Der Golem (1920) mit neuer Musik

Wie René berichtet, ist seit drei Wochen der Stummfilmklassiker Der Golem, wie er in die Welt kam in der Neuvertonung durch Black Francis (von den Pixies; Homepage) komplett auf vimeo bereitgestellt:

Da der Film mittlerweile im Public Domain ist, ist die Entscheidung des Musikers, den Film auch mit seiner neuen Musik ebenfalls der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, nur zu begrüßen.

Daß der Film für 88 Jahren keinen Ton gehabt habe, wie bei vimeo behauptet wird („Groundbreaking as it was, the film sat ’silent‘ for nearly 88 years until the San Francisco International Film Festival requested Black Francis score the film and perform it live for their annual film festival in April, 2008.“), stimmt freilich so nicht. Es gab natürlich eine Filmmusik von Hans Landsberger, die 1920 bereits gespielt wurde und von der ich annehme, daß sie in dieser Fassung zu hören ist (kann das jemand bestätigen oder verneinen?), und eine Fassung des Films mit der, äh, modernen Musik von P. Emerson Williams ist bei archive.org verfügbar oder hier als Flashvideo.

Darüber hinaus gibt es auch noch eine Filmmusik von Ajoscha Zimmermann, die 2002 für die restaurierte Fassung des Films entstanden ist und u.a. bei arte schon gezeigt wurde.

Weitere zweihundert frei (und legal) verfügbare Filme gibt es übrigens auf dieser Seite recht übersichtlich aufgelistet.

Addendum 2. November 2010: Hier gibt es noch 21 Mini-Essays zum Golem (auf Englisch; via).

3 Gedanken zu “Der Golem (1920) mit neuer Musik

  1. Ich finde ja sowas geht gar nicht, also moderne Musik über Stummfilmklassiker gelegt, selbst wenn die Musik eigenständig betrachtet cool ist. Ich kann mich da ums Verrecken nicht dran gewöhnen. (Neu eingespielte) Originalmusik ist für mich das einzig Wahre.

  2. @Philipp: Ich bin mir nicht sicher, ob wir da nicht einer falschen Vorstellung von „Original“ aufsitzen, die sich aus einer heute möglichen Rezeptionshaltung ergibt. Ich war gerade gestern auf einer Vorführung von Pabsts Die Büchse der Pandora mit improvisierter Livemusikbegleitung – das war großartig.

    Der Pianist hat anschließend auch noch darauf verwiesen, daß es für viele Filme gar keine originär eigene Musik gibt und daß diese auch für die Zeitgenoss_innen nicht immer präsent war – orchestrierte Musik etwa wurde sicher nicht in jedem Kino gespielt, allein schon aus Kostengründen. Stattdessen hatten die Musiker (oft Pianisten) zwar vielleicht gelegentlich Noten vorliegen, oft haben sie aber Standardrepertoires gehabt, über die dann mehr oder minder frei improvisiert wurde.

    Hier wird dazu noch einiges Interessantes aufgedröselt.

Schreibe einen Kommentar

Lesen Sie den vorherigen Eintrag:
Orphan Black – Staffel 4 (2016)

Tatiana Maslany ist ein Wunder. Mit jedem Jahr, in dem sie die Klone aus Orphan Black spielt, wird ihre Darstellung...

Schließen