzw. dann vielleicht doch – aber das ist eher ein schwachbrüstiger Gewinn, im Großen und Ganzen) und dem aber eine Crew von eigentlich schon fast überzeichneten Misfits zur Seite steht, Außenseiter also allesamt.

Das alles ist nur leidlich lustig und spannend; worin sich Chicken Little aber so richtig ins Zeug legt, das sind die fortwährenden Anspielungen auf andere Filme, auf Back to the Future, King Kong, War of the Worlds und all das; da wird auch gerne mal die Wand zum Kinozuschauer für ein Spiel mit Raiders of the Lost Ark durchbrochen.

Darüber hinaus ist der Film von Mark Dindal, der auch The Emperor’s New Groove verantwortet hat (seinerseits ein massiv unterbekannter Film voll subversiven Humors, wenn meine Erinnerung nicht zu trübe ist), auch über’s Filmgeschehen hinaus pop culture-savvy: Da gibt es von Aliens gemachte Kornkreise, Lemminge stürzen sich in der von Tieren bewohnten Stadt aus Mangel an Klippen von der Parkbank – und der Laptop hat als Signet eine Eichel (das Wahrzeichen des Ortes) und verkündet: „Sie haben eine Hass-E-Mail“.

Sicher, das geht alles nicht so schnell und locker von der Hand wie in Cloudy With A Chance of Meatballs, aber der ist ja auch einfach sehr, sehr, sehr gut.

Cloudy with a Chance of Meatballs (2009)

We got diem to carpe!

cloudy_meatballs

Unter den (3D-)Animationsfilmen, die ich im vergangenen Jahr gesehen habe, ist Cloudy with a Chance of Meatballs zwar vielleicht nicht der beste, zarteste, emotionalste – diese Trophäe müßten sich die fantastischen Up und Coraline teilen, wenn man denn da eine Rangliste aufstellen will. Aber er ist jedenfalls die leichtfüßigste, eleganteste und witzigste Komödie, bei weitem unterhaltsamer etwa als der vergleichsweise holprige Monsters vs Aliens.

Cloudy with a Chance of Meatballs (Filmstart in Deutschland: 28. Januar 2010) nimmt die klassische Underdog-Coming-of-Age-Geschichte, mischt ein bißchen sympathischen Mad Scientist dazu und legt dann erst richtig los mit einem wüsten Crossover-Bezugsspiel durch die Filmgenres, daß die Postmoderne nur so mit den Ohren schlackert. Flint Lockwood wächst auf der kleinen und sehr, sehr fiktionalen Insel Swallow Falls auf, die irgendwo im Atlantik vor der amerikanischen Küste liegt, und träumt seit Kindesbeinen davon, ein großer Erfinder zu werden. Er erfindet tatsächlich, nur liegen seine Erfindungen immer jenen haarsträubenden Tick daneben, den es zu wahrer Erfindergröße zu überwinden gäbe. Bis Flint eine Maschine erfindet, die aus dem Wasser von Wolken Essen nach Wunsch produziert und aus der kleinen Insel ein potentielles Schlaraffenland macht – jedenfalls so lange, bis der „perfect food storm“ sich zusammenbraut.

Auf dem Weg zum Finale nimmt der Film von Phil Lord und Chris Miller mit, was mitzunehmen geht: die romantische Komödie für Teenager wird kurzerhand invertiert, indem nicht ein Nerdmädchen mit dicker Brille zur stromlinienförmigen Schönheit mutiert (She’s All That, anyone?), sondern sich die eher zufällig anwesende Wetterfee Sam Sparks als Flints Schwester im Geiste entpuppt, eine Vollblut-Meteorologin, die ihre wissenschaftliche Expertise vor der Welt versteckt, weil diese an klugen Frauen nicht interessiert ist – und die Medienwelt, in der sie arbeitet, schon mal gar nicht. (Flint natürlich schon; daß er im Übrigen der Held des Films bleibt, der Erfinder und Macher, zeigt dann eben doch, wie sehr auch Cloudy with a Chance of Meatballs nicht aus der Haut des Mainstreams herauskann. Und natürlich ist er der emotional unreifere der beiden – „You really thought having allergies would make you more attractive?“ muß sie ihn gar einmal fragen.)

Das alles ist angemessen cartoonhaft überzeichnet; in der Physiognomie der Menschen zeichnet sich immer schon auch ihr Wesen ab. Das kann der Trickfilm, warum sollte er es nicht machen? Die Charakterisierungen, die nicht nur Typen hervorbringen, funktionieren so gut, und zwischendurch darf es dann auch mal flott mit einem fliegenden Auto (Flints zweitem Versuch – „now with wings!“) à la Star Wars durch die Lüfte gehen. Das alles ist rasend schnell, Slapstick und Wortwitz auf Speed.

Vorher sahen wir übrigens schon, wie der Nahrungssturm die Welt in Atem hält. Ganz den Weltuntergangsszenarien à la 2012 (meine Kritik) und Armageddon verpflichtet, werden da London, Paris und andere bekannte Orte unter riesenhaft vergrößerten Speisen begraben. Dieser Sturm, berichtet Sam atemlos in ihre Kamera, verfolgt ein seltsames Muster: Er trifft zunächst nahezu zeitgleich und ausschließlich die weltweit bekanntesten Sehenswürdigkeiten!

Foto: Sony Pictures

The Princess and the Frog: Erste Minuten

Disney hat die ersten fünf Minuten von The Princess and the Frog (2009) online gestellt; die Animation ist z.T. noch nicht fertiggestellt. (via)

Ich bin nach wie vor irritiert davon, daß die gängige Froschkönig-Erzählung immer einen Kuß beinhaltet, wo doch im Märchen von einem solchen keineswegs die Rede ist – vielmehr landet der Frosch mit Wucht an der Wand, wie man bei den Brüdern Grimm nachlesen kann:

Es half nichts, sie mußte thun, wie ihr Vater wollte, aber sie war bitterböse in ihrem Herzen. Sie packte den Frosch mit zwei Fingern und trug ihn hinauf in ihre Kammer, legte sich ins Bett und statt ihn neben sich zu legen, warf sie ihn bratsch! an die Wand; „da nun wirst du mich in Ruh lassen, du garstiger Frosch!“ Aber der Frosch fiel nicht todt herunter, sondern wie er herab auf das Bett kam, da wars ein schöner junger Prinz.

Aber wahrscheinlich steht das dem familienfreundlich-romantischen Ziel der Filmerzählung entgegen. Gespannt darf man auf The Princess and the Frog aber sicher sein. Zum einen, weil der Film mit reichlich Vorschußlorbeeren dafür bekommen hat, daß er angeblich eine Rückkehr zur traditionellen 2D-Animation auf dem Zeichenbrett darstelle (als sei diese nicht anderswo als bei Disney äußerst quicklebendig); zum anderen aber, weil man gespannt sein darf, wie das Endergebnis aussehen wird, nachdem eine frühe Fassung umgeschrieben wurde, der rassistische Stereotypisierungen vorgeworfen wurden. Die Hoffnungen der feministischen, antirassistischen Community in den USA sind nicht unbedingt besonders groß.

Auch auf die Darstellung des Prinzen darf man deshalb gespannt sein. Eine erste Ahnung gibt vielleicht die Kußszene, die auch schon online auffindbar ist:

Twisted Princess

Daß mir die klassischen Disney-Heldinnen nicht immer zusagen, mag manche_r am Titel des Blogs oder an eventuell von mir anderswo getanen Äußerungen sich schon denken können.

Da ist es umso schöner, wenn sich ein Künstler wie Jeffrey Thomas der Prinzessinnen annimmt und ihnen jenen gewissen Twist verpaßt. Die historisch etwas, ähem, unpräzise gezeichnete Pocahontas aus dem gleichnamigen Film bekommt dann plötzlich ein neues Gesicht:

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Und diese kleine Meerjungfrau dürfte auch bzw. gerade René von Nerdcore gefallen:

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Alle Prinzessinnen gibt es in Jeffrey Thomas‘ Blog. Dort auch weitere seiner Arbeiten, ebenso wie auf seiner DeviantArt-Seite.

(viavia)

Chainsaw Maid (2007)

Dieser hübsche Animationskurzfilm von Takena Nagao (Homepage), Chainsaw Maid (YouTube-Direktlink), verrät im Namen eigentlich fast schon etwas zu viel. Andererseits kombiniert er mit den Mitteln des Niedlichen (Wallace & Gromit lassen grüßen) die schönsten Standardsituationen des Zombiefilms und splattert dann, der Titel sagt’s ja, ganz gewaltig los. Minimalistischer kann Zombiekino nicht sein.

Mehr vom Regisseur in seinem YouTube-Channel. (via)

9 (2009)

Weil heute der 09.09.09 ist, startet natürlich in vielen Ländern Shane Ackers Film 9 – außer z.B. in Frankreich, wo er schon seit Wochen läuft, oder in Deutschland, wo es bizarrerweise noch keinen Starttermin gibt (Moviepilot nennt allerdings aktuell den 28. Januar 2010 als Termin). Und den Zahlen gemäß bietet es sich an, heute auch etwas über 9 zu schreiben – natürlich könnte man auch über District 9 schreiben oder irgendeinen der verwirrend vielen Filme mit Neunen im Titel.

9 basiert auf Ackers Kurzfilm gleichen Namens, der 2006 für einen Kurzfilm-Oscar nominiert wurde; produziert wurde der Langfilm nun u.a. (darauf hebt die Werbekampagne ab) von Tim Burton, den man vermutlich nicht vorstellen muß, und Timur Bekmambetow, der sich im Westen vor allem als Regisseur von Wächter der Nacht (meine Kritik), Wächter des Tages (meine Kritik) und zuletzt vor allem Wanted (meine Kritik) einen Namen gemacht hat.

Die Handschrift dieser beiden Produzenten sieht man dem Film zwar an, allerdings nicht in dem Maße, wie man hoffen oder befürchten sollte. Vergleicht man ihn mit dem Kurzfilm, so scheint noch am ehesten Bekmambetows Einfluß sich auszuwirken: Die Atmosphäre ist insgesamt etwas glatter, gefälliger, die Handlung wird nun nicht mehr so sehr in zarten Andeutungen fortgeschrieben, sondern vor allem von den Actionszenen. Von denen sind mittlerweile schon so viele im Netz aufgetaucht, daß Peter kürzlich schrieb:

Allerdings muss man langsam aufpassen, daß man bei einer Laufzeit von 79 Minuten durch die ganzen Vorabvideos nicht schon den gesamten Film kennt.

(Er selbst hat bislang nur einige der Clips versammelt.)

9 spielt in einem wahrhaft postapokalyptischen Setting: Die Menschheit ist völlig ausgelöscht (ob sie das selbst erledigt hat oder wie es anders geschah, läßt der Film zunächst offen), und neun kleine, ausgestopfte und mirakulöserweise belebte Puppen aus grobem Stoff bemühen sich in dieser rauhen Welt ums Überleben – gejagt werden sie von dem „Beast“, einer hundeartigen Maschinenkreatur mit roten Augen und wenig Freundlichkeit.

Die neunte Puppe, wegen der Zahl auf seinem Rücken wohl der letzte und einfach „9“ genannt (auch seine Genoss_innen heißen wie ihre Zahlen), kommt erst dann zu sich oder auf die Welt, als die anderen sich schon eine Weile eingerichtet haben, und bringt sofort Bewegung in deren vermeintlichen Alltag, der aber offenbar nicht spannungsfrei ist. Bald wird einer von 9s neuen Freunden entführt, und als 9 versucht, ihn zu befreien, kommen die Ereignisse erst so richtig in Bewegung.

9 ist technisch sehr ansehnlich, den groben Gesichtszügen der Puppen entlocken die Animator_innen einiges an Ausdruckskraft und Emotionen. Dabei hat mich nicht einmal so sehr gestört, daß viele der Ideen – insbesondere die belebten Maschinenwesen – doch sehr aus anderen Filmen abgekupfert wirken. Terminator & Co. lassen freundlich grüßen.

Daß ich nicht vollends von dem Film überzeugt bin, liegt eher in der nur bedingt mitreißenden und vor allem lückenhaften Erzählung. Denn einerseits wird im Langfilm 9 nun viel ausgesprochen und ausbuchstabiert, was der Kurzfilm 9 noch im Schweigen seiner Figuren rätselhaft lassen konnte – die Puppen haben nun Stimmen, und zwei, drei andere sprachliche Informationsquellen gibt es auch noch. (Ein Langfilm ganz ohne Sprache, das wäre noch was gewesen! Aber selbst Wall-E hat sich das nicht ganz getraut.)

Andererseits offenbart aber genau dies die Löcher im Drehbuch; als 9 losstürzt, um seinen neugefundenen Kameraden zu finden, scheint er schon besser über die Umstände seiner Welt zu sein, als es der Fall ist; und auch seine starke Motivation für die Rettungsaktion wirkt aufgesetzt. Im frenetischen Geschehen, bei dem über weite Strecken erzählte Zeit und Erzählzeit zusammenfallen – für einen Film von nicht ganz achtzig Minuten keine Kleinigkeit – ist für die behauptete emotionale Annäherung zwischen den Figuren eigentlich nicht genug Platz, möchte man meinen.

Aber sei’s drum. Letztlich gelingt Shane Acker, wenn auch mit Mängeln, ein düsteres Märchen aus einer apokalyptischen Traumwelt, eine Schlechte-Nacht-Geschichte gewissermaßen. Fragt sich nur, für wen sie gedacht ist: Für manchen Erwachsene ist die Geschichte in ihrer Auflösung wahrscheinlich doch zu schlicht, für Kinder hingegen ist sie nicht nur zu actiongeladen, sondern vor allem zu pessimistisch.

— Hier gibt’s nun noch den Original-Kurzfilm von 2005 sowie den Trailer zu 9:

FFF 2009: Lascars [Round Da Way] (2009)

Dieser Text setzt eine Reihe zu Filmen fort, die auf dem Fantasy Filmfest 2009 zu sehen sein werden und hier in Frankreich dankenswerterweise schon zu sehen bzw. zu haben waren. Alle Beiträge zum FFF 2009 unter dem Tag FFF2009

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Lascars (man darf das aus dem Französischen anscheinend als „Schlauberger„, aber auch als „Bursche, Kerl, Schurke“ übersetzen), der auf dem Fantasy Filmfest unter dem englischen Verleihtitel Round Da Way zu sehen sein wird, basiert auf einer französischen Fernsehserie, die sich in zwei Mal dreißig Miniepisoden ironisch mit dem Leben junger Leute in der Pariser Banlieue auseinandersetzt.

Mein Wissen von dieser Serie ist, sagen wir, lückenhaft (Internet hilft), aber obgleich dieser Hintergrund das Geschehen auf der Leinwand sicher noch klarer macht, ist er keineswegs notwendig. Mir wiederum hat meine dann doch noch nicht ganz intime Kenntnis des Französischen manche Detail etwas verunklart. Aber auch das dürfte dem Filmgenuß nur unwesentlich abträglich gewesen sein, denn der Humor von Lascars neigt insgesamt doch zum Overstatement.

Was aber nicht heißt, daß er sich aus nur einer flachen Quelle spiese: neben Wortwitz steht reiner, hemmungsloser Slapstick, ergänzt durch Situationskomik en gros (nicht immer der feinsinnigsten Sorte) und nicht zuletzt Brüche und Sprünge in den Figuren – wie etwa beim Drogenboß, der über Webcam und Speeddating endlich einmal eine nette Frau kennenlernen will. Leider machen seine Tobsuchtsanfälle und insgesamt schlechten Manieren das etwas schwierig.

Musik spielt hier natürlich eine große Rolle, und der Soundtrack dürfte einen guten Querschnitt durch die Produktion aus den Banlieues bieten. Gut gefallen hat mir, wie der Film unterschiedliche Animationstechniken miteinander mischt, stärker und zu größerem Effekt als das in den Fernsehepisoden zu sehen ist. Die Figuren sind in konventionell flächiger Zeichentechnik zu sehen, die Hintergründe sind aber offenbar digital entstanden und öffnen den filmischen Raum, was schöne Effekte, Kamerafahrten und Überlagerungen ermöglicht. Ob einem der sehr an Graffiti-Kunst angelehnten, gerne überzeichnende Stil gefällt, ist womöglich Geschmacksfrage; mir ging er bei aller Gewöhnung nach einiger Zeit etwas auf die Nerven. Im wüsten Finale des Films, das alle Handlungsstränge, und das sind einige, in einem explosiven Moment vereint, fällt das auch nicht mehr so auf.

Foto: Fantasy Filmfest