Die drei Tage des Condor (1975)

Joseph Turner arbeitet in der American Literary Historical Society in New York. Sein Job: Aus ausländischen Büchern und Presseerzeugnissen Informationen herausdestilliern, die auf mögliche Gefahren für die USA hindeuten könnten. Denn das Büro mit den eher wenig bedrohlich wirkenden Menschen ist eine geheime Niederlassung der CIA. Als Turner an einem Tag von einem kleinen Einkauf zurückkommt, findet er alle seine Kollegen ermordet vor – und wird dann alsbald ebenfalls zum Gejagten.

Sydney Pollacks eleganter, zurückgenommener Thriller aus dem Jahr 1975 ist inzwischen ein Klassiker; stets schwingt mit, wie fragwürdig die moralische Integrität der amerikanischen Institutionen, allen voran der Geheimdienste, geworden ist. Robert Redford spielt den strahlenden (und ambivalenten) Helden, der in Max von Sydow als gedungenem Killer sein Gegenüber findet. Turner kann sich erst bei einer Fotografin (Faye Dunaway) gegen ihren Willen einnisten, überzeugt sie aber schließlich von seiner Unschuld, während er von Auftragsmördern gejagt wird. Pollack lässt sich Zeit damit, seine Figuren vorzustellen und in Bedrängnis zu bringen und zieht seine Spannung weniger aus Verfolgungsjagden als mehr auf direkten, verbalen Konfrontationen, in denen die Kamera den Figuren ganz dicht auf die Pelle rückt.

Diese Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

Der Spion und sein Bruder (Brothers Grimsby, 2016)

Zwei Brüder, als Kinder getrennt. Der eine, Norman, landet am Rande der Gesellschaft, prollig, direkt, gut aufgehoben in seiner ungebremsten Lust am Fussball, an seiner Frau, am Alkohol, ungefähr in dieser Reihenfolge. Der andere, Sebastian, wird gepäppelt und unterrichtet und ist nun der beste Spion und Killer im Auftrag ihrer Majestät – alles für Königin und Vaterland. Eher zufällig treffen die Gebrüder Grimsby als Erwachsene aufeinander, und weil Norman den Verlust von Sebastian nie verwunden hat, hängt er sich ihm an die Fersen und lässt nicht mehr los. Also bricht Chaos aus. Sasha Baron Cohen als Norman und Mark Strong als hochpräziser Hit-Man sind schon eine hübsche Kombination, und Louis Leterrier ist natürlich der richtige Mann, um dem Film ein paar knackige Actionszenen zu geben. Ob man aber das Gesamtkunstwerk goutieren mag, ist wohl absolute Geschmackssache. Denn Cohen und Strong reiten hier durch ein Feuerwerk fieser Kalauer und vor allem derbsten Gross-Out-Humors, bei dem keine Körperausscheidung unberührt und unbenannt bleibt, keine Körperöffnung unpenetriert. Es wird nonchalant getötet und mit Lust über Lüste gesprochen. Vor allem Norman hat da keinerlei Inhibitionen – dafür muss man sich begeistern, sonst wirkt es spätestens im letzten Drittel doch recht schal.

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The Brothers Grimsby - Official Trailer (HD)
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Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.