Black Christmas (2006)

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Ich muß gestehen, daß ich das Original von 1974 nicht kenne, das diesem Remake aus der Hand von Glen Morgan (der sonst als Regisseur bisher nur Willard mit Crispin Glover gemacht hatte) zugrunde liegt. Der Inhaltsangabe bei Wikipedia nach gibt es aber zumindest in Sachen der Handlung doch einen klaren Bezug, auch wenn Morgans Neufassung stärker Themen einbindet, die sich zum Beispiel in den zahlreichen Halloween-Slashern ebenfalls finden. Ein Metahorrorfilm wird sein Black Christmas dadurch freilich noch lange nicht – und ich vermute, daß man ihn nicht nur aufgrund seiner expliziten Brutalität auch kaum als ironische Neuauflage lesen kann.

Die Handlungskonstruktion besteht aus nachgerade archetypischen Versatzstücken: Studentinnen einer amerikanischen „Sorority“ sind zum Weihnachtsfest noch versammelt, können das Haus aber wegen eines Schneesturms eigentlich nicht verlassen, um zu ihren Familien und Freund_innen zu fahren. Stattdessen versammelt man sich unter Ägide der „house mother“ am Weihnachtsbaum und verteilt offenbar gewichtelte Geschenke. Parallel dazu bricht ein psychisch kranker Mörder aus seiner Zelle aus, der im gleichen Haus vor vielen Jahren seine Eltern ermordet hatte – und alsbald dezimiert sich die Zahl der jungen Frauen deutlich und auf wenig angenehme Weise.

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Die brutale Gewalt, die der Film mit einiger Inbrunst ausstellt – schon die Zahl der Toten in den ersten Minuten ist einigermaßen bemerkenswert -, hat wenig mit dem humorig unterlegten Splatter zu tun, den etwa der Zombiefilm oft präsentiert; stattdessen will Morgan hier eine ganz und gar grimmige Geschichte erzählen. Dazu wird das Familienthema („echt“, Patchwork oder Wahlgemeinschaft?) schmerzhaft mit dem Weihnachtstamtam zusammengebracht („She’s my family now“ ist ein Refrain, der hier aus Mördermunde immer wieder zu hören ist, und gemeint sind meist jüngst Verstorbene). Ein Flashback auf die Vorgeschichte des Mörders (samt Ermordung seines Vaters und Inzest – the whole nine yards) oszilliert so in einer gewissen bösartigen Harmonie mit den Streitereien und Unfreundlichkeiten zwischen den Sorority-„Schwestern“, die da zusammen wohnen. Das ganze Haus mag innen und außen bunt und fröhlich dekoriert sein, im ganzen Haus findet sich kein Frohsinn und kein Glück.

Black Christmas wird aber nie zu einer metaphysisch aufgeladenen Meditation über Liebe, Familie und das Weihnachtsfest – das ist ein ganz und gar basaler, diesseitiger, gelegntlich inszenatorisch interessanter, vor allem aber mörderischer Slasher, der es am Schluß sogar vermag, seine vermeintlichen logischen Schwächen noch geschickt wegzuerklären. Und dennoch ist er, wie die meisten Slasher, vor allem ein Abzählreim auf Zelluloid, bei dem am Schluß nur noch die Frage übrig bleibt, wen es als nächsten, wen als letzten trifft.

Die Brautprinzessin im Krieg der Sterne

Moment, einen habe ich noch!

Eigentlich wollte ich dieses großartige Poster von Matt Ranzetta, das meine große, alte Liebe für Star Wars mit meiner etwas frischeren, aber nicht weniger heftigen Zuneigung für The Princess Bride (mehr noch für das herausragende Buch als für den Film) in Verbindung bringt (Ranzetta hat noch vier weitere Motive entworfen, die es jetzt auch auf T-Shirts und Postern gibt – macht den Mann reich! – via) dafür nutzen, auf ein Video hinzuweisen, das die beiden genannten Artefakte aufs schönste verbindet.

Leider kann ich mir das Video aber nicht einmal ansehen, weil es angeblich irgendwelche Rechte verletzt, obwohl es mir vor allem Lust darauf macht, mir nochmal alle sieben betroffenen Filme anzusehen. Nunja. Wer mir das hier bei Topless Robot eingebundene Video „Star Wars meets The Princess Bride – The Chatty Duelists“ in einer Form findet, die ich mir auch ansehen kann, bekommt ein großes, großes Fleißsternchen mit Prinzessin dran.

Kurzfilm: Nuit Blanche

Durch den Blogeintrag des in dieser Hinsicht stets sehr aufmerksamen Markus bin ich auf Nuit Blanche von Arev Manoukian (Kamera und Regie; IMDb, Homepage) aufmerksam geworden, ein aufregender und u.a. auf der ARS Electronica 2010 ausgezeichneter Kurzfilm im Stil des Film Noir.

Daß dabei heftig mit Computern gearbeitet wurde, ist sicher keine Überraschung: Das Making-Of ist aber dennoch äußerst bemerkens- und sehenswert:

You Better Watch Out (1980)

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Das ist ein seltsamer Film: You Better Watch Out, auch unter dem Namen Christmas Evil vertrieben, ist der vielleicht erste, der „ursprüngliche“ Weihnachtsslasher Slasher mit mörderischem Weihnachtsmann* (noch vor Silent Night, Deadly Night), aber kaum jemand kennt ihn wirklich. Und obwohl John Waters den Film angeblich jahrelang auf seinen Weihnachtsfeiern zeigte, ist er nur mit Mühe auffindbar; in Deutschland gibt es derzeit keine DVD auf dem Markt.

Das alles hat natürlich damit zu tun, daß man es hier mit einem Low-Budget-Produkt zu tun hat, das sich einer großen Öffentlichkeit nie so recht präsentieren konnte – für die You Better Watch Out aber wahrscheinlich auch zu sperrig, zu seltsam und zu langatmig geraten sein könnte. Denn die Erwartungen, die etwa die derzeit verwendeten Cover wecken, gehen an Lewis Jacksons Film doch ganz klar vorbei.

Hier gibt es keinen mörderischen Weihnachtsmann, der allein auf Mord und Blutvergießen aus wäre. Harry Stadling (Brandon Maggart) ist stattdessen ein sehr einsamer Mann, der bis vor kurzem am Fließband einer Spielzeugfabrik arbeitete und nun auf einen Schreibtischjob befördert wurde, was ihm nicht so recht behagt. Sein sonstiges Leben führt Harry freilich in einer ganz an Weihnachten und Santa Claus orientierten Welt: Er schläft im roten Kostüm, macht Dehnungsübungen zu Weihnachtsmusik und beobachtet dann die Kinder der Nachbarschaft, um ihr Betragen anschließend in einem großen Buch festzuhalten.

Seine (völlig platonischen und nie sexualisierten) voyeuristischen Eskapaden deuten an, daß der Film eigentlich komplexere Subtexte hat, als er sich zugestehen mag. Da geht es natürlich um das wahre Verhältnis des Weihnachtsmanns zu Kindern, um Santa Claus als Mann in Drag (so interpretiert Waters den Film), aber eben auch um die Trennung zwischen Gut und Böse, brav und ungezogen, naughty or nice, die der Film aus der Prä-Coca-Cola-Weihnachtswelt zurück in seine Gegenwart transportiert, die aber nicht so recht zu dem Mann im roten Mantel passen will.

So ist auch die Welt, in der Harry lebt, an den Ideen von Weihnachten recht wenig interessiert (ein immer wieder auftauchendes Thema des Weihnachtsfilms natürlich, das hatte ich hier ja auch schon beim Grinch bemerkt; es trägt offenbar selbst bis in den Horrorfilm hinein). Die Spielzeugfabrik verschenkt zwar angeblich Geschenke an kranke Kinder, aber Harry kann nicht herausfinden, wie viele das sind oder ob es sich nur einen Marketing-Trick handelt. (Das monochromatische Spielzeug, das die Fabrik herstellt, ist übrigens eine der traurigsten Aussagen über kapitalistische Massenproduktion, die ich je gesehen habe.)

Hinzu kommt, daß Harry eine psychische Deformation hat, die sich aus der Überinterpretation des Regisseurs und Autors Jackson bezüglich der Freudschen Urszene ergibt: Harry hat nämlich als kleines Kind beobachtet, wie der Weihnachtsmann (also sein verkleideter Vater) sich seiner Mutter unterm neben dem Weihnachtsbaum sexuell näherte. Das hat ihn offenbar so schwer mitgenommen, daß er nun, als sich seine Auseinandersetzung mit der Fabrik zuspitzt, sich selbst wortwörtlich als den echten Weihnachtsmann versteht (samt ekstatischer Freude vor dem Spiegel, mit angeklebtem Bart: „It’s me! It’s me!“).

Und dann geht der Mann eben seiner Wege und seiner Aufgabe nach. Die bösen Kinder werden allerdings nicht bestraft; für die gibt es reichlich Geschenke, für das Krankenhaus gleich einen ganzen Transporter voll. Die bösen Erwachsenen freilich kommen nicht ungeschoren davon, da kommen Spielzeuglanzen, Beile, Messer und sogar Weihnachtsbaumdekorationen zum tödlichen Einsatz. Erst am Schluß, als ein fackelschwingender Mob à la Frankenstein ihn durch die Straßen jagt, wird ihm klar: „They don’t want Santa Claus!“ Oder jedenfalls nur die weichgespülte Version. Und dann durchbricht er mit seinem Auto ein Geländer und fliegt, wie von Rentieren gezogen, über einen vom Vollmond erleuchteten Himmel.

I kid you not. Der surreale Schluß ist gleichwohl der beste Moment des Films, der vorher nie so richtig in die Puschen kommt und sich über seine 100 Minuten doch recht mühselig dahinzieht. Lange Zeit passiert nämlich eigentlich gar nichts, und man mag diese Szenen dem Film nur deshalb verzeihen, weil sie mit einigermaßen brauchbaren Schauspieler_innen gefüllt sind, und sie gelegentlich auch zur Charakterisierung des Protagonisten und seiner Welt beitragen. Zwischendrin ist aber auch unglaublich viel Leerlauf, viel zu lange Einstellungen und nutzloser Füllstoff, und das alles vor eher billigen Kulissen (das 1947 vom Anfang des Films sieht dem zeitgenössischen Ende der 1970er Jahre doch sehr, sehr ähnlich) – daß Lewis Jackson danach nie wieder einen nennenswerten Film gemacht hat, mag sich auch aus diesen Eindrücken erklären.

(Lesenswert: Das Interview mit Lewis Jackson bei FEARnet.)

*Der Dank für den präzisierenden Hinweis gebührt Thomas Vorwerk!

Online ansehen: Guest of Cindy Sherman (2008)

Auf der Website babelgum.com ist der Dokumentarfilm Guest of Cindy Sherman in voller Länge als „online world premiere“ im Stream zu sehen. Das Video, wie unten geschehen, kann auch auf eigene Webseiten eingebettet werden.

Die Dokumentation von Tom Donahue und Paul Hasegawa-Overacker („Paul H-O“) beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen H-O und der (von mir sehr verehrten) amerikanischen Künstlerin und Fotografin Cindy Sherman. In ihrem Blog beim Independent beschreibt Matilda Battersby den Film als a unique insight into the Nineties art scene und als a candid look at the culture of celebrity among contemporary artists but is also a bittersweet love story filmed over 15 years.

Der Film ist meiner Meinung nach allein schon deshalb interessant, weil Aufnahmen von Sherman (außer in ihren eigenen Fotos, in denen sie fast immer selbst die Hauptdarstellerin, das Motiv ist) einigermaßen selten sind.

Sherman hat sich übrigens selbst einmal als Regisseurin versucht, in dem hochgradig amüsant grenzwertigen Office Killer; und in John Waters‘ Pecker hat sie einen kurzen Auftritt als sie selbst.

(via)

Jugendmedienschutz-Staatsvertrag

Noch’n Update (2.12.2010): Auf netzpolitik.org werden Vetters Positionen kritisch mit anderen Stimmen kontrastiert.

Update (1.12.2010): Udo Vetter bringt mit seinem juristischen Sachverstand und viel Gelassenheit ein wenig Ruhe in die Diskussion.

Ich habe mich hier im Blog mit politischen Themen, auch medienpolitischen, bisher fein zurückgehalten; aber mir scheint doch, daß die Diskussion um den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) hierher gehört. Von den Folgen der Regelungen, die gerade durch die Länderparlamente gejagt werden, sind nicht nur die großen Medien betroffen, sondern nun sämtliche Publikationen im Netz (soweit sie jedenfalls in Deutschland entstehen), und das heißt eben auch: jedes private kleine Blog genauso wie die großen Medien.

Halt, das stimmt nicht ganz, denn

Seiten, die „Nachrichtensendungen [und] Sendungen zum politischen Zeitgeschehen“ entsprechend und an deren Inhalten ein „berechtigtes Interesse“ besteht, sind ausgenommen. Damit wären große Medienseiten wie z.B. Spiegel Online oder prominente Blogs wie Netzpolitik ausgenommen.

Die Betreiber_innen von Filmblogs sind meiner Meinung nach deshalb etwas anders betroffen, weil ich mir nicht sicher wäre, wie es zum Beispiel aus Sicht des Jugendschutzes zu bewerten ist, wenn ich über Filme schreibe, die erst ab 16 Jahren freigegeben sind, oder gar mit solchen, die in Deutschland keine Jugendfreigabe haben (oder auch deshalb keine Freigabe, weil sie in Deutschland nicht erschienen sind). Wie wäre all das zu bewerten? Für mich gäbe es nur die Möglichkeit, die gesamten Inhalte des Blog auf „ab 18“ zu setzen.

Die technischen Sperren, die dafür eigentlich vorgesehen wären, kann ich freilich nicht leisten, und andere Blogs sicher auch nicht – eine Abfrage des Personalausweises ist technisch zu aufwändig, und die Sperrung des Blogs außer zu finsteren Nachtstunden käme einem Todesurteil nicht nur für dieses Blog gleich. De facto würde die Umsetzung des JMStV in seiner jetzigen Form bedeuten, das die meisten Blogs und privaten Webseiten (alle Webseiten, auch längst stillgelegte!) sich als „ab 18“ einstufen müßten, um nicht unter erheblichem rechtlichem und finanziellem Risiko zu operieren.

Wer mehr Details zum JMStV wissen möchte, dem/der empfehle ich zunächst die 17 Fragen und Antworten zum neuen JMStV, die das Magazin t3n zusammengestellt hat, sowie den offenen Brief (PDF; Pressemitteilung dazu).

Eine politische Einordnung macht annalist, die auch auf einen Text verweist, in dem etwa die wirtschaftlichen Interessen der Telekom an diesem Projekt expliziert werden (zu weiteren Profiteuren siehe hier und hier); zur Lage in Nordrhein-Westfalen gibt es Hintergründe beim Pottblog und eine Brandrede von Thomas Knüwer.

Juristisches dazu gibt es bei Thomas Stadler und bei YuccaTree.

Und was kann man tun? Natürlich auf die Abgeordneten in den Länderparlamenten einwirken. In folgenden Landtagen wird noch abgestimmt:

vsl. 7./8. Dezember: Saarland (Anhörung am 02. Dezember)
vsl. 9. Dezember: Berlin
vsl. 14.-16. Dezember: Bayern, Brandenburg
vsl. 14.-17. Dezember: Sachsen, Schleswig-Holstein
vsl. 15.-16. Dezember: Nordrhein-Westfalen
15. Dezember: Mecklenburg-Vorpommern

(Quelle: netzpolitik.org, wo auch darauf hingewiesen wird, daß die eigentlichen Entscheidungen wohl schon vorher in Fraktionssitzungen fallen dürften. Die Zeit drängt also!)