FFF 2009: Lesbian Vampire Killers (2009)

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Was sich der durchschnittlich verunsichert heterosexuelle Mann so gerne mal unter weiblicher Homosexualität vorstellt, dürfte schon bei oberflächlicher Betrachtung des Angebots im entsprechenden Pornographiesegment mehr als offenbar sein: Junge, schlanke Damen mit langen Haaren, die sexuell zwar dem eigenen Geschlecht zugetan, einem hinzukommenden Mann aber auch nicht abgeneigt sind.

Sieht man von letzterem Element ab, ist es diese realitätsfreie Phantasievorstellung, die der Welt von Lesbian Vampire Killers (2009) zugrunde liegt. Das „Lesbian“ im Titel (das auf der britischen DVD schon mal gerne schamvoll verhüllt wird, als sei Homosexualität etwas unanständiges) bezieht sich dabei strikt auf die Vampirinnen des Films, welche allesamt Biss für Biss von der Vampirfürstin Carmilla – wir befinden uns hier, nota bene, im Bereich britischen Humors, wo der Bezug zu Camilla Parker-Bowles nicht weit sein dürfte – nicht nur zum Blutsaugen, sondern eben auch gleich zur jugendfreien Cartoonpornofassung weiblicher Homosexualität bekehrt wurden. (Männern geht es an den Kragen.)

Lesbian Vampire Killers geht dabei in der Entkleidung seiner Protagonistinnen (vampirisch and otherwise) stets so weit, wie es möglich ist, ohne irgendein primäres oder sekundäres Geschlechtsmerkmal wirklich zu entblößen. Das alles zur Freude insbesondere von Fletch (James Corden), einem der beiden jungen Männer, die sich auf einem eher unmotiviert begonnenen Wanderurlaub mitten in dem kleinen, von Carmillas Fluch gebeutelten Dorf Cragwich wiederfinden. Und während sein braver Kumpel Jimmy (Mathew Horne) ob der wiederholten Trennung von seiner Freundin leidet, lechzt Fletch alsbald der Gruppe schwedischer Studentinnen hinterher, die in einem VW-Bus durchs Dorf tuckern, wo sie sich mit lokalen Mythen und insbesondere der Geschichte von Carmilla beschäftigen. (Besonders intellektuell wirken die Damen, mit einer Ausnahme, leider nicht, aber, hey, das hier ist Spaßkino, nicht Logikkino.)

Der Film wandelt sich alsbald, wenn die Sonne untergegangen ist, zu einer fröhlichen Vampirjagdsplatterkomödie, das Ganze ist flott inszeniert, einigermaßen witzig und wirklich sehr erträglich. Und wenn die Vampirkörper dann mit Beilen, Pfählen und dergleichen final traktiert wurden, sondern sie in Fontänen eine weißlich-schleimige Substanz ab. Ob die nur nicht rot sein durfte, um einer harscheren Altersfreigabe zu entgehen, oder ob doch das hier unterschwellig immer präsente Sexuelle eine Rolle spielt? Jedenfalls bekommt die Spritzer vor allem Fletch ab, der nur die logische Konsequenz fürchtet, es demnächst mit einem schwulen Werwolf zu tun zu bekommen. Go figure.

Mit der hemmungslos und vergeblich auf der Suche nach dem weiblichen Geschlecht befindlichen Fletch setzt der Film natürlich zugleich der angepeilten Zielgruppe eine ziemlich unverstellte Spiegelung vor die Augen – und offenbart, daß er um seine eigenen psychosexuellen Voraussetzungen weiß. So entkommt der Film auch einigermaßen sicher all den geschmacklichen Untiefen, die er für seine Scherze aber dennoch ausloten muß.

Mit dem Erlösung versprechenden und als Griff mit einem Dildo versehenen magischen Schwert vergreift sich das Team um Regisseur Phil Claydon dann am Schluß doch noch gänzlich im Ton, aber pubertärer denkende Zuschauer werden auch diese unausgegorene Pointe sicher zu schätzen wissen. Am Ende dann gibt es zwar für den Vampirismus eine Lösung, die Homosexualität der jungen Damen aber ist nicht rückgängig zu machen. Sie ist ja auch schließlich keine Krankheit.

[Daß der Film hier auch unter der Kategorie „Butt-kicking Babes“ erscheint, ist zwar nur gerade so zu rechtfertigen, hat aber durch die Schlagkraft der von MyAnna Buring (The Descent, Doomsday, et al.) gespielten Figur Lotte seine einigermaßen mühsame Begründung.]

Foto: Fantasy Filmfest

4 Gedanken zu “FFF 2009: Lesbian Vampire Killers (2009)

  1. Ich fand den Film furchbar, besonders die Vampirinnen haben „geschauspielert“, dass in mir der Verdacht keimte, es könne sich eventuell um die ausgeschiedenen Kandidatinnen bei „Britains Next Topmodel“ handeln.

    Und die Studentinnen im VW-Bus, waren die nicht deutsch?

  2. Ich bin mir gar nicht sicher, ob die Herkunft der Studentinnen explizit thematisiert wird; in einem Interview hat Ms. Buring jedenfalls geäußert: „The four lesbians are supposed to be from Sweden“, womit sie wohl die Studentinnen meinte, denn „we all had Swelish lessons.“

    Ansonsten ist das natürlich herzlich wurscht, wie der britische Telegraph richtig feststellte:

    The pair stumble across a vanload of up-for-it Swedish hotties – “students of folklore and ancient superstition” – whose main concession to being Swedish is remembering to say “Ja” every third word while pointing their breasts at each other.

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