What happened to Monday (2017)

Klimawandel, Überbevölkerung – schon sind alle Ingredienzien für einen klassischen SciFi-Thriller mit Endzeitgefühl versammelt. Tommy Wirkola, der zuerst mit Dead Snow Aufsehen erregte und dann mit Hänsel und Gretel: Hexenjäger einen märchenhaft bizarren Genrehybrid in die Welt setzte, macht sich eine grau-urbane Welt zurecht, in der große Teile der Erde unbewohnbar geworden sind.

Als seine Tochter bei der Geburt von identischen Siebenlingen stirbt, muss Terrence Settman (Willem Dafoe) sich entscheiden, was er mit den Mädchen tun soll – denn es gilt eine strikte Ein-Kind-Politik; Geschwister (von Mehrlingen zu schweigen) werden in einen Kälteschlaf versetzt, bis sich Klima und Ernährungslage wieder gebessert haben. Verantwortlich für diese Maßnahmen ist die Politikerin Nicolette Cayman (Glenn Close), und ihre Behörde sorgt dafür, dass durch kontinuierliche Kontrolle niemand die Chance bekommt, durchs Raster zu schlüpfen.

Settman benennt seine Enkeltöchter nach den sieben Wochentagen und bringt ihnen bei: Jedes der Mädchen darf jeweils nur an dem Wochentag auf die Straße, die ihren Namen trägt. Alle müssen draußen diszipliniert bleiben, weil sie für die Welt nur die eine Identität von Karen Settman darstellen. Das funktioniert 30 Jahre lang, auch nach Terrences Tod, erstaunlich gut – aber dann kommt eines Tages Monday abends nicht nach Hause, und die Schwestern wissen nicht, was ihr widerfahren ist…

Noomi Rapace glänzt in der Rolle der siebengestaltigen Karen Settman und gibt jeder der Schwestern ein ganz eigenes Leben – erkennbar nicht nur an Kleidung und Frisur, sondern auch in Mimik, Gestik und Körperhaltung. Das strahlt auch noch nach, wenn der Film nach und nach zum Abzählreim gerät und macht auch den recht vorhersehbaren Twist einigermaßen wett. Das ist von Wirkola alles ordentlich inszeniert – nur eine Metaebene, etwas mehr Reflektion über die Themen hätten dem Film noch gut getan.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.
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Holiday – Sonne, Schmerz und Sinnlichkeit (2018)

Die Männer sind schon da, in der Villa im türkischen Bodrum, das Meer ist nur einen Steinwurf weit entfernt, im Hafen unten lagern die Yachten und Segelboote. Sascha (Victoria Carmen Sonne) ist nachgereist, ganz allein läuft sie durch die Gänge des Flughafens, als sei sie allein aus einem Privatjet ausgestiegen; dann aber reist sie mit einem gewöhnlichen Bus weiter, trifft schließlich ihren Freund (Lai Yde), für den sie offenbar Geld durch den Zoll gebracht hat – sie hat etwas abgezweigt, das wird zwar unter den Teppich gekehrt, aber nicht ohne Drohung: Noch einmal darf das nicht passieren.

Saschas Vergehen bleibt dann in Isabella Eklöfs Debütlangfilm wie ein Fremdkörper am Anfang stehen, es wird nicht mehr erwähnt und bleibt in der Tat folgenlos; das entspricht dem mäandernden Verlauf von Holiday, dessen deutsche Verleihergänzung Sonne, Schmerz und Sinnlichkeit nicht weiter von der Wahrheit sein könnte: Von Sinnlichkeit jedenfalls keine Spur. Und eigentlich auch nicht von einer Handlung, sie ist reduziert auf das Allerwenigste: Michael macht krumme Geschäfte (anscheinend mit Drogen, im Hintergrund sollen jedenfalls irgendwelche Treffen stattfinden, aber bitte nicht in seiner Villa), Sascha verbringt die Tage mit Einkaufen, Sonnenbaden, manchmal gehen alle zusammen essen. Aus ihrer Perspektive, der der Film konsequent folgt, bleibt weitgehend unklar, was die Kumpel von Michael, alles spürbar keine Profiverbrecher, eigentlich treiben.

Sascha spricht in einem Eiscafé den Niederländer Thomas (Thijs Romer) an, der auf seinem Segelboot wohnt, und trifft sich ab und an aus Langeweile mit ihm. Es ist eigentlich nichts Ernstes, aber sie ist jung, blond, sehr dünn und schön, vielleicht passiert ja doch mehr, als sie ihm dann zum gemeinsamen Ecstasy einlädt. Michael wird, ganz der maskuline Möchtegern-Drogenboss, natürlich eifersüchtig, aber es endet dann doch ganz anders, als man denkt.

Eklöf erzählt, oder genauer: zeigt hier Saschas Leben. Eingefangen mit ruhigen, nahezu statischen Kameraeinstellungen, die einerseits die leuchtend schönen, glitzernden, aber auch leblosen Hintergründe ausstellen: Läden, Restaurants, den Yachthafen. Davor agieren die Figuren, häufig im Zentrum der Einstellung, in einer, allen Sonnenstrahlen zum Trotz, kühlen Welt, in der sie alle voneinander getrennt wirken. Musik gibt es kaum, außer jener, zu der Sascha ab und an tanzt; auch da: nichts Gemeinames, kein Glück.

In all die Kühle brechen dann die gelegentlichen Ausbrüche von Gewalt einerseits überraschend, andererseits als zwingende Folge ein; besonders bestürzend ist dabei eine sehr explizite Vergewaltigungsszene in der Mitte des Films, ebenso distanziert gefilmt wie all der Rest und dadurch um so erschreckender. Für die Regisseurin war es „absolut notwendig“, diese Szene zu zeigen, wie sie in einem Interview sagte, „denn ich habe das noch nie aus der weiblichen Perspektive gezeigt bekommen“.

Die weibliche Perspektive bedeutet dann aber eben hier: Dass Sascha, wenn man das konsequent zu Ende denkt, ihr ganzes Leben aus einer so distanzierten Perspektive betrachtet, dass sie sich von ihrem eigenen Leben abgelöst hat. Und genau dies bekommt man auch zu sehen: Eine Existenz, die sich alle unmittelbaren, echten Gefühle erspart, um das Leben in diesen Rahmenbedingungen, in einem gewissen Luxus, in einer bestimmten Gruppe leben zu können.

Eklöf gelingt es, dies in unerbittliche, streng kadrierte Bilder einzufangen, ein absolut mitleidloser Blick auf ein Leben, dass sich alle Gefühle abtrainiert hat – bis diese dann doch, in einem kurzen, hoffnungslosen Moment, hervorbrechen. Damit es dann weitergehen kann wie bisher. Ich habe jetzt schon Angst vor Isabella Eklöf nächstem Film: Wenn sie schon vor solchem Szenario so genau Lebenslügen sezieren kann, was nimmt sie sich als nächstes vor?

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.
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Die Vollstreckerin (1986)

Martine ist Polizistin in Paris, kompromisslos den Kriminellen gegenüber, aber lange nicht so schnell an der Schusswaffe wie viele ihrer männlichen Kollegen. Sie ist einer Organisation auf der Spur, die junge Mädchen entführt und in Pornografie und Prostitution verkauft – wird aber sogar von ihrem eigenen Chef torpediert. Die Vollstreckerin stammt aus dem Jahr 1985 und war bisher in Deutschland nur in geschnittener VHS-Fassung erhältlich; die neue DVD zeigt den Film vollständig und ergänzt die fehlenden Sequenzen im französischen Original mit Untertiteln. Was warum geschnitten wurde, ist allerdings etwas rätselhaft, denn der alten Fassung fehlen keineswegs die zahlreichen Nacktszenen – die Darsteller, allen voran Brigitte Lahaie in der Titelrolle, hatten vorher durchaus schon Karriere im Pornogeschäft gemacht. Die Vollstreckerin ist aber kein Erotikfilm, sondern will durchaus ein trashig-exploitativer Kriminalfilm mit weichen Sexszenen sein; leider sind aber sowohl die Handlung als auch das Filmhandwerk so fahrig und teilweise zusammenhangslos, dass sich richtige Begeisterung oder auch nur Immersion nicht einstellen will. Eine düstere, graue Version einer Großstadt in den 80ern, aber richtig schmutzige Exploitation sähe doch entschlossener aus.

Die Kritik ist zuerst in der Deadline erschienen.
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Agents of SHIELD – Staffel 4

Serien haben den Fluch und den Segen, in jeder Staffel, mit jeder Fortsetzung ihr Universum erweitern zu können – und zu müssen. Es genügt nicht, immer nur das Gleiche neu zu erzählen – und so haben auch die Agents of S.H.I.E.L.D. mit jeder Staffel der Marvel-Serie neue Herausforderungen zu bewältigen. Die Serie war jene, die anfangs dem „Marvel Cinematic Universe“ (MCU) sehr nahe stand; in Staffel 4 bewegen sich die Agents aber auf
Terrain, das in den Filmen überhaupt nicht stattfindet – Geister, Simulationen, religiöse Untertöne gar. Und auch wenn immer wieder Anknüpfungspunkte ans MCU hergestellt werden – Agents of S.H.I.E.L.D. macht jetzt mehr und mehr sein eigenes Ding, und das ist so irritierend wie gelegentlich sehr aufregend. Die meisten Änderungen kommen in dieser Staffel durch zwei neue Charaktere zustande: Der aus Marvel-Comics bekannte Ghost Rider spielt eine wichtige Rolle – Gabriel Luna, derzeit als neuer Terminator auf den Leinwänden, gibt ihm resigniert-ironische Untertöne. Und Mallory Jansens A.I.D.A. genannter Android sorgt dann für Verschiebungen einer noch ganz anderen Größenordnung. Auf die bekannten Figuren müssen Fans natürlich nicht verzichten – nur müssen sie zum Teil in ganz andere Rollen schlüpfen. Das macht die Staffel durchaus unvorhersehbar spannend.

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Terminator: Dark Fate (2019)

Geschichte wiederholt sich im Kino ja gerne einmal; in seiner Grundkonstellation greift Terminator: Dark Fate auf, was James Cameron 1984 mit Terminator gemacht hatte: Ein menschlicher Soldat verteidigt eine junge Frau gegen eine übermenschlich-unmenschliche Maschine.

Nur dass hier die Verhältnisse anders stehen: Es kämpfen drei Frauen gegen eine Maschine, eine der Frauen „enhanced“, mit Implantaten stärker und schneller gemacht.

Für das feministische Filmblog Filmlöwin habe ich mir so drei oder viele Gedanken zu dem neuen Terminator-Film gemacht.

Lady Bloodfight (2016)

Jane Jones (Amy Johnston) hat von ihrem Leben in den USA die Nase voll und geht, etwas unvermittelt; „denkst du an meine Zigaretten?“ fragt ihre Mutter noch. Ihr Ziel ist Hongkong, wo ihr Vater vor vielen Jahren an einem Kampfsportturnier teilgenommen hat und verschwunden ist. Frisch angekommen, wird sie von drei Räubern in die Ecke getrieben, aber die Kampfsportmeisterin Shu (Muriel Hofmann) rettet sie – und will sie als Stellvertreterin für sich selbst bei einem Underground-Kampfturnier rekrutieren und trainieren. Dort trifft sie dann auf Kämpferinnen aus der ganzen Welt, unter ihnen auch Ling (Jenny Wu), die von Wai (Kathy Wu) trainiert wurde. Wai verbindet eine langjährige Rivalität mit Shu – und so geht es bei dem Turnier um mehr als um’s Gewinnen und um die Suche nach dem Schicksal von Janes Vater…

In den 1980er und frühen 1990er Jahren war die Hochzeit amerikanischen Exploitationfilme mit Kampfsportthemen, von Jean-Claude van Dammes Bloodsport bis hin zur American Fighter-Reihe und darüber hinaus. Lady Bloodfight nimmt viele der Themen und Motive auf und modernisiert sie ein wenig: Figurenentwicklung, Kampfstile, Inszenierung. Chris Nahons Film bleibt aber ganz im Exploitation-Modus: Dreckig und blutig – Gesichter und Körper sind immer wieder zerhauen, Blut spritzt und fliegt im Rhythmus der Faustschläge. Die Figurenzeichnung ist eher oberflächlich, die Charaktere bleiben Stereotype, aber dies ist ja auch kein Genre, in dem man komplexe dramatische Handlungsstränge erwartet. Man darf aber bemerkenswert finden, wie viel sich in dem Jahrzehnt seit Corey Yuens Bonbon-Martial-Arts-Spektakel Dead Or Alive getan hat: Hier treten wieder nur Frauen in einem Turnier gegeneinander an, und während Yuen ein klinisch reines Spielzeugland zeigte, wird hier vor Containerkulisse bis aufs Blut aufeinander eingedroschen. Das muss man nicht gut finden, aber für Freunde des Genres bietet Lady Bloodfight genau das, was der Titel verspricht, direkt und roh.

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Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot (2019) – #horrorctober

„What a good-natured romp!“ fällt mir zu diesem Film als erstes ein, und dass ich ihn quasi aus Versehen mit @spinatmaedchen zusammen gesehen habe, was natürlich alles andere als negativ zu bewerten ist.

Samara Weaving (aus Netflix‘ The Babysitter, auch sehr unterhaltsam) steht als Grace nicht nur unmittelbar davor, endlich einmal eine eigene Familie zu haben, es ist auch noch eine äußerst wohlhabende. Ihr Bräutigam Alex Le Domas entstammt einer Gesellschaftsspiel-Dynastie, was schon an und für sich bekloppt genug klingt, vor allem ist die ganze Familie aber herzlich unsympathisch, außer vielleicht noch Alex‘ Mutter Becky, die Andie MacDowell mit so großer Hingabe hinlegt, es ist eine Freude. Um Mitternacht, so will es die unhintergehbare Familientradition, wird ein Spiel gespielt – welches, das legt eine geheimnisvolle Box fest, aus der Grace eine Karte ziehen muss.

Als sie „Hide-and-seek“, also: Verstecken zieht, wird recht bald der wahre Charakter dieses Spiels offenbar: Die Braut muss sich verstecken – und wird, sobald gefunden, in einem blutigen Ritual dem Teufel geopfert. Grace, die noch ahnungslos dem ersten Angriff durch Zufall entgeht, ist von diesen Spielregeln nicht so begeistert, aber aus dem ehrwürdigen Familienstammsitz gibt es auch kein leichtes Entkommen.

Tyler Gillett und Matt Bettinelli-Olpin haben schon ein wenig Genreerfahrung unter anderem in V/H/S gesammelt, hier dürfen sie sich so richtig austoben – mit einem tollen Cast, einem fast noch besseren Setting und einem tollen Drehbuch von Guy Busick und Ryan Murphy. Sie steigern Tempo und Blutigkeit langsam, aber kontinuierlich und halten dies auch bis zum Schluss durch alle Wendungen und Windungen (es gibt viele) durch. Es geht stellenweise sehr splattrig zu, für Genrefans kostet der Film schwarze und weiße Humormöglichkeiten aus… und spielt fleißig mit den Erwartungen.

Bumblebee (2018)

Man kann den Transformers-Filmen allerhand vorwerfen, und das ist von Sexismus über bodenlose Langeweile durch zu viel CGI und tumbe Roboterprügeleien bis hin zu Rassismus auch alles schon geschehen. Große Emotionalität war bisher jedenfalls nicht ihr Problem. Ein Film wie Bumblebee kommt daher als große Überraschung daher: Ein Transformers-Streifen, der nicht nur glaubhafte Figuren mit einem echten Gefühlsspektrum vorstellt (den titelgebenden Transformer eingeschlossen), sondern dann auch noch seine weibliche Hauptfigur und ihren Schwarzen Sidekick mit Respekt portraitiert. Hailee Steinfeld stolpert in diesem von Travis Knight verantworteten Prequel zu den Michael-Bay-Streifen als Teenager Charlie eher zufällig über Bumblebee, der vor den Decepticons auf die Erde geflohen ist und sich zunächst in Gestalt eines gelben VW Käfers im Kalifornien der späten 1980er Jahre versteckt hat. Sie ist Halbwaise, er allein im weiten Universum – man freundet sich schnell an. Böse Roboter werden später auch noch verkloppt, und John Cena darf den obligatorischen Soldaten mit markigen Sprüchen und großem Unterkiefer mimen. Das ist amüsant, action- und abwechslungsreich, komplexes psychologisches Drama erwartet man aber vermutlich auch vom besten aller Transformers-Filme zurecht wirklich nicht.

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I Am Mother (2019)

Das Licht kühler Neonlampen, klinisch anmutende Korridore, funktionale Einrichtung: Um die Apokalypse zu überleben, müssen wir womöglich auf alle Heimeligkeiten verzichten. Oder doch nicht alle? Wenn „Mutter“, der sorgende und pflegende Roboter, die frisch in der künstlichen Gebärmutter im Expresstempo ausgewachsene „Tochter“ auf den Arm nimmt und mit Wärmelampen bestrahlt, dann wechselt das Farbschema in rote, orange, gelbe Töne: Hier ist Schutz und womöglich gar Zärtlichkeit. Das Rot wird „Tochter“ später in ihrer Kleidung weiter an sich tragen, irgendwann klebt sie ihrer Ziehmutter bunte Sticker auf die matt-metallischen Gliedmaßen.

Grant Sputores Debütfilm I Am Mother beginnt mit Kamerablicken in den Bunker, der, so bekommen wir es erzählt, das Überleben der Menschheit sichern soll. Von außen dringt Donnern durch die Wände, es wackelt und die Lichter flackern, während Einblendungen den Ort des Geschehens beschreiben: Eine „Einrichtung zur Neubesiedelung“ mit „63 000 Embryonen“. Menschen sind keine zu sehen, stattdessen setzen Maschinen den Roboter zusammen, der dann zu „Mutter“ wird, die aus den eingefrorenen Embryonen das erste Kind auswählt: ein Mädchen.

Meine vollständige Kritik von I Am Mother gibt es auf kino-zeit.de.

Mortal Engines: Krieg der Städte (2018)

Wenn man es recht betrachtet, war die Hintergrundgeschichte von Mortal Engines schon in Romanform nicht unbedingt besonders leicht zu glauben. Philip Reeves 2001 erschienener Roman erzählte jedoch eine spannende Steampunk-Fantasy-Geschichte: In einer Welt nach dem „Sechzig-Minuten-Krieg“ wurden die meisten Städte auf große Antriebsmotoren montiert und fahren durch die Welt, immer auf der Suche nach Rohstoffen und kleineren Städten, die sie aufnehmen und deren Baumaterial sie zum Antrieb ihrer Maschinen verwenden können.

Die junge Hester Shaw, frisch per Städtefraß in London angekommen, verübt ein Attentat auf dessen Chef-Archäologen Thaddeus Valentine – als es fehlschlägt, stürzt sie sich von der Stadt herunter, und Tom, ein braver Londoner, stürzt mit ihr. Nach und nach kommt schließlich nicht nur Valentines Vergangenheit ans Licht kommt, sondern auch seine gefährlichen Pläne für die Welt…

Vielleicht ist es schlicht so, dass Reeves Bilderwelten im Buch interessant und faszinierend wirken, auf der Leinwand aber ihre ganze Absurdität überdeutlich wird. Vielleicht gibt uns auch Regisseur Christian Rivers in seinem ersten Langfilm nicht genug Zeit, uns die Wunder gerade Londons in Ruhe anzusehen. Schon in den ersten Minuten ziehen da Alltagssequenzen in hektisch kurzen Sequenzen an uns vorbei; man hätte sie gerne in Ruhe betrachtet und sich in diese Phantasiewelt hineinziehen lassen. (Die Kampfszenen später sind noch viel schlimmer, unfassbar hektisch und unübersichtlich geschnitten.)

Peter Jackson hatte sich die Rechte am Buch gesichert und wollte den Film wohl unbedingt selbst drehen; wer weiß, was daraus geworden wäre. Das von ihm, Philippa Boyens und Fran Walsh verfasste Drehbuch strafft viele Handlungsstränge zu einer einigermaßen filmtauglich verknappten Erzählung; da dabei aber auch die inneren Konflikte der Hauptfiguren rausgeschmissen werden, bleibt nicht viel, was uns außer Spektakel an dem Film interessieren könnte. Die eine clevere Anspielung auf Metropolis kann es jedenfalls nicht sein.

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