Schreiben am hypothetischen Drehbuch

Gerade habe ich, mit ein wenig geographisch bedingter Verspätung (hier geht die Sonne später unter, oder etwas Ähnliches) den Polizeiruf von vergangenem Sonntag gesehen, „Klick gemacht“.

Ich äußere mich hier selten zum Tatort oder Polizeiruf, obwohl ich ein einigermaßen gläubiger Zuschauer bin, mit Lieblingskommissar_innen und all diesen Macken, aber ohne großes historisches Interesse über die Gegenwart hinaus zurück. Soweit reicht es dann doch nicht, aber ich verzeihe viele Fehler, und Taubers letzter Fall wartet hier auf der Festplatte noch darauf, daß ich den Mumm für diesen Abschied zusammenbekomme.

Jörg Hube hat nur diesen einen Polizeiruf drehen können, seine Figur war aber offenbar, das macht die Dramaturgie deutlich, wirklich auf Dauer angelegt: Mit jüngerer Freundin, Macken und Marotten. Gleichzeitig war gerade die Beziehung zwischen seinem Kommissar und der für die Zukunft wohl als seine Kollegin vorgesehenen Bundeswehrhauptmannsfrau durchaus problematisch gefaßt.

Während Hubes Papen schon fast zu viel väterlich-sanfte Weisheit mit sich herumschleppte, Pazifismus und wenig originelle Bundeswehrkritik stets griffbereit, ließ das Drehbuch Stappenbecks Ulrike Steiger als verklemmte Gläubige mit Vaterkomplex erscheinen – prompt wendet sie sich am Ende vom einen Vater ab und dem anderen (Papen) zu.

Es hätte mich doch sehr interessiert, wie die Beziehung der beiden sich in den weiteren Folgen hätte entwickeln können; vor allem hätte Papen ein paar schwierige Seiten dringend nötig gebraucht, um als glaubhafte Figur auf Dauer Bestand haben zu können. Hube hätte das sicher gekonnt.

1 Gedanke zu “Schreiben am hypothetischen Drehbuch

  1. Wir haben den Polizeiruf auch gesehn und bedauert, daß es keine Möglichkeit geben kann, den Charakter komplexer herauszuarbeiten. B hat in den Münchner Kammerspielen mit Jörg Hube lange Jahre zusammenarbeiten dürfen und ihn für seine Streitbarkeit im Dienste des Charakters kennen und schätzen gelernt.

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