Freund_innen klassischer Literatur schlagen wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammen, andere Leute hüpfen vor Freude im Quadrat; und weil Zombies eines der unterschwelligen Grundthemen dieses Blogs bilden, darf es statt Film heute auch mal ein Blick auf das geschriebene Wort sein.
Seth Grahame-Smiths amüsante Neufassung von Jane Austens Pride and Prejudice als Pride and Prejudice and Zombies (mehr dazu bei Nerdcore; bestellen bei amazon.de) bekommt nun, während die Verfilmung, großartigerweise mit Natalie Portman in der Hauptrolle, schon in der Mache ist, mit Pride and Prejudice and Zombies: Dawn of the Dreadfuls ein Prequel spendiert, das Ende März erscheinen wird (vorbestellen bei amazon.de).
Und weil das Zombiegenre dem Film doch fast noch näher liegt als der Literatur, gibt es zu dem Buch auch einen hübschen kleinen Trailer:
Dieser Kurzfilm gibt dem geneigten Publikum die Möglichkeit, die Titelfigur von Tim Burtons neuem Alice in Wonderland in einem sehr viel weniger freundlichen Alternativuniversum zu beobachten. (Sie hat aber zuletzt noch einige Filme mehr gemacht, The Kids Are All Right etwa, der auf der Berlinale den Teddy eingeheimst hat, Defiance oder Amelia.)
I Love Sarah Jane ist ein düsterer, insgesamt glücklicherweise nicht sehr blutiger Zombiestreifen, in dem Mia Wasikowska (Burtons Alice) die titelgebende Sarah Jane spielt. Der Film hält trotz seiner kurzen Laufzeit einiges an seelischen Abgründen bereit.
Auch Regisseur Spencer Susser hat der Film jedenfalls keine Karriereprobleme bereitet; er hat gerade in Sundance seinen Film Hesher vorgestellt, mit Joseph Gordon-Levitt und Natalie Portman in den Hauptrollen. (Hier gibt es zu einem Interview mit Susser auch einige Einstellungen daraus zu sehen.)
Derzeit sehe ich aus verschiedenen Gründen wieder einmal eine ganze Reihe von Zombiefilmen (die zwei jüngst gesehenen eher besseren waren La Horde – Kritik – und Survival of the Dead – Kritik -, die ich vergangene Woche in Gérardmer gesehen habe). Zu meinem Programm gehörte nun heute auch Resident Evil: Degeneration.
Das ist, wer den Film kennt, wird es zu bestätigen wissen, nun gewiß der ungelenkste, wenn vielleicht auch den Resident Evil-Spielen am nächsten stehende Auswurf dieses Filmfranchise. Ein Großteil der Handlung ist überhaupt nur verständlich, wenn man mit der Vorgeschichte der Computerspiele zumindest lose vertraut ist, und selbst dann ergibt vieles keinen Sinn. Degeneration ist komplett CGI-generiert, da ist keine richtige Kamera je am Set vorbeigekommen (obwohl ein, zwei Totalen so wirken, als sei die Szenerei von einem handgemachten Bild eingescannt worden), und insofern kann seine Ästhetik natürlich den Spielen am nächsten sein.
Dankenswerterweise verzichtet der Film auf extensive First-Person-Shooter-Perspektiven; eine kurze Szene relativ am Anfang nimmt den Blickwinkel eines Spielers an, dann wird darauf verzichtet. Aber wenn man die Figuren später rennen, springen, rollen sieht, dann weiß man doch wieder, wo man das alles schon so ungelenk gesehen hat. Wenn nicht hier, dann bei Ms. Lara Croft.
Daß Degeneration nicht mit Charakteren von besonders großer Tiefe prahlen kann, mag man dem Genre anlasten – dem Subsubsubgenre der Zombie-Computerspielverfilmungen zumal. Aber es liegt natürlich auch im CGI begründet; die Personen hier leben alle tief im Uncanny Valley, ihr Anblick ist in einem so fundamentalen Sinne un-menschlich, daß man oft zweimal gucken muß, ob man’s denn nun mit einem Zombie oder einem Menschen zu tun hat. (Das mag Absicht sein, zumindest im Falle der gar bösen Bösewichter; zur einfacheren Wiedererkennung sehen die Zombies aber immer auch gleich sehr zerfressen aus.)
Schlimm, weil irgendwie verzweifelt noch mit dem sicheren Scheitern hadernd, sind dann vor allem die Szenen, in denen in langen Nah- oder Großaufnahmen sich die emotionale Tiefe einer Figur durch deren Mimik erschließen soll. Dieser Versuch scheitert aufs Oberflächlichste.
Foto: Sony Pictures
Im Grunde scheitert Resident Evil: Degeneration damit aber – sieht man einmal davon ab, daß der Film weder spannend ist noch interessante Charaktere aufzuweisen hat, und einigen weiteren Mängeln, die ich hier nicht aufzählen mag – natürlich an einem Grundproblem des computeranimierten Films, dem sich nahezu alle Filmemacher in diesem Bereich, außer Robert Zemeckis mit seinen letzten drei Filmen, dadurch entziehen, daß sie eben nicht auf möglichst große Menschenähnlichkeit zielen, sondern ihre Leinwandfiguren auf die eine oder andere Art und Weise verfremden, verändern, verzerren.
Für den Zombiefilm scheint eine solche Antwort nun A.D. zu versuchen, von dem es bisher nur einen Teaser und eine Handvoll Screenshots zu sehen gibt – in einem „Interview„, das diesen Namen ob seiner groben Belanglosigkeit kaum verdient, äußern sich die Macher allerdings anscheinend gezielt nicht dazu, wann der Film das Licht der Welt erblicken werde.
Aber das bißchen Filmmaterial hier sieht eigentlich nicht schlecht aus:
Bevor ich mir heute abend mit La Horde frisches Zombiefleisch zu Gemüte führe, gibt es hier noch eine hübsche Zombiefilmtrailerparodie (falls das ein Genre ist), die sich an 28 Days/Weeks Later abarbeitet:
Kommenden Mittwoch fahre ich in die Vogesen – zum 17. Festival du Film fantastique oder Fantastic’Arts, das bis Sonntag in dem kleinen Ort Gérardmer stattfindet. (Schön ist’s da, auch wenn es dieser Tage wohl eher kalt sein wird und vielleicht etwas eingeschneit.) Das Festival dauert viereinhalb Tage, an denen regelmäßig über 30.000 Kinotickets verkauft werden; ich freue mich besonders darauf, endlich Moon von Duncan Jones sehen zu können, den neuen Romero sowie natürlich Splice.
Ich werde hier im Blog unmittelbar vom Festival berichten, auf längere Kritiken, die anderswo erscheinen, weise ich dann noch gesondert hin. Weitere Festivalimpressionen werden sich auf Französisch wohl bei den Kolleg_innen von Film de Culte, Films Horreur und Mad Movies finden lassen. Ist noch jemand aus Deutschland da?
Im Folgenden habe ich aufgelistet, welche Filme in Gérardmer auf dem Programm stehen – die fettgesetzten Titel stehen bereits fest auf meinem Sichtungsplan, Anregungen nehme ich gerne entgegen, auch wenn mein Zeitplan nicht mehr viel Spielraum hat, ich muß ja auch mal schlafen, essen und schreiben. ;-)
Dieser hübsche Animationskurzfilm von Takena Nagao (Homepage), Chainsaw Maid (YouTube-Direktlink), verrät im Namen eigentlich fast schon etwas zu viel. Andererseits kombiniert er mit den Mitteln des Niedlichen (Wallace & Gromit lassen grüßen) die schönsten Standardsituationen des Zombiefilms und splattert dann, der Titel sagt’s ja, ganz gewaltig los. Minimalistischer kann Zombiekino nicht sein.
Daß die Handkameras, deren Träger damals im Blair Witch Project ein so schweres Schicksal traf, auch rasch in andere Horrorsubgenres Einzug halten würden, war ja nur eine Frage der Zeit. Neue Technologien schreien nach neuen Formaten, und im Horrorgenre (pun intended) lechzte man ja schon immer dem letzten Schrei hinterher.
Noch vor dem Monsterfilm Cloverfield (2008; meine Kritik) und Altmeister Romeros very own Zombievariation Diary of the Dead (2007) hatten die Briten sich an den lebenden Toten versucht. The Zombie Diaries erzählt von den Ereignissen, die auf einen wohl durch Viren verursachten Zombieausbruch (weltweit, dann auch in Großbritannien) folgen. Das Virus wird dabei anfangs in Verbindung mit dem Vogelgrippevirus gebracht; das war eben, bevor man stattdessen die Schweinegrippe fürchtete.
In seiner Perspektive bleibt The Zombie Diaries frelich nicht ganz konsequent und verheimlicht das auch zu keinem Zeitpunkt. Anders als Cloverfield oder auch [REC]/Quarantine (meine Kritik), dessen Fiktion es will, daß wir das kontinuierlich aufgenommene, ungeschnittene Material einer Kamera zu sehen bekommen, sind es hier offenbar Aufnahmen mehrerer Kameras, die in ihrer zeitlichen Abfolge verändert (und markiert durch Überschriften und Zeitangaben) in Episoden zusammengefaßt wurden. Gelegentlich ist auch offenbar nachträglich eingefügte Musik zu hören; die Grundhaltung des Films ist damit zwar nicht vollends flöten, es entsteht aber doch die Frage, wessen Film, wessen Werk das zu Sehende nun ist. (Romero hat für Diary of the Dead sein Problem etwas eleganter gelöst, indem er seinem Film eine zusätzliche Fiktion seiner eigenen Genese unterschob.)
Wie bei den anderen genannten Filmen auch bleibt dabei stets das Problem, daß der Film zwar größtmögliche Authentizität vorgibt, diese aber im Rahmen der Handlung schwer vermittelbar ist: Wer im Angesicht solcher Ereignisse immer noch die Kamera nicht nur mitlaufen läßt, sondern eben auch insbesondere weiter trägt (und so weniger handlungsfähig wird), kann nicht so normal und menschlich sein, wie er von den anderen Figuren behandelt wird. Zumal der Kameramann (hier sind es augenscheinlich nur Männer) anscheinend über wenig ausgeprägte Überlebensinstinkte verfügt.
Andererseits fungiert hier die Kameralampe oft genug als einzige Lichtquelle – und das macht dann auch den Reiz der Perspektive aus: Nicht nur ist sie eh‘ schon auf das Bild der Kamera begrenzt, die zuweilen wild herumgeschwenkt wird und so für reichliche Desorientierung sorgt (ein durchaus beabsichtiger Effekt), in den Nachtaufnahmen, zum Teil mit Kameralampe, zum Teil als Infrarotbilder gefilmt, verengt und verschlechtert sich dieses Bild auch noch – einem Horrorfilm kommt das nur gelegen. Die gelegentlich vorkommenden unscharfen Bilder verstärken das Ungewisse der Bilder noch zusätzlich.
Wie sich das für einen ordentlichen Zombiefilm gehört, ist The Zombie Diaries ein bißchen selbstreflexiv und letztlich vor allem daran interessiert, was mit den Menschen passiert, die einem solchen Ereignis ausgesetzt sind und es (vorerst) überleben. Eine spannende Geschichte haben Michael Bartlett und Kevin Gates, die gemeinsam für Drehbuch und Regie verantwortlich zeichnen, allerdings nicht zu erzählen. Die Szenen sind alle stereotype Momente des Zombiefilms, die Auseinandersetzungen zunächst wenig dramatisch und vor allem deshalb egal, weil man sich für die Figuren nicht wirklich erwärmen kann. Erst im letzten Kapitel des Films geschehen dann wirklich aufregende, furchtbare Dinge, die aber dann so eng zusammengedrängt und so schludrig miteinander verbunden werden, daß sich das bislang fehlende emotionale Engagement zumindest bei mir auch nicht mehr einstellen wollte.
Genrefanboys werden da womöglich schon abgeschaltet haben, denn an Zombiesplatter ist hier nicht viel zu sehen: In letzter Konsequenz geht es in The Zombie Diaries nicht besonders und vor allem: nicht besonders oft blutig zugeht. Die alte Weisheit, daß der Mensch des Menschen Wolf sei und es dazu keiner Zombies bedürfe, haben wir schon unterhaltsamer und auch eindringlicher präsentiert bekommen.
Daß es Mathematiker_innen mit Humor gibt, ist ja kein Geheimnis – schließlich tauchen auch sie (gelegentlich) als Preisträger_innen bei den Ig-Nobel-Preisen auf. Und immer wieder beschäftigen sie sich auch mit Logik und Wissenschaftlichkeit von Filmen, oft genug dankenswerterweise nicht mit dem Furor der Ernsthaftigkeit, sondern in geboten ironischer Distanz.
Nun haben Philip Munz, Ioan Hudea, Joe Imad und Robert J. Smith? (das Fragezeichen gehört zu seinem Namen, wie auf seiner Homepage nachgelesen werden kann) einen Aufsatz veröffentlicht, in dem sie mathematische Modelle für den Ausbruch einer Zombieepidemie verwenden. Für Genrefans wenig überraschend kommen sie zu dem Schluß:
In summary, a zombie outbreak is likely to lead to the collapse of civilisation, unless it is dealt with quickly. While aggressive quarantine may contain the epidemic, or a cure may lead to coexistence of humans and zombies, the most effective way to contain the rise of the undead is to hit hard and hit often. As seen in the movies, it is imperative that zombies are dealt with quickly, or else we are all in a great deal of trouble.
Pontypool: Bruce McDonalds im Anschluß an den ambitionierten The Tracey Fragments (meine Kritik) gedrehter Horrorfilm wird meist als Zombiefilm angekündigt, so recht will diese Beschreibung und Zuschreibung aber nicht passen, zu unklar bleibt das Geschehen, zu wenig wird es visuell wahrnehmbar oder gar ausgewalzt.
Pontypool ist vor allem eins: Talk Cinema. Ein Radiomoderator spricht, und wir sehen ihm dabei zu, sehen noch sein Umfeld und seine Kolleginnen, aber es ist vor allem seine Stimme, also die von Stephen McHattie, die die Wahrnehmung bestimmt. Im Keller einer Kirche hat sich die kleine Radiostation des kanadischen Pontypool eingerichtet, und der neue Moderator hat seinen ersten Tag, während es draußen offenbar zu seltsamen Ereignissen und Unruhen kommt.
Sprache ist das Thema dieses Films, und während das im Filmverlauf zu einigen fürs gewöhnliche Horrorkino zu bizarren Wendungen führt, hat sich hier jemand Gedanken gemacht über die Kraft, die in Wörtern, in Schrift und vor allem in Sprache steckt. Unbedingt sehenswert.
The Killing Room: Eine junge Militärpsychologin muß an ihrem ersten Tag an ihrer neuen Top-Secret-Arbeitsstelle in hochgradig illegales Menschenexperiment beaufsichtigen, dessen Ziel ihr zunächst immerhin ein bißchen weniger unklar ist als den Proband_innen. The Killing Room hat im Grunde ein typisches Reality-Show-Szenario (in dieser Hinsicht Prime Time nicht unähnlich): Einer wird rausgewählt. Freilich sind hier die Methoden wenig zimperlich.
Trotz allem kann der Film weder so recht Spannung oder Betroffenheit aufkommen lassen, noch bewegt er sich ästhetisch auf aufregendem Terrain; es gibt Wechsel zwischen Beobachtungsposten, Überwachungskameras und dicht an den Personen geführten Handkameraeinstellungen, das hat man alles schon einmal gesehen. Leider enttäuschte auch der Auftritt einer meiner Lieblingsschauspielerinnen, Clea DuVall, was aber nicht an DuVall liegt, sondern an ihrer Rolle. Das näher zu erläutern hieße schon viel von der Handlung zu verraten.
Mit diesem Text beginne ich eine Reihe von kurzen Kritiken zu Filmen, die auf dem Fantasy Filmfest 2009 zu sehen sein werden und hier in Frankreich dankenswerterweise schon zu sehen bzw. zu haben waren. Alle Beiträge zum FFF 2009 unter dem Tag FFF2009
Mag sein, daß, wie Bárbara sich echauffiert, das Serienkiller-Genre noch viel zu sehr Heimstatt patriarchaler Arbeitsteilung ist: Mordende Männer, kreischende (sterbende) Frauen. (Ja doch, es gibt Ausnahmen. Aber das ist ein anderes Thema.) Mit Verve und großer Ernsthaftigkeit macht sich die junge Frau jedenfalls daran, der Filmstatistik ein paar durch Frauenhand tote Männer (aber nicht nur die, soviel Gleichberechtigung muß sein) hinzuzufügen.
Sexykiller, morirás por ella (2008) ist dabei alles andere als eine ernste Angelegenheit. Ohne je zu einem echten Metafilm werden zu wollen, wird hier in Anspielungen (es fängt gleich mit Scream an) und Kritik das Slasher/Serienkiller-Subgenre geplündert und gelegentlich erweitert; und da der Großteil des Films von seiner Protagonistin (in Gestalt der sehr amüsanten Macarena Gómez) im Rückblick erzählt wird, macht man sich auch um die Mörderin wenig Sorgen. Daß es zwischendrin ein paar unmotivierte Sprünge in der Perspektive gibt, daß generell die Erzählung etwas wirre Hüpfer macht: Geschenkt.
Denn einerseits ist Sexykiller vor allem Spaßkino für die Horrorfreunde, andererseits liegt solche Sprunghaftigkeit auch in der Erzählerin, die äußerst impulsiv handelt und gerne auch glaubt, eine Kamera vor sich zu haben, in die sie dann mitten in einer Vorlesung hineinspricht. Andererseits hat sie aber nicht unrecht, oder?
Bárbaras größtes Ziel ist es, reich zu werden und einen Schönheitschirurgen zu heiraten. Aber gut im Bett sollte er schon auch sein, und was und wer dem nicht entspricht bzw. ihr im Wege steht, darf sich auf ein gut sortiertes, fein geschliffenes Waffenarsenal gefaßt machen. Wären nicht die Klingen und die à la Taxi Driver versteckten Pistolen, die hübsch hergerichtete junge Frau wäre dann doch das perfekte „Barbie Girl“, wie es Aqua einst besangen – nicht nur im Trailer ist das Lied zu hören.
In der zweiten Filmhälfte wird Sexykiller dann etwas unversehens zur vollständigen Groteske, als ein anderes Horrorsubgenre mächtig in den Film einzieht und den Rest der Handlung in Bewegung versetzt. Da wird dann auch noch Peter Jackson Reverenz erwiesen, und ich saß so kopfschüttelnd da, daß ich mich allemal gut amüsierte.