DVD-Kritik: V – Die Besucher (Staffel 2)

Ursprünglich erschienen in Deadline #32, März 2012.

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Es geht erst einmal so weiter, wie es in der ersten Staffel endete: Die Außerirdischen um Kommandeurin Anna (Morena Baccarin) planen die Invasion der Erde, geben sich aber wohltätig und friedfertig. FBI-Agentin Erica Evans (Elizabeth Mitchell), eigentlich als Leiterin einer Sondereinheit zu Annas Schutz abgestellt, will weiterhin mit ihrer kleinen Gruppe von Widerständlern genau diese Invasion verhindern.

Die Neuverfilmung der Serie V – Die Besucher (hier meine Anmerkungen zur ersten Staffel), die nach der nun auf Blu-ray vorliegenden zweiten Staffel eingestellt wurde, gab sich schon von Anfang an nicht mit reiner Oberfläche zufrieden. Darunter schwelten Fragen nach Begrifflichkeiten – wer ist ein Terrorist, wer ein Freiheitskämpfer? –, die mitten ins Herz amerikanischer Selbstwahrnehmung trafen. Und war es schon vorher allein dadurch kompliziert, dass Ericas Sohn Tyler (Logan Huffman) sich in Annas Tochter Lisa (Laura Vandervoort) verliebte, so gehen in der zweiten Staffel die Verwicklungen noch etwas tiefer in Fragen von körperlicher Identität hinein.

Auch wird gut und böse hier fröhlich durcheinander gemischt, wird der Krieg schmutziger. Es geht immer noch um Information und Desinformation, aber mehr noch darum, wie weit man bereit ist, für seinen Kampf zu gehen – was tue ich meiner Seele an, was kann und will ich zu welchem Preis noch mittragen? Und ab wann verrate ich die Menschen, die Echsen an meiner Seite? Aber so fundamental sich V – Die Besucher dann auch immer wieder gibt, die Verwicklungen nehmen doch zuweilen fast schon Soap-Charakter an. Und auch wenn die Serie sich jedesmal einigermaßen glimpflich in die nächste Folge rettet, so merkt man die Mühen des Drehbuchschreibens dem Endprodukt doch ebenso an wie man auf der Blu-ray die Schwächen der CGI deutlich zu Gesicht bekommt. Ein echter Lichtblick ist das regelmäßige Auftauchen von Jane Badler, die in der alten V-Miniserie aus den 1980ern die Alienkönigin gab und nun als Annas Mutter in fast jeder Folge bösartige Kommentare über das Walten ihrer Tochter abgeben kann.

Berlinale 2012: Tag 6 und 7

Die Tage verschwimmen langsam miteinander, was auch an der Müdigkeit liegen kann, am Jonglieren mit Rollen und Anforderungen, das ich mir dieses Jahr aufgehalst habe, gerne natürlich: Aber es ist eben ein seltsames Ringen zwischen Potsdamer Platz und Büro anderswo, Bett und (figurativ) Wiege drittens. Ich liebe jedes dieser Teile.

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Einsam bin ich dabei nicht. Aber dennoch sind Filme von Einsamkeit, Isolation und Verzweiflung ja gerne mal überhand nehmend auf der Berlinale, dem Weltproblemfestival unter den Filmfestivals (or so they say). Das Antidot dazu gab Rentaneko, „die japanische Antwort auf Amélie Poulain, nur subtiler und abgründiger“, wie ich gleich hinterher schrieb. Das glaube ich immer noch und habe es hier etwas differenzierter ausgeführt.

Der Film kursiert hier derzeit ein wenig als Geheimtip unter den Kolleg_innen, ich glaube aber: wirklich im Sinne eines Antidot gegen all die Schwermut. Und dann finden auch nicht alle den Film toll, aber andere bleiben dran kleben.

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Dann war schon der nächste Tag (gestern); jetzt, kurz vor Festivalschluß, meine erste Wettbewerbs-Pressevorführung im Berlinale-Palast, ganz oben im 2. Rang mit ein paar netten Kolleg_innen. Wir lästern ein wenig über S.‘ ordentlich geführten (Papier-)Festivalkalender, mit dem sie von uns allen den besten Überblick darüber hat, was sie wann wo tun muss, während wir uns auf unser „Streichelfon“ (S.) verlassen. Wehe dem, der von der Technik verlassen wird an solchen Tagen. Oder sein Telefon vergißt.

Bai Lu YuanWhite Deer Plain – also aus luftiger Höhe, von oben herab, betrachtet. (Schwindelfrei muss man sein, da oben.) Eine monumentale Soap-Opera, ein Genderdrama mitten im klassischen Rollendasein, und am Schluss stirbt die Frau durch die Hand eines Mannes, den sie vorher gedemütigt hat. Im Hintergrund geschieht eine Revolution – wir sind mitten im China des frühen 20. Jahrhunderts -, aber die Landwirtschaft und ihre Mittel bleiben noch immer gleich, und auch die Geschehnisse im Theater des Lebens. Politisch mag sich vieles umwälzen, es kommt doch bei den Menschen am Boden nicht an.

Das ist als großes Menschheitstheater inszeniert, wechselnd zwischen grandiosen Landschaftsaufnahmen und Szenerien wie aus Bühnenbild. Und die Wunde am Ende ist nicht nur anatomisch bescheuert positioniert – man sticht nicht so einfach durch ein Schulterblatt hindurch -, sondern auch noch das schlechteste CGI des Festivals: sie zuckt nicht, wenn die Sterbende sich windet, und dadurch sieht es aus, als wandere sie.

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Anschließend stehen vier gestandene Filmkritiker noch eine Viertelstunde vor der Tür und versuchen sich daran, die Verwandtschaftsverhältnisse des Filmes auseinanderzudividieren. Ich darf gleich sagen: So ganz ist es uns nicht gelungen. Wer jetzt mit wem verschwägert, blutsverbrüdert oder verpatet war —

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Spät nachts dann schließlich Haywire in großer Premiere. Vom Saal aus kann man vor der Vorstellung per Leinwand den Roten Teppich beobachten; da verbringen die Stars viel Zeit, auf der Bühne später, nach Filmende, nur sehr wenig. Es ist aber auch sehr spät: Gegen halb zwei spuckt uns der Palast wieder auf die Straße.

Haywire - Roter Teppich

Toller Film übrigens; Nino und Thomas haben dazu schon fast alles Wesentliche gesagt, während ich mich jetzt an den dazugehörigen Text werfe. Gina Carano macht übrigens den Eindruck, als würde sie nicht nur in ihrer Rolle, sondern auch im wahren Leben lieber aufs Abendkleid verzichten (das allerdings zur Premiere auch schwarz, kurz und aus Leder war). (Eine ausführliche Kritik gibt es jetzt hier.)

Rosa

Da ich vergangenes Jahr leider noch nicht zur Opening Night in Sitges war, habe ich dort den Rosa von Jesus Orellana (deviantART-Page) nicht sehen können – ein düsterer Animationskurzfilm über drei Androiden in einer postapokalyptischen Welt. Das erinnert natürlich heftig an 9, verfolgt aber einen ganz anderen Stil. Und auch wenn das Streifchen eher Stilübung als große Kunst ist, lohnt es doch einen Blick, den nun soll daraus ein abendfüllender Spielfilm werden.

(via)

Haywire – Die ersten fünf Minuten

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Man kann es ja doof oder gut finden, dass die Filmstudios auf der Suche nach Ms Bourne sind – eine richtig tolle Actionheldin fehlt uns, allen Versuchen zum Trotz, aber immer noch (obwohl zuletzt z.B. Hanna und Salt der Sache aus unterschiedlichen Richtungen schon recht nah kamen).

Jetzt rückt der Start von Haywire langsam näher, und online gibt es die ersten vierundgequetschtes Minuten zu sehen. Das ist, sagen wir: eruptiv. Freue mich enorm vor.

(via)

Update: He, da ist ja noch ein Video!

Verlosung: Plakate und Tanktops zu Colombiana

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Am 15. September startet Colombiana in den deutschen Kinos, der neue Film mit Zoe Saldana, in dem sie eine Auftragskillerin spielt, die einen ganz persönlichen Rachefeldzug betreibt.

Eine ausführliche Besprechung des Films habe ich für kino-zeit.de verfaßt, sie ist hier bereits nachzulesen. Dank Pure Online und Universum Film kann ich hier nun drei Minipakete zum Film verlosen: Es gibt dreimal je ein Plakat zum Film (A1, auf A4 gefaltet; ganz ähnlich dem oben abgebildeten) und ein Tanktop (siehe Bild unten) zu gewinnen.

Ihr müßt nichts weiter tun, als Euch hier kurz in den Kommentaren zu Wort zu melden und mir neben einer funktionsfähigen E-Mail-Adresse noch Eure liebste Auftragskillerin oder Euren liebsten Auftragskiller aus der Filmgeschichte zu nennen. Es dürfen auch Antihelden und echte Bösewichter darunter sein, und über eine Begründung freue ich mich natürlich ganz besonders.


Die Aktion endet am 12. September 2011 um 23:59 Uhr. Der Rechtsweg ist sowieso ausgeschlossen, eins meiner Kinder wird die Glücksfee spielen. Viel Glück!

Kurzer Clip aus der „Wonder Woman“-Pilotfolge

Das Trauerspiel um die Wonder Woman-Fernsehserie, die NBC in Auftrag gegeben hatte, nur um sie dann nach Abdrehen des Pilotfilms von David E. Kelley sehr schnell wieder zu begraben, hatte ich hier und auf Twitter schon gelegentlich begleitet und kommentiert. Absurd viel wurde vor allem über das Kostüm der Hauptfigur diskutiert, das Adrianne Palicki tragen sollte; in weiteren Rollen waren mit Elizabeth Hurley und Cary Elwes zumindest leidlich bekannte B-Stars gecastet.

Natürlich darf man hoffen, daß die abgelehnte Folge irgendwann im Internet auftaucht (mit einer regulären Fernsehausstrahlung ist wohl eher nicht zu rechnen), so daß wir uns selbst ein Bild davon machen können, ob NBC zu Recht kalte Füße bekommen hat. Eine erste Ahnung davon gibt nun dieser 30-Sekunden-Clip, der seinen Weg ins Internet gefunden hat (vorher gab es schon gute, wortwörtliche zwei Sekunden Footage, die nur vage einen Eindruck davon vermitteln konnten, ob Palicki zu physischer Bewegung in der Lage sei), und leider, leider sieht es so aus, als habe NBC gut daran getan, sich nicht weiter mit der Serie zu belasten.

Natürlich ist der Clip (gefunden bei Allociné) vermutlich nicht repräsentativ für das Endprodukt, welches man eventuell im Fernsehen gesehen hätte; aber trotzdem stimmt hier fast gar nichts: Schnitte, Rhythmus, Timing, sogar die herumschwingenden Arme von Palickis Wonder Woman wirken unkontrolliert. Aber vielleicht sehr Ihr das anders?

Die Zähmung der Lisbeth Salander

Ich mache mir etwas Sorgen um die Neuverfilmung von Män som hatar kvinnor (Verblendung), The Girl with the Dragon Tattoo. (Natürlich sehe ich vor allem die Notwendigkeit nicht, aus einem durchaus sehr guten Film so bald darauf einen zweiten zu machen – Regisseur Niels Arden Oplev kann durchaus ein bißchen beleidigt sein vielleicht. Immerhin muß man sich, da David Fincher Regie führt, keine allzu großen Sorgen machen, daß das Remake an und für sich ganz furchtbar werden könnte.)

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Meine Irritation hat schon vor einigen Monaten begonnen, und mit dem jetzt veröffentlichten Teaser-Poster erhärtet sich der Verdacht: Hier wird für die Werbekampagne die Figur der Lisbeth Salander (in Finchers Film von Rooney Mara verkörpert) in einer Weise dargestellt (und deshalb wird das Poster hier auch nicht reproduziert), die vor allem dazu geeignet ist, sie als sexuelles Wesen dar-, vor- und auszustellen.

Schon die im Januar veröffentlichte Fotostrecke mit Bildern von Rooney Mara (als Salander) in W zeigte diese Tendenz – das konnte man aber vielleicht noch, mit sehr viel gutem Willen, als ans publizierende Medium angepaßte Aufmerksamkeitsstrategie lesen. Mit der Veröffentlichung des offiziellen Posters aber wird mehr daraus: Wird daraus Bilderpolitik mit einer klaren Sprache und Geschlechterordnung.

Das Bild ist in dunklem Schwarzweiß gehalten; Salander (Mara) steht darauf, nackt bis zur tief auf den Hüften sitzenden Jeans, vor Blomkvist (Daniel Craig, bekleidet), der seinen linken Arm um ihren Oberkörper gelegt hat. Salanders Brüste liegen frei, ihre Brustwarzen werden durch Schrift bzw. durch ihren linken Arm abgedeckt, mit dessen Hand sie an Blomkvists Armbeuge faßt. Beide blicken in Richtung der Kamera.

Zwar wirkt Salander auf diesem Bild keineswegs wie ein braves, gefügiges Mädchen – gerade auch durch ihren direkten Blick nimmt sie keine unterwürfige Position ein -, zugleich ist sie aber deutlich Blomkvist untergeordnet. Dies wird zum einen durch ihre Körpergröße suggeriert (Noomi Rapace – Salander im Originalfilm – ist meiner Erinnerung nach nicht kleiner als ihr Gegenüber Michael Nyqvist – Blomkvist), zum anderen aber auch durch Blomkvists schützende Geste (die durch Salanders eigene Hand wiederum aufgewertet wird).

Zusammen mit ihrer Nacktheit entsteht so das Bild einer Lisbeth Salander, die Blomkvist jedenfalls nicht ebenbürtig ist; sieht man das Bild zudem im Kontext der erwähnten Fotostrecke aus W, so entsteht deutlich der Eindruck, daß ihre Figur hier als sexuell verfügbar dargestellt wird, verbunden allenfalls mit in die Alltagskultur eingesickerten Fetischisierungsmitteln à la Suicide Girls. Vor allem aber wird Salander in den Bildern aufs Sexuelle nahezu vollständig reduziert.

Das ist insbesondere deshalb so ärgerlich, weil sie in den Romanen – und weitgehend auch im Film von Niels Arden Oplev – zwar auch ein sexuelles Wesen ist (nicht zuletzt ist dies für ihre Beziehung zu Blomkvist von Bedeutung), aber eben nicht hauptsächlich. Alle Insignien und Gegenstände, die für Salander in Buch und Film sonst so wichtig sind – vor allem also ihr Computer – fehlen hier vollständig.

Stieg Larssons Bücher haben eine der vollständigsten, komplexesten Heldinnen im jüngeren Thriller in die Welt gesetzt; die Kampagne für The Girl with the Dragon Tattoo scheint nun schwer daran zu arbeiten, diese harte, widerspenstige Figur, diese schwarze Ritterin des Geschlechterkampfes, zu domestizieren und sexuell verfügbar zu machen.

(Hier nun noch der Trailer zu The Girl with the Dragon Tattoo, in dem Lisbeth Salander, dem Filmtitel zum Trotz, praktisch nicht auftaucht.)

Drive Angry 3D (2011)

Dieser Film über einen nicht totzukriegenden Mann, der an einem Satanisten den brutalen Mord an seiner Tochter rächen und den an seinem Enkelkind verhindern will, ist im Grunde eine ehrlichere Hommage ans Exploitationkino als der in dieser Hinsicht wesentlich bemühtere Hobo With a Shotgun, der primär Versatzstücke des Trashkinos aneinanderfügt, die vorher auf besonders großen Skandalwert hin übersteigert wurden. Das Problem dabei ist, daß Jason Eiseners Hobo sich nie zu einem wirklich überzeugenden Ganzen fügen will; es gibt keine hinreichend krasse Motivation für den Protagonisten, das zu tun, was er tut. Alle sind irgendwie outrageously brutal und rücksichtslos, aber all das findet als reine Show statt, für die es keinen Impetus zu geben scheint.

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Das ist in Drive Angry anders: Hier sind Figuren wie Darstellung nicht weniger brutal, aber die Motivation für alle beteiligten ist klar ausgebreitet. Das sind nicht weniger typische Trashmomente, einer halbgaren Pseudomythologie entliehen, in der die Weltordnung mit Himmel und Hölle wirklich rein funktionales Showelement ist; aber es wird hier so positioniert, daß damit die Figuren in einer Geschichte mit klaren Gut- und Böse-Pfeilern zu allem bereit und willens sind.

Dazu die Ausstattung – das Auto, die Sonnenbrille, Cages Frisur – und die platten, Gedanken aber immerhin simulierenden Namen (John Milton, natürlich, und „The Accountant“), das hemmungslose Rumgeballer und Blutvergießen, dessen Inszenierung ganz dem größtmöglichen Effekt für die 3D-Kinos unterworfen ist. Alle naselang fliegen Gegenstände, Kugeln oder Körperteile in Richtung der Kamera – ehrlicher kann man Big-Budget-Exploitationskino eigentlich nicht machen. (Regisseur Patrick Lussier hatte das bei My Bloody Valentinemeine Kritik – schon erfolgreich erprobt, dort allerdings mit einem Drehbuch und generell Filmkonzept, daß d’r Sau graust.)

Natürlich fehlt dem Film die selbstironische Auseinandersetzung mit seinen Vorbildern, die etwa Machete zu seinem amüsanten Abenteuer macht. Aber gerade im Vergleich mit dem permanent auf das Augenzwinkern schielenden Versuch wie Hobo With a Shotgun überzeugt die ehrliche Schrottigkeit der Erzählung, der ungeschminkte Wink mit den Splattereffekten. Nicolas Cage kann hier natürlich erneut zeigen, daß es derzeit kaum eine bessere Besetzung als ihn für großkotzig gedachten Trash gibt, und William Fichtner wie Amber Heard lassen sich so richtig gerne in ihre Rollen hineinfallen. Jemand sollte Heard jedenfalls mal eine Actionhauptrolle geben.

Hua Mulan (2009)

Ursprünglich erschienen in Deadline #24, November 2010

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Spätestens seit dem Disney-Trickfilm dieses Namens kennt man auch im Westen die Grundzüge der Legende von Mulan, einer Chinesin zur Zeit der Nördlichen Wie-Dynastie, die sich, als Mann verkleidet, anstelle ihres kranken Vaters zur Armee meldet, um ihn vor den Strapazen des Krieges zu schützen und die dann unversehens zur Kriegsheldin wird. Die chinesische Fassung unter der Regie von Jingle Ma (Tokyo Raiders) erscheint ganz im Gewand eines Historienepos und erzählt die Geschichte in vielen, oft nur locker und durch Weißblenden verbundenen Episoden.

Das Problem des Geschlechtertausches spielt in Hua Mulan (deutsch: Mulan – Legende einer Kriegerin) hier nur eine Nebenrolle und wird kurz vor Schluss mit einem Handstreich für erledigt erklärt, dafür geht es um Selbstaufopferung mit nationalen Untertönen. Und damit klar wird, wer gut ist und wer böse, wird der Herrscher der Kriegsgegner besonders barbarisch und dekadent inszeniert: Er tötet seinen Vater, unterdrückt seine Schwester, ist faul und trinkt. Wei Zhao als Mulan und Jaycee Chan (Sohn von Jackie) geben den Hauptfiguren ein bisschen Leben und Komplexität, über den insgesamt etwas faden Wechsel zwischen Ruhe und Schlachtenszenen täuscht aber auch das kaum hinweg. Das Thema aber beschäftigt weiter: Dem Vernehmen nach ist Jan de Bont gerade mit einer weiteren Verfilmung mit Ziyi Zhang beschäftigt.