Filmstarts dieser Woche (13. September 2012)

Parada Filmszene

Diese Woche bin ich leider sehr spät dran mit den Kinostarts der Woche (von Donnerstag), aber es war einfach zu viel los. Immerhin zwei der Starts habe ich schon gesehen, und auch wenn ich auf keine langen Texte dazu verweisen kann, seien sie doch kurz angesprochen:

Parada habe ich kurz in der neuen Deadline besprochen – das ist eine bitterkomische Tragödie, eine sehr lustige, sehr ernsthafte Geschichte über das Dasein Homosexueller im zeitgenössischen Serbien. Mich hat sie, trotz aller Klischees und Überzeichnungen, amüsiert, berührt und getroffen – aber das sind so subjektive Kriterien, dass sie vermutlich niemand so recht als Kriterium für seine eigene Wahl treffen sollte.

La Cara Oculta/Das verborgene Gesicht habe ich hier bereits kurz im Kontext des FFF angesprochen: Haunted-House-Variation, die mit dem Genre spielt, aber an und für sich genommen leider nicht vollständig überzeugen kann, was vor allem an der eigentümlichen (und eigentlich, weil gewagten, sehr beglückenden) Erzählstruktur des Filmes liegt.

(Foto: Neue Visionen Filmverleih)

Filmstarts dieser Woche (6. September 2012)

Der kleine Rabe Socke

Von den schönen Filmen, die in dieser Woche starten, kann ich zu dreien mehr oder minder kurze Empfehlungen aussprechen:

Schon auf der Berlinale habe ich Herr Wichmann aus der dritten Reihe sehen können, und möchte den Dokumentarfilm nach wie vor gerne allen ans Herz legen, die ein Herz für seltsame Momente haben oder mal wissen möchten, wie Politik eigentlich so im Alltag der Niederungen passiert. Hier meine Kritik auf kino-zeit.de.

Der kleine Rabe Socke ist, wie ich auf Facebook schon geschrieben habe, ein durchaus sehr schöner deutscher Trickfilm für Kinder:

Deutsche Zeichentrickfilme als Spin-Offs etablierter Figuren (und damit: Marken) sind mir ja eigentlich ein Graus. Aber DER KLEINE RABE SOCKE ist erstaunlich gut und vor allem gut zu seinen kleinen Zuschauer_innen: Zärtlich, ambivalent, spannend, immer auf Augenhöhe, aber nie herablassend. Es gibt weder furchtbaren Schrecken noch einen bösen Antagonisten, aber deshalb ist das noch lange kein süßlicher Kitsch, vor allem nicht mit diesem Protagonisten, der sich um alle Konflikte herumlügt, so lange es geht. Großes Kino, ich würde sagen: ab vier Jahren.

Last but not least: The Cabin in the Woods (produziert vom großartigen Joss Whedon) ist der womöglich großartigste Meta-Horrorfilm der letzten Jahre. In der ersten Hälfte folgt er in dem einen Handlungsstrang den genretypischen Vorhersagbarkeiten, um auf der anderen Seite schon ganz, ganz eigentümlich zu werden; und wir dann derartig gaga-großartig, dass ich vor Lachen mich im Kinosessel kugelte und im Übrigen hocherfreut aus dem Saal kam.

(Foto: Universum Film)

The Dark Knight Rises (2012)

Natürlich musste der Backlash irgendwann kommen – nach den ersten, ach so enthusiastischen Besprechungen von Christopher Nolans so sehr erwartetem The Dark Knight Rises wurden schon die ersten kritischen Auseinandersetzungen von jenen Fanboys, die den Film noch gar nicht gesehen haben konnten, mit so unfreundlichen Invektiven und Reaktionen belegt, dass sich die amerikanische Plattform Rotten Tomatoes gezwungen sah, die Kommentarfunktion zu Kritiken des Films abzuschalten.

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Und trotzdem fragte am Abend nach der Berliner Pressevorführung ein Kollege zu Recht: „Was war da los in den USA?“ Denn was wir vorher zu sehen bekommen hatten, war – und das lag keineswegs nur an der stellenweise abgründig schlechten Synchronisation – keineswegs das Meisterwerk, als der The Dark Knight Rises in den USA gehandelt wurde und wird. Vielleicht fällt das vor allem so deutlich auf, weil Nolan zuvor mit The Dark Knight (meine Kritik) einen Film zustande gebracht hatte, der sich ins Gedächtnis einbrennt und Massen, Kritiker und Fans gleichermaßen begeisterte.

Nolan dürfte also alle künstlerischen und reichlich finanzielle Freiheiten gehabt haben für den Abschluss seiner Batman-Trilogie, und nach dem Vorgängerfilm durfte man sicher Großes erwarten; zumal die Trailer und Clips aus der Marketingmaschine Hoffnung machten. Herausgekommen ist nun aber ein Film, der große Botschaften transportieren will und dann an sich selber scheitert: An der Hybris des zu großen Zugriffs, am fehlenden Mut, diesen mit Bildern zu füllen.

Ich will von Handlung und Wendungen so wenig wie möglich verraten, was man nicht schon aus dem Werbematerial ersehen kann, allein dies also (mit leichten Spoilern): Bane (Tom Hardy, verlässlich massiv, aber grauenhaft synchronisiert) will die Stadt Gotham ins Grauen stürzen, indem er sie von der Außenwelt isoliert und zugleich einer unglaublichen Gefahr aussetzt, während Bruce Wayne/Batman (Christian Bale) für Monate außer Gefecht gesetzt ist. Wayne hatte sich vorher aus seinen beiden Leben – als Milliardär und Wohltäter ebenso wie als dunkler Ritter – völlig zurückgezogen, dies aber auf Drängen seines treuen Butlers Alfred (Michael Caine, always a joy) und von Lucius Fox (Morgan Freeman) aufgegeben.

Bis zu dem Moment, in dem Bane die Stadt in seine Gewalt bringt (großes Explosionskino ist das, die Szene im Footballstadion reines Gänsehauterweckungsritual, wunderbar), ist The Dark Knight Rises überzeugend, spannend und bedrohlich dunkel. Dann aber häuft Nolan erzählerische Nachlässigkeiten auf logische Brüche, um gleichzeitig irgendwie die Auferstehung seines Helden in den Griff zu bekommen – und nichts passt mehr zusammen, der Film fällt in sich zusammen wie ein Soufflé, weil auf einmal die Luft rausgeht. Denn Nolan findet keinen Weg, diese fünf Monate stringent einzubinden – vor allem aber zeigt er nicht, was in dieser Zeit in Gotham vor sich geht. Bane verspricht der Stadt anarchische Unordnung, aber Nolan deutet nicht einmal an, was in der Zeit geschieht, wie abgründig schrecklich sie sein könnte.

Die Monate scheinen schreckenslos und ohne nennenswerte Konsequenzen zu vergehen – monatelang in einer Höhle eingeschlossene Menschen entsteigen ihr schließlich in ordentlich gebügelten Klamotten. Nolan behauptet nur und zeigt nichts; „ein Sturm zieht auf“, flüstert Kyle Wayne zu, aber den Wind bekommt man kaum zu sehen. Das ist in etwa das Gegenteil dessen, was er in The Dark Knight so großartig hinbekommen hatte.

Das mag man als handwerkliche Schwächen sehen, aber es ist eben auch das Scheitern Nolans auf einer weiteren Ebene: Die Conditio humana, dieses ärgerliche, zwiespältige Ding Menschsein, in dem sich Gut und Böse so trefflich mischen, entschlüpft ihm. Er will von ihr erzählen, dem Potential des Menschen zu tief klaffenden Abgründen, aber gelungen ist ihm das nur mit Ledgers Joker: An Bane kann oder will er es nicht zeigen (obwohl er ihm doch auch noch Menschlichkeit geben will), und die Menschen von Gotham sollen sein Thema nicht sein: Dabei müßte es genau um sie gehen, um die Menschlichkeit in Zeiten des Terrors. Bruce Wayne will seiner Stadt helfen, aber warum, das verstehen wir nicht.

Irgendwo darin ist eine Geschichte verborgen, von Kapitalismus, Finanzmärkten und Gerechtigkeit vielleicht, von den oberen 1% und den anderen, sowie den unteren 1%, die wortwörtlich aus der Kanalisation kriechen, um die Macht an sich zu reißen… und vielleicht von der Verlogenheit der Oberen, die „investieren“ wollen, „um das Gleichgewicht herzustellen“, das sie womöglich vorher selbst erst ins Wanken gebracht hatten. Aber vielleicht verbirgt der Film seine Wahrheit auch zu gut, wenn er die Auseinandersetzungen zwischen Batman und Bane allein als düstere, physische Prügeleien inszeniert. Mit dem Joker war es immer ein battle of the wits, hier sind nur Muskeln gefragt.

Anne Hathaway macht eigentlich gute Figur als Selina Kyle (und eigentlich ein bißchen Catwoman – wann kriegt sie ihren eigenen Film, damit wir Halle Berry vergessen können?), kriegt aber nur wenige interessante Szenen und verschwindet für eine ganze Weile völlig unverständlicherweise aus dem Film. Stattdessen tauscht sie in seltsamen Dialogen mit Wayne/Batman unfreiwillig komische Sätze aus, die von lieben Kolleginnen sofort treffend phallisch interpretiert wurden.

Um nicht falsch verstanden zu werden: The Dark Knight Rises ist kein völlig schlechter Film, unterhaltsam ist er allemal (den stellenweise absurd schwachen Kampfszenen zum Trotz) und eben doch gespickt mit großen Momenten, Bildern sowieso. Aber er ist eben auch nicht das ganz große Kino, das ich womöglich selbst auch erwartet hatte – stattdessen sieht man hier einen ziemlich holperig rumpelnden Blockbuster, der viel zu viel Erzählung in immer noch zu viel Laufzeit unterbringen wollte und sich dann nicht mehr für die Details des Erzählens interessieren wollte: Und am Ende wird sogar noch ein Bösewicht demontiert.

Ich muss gestehen, dass ich mit Nolans Batman-Figur nie wirklich etwas anfangen konnte – er war für mich in allen drei Filmen (von denen der erste mir nach wie vor der schwächste scheint) immer eine Leerstelle, reine Reaktion auf die Welt um sich herum. Aber The Dark Knight leuchtet und strahlt in die Welt hinein vor allem, wenn nicht allein, durch die Kraft der Joker-Figur und durch den Mut und die Unbedingtheit im Spiel von Heath Ledger. Hier ist ein Bösewicht, der wirklich die Welt ins Chaos zu stürzen bereit ist, der unsere eigenen Lebens- und Morallügen offenzulegen bereit ist – und Nolan breitete das aus wie funkelnde Diamanten der Bösartigkeit auf einem samtenen Tuch. Da zeigte er Bereitschaft, ohne Rückhalt seinen Helden als fahl, blass, uninteressant erscheinen zu lassen. Sein dunkler Ritter hat sich davon nie erholt; aber The Dark Knight, Heath Ledgers Joker wird uns bleiben. Das ist ein Trost.

(Fotos: Warner Bros.)

Trash am Mittwoch: Hunting Grounds (2008)

Ursprünglich erschienen in Deadline #32, März 2012.

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Der Zombie an sich ist ja ein billiges Monstrum: schon mit ein wenig Latex, Farbe und Kunstblut lassen sich zur Not überzeugende Exemplare der Untoten erstellen, die wenigstens auf kleinen Bildschirm nicht sofort ihre Künstlichkeit ausstellen. Leider hat das umgekehrt auch dazu geführt, dass viele Filmemacher glauben, mit praktisch Null Budget schon einen ordentlichen Zombiefilm machen zu können. Und immer wieder einmal kommt das Ergebnis solcher Bemühungen dann auch auf den Markt, weil ein DVD-Vertrieb der Meinung ist, mit einem so günstig finanzierten Streifen lasse sich wohl doch noch ein wenig Geld verdienen.

Aus genau dieser Ecke kommt Hunting Grounds, bei dem Regisseur Eric Bilodeau (es ist sein erster Langfilm) auch gleich noch für Produktion, Kamera, Drehbuch, Produktionsdesign sowie Spezialeffekte verantwortlich zeichnet. In keinem dieser Bereiche hat er besonders herausragende Leistungen vollbracht. In den allerersten Szenen des Films denkt man noch, das CGI sei so schlecht, weil man Szenen aus einem billigen Virtual-Reality-Computerspiel sieht. Aber nach und nach wird deutlich, dass die schlechten Computereffekte ein Problem des Films sind und nicht Element der Filmhandlung. Leider befinden sich eben auch Drehbuch, Kameraführung und – da ist Bilodeau nicht beteiligt – schauspielerische Leistungen auf dem gleichen Niveau.

Dictado – Childish Games (2012)

Ursprünglich erschienen in Deadline #32, März 2012.

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Das spanische Kino erprobt sich seit einigen Jahren immer wieder recht erfolgreich im phantastisch angehauchten Thriller, an dem die Balance zwischen psychologischem Drama und Horrorfilm immer prekär ist, immer zu kippen droht. Hier ist es der Lehrer Daniel, dessen Lebens ins Wanken gerät, als er von Mario besucht wird, einem Bekannten aus Kindertagen. Kurz darauf nimmt sich Mario das Leben, und seine Tochter, die Daniel und seine Frau Laura in Pflege nehmen, erinnert Daniel mehr und mehr an das dunkle Geheimnis, das er mit Mario teilte.

Childish Games oder Dictado, wie der Film von Antonio Chavarrías im Original heißt, ist sicher nicht der originellste Vertreter seiner Art und hält sich gelegentlich zu sehr an Grundregeln des Drehbuchschreibens, in denen man eine gefährliche Klippe einführt, um sie dann auch gefälligst zu dramatischem Effekt nutzen zu können. Aber ein solider Thriller ist er eben doch, der zwischen Horror und Wahnsinn lange Zeit keinen Unterschied macht – und am Schluss allenfalls ein wenig zu brav daherkommt.

Trash am Mittwoch: Night of the Flesh Eaters (2008)

Ursprünglich erschienen in Deadline #32, März 2012.

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„All this devouring and flesh-eating“, beschwert sich mittendrin eine der Figuren: All dieses Verschlingen und Menschenfleishessen! Dabei wird in Night of the Flesh Eaters davon vor allem viel gesprochen, in den end-, ziel- und planlosen Dialogen, denen man immer wieder ausgesetzt wird. Das soll, wohlgemerkt, komisch sein, wie ein schlecht bezahlter Killer sich Gedanken darüber macht, dass gerade Waldbrand- und Nistsaison sei. Alsbald betritt ein menschenfressendes Zwergvolk die Szene, ein rothäutiger Dämon und diverse andere übernatürliche und stets unfreundliche Erscheinungen, deren Existenz stets ausführlich diskutiert werden muss, bevor es zu wenig aufregenden, grausig inszenierten und nur milde splattrigen Zweikämpfen kommt. Dazwischen serviert uns Regisseur J.R. McGarrity witzig gemeinte Kameraeinstellungen, die einfach nur langweilig sind. Mit anderen Worten: McGarritys zweiter Film nach einem Streifen über fleischfressende und (selbstverständlich weibliche) Strippervampire ist ein völlig unkomisches, technisch ineptes, fades Stück Schrott, das so gerne witziger Trash sein möchte. Latexmonstren einfachster Art hopsen in billigen Pappmachédekors herum, zwischendurch rennen drei bis fünf Personen durch einen Wald, und drumherum wird mythisch gefaselt.

DVD-Kritik: V – Die Besucher (Staffel 2)

Ursprünglich erschienen in Deadline #32, März 2012.

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Es geht erst einmal so weiter, wie es in der ersten Staffel endete: Die Außerirdischen um Kommandeurin Anna (Morena Baccarin) planen die Invasion der Erde, geben sich aber wohltätig und friedfertig. FBI-Agentin Erica Evans (Elizabeth Mitchell), eigentlich als Leiterin einer Sondereinheit zu Annas Schutz abgestellt, will weiterhin mit ihrer kleinen Gruppe von Widerständlern genau diese Invasion verhindern.

Die Neuverfilmung der Serie V – Die Besucher (hier meine Anmerkungen zur ersten Staffel), die nach der nun auf Blu-ray vorliegenden zweiten Staffel eingestellt wurde, gab sich schon von Anfang an nicht mit reiner Oberfläche zufrieden. Darunter schwelten Fragen nach Begrifflichkeiten – wer ist ein Terrorist, wer ein Freiheitskämpfer? –, die mitten ins Herz amerikanischer Selbstwahrnehmung trafen. Und war es schon vorher allein dadurch kompliziert, dass Ericas Sohn Tyler (Logan Huffman) sich in Annas Tochter Lisa (Laura Vandervoort) verliebte, so gehen in der zweiten Staffel die Verwicklungen noch etwas tiefer in Fragen von körperlicher Identität hinein.

Auch wird gut und böse hier fröhlich durcheinander gemischt, wird der Krieg schmutziger. Es geht immer noch um Information und Desinformation, aber mehr noch darum, wie weit man bereit ist, für seinen Kampf zu gehen – was tue ich meiner Seele an, was kann und will ich zu welchem Preis noch mittragen? Und ab wann verrate ich die Menschen, die Echsen an meiner Seite? Aber so fundamental sich V – Die Besucher dann auch immer wieder gibt, die Verwicklungen nehmen doch zuweilen fast schon Soap-Charakter an. Und auch wenn die Serie sich jedesmal einigermaßen glimpflich in die nächste Folge rettet, so merkt man die Mühen des Drehbuchschreibens dem Endprodukt doch ebenso an wie man auf der Blu-ray die Schwächen der CGI deutlich zu Gesicht bekommt. Ein echter Lichtblick ist das regelmäßige Auftauchen von Jane Badler, die in der alten V-Miniserie aus den 1980ern die Alienkönigin gab und nun als Annas Mutter in fast jeder Folge bösartige Kommentare über das Walten ihrer Tochter abgeben kann.

Trash am Mittwoch: Sharktopus (2010)

Ursprünglich erschienen in Deadline #31, Januar 2012.

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Es gibt ja für alle Formen von Fiktion, besonders aber wohl fürs fantastische Kino, die Notwendigkeit der „suspension of disbelief“, also etwa der „Aufgebung des Unglaubens“ über das erstaunliche Geschehen, was sich da auf der Leinwand abspielt. Und während sich die meisten Filme mehr oder minder deutlich darum bemühen, wenigstens innerliche Glaubwürdigkeit herzustellen, kümmert sich Sharktopus einen Schnurz um solche gewöhnlichen Dinge.

Warum auch? Der Streifen wurde von Roger und Julie Corman als TV-Movie produziert, und seine Hauptattraktion ist ein Monstrum, das halb Hai, halb (WTF?) Krake oder Oktopus ist, als solches sich gerne auch mal über Land bewegt und generell für viel schlecht gerendertes Computerblut verantwortlich zeichnet. Wer solche CGI-Monstren à la Mega Piranha mag oder einfach finsteren Trash, wird vielleicht ein Double Feature mit Birdemic (Trailer) in Betracht ziehen wollen. Alle anderen sehen nur eine Handlung, die sich des Prinzips der Aufeinanderlagerung generischer Elemente bedient (eine ganze Küstenregion in Angst und Schrecken! einsame Kämpfer gegen die Gefahr!), bis die ganze Konstruktion über den Köpfen der gnadenlos herumstolpernden Hauptdarsteller zusammenbricht. Bestimmt ein großer Spaß also mit einem noch größeren Kasten Bier.

Nur unter Intoxikation wirklich genießbar

Ghost Rider: Spirit of Vengeance

Ursprünglich erschienen in Deadline #31, Januar 2012.

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Eigentlich hat man gar nicht mehr daran geglaubt, dass im von Sequels durchsetzten Reich der Comicverfilmungen doch noch ein zweiter Teil von Ghost Rider herandonnern würde, aber jetzt hat sich Nicolas Cage ein zweites Mal auf den Motorradsitz geworfen, um als verdammter Stuntfahrer Johnny Blaze auf die Jagd nach bösen Seelen zu gehen und sich gelegentlich unter viel Geschrei in ein brennendes Skelett in Lederkluft zu verwandeln.

Den Regiestuhl teilten sich diesmal Mark Neveldine und Brian Taylor, was immerhin zu einigen Hoffnungen berechtigt: denn als Neveldine/Taylor hat das Duo mit den beiden Crank-Filmen und Gamer drei hochgradig flirrende, hyperkinetische Beispiele für ein Actionkino abgeliefert, in dem sich Kamera wie Handlung schlicht nicht mehr an die üblichen Konventionen halten wollten. Dass das nicht allen gefiel, versteht sich fast von selbst.

Und so drehen sie auch in Ghost Rider: Spirit of Vengeance erst einmal kräftig auf und durch, bringen die Zeit zum Schwingen, entfesseln die Bilder und rücken ihren Figuren nah auf die Pelle. Nic Cage schmeißt sich mit Verve und Overacting in seine Rolle, aber in den Momenten, in denen seine Figur zwischen Besessenheit und Wahnsinn flottiert, fügt sich das mit der Herangehensweise der zwei Filmemacher nicht nur über die Spezialeffekte aufs Allerfeinste.

Das geht gut, so lange der Film seine Figuren hochtourig vor sich her treibt; aber in der zweiten Hälfte des Films ist davon fast nichts mehr zu spüren. Dem Finale geht eine lange, fade Phase von Ruhe voraus, mit der die hyperaktiven Regisseure keinen Umgang finden, und in der man viel zu viel Zeit dafür bekommt, über die abgedroschenen Figuren und Handlungselemente nachzudenken; dass das Drehbuch nun zudem ins vollständig Vorhersehbare kippt, hilft da leider überhaupt nicht. Vom Cast werfen sich immerhin außer Cage noch Idris Elba und Ciarán Hinds (als Antichrist auf Erden) so richtig ins Zeug.

Über die ersten dreißig, vierzig Minuten aber ist das ein Höllentrip.

Hyperaktiv, hyperkinetisch und dann poff

Kid-Thing (Berlinale 2012: Forum)

Womöglich täuscht der Eindruck, aber er drängt sich doch auf: Dass im amerikanischen Independent-Kino der vergangenen Jahre vor allem das Leben in den Südstaaten immer wieder als einsames, menschenfeindliches Dasein beschrieben wird, dessen Trost- und Ausweglosigkeit selbst den aus der sicheren Entfernung des Kinosessel zuschauenden Europäer in die Depression reißen möchte.

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So ist denn auch die Welt in Kid-Thing von David Zellner, der im Forum der Berlinale seine Europapremiere erfährt, öd und voll. Der Himmel mag weit sein, die Wolken ziehen da zügig vorbei, aber das verbirgt nur mühsam wie ausweglos und gleichförmig selbst die Natur zu sein scheint, die immergleichen Straßen, Geschäfte und Weiden. Mittendrin liegt jede Menge Wohlstandsmüll herum, die Menschen kümmern sich hier nicht um die Dinge, die sie in die Gegend stellen.

Mittendrin die zehnjährige Annie (Sydney Aguirre), um die sich auch niemand recht kümmern will. Sie scheint gelegentlich reifer, wenigstens nachdenklich als ihr Vater Marvin (Nathan Zellner, Bruder des Regisseurs und auch für die Kameraführung verantwortlich); aber schon dieses Kind weiß nichts rechtes mit der Welt, den Dingen und Menschen darin anfangen zu können: In einem Schuppen wirft sie Bücher und altes Spielzeug zu Boden, sie zerreißt einen morschen Baumstamm, knipst einem Busch mit einer Zange die Dornen ab und zerschlägt schließlich einem anderen Kind die Geburtstagstorte.

All das findet fast ohne Gespräche statt: Im ländlichen Texas von Annies Welt sind die Gespräche verstummt oder fast bedeutungslos, die Menschen körperlich oder geistig versehrt. Die Abstumpfung ist total, und Zellner rückt dafür nicht, wie es ja populär wäre, Medienkonsum oder ähnliches in den Vordergrund, im Gegenteil: Die Menschen wissen schlichtweg nichts miteinander anzufangen. Annies Tage vergehen in ziellosem Herumwandern durch die Umgebung – die Schule, behauptet sie, ist wegen eines Lecks in einer Gasleitung geschlossen.

Bei einer ihrer Wanderungen stößt Annie schließlich mitten im Wald auf ein Loch im Boden, aus dem eine Frau um Hilfe ruft – Esther (Susan Tyrrell) ist dort hineingestürzt und nun auf Annies Hilfe angewiesen. Das Mädchen aber will oder kann ihr zunächst nicht helfen, bringt dann aber Sandwiches, Getränke und Funksprechgeräte. Esther wird schließlich zu ihrer wichtigsten Gesprächspartnerin im Film – sie weiß nicht einmal, wie sie ihrem Vater davon erzählen sollte, was ihr da im Wald widerfahren ist.

Die freudige Überraschung des Films ist natürlich die junge Aguirre, die ihrer Annie ein leeres Gesicht und gelegentlich wohldosierte Andeutungen von Emotion verleiht und somit die Grundstimmung des Filmes effektiv unterfüttert. Zugleich wirken die stellenweise etwas erratisch wirkende Musik und die doch etwas zu stark verlangsamte Erzählweise dem wieder deutlich entgegen.

Aber vielleicht gehört die Ausweglosigkeit und Trägheit der Erzählung genau dazu, dass Zellner hier wirklich keine Hoffnung mehr sieht: Das Loch, aus dem Esther spricht, in der Annie abwechselnd teuflische Versuchung und Freundin sieht, das ist natürlich längst ein Loch in ihrer Seele, das nicht mehr verschwinden wird, im Gegenteil: Es wird sie vertilgen, und mit ihr die ganze Welt, aus der sie kommt.