Killer’s Bodyguard 2 (2021)

Darius Kincaid und sein liebster meistverhasster Bodyguard Michael Bryce müssen es noch einmal miteinander aushalten. Oder anders gesagt: Samuel L. Jackson und Ryan Reynolds können noch einmal ihre Star Personas für größtmöglichen Reibungseffekt zusammenschmeißen: Der fluchende Dreckskerl auf der einen Seite, der immerzu schimpft und erst schießt, bevor jemand Fragen stellen könnte. Der eigentlich strahlende Saubermann auf der anderen, mit Taschenmesser und Sicherheitsgurten, ewig frustriert, weil er seine Bodyguard-Lizenz verloren hat. Und zwischen all dem springt Salma Hayek als Kincaids Ehefrau Sonia herum, nach Herzenslust in drei bis vier Sprachen fluchend.

Der Plot, der sie zusammenführt, basiert auf einer hanebüchenen Verzerrung Europäischer Politik, die dann aber auch sofort vergessen wird. Kurz zusammengefasst: Darius wird vom Mafioso Carlo entführt, der sich an ihm rächen will und der aber zugleich als Informant für einen so ambitionierten wie eigentlich unfähigen Interpol-Agenten arbeitet (Frank Grillo, der diesmal die Schlägereien anderen überlässt). Weil Carlo die Befreiung von Darius durch Sonia und Michael nicht überlebt, sollen die beiden beim Kauf geheimer Daten an seiner Stelle einspringen – ein geheimnisvoller Bösewicht will das gesamte Internet Europas durch gezielte Angriffe auf Datenknoten lahmlegen.

Warum das alles passiert und ob das funktioniert, spielt eigentlich schon nach wenigen Minuten keine Rolle mehr. Stattdessen betreibt Killer’s Bodyguard 2 die konsequente Übertreibung von Konzept und Umsetzung. Regisseur Patrick Hughes hat schon beim ersten Film und bei The Expendables 3 erproben können, wie man Actionsequenzen inszeniert, und hier tobt er sich aus.

Dabei muss klar sein: Höheres Charakterdrama ist das nicht. Jackson und Hayek ballern rum, was das Zeug halt, sind ordinär und rücksichtslos, ihre Figuren wollen außerdem fortwährend ihre Flitterwochen nachholen, und der Film schreckt da wirklich vor Ordinärem nie zurück, wenn es sich anbietet. Reynolds Michael verbringt Teile des Films bewusstlos oder tagträumend, vor allem aber kontinuierlich in Blutspritzer gehüllt. Zwischendrin haben Antonio Banderas, Morgan Freeman und Richard E. Grant längere oder kürzere Auftritte, Hayek schiebt wiederholt ihre Brüste prominent in die Kamera, und alle haben sichtbar Spaß an dem großen Unsinn, den sie finanziell sicher nicht unbedingt bräuchten.

Es wird gesprengt und gehauen, Helikopter jagen Autos („Das ist jetzt nicht mehr lustig,“ beschwert sich Hayek), Motorräder werden sehr plötzlich gestoppt, Bösewichte werden mit Stich-, Hieb- und Schusswaffen ins Jenseits befördert, zwischendrin fluchen die Kincaids sich die Seele aus dem Leib. Auf jede Schießerei folgt dann noch eine weitere, auf jede Biegung eine Haarnadelkurve, damit die Verluste beim Rausfliegen möglichst groß sind.

Diese Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.

Everly – Die Waffen einer Frau (2014)

Reduktion. Konzentration. In einigen seiner besten Momente begrenzt sich das Kino selbst, setzt sich Grenzen wie auf einer Theaterbühne, enger vielleicht sogar. (Man denke nur an Rodrigo Cortés’ Buried – Lebendig begraben) Manchmal gerät das zu nachgerade an die aristotelische Dramentheorie gemahnende Einheit von Handlung, Raum und Zeit – und mit ein wenig schmutziger Fantasie, Theaterblut und beweglicher Kamera wird aus diesen Einheiten ein dynamisches Schlachtfest, eine dreckiges Kammerspiel der Gewalt, dem man nicht mehr ansieht, dass es eigentlich auf der räumlichen Stelle tritt.

Eine Einzimmerwohnung mit Bad, der Hausflur und die Ahnung benachbarter Appartements – mehr Raum braucht Everly nicht. Am Anfang stürzt eine misshandelte Frau in das Badezimmer, im Spülkasten der Toilette liegt eine Pistole… am Ende türmen sich die Leichen. Everly (Salma Hayek) wurde vom Yakuza Taiko (Hiroyuki Watanabe) als Gespielin gehalten – sie habe es, erklärt sie ihrer Mutter später, noch wesentlich besser gehabt als viele Mädchen, denen sie begegnet ist. Jetzt aber hatte sie sich einem Polizisten anvertraut, und Taiko hatte seinen Männern befohlen, sie zu vergewaltigen und umzubringen. Die rechnen allerdings nicht mit dem Überlebenswillen von Everly, und natürlich auch nicht mit der Pistole im Klo.

Seine Struktur entleiht Everly zum Teil dem Rape-Revenge-Subgenre, allerdings ist seine Heldin nicht eben typisch – denn eigentlich will sie sich gar nicht primär rächen, sondern nur raus, weg hier; aber bevor sie sich gesammelt hat, ist das Mietshaus umstellt, ein Entkommen vorerst unmöglich. So muss sie sich gegen Welle um Welle von Angreifern zur Wehr setzen; dem Tod springt sie gelegentlich nur mit wenigen Millimetern Abstand von der Schippe, und als einzigen Leidensgenossen hat sie einen reumütigen, tödlich verletzten Yakuza, der auf dem Sofa liegt und nicht mehr aufstehen kann.

Regisseur Joe Lynch hat bisher vor allem selbst kleinere Rollen vor allem in Horrorfilmen gespielt und ein paar kürzere Filme gedreht; sein einziger Langfilm vor Everly war Knights of Badassdom, dessen Produktionsgeschichte so chaotisch war, dass Lynch nichts mehr mit dem (ziemlich enttäuschenden) Endergebnis zu tun haben möchte. Über Everly weiß man von keinen solchen Streitereien, und in der Tat gibt es hier nichts, wofür sich Lynch schämen müsste.

Zugegeben, das Konzept und seine konsequente Weiterführung ermüden über die vollen anderthalb Stunden dann doch ein wenig. Auch wenn Lynch Grausamkeit auf Grausamkeit türmt, immer fiesere (und an einer Stelle geradezu surreal überzogene) Bösewichte auftreten lässt und seine Heldin prüft, bis der Boden rutschig wird vom vielen Blut: Irgendwann verliert das ein wenig an Reiz. Die Figuren allein sind jedenfalls nicht interessant genug, um dann noch für uneingeschränktes Vergnügen sorgen zu können.

Aber Lynch empfiehlt sich mit Everly doch für Größeres. Man sah das schon in Knights of Badassdom gelegentlich durchscheinen: Ein Gespür für die Inszenierung war da zu bemerken, darüber hinaus die Freude am milden, dann stark zunehmenden Wahnsinn. In Everly lässt er die Kamera auf der Stelle kreisen, während ringsum die Waffen sprechen – und zu jedem Zeitpunkt weiß man genau, wer gerade wo steht, was gerade geschieht, wessen Kugeln wen treffen.

Das ist eine Qualität, die vielen Actioninszenierungen fehlt – und Lynch schreckt auch nicht davor zurück, seine Protagonistin tief ins Tal der Tränen zu schicken. Dabei dehnt er zwar die Grenzen des wirklich Glaubhaften ein wenig (wer würde so viel Morden und Stechen wohl einigermaßen aufrecht durchstehen können?), aber natürlich beruht der ganze Film auf der Illusion, dass man es hier mit einer außergewöhnlich starken Frau zu tun habe; wer das nicht glauben will (und Salma Hayek gibt uns keinen Grund dazu), der hat bei Everly sowieso nichts verloren. Sie bricht zusammen und rappelt sich wieder auf. Sie macht weiter, denn irgendwo da draußen wartet Everlys kleine Tochter auf seine Mutter…

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.
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Puss in Boots

Wird das ein Desperado für den Familienabend? Mit Hayek und den visuellen Bezügen im Trailer ist der Vergleich womöglich nicht völlig absurd, auch wenn die Handlung, diesem Trailer nach, eher eine klassische Abenteuer/Mantel-und-Degen-Geschichte zu sein scheint. Ich mag auch den direkten musikalischen Bezug auf Pirates of the Caribbean; und natürlich muß Banderas’/Puss‘ hochnäsiges Katerdasein durch einen angemessenen weiblichen Gegenpart ausgewogen werden.

(via)