Space: the final frontier. Was bei Star Trek den Geist des Aufbruchs ins Unbekannte meint, bekommt in Life in Space eine andere Bedeutung: Die Besiedlung des Mars als postheroischer Spätwestern, der rote Staub des unwirtlichen Planeten eine noch einsamere, noch hoffnungslosere Variante der Wüste von Arizona. Remmy lebt da mit ihren Eltern Ilsa und Reza in einem einsamen Wohncontainer im Nirgendwo, mit ein paar Hühnern und Schweinen, drumherum hartes Gestein, das der krabbenartige kleine Roboter „Steve“ mit Sprengladungen aufbricht. Eine Außenwelt scheint es nicht zu geben, bis dann plötzlich drei Außenseiter auftauchen und Anspruch auf diese kleine Farm erheben.
Sofia Boutella ist die Mutter, Ismael Cruz Cordova der Eindringling Jerry, der ältere Ansprüche auf Land und Haus mitbringt, außerdem eine Rücksichtslosigkeit, die dem Elternpaar abgeht. Brooklynn Prince schließlich spielt Remmy, sie leuchtete schon in The Florida Project, hier blickt sie stumm beobachtend und lernend auf das, was die Erwachsenen tun und sich antun, und zieht ihre eigenen Schlüsse; später, als junge Frau (Nell Tiger Free) wird sie daraus harte Schlüsse ziehen.
Life in Space ist der erste Langfilm von Regisseur und Drehbuchautor Wyatt Rockefeller, eine lange, stellenweise auch ein wenig sehr gedehnte Meditation über Schuld und Sühne. Und auch wenn das Setting naturgemäß vage an Der Marsianer erinnert, hier geht es nicht um wissenschaftlich korrektes Überleben, sondern um Zwischenmenschliches, so sehr in Verhärtungen männlicher Selbstüberhöhung übertragen, dass die Glaubwürdigkeit des Films ein bisschen leidet: Ja, die Widrigkeiten sind groß, aber würden sie es so wirklich so lange miteinander aushalten?
Rockefeller lässt vieles ungeklärt, das ist durchaus eine Stärke seines Films, er bemüht sich gar nicht wirklich, die Hintergrundgeschichte der Marsbesiedelung wirklich zu erklären – von Städten ist kurz ebenso die Rede wie von Krieg. Die Kamera beobachtet in ruhigen, oft statischen Aufnahmen, was geschieht, aber Antworten gibt sie bis zuletzt nicht.
Diese Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.