How the Grinch Stole Christmas (2000)

Logo Weihnachtsfilm-Blogathon

Als ersten eigenen Beitrag für den Weihnachtsfilm-Blogathon habe ich mir einen Film ausgesucht, von dem ich mir möglicherweise irgendwann sogar heimlich geschworen hatte, ihn mir nie ansehen zu wollen, nienienie: How the Grinch Stole Christmas von Ron Howard, mit Jim Carrey in der Titelrolle (als Grinch natürlich, nicht als Weihnachtsfest).

Der Grinch ist eine Figur, die hierzulande wohl so wenig bekannt ist wie auch die meisten anderen Schöpfungen von Dr. Seuss/Theodore Seuss Geisel (daß ich z.B. The Cat in the Hat ein bißchen kenne, ist eher Zufall und familiäre Gegebenheiten). Er wohnt in der Nähe von Whoville, wo mit Hingabe Weihnachten gefeiert wird – weil er das aber den Bewohner_innen der Stadt nicht gönnt, spielt er ihnen erst Streiche, um schließlich, als Weihnachtsmann verkleidet, ihnen Weihnachten gleich ganz zu nehmen, indem er alle Geschenke und Weihnachtsbäume mitgehen läßt.

[filminfo_box]

Grinch beginnt eigentlich noch recht vielversprechend als ziemlich explizite Kritik an einem rein konsumistisch verstandenen Weihnachtsfest: Da kaufen die „Whos“ alle ein wie verrückt, und die entscheidenden Bilder sind: Kassen, Geld, Geschenke. Neben einer Geschichte von Ungerechtigkeit und Außenseitertum (in deren Zentrum natürlich der Grinch selbst steht) ist das aber leider auch alles, was dem Film einfällt: Komplexer wird es nie. Denn am Ende ist die Botschaft, schlicht und schlicht: Bei Weihnachten geht es nicht nur um die Geschenke, sondern um das Miteinander; und in diesem Miteinander soll niemand ausgeschlossen sein, denn jede_r ist wertvoll und wichtig. Schmalziger geht Weihnachten nicht.

Der Weg dahin ist freilich ein bis an den Rand vollgestopfter. Die bösen Streiche und Methoden des Grinch sind durchaus lustig; die Whos bekommen böse Post zum Fest, die Geschenke werden mit einem großen Staubsauger aufgesaugt, die Weihnachtssocken über dem Kamin von rasend schnell fressenden Motten zerkaut. Aber Subtilität kennt der Film nicht, nur Offensichtlichkeiten, und diese türmt er noch aufeinander, bis es aus den Rändern herauszuquellen scheint. Die Bilder sind hier stets zu bunt, zu fröhlich, zu voll, zu laut, zu bumm, und gerade Linien gibt es kaum.

Gleichwohl muß man natürlich eingestehen, daß zumindest die Schlichtheit der Geschichte schon der Vorlage entstammt; dabei handelt es sich aber um ein eher knappes Kinderbuch, dessen filmische Umsetzung im Grunde mit dem 26-minütigen Fernseh-Animationsfilm letztgültig erledigt zu sein schien, den Chuck Jones 1966 verantwortete. (Unten anzusehen.)

Und in der Tat ist die (holzhammerartige) Kapitalismuskritik natürlich eine Neuerung des Howard/Carrey-Unternehmens (das in meiner Wahrnehmung für beide ein Tiefpunkt ihrer respektiven Karrieren war), und sie hat lichte Momente. Etwa wenn der Grinch nicht nur die Geschenke anprangert, sondern die Wegschmeißkultur gleich mit (er wohnt neben der Müllkippe): „That’s what it all is about: gifts, gifts, gifts. They all come to me in my garbage.“ Später wird der Hund, der die Rolle des Rentiers am Schlitten spielen muß, sich weigern, eine rotleuchtende Nase anzuschnallen, und da wird der Grinch fast politisch: „You reject your own nose because it represents the glitter of commercialism!“

Durchaus interessante Ansätze liegen auch in der seltsamen sexuellen Anziehung, die offenbar zwischen dem Grinch und der Dorfschönheit besteht (Furries, anyone?) und den sonstigen, sehr vorsichtigen anzüglichen Andeutungen des Films. Babies kommen hier in beschirmten Körbchen vom Himmel gesegelt, und ein glücklicher, frischer Vater ruft im Moment des Fundes nach seiner Frau: „Honey, our baby is here!“, und nach einer irritierten Pause: „He looks just like your boss.“

Aber Grinch beläßt es trotz seiner 104 Minuten Laufzeit bei solchen Andeutungen von Tiefe, und bis zum (fast) allgemeinen Glück im Finale passiert dann auch nichts mehr – außer eben viel Gebläse, Trara und Geschrei.

***

Und hier als Bonustrack Chuck Jones‘ How the Grinch Stole Christmas! von 1966, weniger aufgeregt und näher am Originaltext:

1 Gedanke zu “How the Grinch Stole Christmas (2000)

Schreibe einen Kommentar

Lesen Sie den vorherigen Eintrag:
Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth (2014)

Zugegeben, eigentlich war spätestens mit Die Bestimmung - Divergent und was da noch folgen mag (z.B. Die Bestimmung - Insurgent),...

Schließen