{"id":204,"date":"2009-08-04T12:38:44","date_gmt":"2009-08-04T11:38:44","guid":{"rendered":"http:\/\/buttkickingbabes.de\/?p=204"},"modified":"2010-03-15T13:15:00","modified_gmt":"2010-03-15T12:15:00","slug":"fff-2009-bronson","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buttkickingbabes.de\/?p=204","title":{"rendered":"FFF 2009: Bronson (2009)"},"content":{"rendered":"<p class=\"anmerkung\">Dieser Text setzt eine Reihe zu Filmen fort, die auf dem <em><a href=\"http:\/\/www.fantasyfilmfest.com\/\">Fantasy Filmfest<\/a> 2009<\/em> zu sehen sein werden und hier in Frankreich dankenswerterweise schon zu sehen bzw. zu haben waren. Alle Beitr\u00e4ge zum <abbr title=\"Fantasy Filmfest\">FFF<\/abbr> 2009 unter dem Tag <a href=\"http:\/\/buttkickingbabes.de\/?tag=fff2009\">FFF2009<\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"160\" src=\"http:\/\/buttkickingbabes.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/fff09_bronson.jpg\" alt=\"fff09_bronson\" title=\"fff09_bronson\" class=\"alignnone size-full wp-image-229\" srcset=\"https:\/\/buttkickingbabes.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/fff09_bronson.jpg 1200w, https:\/\/buttkickingbabes.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/fff09_bronson-300x40.jpg 300w, https:\/\/buttkickingbabes.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/fff09_bronson-1024x136.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/p>\n<p>Mit 19 Jahren, sein Kind ist gerade auf der Welt, \u00fcberf\u00e4llt Michael Peterson ein Postamt, erbeutet eine Handvoll M\u00fcnzen und Scheine und wandert daraufhin ins Gef\u00e4ngnis. F\u00fcr mehr als ein paar Wochen wird er es nicht mehr verlassen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt1172570\/\"><em>Bronson<\/em><\/a> basiert mehr oder minder lose auf der realen Biographie von Michael Peterson, bekannt unter dem angenommenen Namen &#8222;Charles Bronson&#8220; als &#8222;<a href=\"http:\/\/www.guardian.co.uk\/world\/2003\/jan\/13\/gender.uk\">most violent prisoner in Britain<\/a>&#8222;. Wie aus dem kleinen Jungen aus gutem Mittelstandshaushalt ein Gewaltt\u00e4ter werden konnte, der fast sein ganzes Leben im Gef\u00e4ngnis sa\u00df (und noch sitzt), aber auch fast alle seine Straftaten im Gef\u00e4ngnis ver\u00fcbte &#8211; im Film sind es nur zwei Raub\u00fcberf\u00e4lle, die er au\u00dferhalb begeht &#8211; scheint im realen Leben ein Mysterium zu sein. Ein <a href=\"http:\/\/news.bbc.co.uk\/2\/hi\/uk_news\/646857.stm\">BBC-Bericht \u00fcber Peterson\/Bronson<\/a> beginnt mit den Worten: &#8222;No-one knows exactly how it could have happened.&#8220;<\/p>\n<p>Regisseur Nicolas Winding Refn macht wohl deshalb gar keine Anstalten, hier irgendetwas erkl\u00e4ren zu wollen, auch wenn man dies noch nach den ersten Momenten des kleinen autobiographischen R\u00fcckblicks erwarten k\u00f6nnte, die der aus dem Off sprechende Bronson dem Zuschauer gibt. Nicht einmal der Protagonist und Erz\u00e4hler seines Lebens zielt darauf ab, seiner Lebensgeschichte einen Sinn oder eine konsequente Erz\u00e4hlung abzuringen.<\/p>\n<p><em>Bronson<\/em> ist also kein Psychogramm oder eine Lebensgeschichte, eher ein R\u00fcckblick aus der eigenen Wahrnehmung heraus. Immer wieder sieht man Bronson auf einer B\u00fchne stehen, ein gro\u00dfes Publikum vor sich (ganz zu Anfang bekennt er: <em>Ich wollte ber\u00fchmt werden, aber was soll man machen, wenn man nicht schauspielen und nicht singen kann?<\/em>), das meistens schweigt und zwischendrin frenetisch applaudiert. Nat\u00fcrlich stand der Mann nie auf einer solchen B\u00fchne, er ist Publikum und Star zugleich, die B\u00fchne ist allein in seinem Kopf, er selbst ist sein bester Zuschauer, mehr braucht er nicht.<\/p>\n<p>So aber, und das ist die elegante Perfidie des Films, \u00fcbernehmen wir als Zuschauer Bronsons Perspektive, bevor wir richtig merken, was sich da eigentlich abspielt. Refn macht sein Publikum zu Komplizen, ohne je Sympathie f\u00fcr seine Hauptfigur zu erheischen oder auch nur zu erzeugen.<\/p>\n<p>Der gro\u00dfartige <a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/name\/nm0362766\/\">Tom Hardy<\/a> gibt Bronson seine wuchtige Gestalt, und in all der selbstdarstellerischen Sicherheit, mit der er durch den Film schreitet, wird zugleich immer deutlich, wie sehr dieser Mann verloren ist in und f\u00fcr die Au\u00dfenwelt. Als er nach Jahrzehnten erstmals das Gef\u00e4ngnis wieder verl\u00e4\u00dft, wirkt er schon wie aus der Zeit gefallen, in seinem ordentlichen Dreiteiler, seiner breitbeinigen, angespannten K\u00f6rperhaltung und seinem Schnurrbart.<\/p>\n<p>Er wirkt wie ein stereotyper &#8222;starker Mann&#8220; vom Jahrmarkt oder aus dem Zirkus (als welcher Peterson <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Charles_Bronson_(prisoner)#Early_life\">laut Wikipedia<\/a> tats\u00e4chlich einmal gearbeitet hat), aber als er im neuen Haus seiner Eltern ankommt, ist er vor allem irritiert davon, da\u00df sein Kinderzimmer nicht mehr vorhanden ist. Und als er sp\u00e4ter, selbstbewu\u00dft blickend, aber offenbar unsicher &#8211; seinen Koffer h\u00e4lt er die ganze Zeit auf seinen Knien &#8211; in der Wohnung seines Onkels sitzt, wei\u00df er nichts zu sagen zu seinen Ambitionen oder Zielen. Au\u00dferhalb des Gef\u00e4ngnisses, der Welt die er kennt, gibt es f\u00fcr ihn keinen Weg.<\/p>\n<p>Refn bleibt darin konsequent, Bronsons Lebensgeschichte keine Erkl\u00e4rung, Moral oder nur ein Res\u00fcm\u00e9e aufzuzwingen. Die Erz\u00e4hlung bleibt episodenhaft, wird immer wieder von Bronsons Off-Erz\u00e4hler unterbrochen, von den Szenen auf der B\u00fchne. Die Bildsprache ist offenbar erfolgreich an Stanley Kubrick geschult (Kameramann Larry Smith hat mehrfach f\u00fcr Kubrick gearbeitet), und auch in der Musik lehnt sich der Film insbesondere an <em>A Clockwork Orange<\/em> (1971) an.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine kurze Szene in einem Irrenhaus bricht die Popkultur ein, wenn die sedierten Insassen eines Irrenhauses (man mu\u00df das so unfreundlich nennen), unter ihnen auch Bronson, zu &#8222;It&#8217;s A Sin&#8220; von den <em>Pet Shop Boys<\/em> tanzen &#8211; da ist die Musik aber eher ein ironischer Kommentar zum Freiheitsversprechen, das der Popmusik innewohnt. Und auch die klassische Musik ist &#8211; Kubrick l\u00e4\u00dft gr\u00fc\u00dfen &#8211; immer eher Hinweis auf auf die un\u00fcberbr\u00fcckbare Differenz zwischen der Mehrheitsgesellschaft und dem Protagonist, der sich als gro\u00dfer Nachahmer und Versteller erweist.<\/p>\n<p>Wenn er schlie\u00dflich w\u00e4hrend einer Geiselnahme, nackt, mit schwarzer K\u00f6rperfarbe bemalt und einer Melone \u00e0 la Magritte auf dem Kopf sich als der gro\u00dfe Verbrechensk\u00fcnstler stilisiert, der er zu sein glaubt, dann fehlt unten nur noch der Schriftzug: &#8222;Dies ist kein K\u00fcnstler.&#8220;<\/p>\n<p>Aber wir alle machen uns ein Bild von ihm.<\/p>\n<p><em>Trailer:<\/em><!--more--><\/p>\n<p><object width=\"853\" height=\"505\"><param name=\"movie\" value=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/3XzmR6Pmmgw&#038;hl=de&#038;fs=1&#038;color1=0x5d1719&#038;color2=0xcd311b&#038;hd=1\"><\/param><param name=\"allowFullScreen\" value=\"true\"><\/param><param name=\"allowscriptaccess\" value=\"always\"><\/param><embed src=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/3XzmR6Pmmgw&#038;hl=de&#038;fs=1&#038;color1=0x5d1719&#038;color2=0xcd311b&#038;hd=1\" type=\"application\/x-shockwave-flash\" allowscriptaccess=\"always\" allowfullscreen=\"true\" width=\"853\" height=\"505\"><\/embed><\/object><\/p>\n<p><span class=\"credits\">Foto: Fantasy Filmfest<\/span><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Text setzt eine Reihe zu Filmen fort, die auf dem Fantasy Filmfest 2009 zu sehen sein werden und hier in Frankreich dankenswerterweise schon zu sehen bzw. zu haben waren. 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