{"id":7371,"date":"2020-02-11T10:47:40","date_gmt":"2020-02-11T09:47:40","guid":{"rendered":"http:\/\/buttkickingbabes.de\/?p=7371"},"modified":"2020-02-02T17:50:56","modified_gmt":"2020-02-02T16:50:56","slug":"everly-die-waffen-einer-frau-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buttkickingbabes.de\/?p=7371","title":{"rendered":"Everly \u2013 Die Waffen einer Frau (2014)"},"content":{"rendered":"<p>Reduktion. Konzentration. In einigen seiner besten Momente begrenzt sich das Kino selbst, setzt sich Grenzen wie auf einer Theaterb\u00fchne, enger vielleicht sogar. (Man denke nur an Rodrigo Cort\u00e9s\u2019 <em>Buried &#8211; Lebendig begraben<\/em>) Manchmal ger\u00e4t das zu nachgerade an die aristotelische Dramentheorie gemahnende Einheit von Handlung, Raum und Zeit \u2013 und mit ein wenig schmutziger Fantasie, Theaterblut und beweglicher Kamera wird aus diesen Einheiten ein dynamisches Schlachtfest, eine dreckiges Kammerspiel der Gewalt, dem man nicht mehr ansieht, dass es eigentlich auf der r\u00e4umlichen Stelle tritt.<\/p>\n<p>Eine Einzimmerwohnung mit Bad, der Hausflur und die Ahnung benachbarter Appartements \u2013 mehr Raum braucht <em>Everly<\/em> nicht. Am Anfang st\u00fcrzt eine misshandelte Frau in das Badezimmer, im Sp\u00fclkasten der Toilette liegt eine Pistole&#8230; am Ende t\u00fcrmen sich die Leichen. Everly (Salma Hayek) wurde vom Yakuza Taiko (Hiroyuki Watanabe) als Gespielin gehalten \u2013 sie habe es, erkl\u00e4rt sie ihrer Mutter sp\u00e4ter, noch wesentlich besser gehabt als viele M\u00e4dchen, denen sie begegnet ist. Jetzt aber hatte sie sich einem Polizisten anvertraut, und Taiko hatte seinen M\u00e4nnern befohlen, sie zu vergewaltigen und umzubringen. Die rechnen allerdings nicht mit dem \u00dcberlebenswillen von Everly, und nat\u00fcrlich auch nicht mit der Pistole im Klo.<\/p>\n<p>Seine Struktur entleiht <em>Everly<\/em> zum Teil dem Rape-Revenge-Subgenre, allerdings ist seine Heldin nicht eben typisch \u2013 denn eigentlich will sie sich gar nicht prim\u00e4r r\u00e4chen, sondern nur raus, weg hier; aber bevor sie sich gesammelt hat, ist das Mietshaus umstellt, ein Entkommen vorerst unm\u00f6glich. So muss sie sich gegen Welle um Welle von Angreifern zur Wehr setzen; dem Tod springt sie gelegentlich nur mit wenigen Millimetern Abstand von der Schippe, und als einzigen Leidensgenossen hat sie einen reum\u00fctigen, t\u00f6dlich verletzten Yakuza, der auf dem Sofa liegt und nicht mehr aufstehen kann.<\/p>\n<p>Regisseur Joe Lynch hat bisher vor allem selbst kleinere Rollen vor allem in Horrorfilmen gespielt und ein paar k\u00fcrzere Filme gedreht; sein einziger Langfilm vor <em>Everly<\/em> war <em>Knights of Badassdom<\/em>, dessen Produktionsgeschichte so chaotisch war, dass Lynch nichts mehr mit dem (ziemlich entt\u00e4uschenden) Endergebnis zu tun haben m\u00f6chte. \u00dcber <em>Everly<\/em> wei\u00df man von keinen solchen Streitereien, und in der Tat gibt es hier nichts, wof\u00fcr sich Lynch sch\u00e4men m\u00fcsste.<\/p>\n<p>Zugegeben, das Konzept und seine konsequente Weiterf\u00fchrung erm\u00fcden \u00fcber die vollen anderthalb Stunden dann doch ein wenig. Auch wenn Lynch Grausamkeit auf Grausamkeit t\u00fcrmt, immer fiesere (und an einer Stelle geradezu surreal \u00fcberzogene) B\u00f6sewichte auftreten l\u00e4sst und seine Heldin pr\u00fcft, bis der Boden rutschig wird vom vielen Blut: Irgendwann verliert das ein wenig an Reiz. Die Figuren allein sind jedenfalls nicht interessant genug, um dann noch f\u00fcr uneingeschr\u00e4nktes Vergn\u00fcgen sorgen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Aber Lynch empfiehlt sich mit <em>Everly<\/em> doch f\u00fcr Gr\u00f6\u00dferes. Man sah das schon in <em>Knights of Badassdom<\/em> gelegentlich durchscheinen: Ein Gesp\u00fcr f\u00fcr die Inszenierung war da zu bemerken, dar\u00fcber hinaus die Freude am milden, dann stark zunehmenden Wahnsinn. In <em>Everly<\/em> l\u00e4sst er die Kamera auf der Stelle kreisen, w\u00e4hrend ringsum die Waffen sprechen \u2013 und zu jedem Zeitpunkt wei\u00df man genau, wer gerade wo steht, was gerade geschieht, wessen Kugeln wen treffen.<\/p>\n<p>Das ist eine Qualit\u00e4t, die vielen Actioninszenierungen fehlt \u2013 und Lynch schreckt auch nicht davor zur\u00fcck, seine Protagonistin tief ins Tal der Tr\u00e4nen zu schicken. Dabei dehnt er zwar die Grenzen des wirklich Glaubhaften ein wenig (wer w\u00fcrde so viel Morden und Stechen wohl einigerma\u00dfen aufrecht durchstehen k\u00f6nnen?), aber nat\u00fcrlich beruht der ganze Film auf der Illusion, dass man es hier mit einer au\u00dfergew\u00f6hnlich starken Frau zu tun habe; wer das nicht glauben will (und Salma Hayek gibt uns keinen Grund dazu), der hat bei <em>Everly<\/em> sowieso nichts verloren. Sie bricht zusammen und rappelt sich wieder auf. Sie macht weiter, denn irgendwo da drau\u00dfen wartet Everlys kleine Tochter auf seine Mutter&#8230;<\/p>\n<p>Die Kritik ist zuerst in der <a href=\"http:\/\/www.deadline-magazin.de\/\"><em>Deadline<\/em><\/a> erschienen.<br \/>\nWerbelink: <a rel=\"nofollow\" href=\"https:\/\/amzn.to\/31g2Feg\"><em>Everly<\/em> bei amazon.de<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reduktion. Konzentration. In einigen seiner besten Momente begrenzt sich das Kino selbst, setzt sich Grenzen wie auf einer Theaterb\u00fchne, enger vielleicht sogar. 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