{"id":6480,"date":"2012-02-15T20:43:55","date_gmt":"2012-02-15T19:43:55","guid":{"rendered":"http:\/\/buttkickingbabes.de\/?p=6480"},"modified":"2012-02-15T20:43:55","modified_gmt":"2012-02-15T19:43:55","slug":"kid-thing-berlinale-2012-forum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buttkickingbabes.de\/?p=6480","title":{"rendered":"Kid-Thing (Berlinale 2012: Forum)"},"content":{"rendered":"<p>Wom\u00f6glich t\u00e4uscht der Eindruck, aber er dr\u00e4ngt sich doch auf: Dass im amerikanischen Independent-Kino der vergangenen Jahre vor allem das Leben in den S\u00fcdstaaten immer wieder als einsames, menschenfeindliches Dasein beschrieben wird, dessen Trost- und Ausweglosigkeit selbst den aus der sicheren Entfernung des Kinosessel zuschauenden Europ\u00e4er in die Depression rei\u00dfen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>[filminfo_box]<\/p>\n<p>So ist denn auch die Welt in <em>Kid-Thing<\/em> von David Zellner, der im Forum der Berlinale seine Europapremiere erf\u00e4hrt, \u00f6d und voll. Der Himmel mag weit sein, die Wolken ziehen da z\u00fcgig vorbei, aber das verbirgt nur m\u00fchsam wie ausweglos und gleichf\u00f6rmig selbst die Natur zu sein scheint, die immergleichen Stra\u00dfen, Gesch\u00e4fte und Weiden. Mittendrin liegt jede Menge Wohlstandsm\u00fcll herum, die Menschen k\u00fcmmern sich hier nicht um die Dinge, die sie in die Gegend stellen.<\/p>\n<p>Mittendrin die zehnj\u00e4hrige Annie (Sydney Aguirre), um die sich auch niemand recht k\u00fcmmern will. Sie scheint gelegentlich reifer, wenigstens nachdenklich als ihr Vater Marvin (Nathan Zellner, Bruder des Regisseurs und auch f\u00fcr die Kameraf\u00fchrung verantwortlich); aber schon dieses Kind wei\u00df nichts rechtes mit der Welt, den Dingen und Menschen darin anfangen zu k\u00f6nnen: In einem Schuppen wirft sie B\u00fccher und altes Spielzeug zu Boden, sie zerrei\u00dft einen morschen Baumstamm, knipst einem Busch mit einer Zange die Dornen ab und zerschl\u00e4gt schlie\u00dflich einem anderen Kind die Geburtstagstorte.<\/p>\n<p>All das findet fast ohne Gespr\u00e4che statt: Im l\u00e4ndlichen Texas von Annies Welt sind die Gespr\u00e4che verstummt oder fast bedeutungslos, die Menschen k\u00f6rperlich oder geistig versehrt. Die Abstumpfung ist total, und Zellner r\u00fcckt daf\u00fcr nicht, wie es ja popul\u00e4r w\u00e4re, Medienkonsum oder \u00e4hnliches in den Vordergrund, im Gegenteil: Die Menschen wissen schlichtweg nichts miteinander anzufangen. Annies Tage vergehen in ziellosem Herumwandern durch die Umgebung \u2013 die Schule, behauptet sie, ist wegen eines Lecks in einer Gasleitung geschlossen.<\/p>\n<p>Bei einer ihrer Wanderungen st\u00f6\u00dft Annie schlie\u00dflich mitten im Wald auf ein Loch im Boden, aus dem eine Frau um Hilfe ruft \u2013 Esther (Susan Tyrrell) ist dort hineingest\u00fcrzt und nun auf Annies Hilfe angewiesen. Das M\u00e4dchen aber will oder kann ihr zun\u00e4chst nicht helfen, bringt dann aber Sandwiches, Getr\u00e4nke und Funksprechger\u00e4te. Esther wird schlie\u00dflich zu ihrer wichtigsten Gespr\u00e4chspartnerin im Film \u2013 sie wei\u00df nicht einmal, wie sie ihrem Vater davon erz\u00e4hlen sollte, was ihr da im Wald widerfahren ist.<\/p>\n<p>Die freudige \u00dcberraschung des Films ist nat\u00fcrlich die junge Aguirre, die ihrer Annie ein leeres Gesicht und gelegentlich wohldosierte Andeutungen von Emotion verleiht und somit die Grundstimmung des Filmes effektiv unterf\u00fcttert. Zugleich wirken die stellenweise etwas erratisch wirkende Musik und die doch etwas zu stark verlangsamte Erz\u00e4hlweise dem wieder deutlich entgegen.<\/p>\n<p>Aber vielleicht geh\u00f6rt die Ausweglosigkeit und Tr\u00e4gheit der Erz\u00e4hlung genau dazu, dass Zellner hier wirklich keine Hoffnung mehr sieht: Das Loch, aus dem Esther spricht, in der Annie abwechselnd teuflische Versuchung und Freundin sieht, das ist nat\u00fcrlich l\u00e4ngst ein Loch in ihrer Seele, das nicht mehr verschwinden wird, im Gegenteil: Es wird sie vertilgen, und mit ihr die ganze Welt, aus der sie kommt.<\/p>\n<p><embed src=\"http:\/\/www.critic.de\/typo3conf\/ext\/critic_de\/pi1\/flash\/player.swf\" height=\"290\" width=\"480\" allowscriptaccess=\"always\" allowfullscreen=\"true\" flashvars=\"&amp;file=http:\/\/www.critic.de\/typo3conf\/ext\/critic_de\/pi1\/flash\/flv_stream.php?file=48932&amp;logo.file=http:\/\/www.critic.de\/fileadmin\/templates\/images\/critic_trailer.png&amp;logo.link=http:\/\/www.critic.de&amp;stretching=uniform&amp;plugins=gapro-1&amp;gapro.accountid=UA-3166882-1&amp;skin=http:\/\/www.critic.de\/typo3conf\/ext\/critic_de\/pi1\/flash\/skewd.zip&amp;provider=video\" \/><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wom\u00f6glich t\u00e4uscht der Eindruck, aber er dr\u00e4ngt sich doch auf: Dass im amerikanischen Independent-Kino der vergangenen Jahre vor allem das Leben in den S\u00fcdstaaten immer wieder als einsames, menschenfeindliches Dasein beschrieben wird, dessen Trost- und Ausweglosigkeit selbst den aus der sicheren Entfernung des Kinosessel zuschauenden Europ\u00e4er in die Depression rei\u00dfen m\u00f6chte. 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