Megamind (2010)

Im Großen und Ganzen hat mir Dreamworks‘ Megamind nicht so besonders gut gefallen: Zu überdreht ist der Film, stets damit beschäftigt, seinen eigenen Unernst vor sich herzutragen, anstatt ihn einfach mal umzusetzen… das wirkt getrieben und bemüht. Der Slapstick ist zerstörungsreich, aber insgesamt doch eher konventionell und jedenfalls nicht transgressiv; die Möglichkeiten der Körpermodulation, die dem computeranimierten Film zu eigen sind, wird nur in der Körperkonfiguration wirklich genutzt, reicht aber nie zur Destruktion des Status Quo hin.

[filminfo_box]

Dabei gibt es so schöne Ansätze: des Bösewichts Sidekick, der einfach nur „Minion“ genannt wird, ist ein sarkastischer Fisch im Roboteranzug, Megamind selbst (dessen Hirn lange nicht so leistungsstark ist, wie er selbst es wünschte), tanzt und inszeniert sich gern in schwarzen Latexkostümen – wie überhaupt das Gehabe der männlichen Hauptfiguren, da gibt es einiges zu entdecken, traditionelle Männlichkeitsbildern ohne großes Federlesen zu Staub zertrümmert. Das gilt für Megamind selbst, aber auch für seinen Antagonisten Metro Man, den guten Superhelden, den die Stadt Metro City (von Megamind zu meiner großen Freude konsequent wie „atrocity“ ausgesprochen) verehrt.

Dazu paßt auch die schließlich auf die Probe gestellte Bromance zwischen Megamind und Minion, aber wie um nicht zu viel Queerness in den Film zu bringen, bekommt Megamind mit der Reporterin Roxanne natürlich ein klar weibliches romantic interest an die Seite gestellt. Die wird zwar mit viel Aufwand als selbstbewußt, ironisch und distanziert eingeführt, bleibt dann aber irritierend unterentwickelt, ohne freilich auf den Status einer rein funktionalen Figur zu schrumpfen.

Wahrscheinlich ist es letztlich die anfangs konstituierte klare Gegenüberstellung zwischen Gut und Böse, die den Film so mühsam wirken läßt (Böse gegen Böse à la Despicable Me scheint effektiver) – denn natürlich muß sie aufgebrochen werden, weil man dem bezaubernden Megaman den Bösewicht nicht so recht abnehmen kann (großartig seine Frustration, als er feststellt, daß es langweilig ist, böse und allmächtig zu sein). Daß der Film diesen Dualismus erst mühsam abreißt, um ihn dann wieder zu errichten, ohne den inhärenten Widerspruch darin wirklich zu lösen, ist ein bißchen schade.

(Stephen Holden hat in der New York Times den Film schön in die Nature vs. Nurture-Debatte eingebunden.)

Foto: Paramount