Rosa

Da ich vergangenes Jahr leider noch nicht zur Opening Night in Sitges war, habe ich dort den Rosa von Jesus Orellana (deviantART-Page) nicht sehen können – ein düsterer Animationskurzfilm über drei Androiden in einer postapokalyptischen Welt. Das erinnert natürlich heftig an 9, verfolgt aber einen ganz anderen Stil. Und auch wenn das Streifchen eher Stilübung als große Kunst ist, lohnt es doch einen Blick, den nun soll daraus ein abendfüllender Spielfilm werden.

(via)

Kurz verlinkt, 2. März 2011

Lesens- und Sehenswertes aus den vergangenen Tagen (16. Februar 2011 bis 2. März 2011):

Oscarwoche: How To Train Your Dragon

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Für irgendwann schulde ich diesem Film noch eine ausführliche Besprechung, dem heimlichen Star des Animationsjahrgangs 2010, der vor allem von Toy Story 3 so stark überstrahlt wird, daß man ihn kaum zu sehen bekam. Zudem verfehlte die Marketingkampagne großflächig das Ziel, die eigentlichen Stärken des Films von Dean DeBlois und Chris Sanders hervorzuheben, der weniger actionreiche Drachenkampfgeschichte ist, sondern viel mehr eine clevere Kombination von Coming-of-Age (ein bißchen), Underdog-Story und Actionkomödie ist – und darüber hinaus in seiner politischen wie ästhetischen Positionierung der bessere, der leichtere, der ehrlichere Avatar. So wenig originell es sein mag, den schwächlichen Sohn eines Wikingerhäuptlings zum Helden zu machen, der dann seine intellektuelle wie emotionale Intelligenz zum Vorteil aller einsetzt (hallo, Wickie!), so grandios unterhaltsam wird das hier umgesetzt.

Nominiert für: Best Animated Feature, Best Original Score (2)

Chancen: Als bester Animationsfilm hat How To Train Your Dragon wohl gegen Toy Story 3 keine Chance (zumal dieser doch noch um einiges komplexer und mitreißender ist); bei der Filmmusik traue ich mir kein Urteil zu, aber ein Oscar für diesen Film würde mich doch sehr, sehr freuen.

Kurzfilm: Tous des monstres

Da Spreeblick den Film vorgestern schon gezeigt hat, sieht ihn wahrscheinlich kaum jemand hier zum ersten Mal; aber Tous des Monstres (Homepage), der Abschlußfilm von Nicolas Deprez, Laurent Jaffier, Pierre Lippens und Gabrielle Lissot, ist auch noch einen Blick leicht wert. Es gilt in der Tat die doppelte Warnung, den Film trotz seiner hübschen Verneigungen vor dem expressionistischen Film womöglich nicht am Arbeitsplatz (oder in anderen nicht-privaten Kontexten) anzusehen und von empfindsameren Naturen fernzuhalten.

Kurzfilm: Salesman Pete and the amazing Stone from Outer Space!

Ein Steak als Sidekick? Bring it on!

Herrlich durchgeknallter Animationsfilm fast ohne Worte, in dem bis zum Zähler von 4 Minuten 30 Sekunden mehr passiert als in manchem Film während der ganzen Laufzeit! So einige Ausrufezeichen wert! Hat auch ein Blog! Gekonnt geschnittener Abschlußfilm von Marc Bouyer, Max Loubaresse und Anthony Vivien! Musik von Cyrille Marchesseau! Mael Vignaux hat das Sounddesign gemacht! Wow!

(via!)

Megamind (2010)

Im Großen und Ganzen hat mir Dreamworks‘ Megamind nicht so besonders gut gefallen: Zu überdreht ist der Film, stets damit beschäftigt, seinen eigenen Unernst vor sich herzutragen, anstatt ihn einfach mal umzusetzen… das wirkt getrieben und bemüht. Der Slapstick ist zerstörungsreich, aber insgesamt doch eher konventionell und jedenfalls nicht transgressiv; die Möglichkeiten der Körpermodulation, die dem computeranimierten Film zu eigen sind, wird nur in der Körperkonfiguration wirklich genutzt, reicht aber nie zur Destruktion des Status Quo hin.

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Dabei gibt es so schöne Ansätze: des Bösewichts Sidekick, der einfach nur „Minion“ genannt wird, ist ein sarkastischer Fisch im Roboteranzug, Megamind selbst (dessen Hirn lange nicht so leistungsstark ist, wie er selbst es wünschte), tanzt und inszeniert sich gern in schwarzen Latexkostümen – wie überhaupt das Gehabe der männlichen Hauptfiguren, da gibt es einiges zu entdecken, traditionelle Männlichkeitsbildern ohne großes Federlesen zu Staub zertrümmert. Das gilt für Megamind selbst, aber auch für seinen Antagonisten Metro Man, den guten Superhelden, den die Stadt Metro City (von Megamind zu meiner großen Freude konsequent wie „atrocity“ ausgesprochen) verehrt.

Dazu paßt auch die schließlich auf die Probe gestellte Bromance zwischen Megamind und Minion, aber wie um nicht zu viel Queerness in den Film zu bringen, bekommt Megamind mit der Reporterin Roxanne natürlich ein klar weibliches romantic interest an die Seite gestellt. Die wird zwar mit viel Aufwand als selbstbewußt, ironisch und distanziert eingeführt, bleibt dann aber irritierend unterentwickelt, ohne freilich auf den Status einer rein funktionalen Figur zu schrumpfen.

Wahrscheinlich ist es letztlich die anfangs konstituierte klare Gegenüberstellung zwischen Gut und Böse, die den Film so mühsam wirken läßt (Böse gegen Böse à la Despicable Me scheint effektiver) – denn natürlich muß sie aufgebrochen werden, weil man dem bezaubernden Megaman den Bösewicht nicht so recht abnehmen kann (großartig seine Frustration, als er feststellt, daß es langweilig ist, böse und allmächtig zu sein). Daß der Film diesen Dualismus erst mühsam abreißt, um ihn dann wieder zu errichten, ohne den inhärenten Widerspruch darin wirklich zu lösen, ist ein bißchen schade.

(Stephen Holden hat in der New York Times den Film schön in die Nature vs. Nurture-Debatte eingebunden.)

Foto: Paramount