Texte zu Filmstarts (2. Juni 2011)

Noch eine Nachurlaubsnachreichung: In der vergangenen Woche sind in Deutschland drei Filme angelaufen, die ich vorab gesehen habe- alle drei für ein ganz unterschiedliches Publikum gemacht und gedacht.

Da wäre zunächst The Hangover Part II, die Fortsetzung der durchaus zurecht sehr erfolgreichen Buddy-Komödie The Hangover, in der sich wieder drei nicht mehr ganz junge Herren schrill und pubertär durch extreme Situationen bewegen. Ich fand das für critic.de immer noch einigermaßen komisch, aber man kann das auch völlig zurecht eher ganz und gar furchtbar finden.

Source Code von Duncan Jones habe ich nirgends ausführlicher besprochen, aber besonders mitgerissen oder berührt hat mich der Film nicht; er wirkt zu sehr wie eine Fingerübung, eine emotionslose Versuchsanordnung, ohne besondere Spannung oder Überraschung. Schade, denn Jones‘ Moon fand ich wirklich sehr gut.

Last but wirklich not least ist Somos lo que hay (Wir sind was wir sind) von Jorge Michel Grau ein sehenswertes, seltsames Horrordrama über eine anscheinend kannibalistisch lebende Familie in Mexico City, der vor allem von der Gewalttätigkeit der Welt spricht. Für kino-zeit.de habe ich das etwas ausführlicher beschrieben.

Foto: Warner Bros.

Texte zu Filmstarts (5. Mai 2011)

In dieser Woche starten mindestens zwei sehenswerte Filme in den deutschen Kinos, die ich vorab gesehen habe. Das ist zum einen Wes Cravens neuester Streich, die dritte Fortsetzung seiner Scream-Filme. Scream 4, den ich für critic.de ausführlich besprochen habe, spielt mit den in den ersten drei Filmen bereits etablierten Regeln des Metaslashers, kombiniert das Ganze effektvoll mit Verweisen auf Neue Medien – und macht dann daraus doch einen ganz traditionell effektiven Slasher. Hübsch anzusehen, wenn auch nicht immer sehr furchterregend.

Im französischen Drama Pieds nus sur les limaces (deutsch, fast wörtlich: Barfuß auf Nacktschnecken; meine Kritik steht bei filmstarts.de) mit Diane Kruger und Ludivine Sagnier dreht es sich um subtilere Dinge. Zwei sehr unterschiedliche Schwestern müssen mit den Folgen umgehen, die der plötzliche Tod ihrer Mutter verursacht – und das heißt vor allem: miteinander.

Foto: Central Film

Text zu Filmstart (28. April 2011): Mother and Child

Auch wenn es gut sein kann, daß ich heute abend noch Thor zu sehen bekomme (dessen kritische Rezeption bislang aber eher schlechte Vibes abstrahlt), es gibt einen Film, der morgen startet und den ich zur Sichtung sehr empfehlen kann: Mother and Child aka Mütter und Töchter. Verschorftere Gemüter mögen das Drama etwas zu schmalzig finden, aber mit gewöhnlich gutem Menschenverstand sieht man darin eher eine enorm dichte und nur selten zu viel Pathos verströmende Betrachtung über Elternschaft, Kindschaft und wie wir miteinander umgehen. Die ganz großen Themen also; meine Detailkritik steht bei filmstarts.de.

Foto: Universum

Texte zu Filmstarts (21. April 2011)

Zwei der in dieser Woche startenden Filme habe ich vorab sehen können, und diesmal muß man klar sagen: die Signalfarbe Rot steht für Stop! Warum man sich Red Riding Hood nicht ansehen sollte, habe ich hier ausführlicher aufgeschrieben.

Unbedingt einen Besuch wert hingegen ist Four Lions. Die schwarze britische Komödie über eine Gruppe Möchtegern-Selbstmordattentäter ist brüllend schmerzhaft komisch. Vergangene Woche habe ich auch ein bißchen über die angebliche Zensurdebatte geschrieben, die es im Januar um den Film (nicht) gab.

Foto: Fantasy Filmfest

Texte zu Filmstarts (7., 14. April 2011)

Morgen startet mit Greg Mottolas Paul eine durchaus vergnügliche Science-Fiction-Komödie mit Simon Pegg und Nick Frost; vor allem Kristen Wiig liefert eine hochgradig komische Performance ab. Der ganz große Wurf, die ganz clevere Alienfilm-Parodie (wie es Shaun of the Dead für den Zombiefilm war) ist Paul zwar nicht geworden; aber wer die Hauptdarsteller mag oder dem Genre verfallen ist, wird mit allerlei cleveren In-Jokes versorgt und viel Verständnis für die Besonderheiten von Nerds. Meine ausführliche Besprechung hier im Blog.

Schon seit vergangener Woche trampeln ein paar ganz irdisch-fantastische Wesen durchs deutsche Kino: Trolle. Der norwegische Film Trollhunter ist sehr eigen, aber m.E. für Freund_innen des fantastischen Films unbedingt sehenswert. Etwas mehr dazu hier.

Foto: Universal

Texte zu Filmstarts (17. und 24. März 2011)

Heute startet mit Potiche aka Das Schmuckstück eine sehr komische und wunderbare Komödie aus französischen Landen, in der François Ozon uns mal so richtig zeigt, wie man seine Grandes Dames des Kinos wirklich feiern kann (in diesem Fall: Catherine Deneuve). Details dazu bei critic.de.

Ebenfalls ab heute in den Kinos: Der neue Film mit Nicolas Cage, ein Streifen den wohl niemand wirklich ernst nimmt bzw. ernsthaft anzusehen gewillt sein sollte. Meine Auseinandersetzung mit Season of the Witch/Der letzte Tempelritter kann man bei filmstarts.de nachlesen.

Schon seit vergangener Woche kann man The Rite ansehen, den ich fürs horrorblog.org besprochen habe, und anscheinend war ich der einzige unter den deutschen Kolleginnen und Kollegen, der den Film einigermaßen ansehbar fand. Das kann passieren.

Foto: Concorde

Trash am Mittwoch: The Taint (2010)

Auf eine ganz unsubtil perverse Art hätte dieser Text auch für den Weltfrauentag gepaßt (glücklicherweise kein Mittwoch) bzw. eben nicht gepaßt, denn The Taint, ein trashiger Very-low-budget-Streifen mit mehr Blut als Verstand, geriert sich als gedankenfrei-irrer Feminismussplatter, aber das ist in etwa so, als wolle man Aliens vs. Zombies als kapitalismuskritische Fabel lesen wollen: Versuchen kann man’s ja mal, aber Spaß macht der Film auch so nicht.

Die Handlung, wenn man das so nennen will, beginnt, als Phil O’Ginny (Drew Bolduc) irgendwo im Wald… ich hab schon vergessen, schläft er oder knutscht er mit seiner Freundin? Und war das wirklich der Anfang? Um die Wahrheit zu sagen, The Taint ist eine derart haltlose Ansammlung von Bruchstücken, daß es schon kurz nach Ende des Films schwerfällt, sich an ihren genauen Zusammenhang oder ihre Bedeutung zu erinnern. Nur dies ist hängengeblieben: Eine geheimnisvolle Seuche, wohl übers Trinkwasser vermittelt, scheint nur Männer (aber offenbar alle außer Phil) anzugreifen, die dann sogleich mit blutbeschmierten und angeschwollen aus ihren Hosen hängenden Penissen durch die Gegend ziehen und Frauen ermorden, bzw. ihnen mit Steinen den Schädel einschlagen oder sonstige Dinge antun, die im Splatterkino den Einsatz von viel Latex und Kunstblut erfordern.

Womit wir schon bei einem Vorzug von The Taint sind: Hier ist viel noch handgemacht, die meisten Effekte sind „old school“, aber das macht ja noch keinen guten Film. Irgendwann stößt Phil dann auf Misandra (Colleen Walsh), die ihn aus seinem Stupor und aus dem Wald rausholt und ein wenig zur Klärung der Situation beiträgt. Das geschieht vor allem über langatmige Flashbacks, die mehr als zwei Drittel des Films ausmachen. Sinn ergibt sich daraus übrigens immer nur bedingt, was auch daran liegen mag, daß die Schauspieler_innen nicht nur abgrundtief schlecht sind, sondern auch nur rudimentäre Dialogzeilen zu sagen bekommen (gegrunzt und geschrien wird hingegen viel), was den Eindruck hinterläßt, daß die Filmemacher nicht nur ziemlich faule Menschen sind, sondern ihnen auch wurscht ist, ob die Handlung in irgendeiner Form verständlich wird.

Zwischendrin tut der Film so, als sei ihm das alles Ernst. Als seien die Namen (Phil O’Ginny – Philogenie und Misandra – Misandrie – gettit?) albern gesetzte, aber sonst ernstzunehmende politische Positionen, als werde hier der Misogynie der Welt mit der Erkrankung „The Taint“ nur ein besonders überspitztes Bild gegeben, als gehe es dem Projekt tatsächlich darum, die in Worten und Taten ubiquitäre Frauenfeindlichkeit anzuprangern. Und dann sieht man den dümmlichen Gesichtsausdruck von Phil, seine in der Handlung festgeschriebene Ahnungslosigkeit; und man sieht, daß Misandra schon früher gerne Eichhörnchen erschossen oder mit der Peitsche enthauptet hat (WTF?); und schließlich wird man gewahr, daß die gleiche alberne blonde Perücke, die Phil die ganze Zeit trägt, offenbar auch anderen Komparsen auf den Kopf geschnallt wurde. Und alle Ernsthaftigkeit wird zum offensichtlich schlechten Scherz.

Natürlich sind sich die Filmemacher Drew Bolduc und Dan Nelson wohl einigermaßen bewußt darüber, daß sie ein großes Stück Schrott fabriziert haben, schreiben Sie doch auf der Website zum Film:

THE TAINT is an intellectual experience. It is an violent and misogynistic film about violence, misogyny, and entertainment. It features sadistic violence, gratuitous sexual content, and scenes of spellbinding dramatic interest. It also contains more cock explosions than any other movie ever.

Davon ist mindestens die Hälfte gelogen, oder zumindest grandios übertrieben – der Rest vielleicht sogar Geschmackssache. Aber selbst große Trashfans werden sich nur mit Mühe durch die 75 Minuten Martyrium quälen wollen, die dieser Film für Zuschauer_innen wie Protagonist_innen bereithält.

Der Trailer des Films ist von Anfang bis Ende NSFW und nur dazu geeignet, einen Eindruck von den Schauwerten des Films zu vermitteln, nicht von seiner Schaurigkeit.

Oscars 2011: Nominierungen, Auszeichnungen, Tips

Die Oscarfeier ist vorbei, es war eine insgesamt eher fade Angelegenheit, wie hier im Liveblog nachgelesen werden kann. Die unten fett markierten Filme/Schauspieler_innen/Songs haben die Oscars in ihren jeweiligen Kategorien erhalten. Und ich gehe jetzt schlafen. (5:45 Uhr morgens, Gute Nacht!)

Hier sind die Nominierungen für die diesjährigen Oscars und meine zuweilen recht ahnungslosen Tips darauf, wer wohl in welcher Kategorie gewinnen wird.

Ähnliche Versuche unternommen haben auch Thomas Hunziker, Thorsten Funke (sein Blog), Jannis Walz, die Kritiker_innen des Guardian oder Matt Goldberg von Collider.

Craig Phillips hat sich die Kurzfilme angesehen, die Drehbücher hat Alison Nastasi gesammelt.

Und hier jetzt meine morgen um diese Zeit gewiß schon peinlichen Tips – im Laufe der Nacht werde ich die Sieger_innen jeweils fett hervorheben. Live gebloggt dazu wird dann ab 0:30 Uhr hier im Blog.

Oscarwoche: True Grit

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Ein sehr postklassisch daherkommender Western, dessen Vorbild ich leider nicht kenne, der aber wohl dem Film von Henry Hathaway sehr viel verdankt, vor allem die Dialoge (die natürlich wiederum auf eine Romanvorlage zurückgehen). Es macht ziemlich viel Vergnügen, dem Ensemble zuzusehen, vor allem Hailee Steinfeld macht rundherum glücklich; der Auftritt von Josh Brolin ist eher bizarr kurz, was angesichts seiner dritten Stelle in den Credits doch eher befremdlich ist. Sonst ist das leider insgesamt zu sehr solide und nett; die Coen-Brüder waren aber schon deutlich besser, subtiler, borstiger.

Nominierungen: Best Picture, Best Director, Best Actor (Jeff Bridges), Best Supporting Actress (Hailee Steinfeld), Best Adapted Screenplay, Best Cinematography, Best Art Direction, Best Costume Design, Best Sound, Best Sound Editing (10)

Chancen: In allen Kategorien gibt es starke, meist stärkere Konkurrenten, so daß ich True Grit für die Verleihung eher nicht auf dem Schirm habe. Natürlich ist das ein prächtig ausgestatteter Western, ein guter Film, aber Bridges und die Coen-Brüder sind gerade erst ausgezeichnet worden, was eine erneute Ehrung eher unwahrscheinlich macht. Sonst ist allenfalls Ms Steinfeld so richtiges Oscarmaterial, aber sie dürfte sich gegen die Mitbewerberinnen (vor allem die Damen aus The Fighter werden ja hoch gehandelt) ebenfalls nicht durchsetzen können.

Oscars 2011: Liveblogging

In der kommenden Nacht werden die Oscars verliehen, und das wollen wir ab 0:30 live bloggend und twitternd begleiten. @peternoster von Mostly Movies hat für uns auf Coveritlive ein schönes Livebloggingtool aufgesetzt. „Wir“ sind neben meiner Wenigkeit noch Peter, Beatrice vom International Comedy Festival, @_peekaboo, Anne von Oh, what a world und Philipp von Delphine Hauen. Im Laufe der Nacht kommen bestimmt noch die einen oder anderen Gäste zu diesem illustren Kreis hinzu, und wir freuen uns natürlich, wenn Ihr mitschreibt, -lästert und -kommentiert!

Wer mit uns zusammen die Oscars ansehen möchte, kann das im Fernsehen tun oder online zum Beispiel bei ustream (unten eingebunden; via). Andere Streams sind hier beschrieben. Falls jemand weitere Streaming-Quellen weiß, bitte gerne in die Kommentare schreiben!

Die Nominierungen, kombiniert mit meinen Tips, findet Ihr hier; im Lauf der Nacht werde ich dort auch die Auszeichnungen nach und nach eintragen, so daß man gleich sehen kann, wie weit ich danebenlag!

Ab 0:30 geht es hier los; Pro7 überträgt vom Roten Teppich ab 1:10 Uhr, die eigentliche Zeremonie beginnt um 2:00 Uhr nachts.


Live streaming video by Ustream

Livebloggen findet außerdem heute nacht bei den Fünf Filmfreunden statt, und international natürlich sowieso, z.B. bei Cinema Blend.