Doghouse (2009)

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Daß Doghouse und Lesbian Vampire Killers nicht nur in ihrer Story gewisse Ähnlichkeiten haben, muß nicht weiter verwundern; beide dürften sich an ein ähnliches Publikum richten, man darf sie getrost lad movies nennen. Es sind Filme, die mann sich bevorzugt mit seinen bevorzugt heterosexuellen Kumpels ansehen wird, um sich Szenen des Geschlechterkampfs anzusehen, ins Horrorgenre transferiert und angeblich ironisch unterfüttert. Die Frauen kommen dabei nicht unbedingt besonders gut weg.

Die Sache mit der Ironie funktioniert in Doghouse leider nicht besonders gut, das glückte bei den Lesbian Vampire Killers besser, deren Frauenbild so offenbar übertrieben war, daß es, nicht zuletzt durch die patente zentrale weibliche Figur, nie als besonders ernst gemeint ‚rüberkam. (Feministisch ist das aber noch lange nicht.)

Was sich in Doghouse als solche Lust am Spiel mit den Bedeutungen ausgibt, ist aber nur altes Männergeplapper, das zu modernisieren allein mit leichtem Augenzwickern (alles nur Spaß, wink, wink, nudge, nudge) schon erledigt sein soll, und das geht natürlich, wie stets, grandios in die Binsen.

Dabei mag ich mich keineswegs über die Grundprämisse der Geschichte aufregen, da wäre ja durchaus Potential. Eine Handvoll mehr oder minder junger Männer macht sich in ein verschlafenes Dorf auf, einer von ihnen ist frisch geschieden und seine Kumpel wollen mit ihm so richtig saufen und männlich sein, um ihn aus seiner Trübsal zu erretten. Das Dorf aber entpuppt sich, da verrate ich nicht zuviel, als Stätte eines militärischen Experiments mit biologischen Kampfmitteln: Ein Virus, das nur Frauen befällt, hat diese sämtlich in menschenfressende, äußerlich an Zombies gemahnende Furien verwandelt; die Männer sind alle verspeist.

Das läßt schonmal reichlich Raum für reichlich Splatter, aber da ist der Film so halbherzig wie sonst auch; in der ersten Filmhälfte kommen die Fanboys auf ihre Kosten, danach geht es eher einfallslos zu – in Sachen Splatter wie in Sachen Handlung. Die Hauptpersonen sind nicht besonders einfallsreich konstruierte Typen, ein Schwuler ist für die Quote auch dabei, und natürlich gibt es ein paar Anspielungen auf Day of the Dead etwa, aber all das führt nirgends hin und will es wohl auch nicht.

Das könnte man dann schon wieder als entspannte lad-Haltung pro Fun-Splatter durchgehen lassen, wenn zugleich die Geschlechterkampf-Thematik nicht derart mit dem Holzhammer eingeführt und fortgeschrieben würde. Natürlich haben alle Streit mit ihren Partnerinnen bzw. dem (als effiminiert gezeigten) Partner, natürlich stellen sie sich die Selbstdiagnose einer „social gender anxiety“, und natürlich flucht gegen Ende einer der Überlebenden über die „pissed-off, man-hating, feminist cannibals“, mit denen sie es zu tun haben. („Now“, wird dann auch noch betont, „is not the time to stop objectifying women.“)

Wenn man es dennoch wirklich komisch findet, wie sich drei der Männer in einer Referenz sowohl an Some Like It Hot als auch an Shaun of the Dead als Frauen verkleiden und so eine Weile lang unbehelligt an den durch das Virus offenbar auf Minimalinstinkte reduzierten, männermordenden Frauen vorbeikommen, dann wird einem Doghouse vielleicht wirklich gefallen. Immerhin muß man dem Film zugute halten, daß er keine glatt polierte Filmästhetik vor sich her trägt und vor allem darauf verzichtet, die Frauen, wie Lesbian Vampire Killers das problematischerweise durchaus macht (oder auch Zombie Strippers [meine Kritik], um ein allerdings ganz anders gelagertes Beispiel zu nennen), ausschließlich als Geschlechtsobjekte in Szene zu setzen.

Foto: Fantasy Filmfest

Transporter 3 (2008)

Unter den bislang drei Transporter-Filmen (und, mal ehrlich, das reicht dann jetzt auch) ist Transporter 3 der womöglich am wenigsten aufregende und spektakuläre. Der erste Film brachte 2002 seinen Hauptdarsteller Jason Statham endlich ins Bewußtsein eines breiten Publikums, inzwischen hat es der Mann zum ungekrönten König des B-Actionkinos (viel Geld, viel Wums, aber eher nicht ganz so viel Anspruch) gebracht; gerne möchte man ihn mal Seite an Seite mit der Königin Milla Jovovich Sachen kaputtmachen und Tritte austeilen sehen.

Alle drei Filme stellen ihren Star aber immer schon in den Mittelpunkt des Geschehens, in Transporter 3 wird der Erzählung von Frank Martin/Jason Statham als Spektakel und Sehenswürdigkeit aber ein Aspekt besonders betont, der meiner Erinnerung nach in den anderen beiden Filmen keine solche Rolle spielt: Der weibliche Blick.

Die Älteren unter uns werden sich an eine der klassischen Positionen der feministischen Filmwissenschaft erinnern, die, mehr oder minder frei nach Laura Mulvey („Visuelle Lust und narratives Kino“; Originaltext als PDF) und arg reduziert, den Blick als männlich beschreibt; Aufgabe der Frau ist es, angesehen zu werden.

Daß die Verhältnisse etwas komplizierter sind, hat auch Mulvey selbst inzwischen beschrieben; insbesondere der männliche Körper im Actionkino muß auch unter dem Aspekt betrachtet werden, daß er als Spektakel ausgestellt wird; so sehr der Mann Agens sein mag, er ist immer auch das Objekt des (unseres) Blicks.

Transporter 3 präsentiert ihn aber zusätzlich noch als Objekt des weiblichen Blicks. Hier etwa bei Frank Martins ausgedehntem Kampf während eines Zwischenstops auf dem Weg nach Budapest. Valentina (Natalya Rudakova) blickt zunächst amüsiert zu.

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Als Martin sich dann im Verlauf des Kampfes seines Hemdes entledigt (um es sogleich als Waffe einzusetzen, versteht sich), wirkt sie deutlich interessierter.

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Viel später kommt sie in den Besitz des Autoschlüssels und zeigt ihr vorher gewecktes sexuelles Interesse dadurch, daß sie ihn strippen läßt, wovon er nicht besonders begeistert ist.

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Bemerkenswert ist hier übrigens, daß hinter Martin immer sein Auto noch zu sehen ist, trotz einer wilden Verfolgungsjagd durch Wald und Gebüsch so makellos wie der Mann, der es fährt. Fetisch, anyone?

Transporter 3 inszeniert sehr explizit die Umkehrung der Blickrichtung zur Perspektive der (natürlich heterosexuell gedachten) Frau und spart sich dankenswerterweise auch, die eh knapp bekleidete Protagonistin ihrerseits entkleidet zu zeigen.

Man sollte diesen Perspektivwechsel allerdings keineswegs damit verwechseln, daß sie etwa zur aktiv handelnden Figur im Geschehen würde; das Gegenteil ist der Fall. Valentina ist stets nur passives Objekt; sie ist „the package“, im Grunde der MacGuffin des Films. Ihr Beitrag zur eigentlichen Handlung ist praktisch Null, sieht man einmal davon ab, daß ihre sexuelle Initiative dem Protagonisten eine Sexszene ermöglicht, ohne daß dieser von sich aus (evtl. gar aggressiv) aktiv werden müßte. Das dient natürlich auch der (ethischen) Positionierung der Figur als edlem, keuschem Ritter; zugleich aber betont es nur noch einmal, wie sehr der Film ganz und gar Spektakel ist.

Fotos: Screenshots von der DVD/Universum Film

The Princess and the Frog: Erste Minuten

Disney hat die ersten fünf Minuten von The Princess and the Frog (2009) online gestellt; die Animation ist z.T. noch nicht fertiggestellt. (via)

Ich bin nach wie vor irritiert davon, daß die gängige Froschkönig-Erzählung immer einen Kuß beinhaltet, wo doch im Märchen von einem solchen keineswegs die Rede ist – vielmehr landet der Frosch mit Wucht an der Wand, wie man bei den Brüdern Grimm nachlesen kann:

Es half nichts, sie mußte thun, wie ihr Vater wollte, aber sie war bitterböse in ihrem Herzen. Sie packte den Frosch mit zwei Fingern und trug ihn hinauf in ihre Kammer, legte sich ins Bett und statt ihn neben sich zu legen, warf sie ihn bratsch! an die Wand; „da nun wirst du mich in Ruh lassen, du garstiger Frosch!“ Aber der Frosch fiel nicht todt herunter, sondern wie er herab auf das Bett kam, da wars ein schöner junger Prinz.

Aber wahrscheinlich steht das dem familienfreundlich-romantischen Ziel der Filmerzählung entgegen. Gespannt darf man auf The Princess and the Frog aber sicher sein. Zum einen, weil der Film mit reichlich Vorschußlorbeeren dafür bekommen hat, daß er angeblich eine Rückkehr zur traditionellen 2D-Animation auf dem Zeichenbrett darstelle (als sei diese nicht anderswo als bei Disney äußerst quicklebendig); zum anderen aber, weil man gespannt sein darf, wie das Endergebnis aussehen wird, nachdem eine frühe Fassung umgeschrieben wurde, der rassistische Stereotypisierungen vorgeworfen wurden. Die Hoffnungen der feministischen, antirassistischen Community in den USA sind nicht unbedingt besonders groß.

Auch auf die Darstellung des Prinzen darf man deshalb gespannt sein. Eine erste Ahnung gibt vielleicht die Kußszene, die auch schon online auffindbar ist:

FFF 2009: Secret défense (Secrets of State)

Alle Beiträge zum Fantasy Filmfest 2009 unter dem Tag FFF2009

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Als letzten französischen Agentenfilm hatte ich vor schon längerer Zeit Agents secrets (2004) gesehen, und obwohl ich den Film wegen seiner dramaturgischen Schwächen insgesamt nicht besonders gut und eher langweilig fand, war er doch ein interessantes Beispiel dafür, wie das französische Kino mit den Grundzügen eines Genres umgehen kann: Sehr frei, antithetisch den qua Genre auf den Film gerichteten Erwartungen zuwiderlaufend.

Secret défense macht das ähnlich (und ungleich spannender). Hier geht es um Spionage und Gegenspionage, Aufklärung und Verwirrung. Eine Einheit des französischen Geheimdienstes will islamistische Anschläge in Frankreich verhindern, während eine Terrorgruppe mitten in Paris zuschlagen will. Wahrheit ist hier etwas, was die Akteure einander nur in sehr zurückhaltender Dosierung verabreichen, nach innen wie nach außen wird getäuscht und verborgen, während auf der Oberfläche die Schritte immer klar zu sein scheinen.

Vertrauen, sagt ein Geheimdienstler zu seiner jungen Agentin, ist wichtig. Wie sonst sollte man überzeugend lügen können?

Diese junge Agentin (Vahina Giocante), frisch von der Uni rekrutiert, steht dann auch im Mittelpunkt des Geschehens, sie wird später nach Beirut gehen, um den mutmaßlichen Drahtzieher des geplanten Anschlags zu observieren, aus nächster Nähe, so nahe eben möglich. Macht, Geschlechterfragen: In der rauen Welt von Secret défense wird auch mit dem Körper der jungen Frau geschachert, und wie sehr, das erfährt man erst in den letzten Minuten des Films.

Die Inhalte der großen politischen Auseinandersetzung, die hier im Hintergrund schwelt – die Konfrontation zwischen dem Westen und dem politischen Islam – spart der Film ebenso aus wie echte Glaubensfragen; aber er umgeht dennoch einfache Zuschreibungen durch die Figur eines überzeugten Muslim im Antiterrorteam, der gleichwohl von seinem Chef mit Argwohn und massiven Vorurteilen beobachtet wird. Einzig mit der Genese des potentiellen Attentäters kann der Film nicht so recht überzeugen, da er auch hier auf die Konfrontation politischer Inhalte komplett verzichtet.

Regisseur Philippe Haïm baut seine Hauptfiguren zunächst in kurzen Fragmenten auf, die ihre Hintergrundgeschichten beleuchten; in den ersten Minuten ist das verwirrend, wird aber zunehmend und immerhin vermeintlich klarer. Es gehört zur Struktur und zum Thema des Films, daß einige dieser Klarheiten im Laufe des Films wieder beseitigt werden. Bis dahin ist aus Agents secrets längst ein flotter, wirkungsvoller Thriller geworden, ein Agentenfilm ohne jeden Glamour und jede Ironie. Am Ende steht nur die große Einsamkeit des Agenten.

Foto: Fantasy Filmfest