Requiem pour une tueuse (2010)

Spätestens seit den diversen Nikita-Filmen und –Serien hat sich das Bild der gedungenen Auftragsmörderin im Kino ja etabliert, und das Poster für Requiem pour une tueuse sollte sicher darauf abzielen, das an ähnlichen Filmen gewöhnte Zielpublikum ins Kino zu locken, so groß ist die Ähnlichkeit zum Poster von Point of No Return.

[filminfo_box]

Das Marketingkonzept war aber wohl offenbar ungeeignet; der Film ist nach zwei Wochen schon fast ganz aus den Pariser Kinos verschwunden, was dafür spricht, daß das Regie- und Drehbuchdebüt von Jérôme Le Gris den Zuschauer_innen zumindest nicht das gegeben hat, was sie sich erwartet hatten. Und in der Tat ist der Film nicht der bleigeladene Actionthriller, der sich in der rot rauchenden Pistole ankündigt, sondern ein ganz anderer Thriller, mit erheblich ruhigerem Vorgehen und leider einigen Arrhythmien.

Lucrèce (Mélanie Laurent) ist Auftragsmörderin und deshalb viel unterwegs. Um endlich mehr Zeit für ihre achtjährige Tochter zu haben und sie nicht dauernd über ihre Arbeit belügen zu müssen, möchte sie aussteigen; ein genretypisch letzter Job soll ihr das ermöglichen, der Sänger Alexander Child (Christopher Stills) soll ausgeschaltet werden, weil er sich weigert, ein Stück Land in Schottland zu verkaufen, das ein großer Ölkonzern für seine neue Pipeline braucht. Also wird Lucrèce, die ohne große Ambitionen, aber mit viel Talent schon lange Gesangsunterricht nimmt, als Sängerin in das kleine Ensemble eingeschleust, das mit Child und anderen Musiker_innen in einem kleinen Schweizer Schlößchen Händels „Messias“ aufführen soll. Ebendort aber fahndet Geheimagent Rico (Clovis Cornillac) nach einem geheimnisvollen Killer, den die Polizei seit Jahren jagt…

Wer hätte gedacht, daß sich in Verbrechens- und Verbrechensbekämpfungskreisen so viele musische Talente verstecken? Der Killer als Sängerin, der Geheimagent spielt dazu Gitarre – und denkt doch zunächst einmal, der Mörder sei wohl der Gärtner. Das Wechselspiel der Intrige funktioniert hier tatsächlich recht gut, es wird getäuscht und laviert, daß es eine Freude ist; aber vorher schon drängte sich der Eindruck auf, daß die Tarnung als Sängerin (eine von vier Solist_innen) doch vielleicht etwas aufwendig und vor allem exponiert ist mit einem solchen Auftrag; wie dann auch überhaupt der ganze Film einen ziemlich gestelzten Eindruck macht, so ganz will sich das eine nicht zum anderen fügen bis ins Finale hinein, bis zu dem es immerhin noch einige leidlich interessante Wendungen gibt.

Le Gris versteht es durchaus, den Verdacht der Zuschauer_innen in die falschen Richtungen zu lenken, und macht davon auch reichlich Gebrauch; tatsächlich sogar so reichlich, daß man dieser Andeutungen überdrüssig wird und sie nicht mehr glauben mag; zu Recht, denn die Auflösung liegt längst überdeutlich und offen zutage.

Der Film hat also mit dramaturgischen und inszenatorischen Schwächen zu kämpfen, mich hat aber darüber hinaus auch noch die geschlechtliche Konstruktion der Hauptfigur nachhaltig irritiert, die zu sehr damit beschäftigt schien, sie gewissermaßen „trotz“ ihrer Arbeit möglichst „weiblich“ zu konnotieren. So ist Lucrèce (dem Poster zum Trotz) in keiner Szene des Films mit einer Schußwaffe zu sehen (anders als Rico natürlich), sie tötet vorzugsweise mit den klassisch „weiblichen“ Waffen, Tricks und Giften also, zur Not (siehe auch den Trailer) darf es auch einmal Sprengstoff sein.

Und dann ist da natürlich die Sache mit der Tochter, das hat schon Tarantino mit Kill Bill mitverhandelt, aber sowohl popkulturell aufgeladener als auch komplexer in den emotionalen Bedeutungen. Bei Le Gris wird daraus das ganz einfache Schema von der Mutter und ihrem Kind, für das sie die Arbeit fallen lassen will. Was danach kommt, wissen wir natürlich nicht, aber das Ende soll wohl als versöhnlich gelten.

Schreibe einen Kommentar

Lesen Sie den vorherigen Eintrag:
Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth (2014)

Zugegeben, eigentlich war spätestens mit Die Bestimmung - Divergent und was da noch folgen mag (z.B. Die Bestimmung - Insurgent),...

Schließen