Der alte Affe Angst (2003)

Oskar Roehler macht nicht lange rum, er haut das Publikum gleich frontal in den emotionalen Scherbenhaufen. Und dabei ist das erst der Anfang: Zwischen Robert und Marie (André Hennicke und Marie Bäumer) ist zwar noch viel Liebe, aber die Beziehung knirscht heftig, weil Robert von ihr sexuell nicht mehr erregt wird. Dann stirbt sein Vater, zu dem er ein schwieriges Verhältnis hatte, die betagte Hauptdarstellerin seines neuen Theaterstücks muss schwerkrank das Bett hüten, und nur bei Prostituierten kriegt er noch einen hoch. Da ist viel angedeuteter (Nicht-)Sex im Spiel, das Unglück häuft und häuft sich zu schier unerträglichen Mengen, Tiefen, Abgründen.

Der alte Affe Angst hatte seine Premiere vor 19 Jahren auf der Berlinale, in Sachen sexuell aufgeladenes Leid in Paarbeziehungen ist Roehler seitdem gewissermaßen metaphysisch rechts von Lars von Triers Antichrist überholt worden. Sein Film wirkt heute entweder eindringlich und dicht oder als nicht wirklich aufgelöstes Portrait (und womöglich versuchte Dekonstruktion) von männlichem Selbstmitleid im Angesicht fast klischeehafter Schicksalsschläge. Emotional kalt kann man diesem Film gegenüber jedenfalls nicht bleiben, irgendwie muss man sich schon aufregen.

Diese Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.