Kurz verlinkt, 16. Februar 2011

Lesens- und Sehenswertes aus den vergangenen Tagen (29. Januar 2011 bis 16. Februar 2011):

  • Loving the Bad – An Interview with Frankie Latina and Sasha Grey on Modus Operandi
    "Any director who shoots a grindhouse film without exquisite, triumphant, dangerous, and naked women is doing a disservice to the genre and should move into a different field."
    by Matthew Sorrento
  • The Best Sex in Contemporary Hollywood – Utopia, Ecstasy, and the (Classical) Musical Number in The 40-Year-Old Virgin
    by Kelli Marshall
  • Something That Festers – The Silence of the Lambs, The Texas Chainsaw Massacre, and the Visual Pleasures of Horror
    "We're drawn to and fascinated by horror because the genre reminds us that we have both outsides and insides, skin and guts, eyes and gray matter, ideas and appetites."
    by Jesse Stommel
  • The Cinematic Islands of Dr. Moreau – Beasts, Monsters, and Mad Scientists
    Why the doctor endures
    by Richard A. Voeltz
  • Interview mit Denis Villeneuve – Regisseur von 'Incendies'
  • Girls on Film: Redefining Date Movies – The dating world is a hideous business. We're taught that to woo, to romance, to love; the man must cover his beloved in all manner of monetary adoration and personal torment. He must buy overpriced roses, grandoise gifts and wallet-burning meals every Valentine's Day. He must take his beloved, or hope-to-be-beloved, to romantic comedies and five-tissue romances. On the flip side, the woman is expected to groom, to woo (though all bets are off when the fish is caught) and to offer up sexual spoils to show her appreciation (though not required). If she's super-swell, she might give the guy a day off now and then to partake in his burly deeds and see his manly friends, but ultimately, she just has to keep him marginally entertained … and rule him with an iron fist of feminity.
    And it all starts with the "date movie."
  • 15 movie sex and bedroom scenes that might just put you off sex and bedrooms – The movies have some valuable lessons to teach us about bedroom shenanigans. For here are 15 films that might just put you off sex altogether…
  • Heteronormativitätskritische Filmbildung – Plädoyer für queere Perspektiven in der Medienpädagogik – Medienpädagogische Filmbildung hat es bislang gänzlich versäumt queer-theoretische Ansätze in der Filmbildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen aufzugreifen. Darum schlage ich ein Konzept heteronormativitätskritischer Filmbildung vor, mit dem medienpädagogische Ansätze innerhalb der Filmbildungsarbeit für queer geöffnet werden, das sich insbesondere für subjektbezogene Konzepte von Filmbildung dringend empfiehlt. Heteronormativitätskritische Filmbildung stellt eine veränderte Möglichkeit der Herangehensweise an das Medium Film dar: Filmische Repräsentation wird als Ort der Reproduktion heteronormativer Strukturen fokussiert und gleichzeitig der Frage nachgegangen, inwiefern Interventionen in die symbolische Ordnung durch filmisch vermittelte Formen des Widerstandes aussehen können. (Feministisches Institut Hamburg / von Julia Bader)
  • Wieland Speck über Kinofestivals – Nachdem Wieland Speck in den siebziger Jahren für das Berliner TALI Kino verantwortlich war und als Darsteller unter anderem für Marlene Dietrich, Ulrike Ottinger und Robert van Ackereren vor der Kamera stand, wurde er im Jahr 1982 Assistent von Manfred Salzgeber bei der Berlinale. Gemeinsam mit ihm gründete er den schwulen Filmpreis TEDDY AWARD, der seit 1987 auf der Berlinale verliehen wird. Seit 1992 ist Wieland Speck Programmleiter der Sektion PANORAMA. Mit uns hat Speck darüber gesprochen, warum das Kino in Festivals zu Hause ist.

Teeth (2007)

Manchmal braucht es ja nur einen passenden Anlaß… das International Comedy Film Festival zeigt kommende Woche in der Berliner Komischen Filmnacht den ganz hervorragenden Film Teeth von Mitchell Lichtenstein (Sohn von Roy, dem Maler); ich wurde netterweise gebeten, einen kurzen Text zum Entwicklung des Frauenbildes in der Komödie beizusteuern, den ich gerne (an manchen Stellen, wie es mir zu eigen ist, vielleicht etwas weiter ausholend als unbedingt nötig) geschrieben habe – und das war natürlich genau der Vorwand, den ich brauchte, um mir den Film selbst auch endlich noch einmal anzusehen.

Teeth beginnt mit einer harmlos und bürgerlich-friedlich anmutenden grünen Stadtlandschaft, die Kamera schwenkt schließlich auf das Elternhaus der Protagonistin Dawn O’Keefe (Jess Weixler), hinter dem unmittelbar und deutlich sichtbar die Kühltürme eines Atomkraftwerkes den Himmel dominieren. Wer angesichts dieser Darstellungen freilich Simpson-haften Humor in dieser Komödie erwartet, wird sicher enttäuscht werden; und auch die offenbare Anspielung auf durch Strahlung induzierte Genomveränderungen wird der Film nie anders als durch das Bild dieser Kühltürme explizieren. Ähnliches gilt für die diversen psychologischen Prädispositionen, die Dawn und ihr unangenehmer Stiefbruder Brad (John Hensley) mit sich herumtragen, und deren mögliche Genese zwar gezeigt wird, ob man dem aber Bedeutung verleihen will, muß man schon selbst entscheiden.

[filminfo_box]

Überhaupt ist die Zuschreibung von Bedeutung eines der zentralen Themen des Films, das sich unter der zunächst eigenartig zurückhaltenden Oberfläche verbergen. Dawn engagiert sich für eine Gruppe, die an Schulen für Enthaltsamkeit wirbt – „True love waits“ und derlei Dinge -, ohne daß sie oder ihre Freunde wirklich etwas von Sexualität wüßten. In den Schulbüchern der prüden Gemeinde sind sogar die Darstellungen der weiblichen Sexualorgane mit einem großen, golden glänzenden Stern überklebt.

Was Sexualität aber bedeutet oder bedeuten könnte, das ändert sich im Laufe des Films ebenso oft wie die Bewertung von Dawns besonderen (dem Film seinen Titel gebenden) Eigenschaften – sowohl durch sie selbst wie auch möglicherweise durch die Zuschauer_innen. Denn der Film nimmt es sich ja schließlich auf sich, den alten Mythos der Vagina dentata in die moderne Gegenwart zu versetzen und ihr einen feministischen Dreh zu geben, der sich gewaschen hat.

Er erzählt dies mithilfe einer Geschichte von weiblicher Selbstermächtigung, in der die zunächst als überaus „rein“ inszenierte Dawn (blond, hellhäutig, enthaltsam) sich mit ihrer (nomen est omen) erwachenden Sexualität auseinandersetzen muß – vor allem aber damit, daß sie als Frau sexuell von Männern (und auch gewaltsam) unter Druck gesetzt wird. Die Gefahr, die von den Sexualorganen ausgeht, ist dadurch in diesem Film keineswegs sittlich-moralisch, sondern ganz konkret.

Während anfangs aber Dawn, ihre Lehrer und alle sonstwie Beteiligten nicht einmal die Namen der weiblichen Sexualorgane in den Mund zu nehmen bereit sind, spricht Dawn mit ihrer Flamme Tobey (Hale Appleman) fortwährend über das Verbot, sich sexuell zu betätigen – ein sehr im Sinne von Michel Foucault gedrehtes Verbot, das erst recht einen Diskurs hervorruft. Aber der Film wendet das schließlich in reine Taten, in den Sturz des Macht eben nur behauptenden, nie tragenden Phallus.

Es mag sein, daß Lichtenstein in Teeth zuweilen etwas zu eindeutige Bilder verwendet – eine zahnbewehrte Spinne gehört etwa dazu – aber der Film versteckt seine Subtilität eher in den Figuren und vor allem in seiner Protagonistin; und glatt geleckt ist das alles dennoch keineswegs.

Der Humor ist denn auch weniger schenkelklopfend – er lebt aber ebenso von den Momenten puren Splatters, von der grotesken Verletzung der Körpergrenzen (und dem reißenden, beißenden Geräusch, mit dem sie sich vollzieht), wie von der Umkehrung der Machtverhältnisse, die er mit Dawn vollzieht.


Als die Hauptdarstellerin Jess Weixler den Film 2007 auf der Berlinale vorstellte (damals hat Tillmann den Film auch gesehen), kam sie nach der Vorstellung in einem leuchtendroten Kleid auf die Bühne. Allein dafür hätte ich sie umarmen können, und deshalb ist es natürlich auch hervorragend, daß das Comedy Film Festival mit diesem Film den Women in Horror Recognition Month (Februar 2011) einleiten.

Für die Berliner Komische Filmnacht am 2. Februar mit Teeth gibt es hier bei uns auch einmal zwei Freikarten zu gewinnen. Das Gewinnspiel läuft für noch eine Woche bis zum 31. Januar 2011; das Teilnahmeformular findet sich hier.

Foto: International Comedy Film Festival; Logo: Women in Horror Recognition Month

V (2009/2010) – Staffel 1

Meist gerät man ja durch biographische Zufälle schon früh mit irgendwelchen Dingen in Berührung, die sich dann tief ins Gedächtnis eingraben und immer wieder hervorkommen. So ging mir das mit dem Reptiliengesicht, das da auf einmal unter Menschenhaut zum Vorschein kam, den Meerschweinchen als Snack, ganz und lebend verzehrt, versteht sich.

[amazon_iframe asin=“B0019BSC5Y“]

Ich war 1983, gerade einmal zehn Jahre alt, für einige Monate bei Verwandtschaft in den USA, und weil ich dort mehr Fernsehen geschaut habe, als meine Tante eigentlich wollte, habe ich auch V gesehen, die Miniserie, die NBC damals ausstrahlte (und die dann als V – Die außerirdischen Besucher kommen 1988 auch in Deutschland gezeigt wurde).

Ich habe mir die Serie jetzt noch einmal angesehen; Anlaß dafür war natürlich das Serienremake, das seit November in den USA zu sehen war und dessen zweite Staffel ab heute von ABC ausgestrahlt wird.

Woran ich mich nicht erinnern konnte (vielleicht auch, weil es mir damals nicht aufgefallen war) sind die starken Bezüge zur Judenverfolgung und zum Nationalsozialismus, die in der Originalserie aufgemacht werden. Immer wieder spricht eine jüdische Figur, offenbar Überlebender des Holocaust, davon, dies nicht wieder geschehen lassen zu wollen; er und seine Familie sind die ersten, die sich auf die Seite der von den Vs verfolgten Wissenschaftler_innen schlagen.

Angedeutet werden noch eine ganze Reihe von Themen, die wohl zum Teil in den dann folgenden Spin-Offs, die ich allerdings nicht kenne, weiterverarbeitet wurden.

+++

Die neue Serie (IMDb) greift, neben der grundlegenden Plotkonstruktion, viele einzelne Elemente des Originals in veränderter Form wieder auf (etwa den Fernsehjournalisten), vor allem aber ist es ein in Ton und Richtung gänzlich anderes Stück Fernsehen. Daß es nicht allen gefällt, ist da selbstverständlich.

Und natürlich ist dieses neue V keine Fernsehserie, die die Möglichkeiten des Mediums, wie sie Serien in den letzten Jahren ausgelotet haben, wirklich vollständig nutzt; aber es verfügt über eine gar nicht dumm aufgebaute Spannungsdramaturgie, die von Folge zu Folge die Handlungsschrauben anzieht, immer wieder neue Handlungsstränge und Wendungen fabriziert und zugleich zumindest die Nebenfiguren auch wirklich weiterentwickelt. Zudem verfügt die Show über ein ausreichendes Budget, um nicht nur Stars der alten Serie für Gastauftritte zu verpflichten, sondern auch die für ein Science-Fiction-Abenteuer dieses Schlages unabdingbaren Spezialeffekte einigermaßen würdevoll hinzubekommen – auch wenn sich die Personen in der CGI-Welt der V-Raumschiffe immer ein bißchen so bewegen, als schwebten sie knapp über dem Fußboden.

Die „Besucher“ bekommen hier schon rasch in Gestalt des „Schläfers“ Ryan Nichols (Morris Chestnut) ein menschliches Gesicht (Kulturwissenschaftler_innen: Das es sich bei ihm um den einzigen schwarzen Protagonisten handelt, sollte doch interessante Forschungszugänge eröffnen!), auch wenn sich die Serie sonst sehr daran abarbeitet, die Außerirdischen als „anders“ zu kennzeichnen – da ist es ein fast schon subtiles Stilmittel, daß die „V“s (die sich irritierenderweise auch selbst so nennen) zum Essen das gleiche Besteck verwenden wie zum Foltern. Die Menschen werden mit einigem Interesse, aber stets von außen betrachtet. („There is no greater incentive for a human male“, doziert die Alienkönigin einmal, „than a damsel in distress.“ – Da ist sie schon, die Ethnologie der Menschheit aus der Perspektive einer Außerirdischen.)

Die Verweise auf den Nationalsozialismus sind hier nur noch sehr subtil verhandelt – die Besucher zeichnen sich durch Gefühllosigkeit und absolute Loyalität aus, ihre Königin schenkt ihnen dafür „bliss“, Momente der Glückseligkeit. Das ist zunächst einmal nicht so sehr militaristischer Faschismus, der da zum Vorschein kommt (obwohl die Serie in ihrem Verlauf brutaler und expliziter wird) – die Menschen werden regelrecht umworben und gehätschelt. Eine ganze Zeit lang ist V viel eher eine Serie über PR und politische Öffentlichkeitsarbeit, über spin doctoring, Wirkung und Effekt – und schließlich auch über Information und Desinformation.

Das bekam im vergangenen Jahr einen ganz eigenen Beigeschmack, als sich die Verschwörungstheoretiker_innen und Aliengläubigen über die globalen Kampagnen zur Impfung gegen die „Schweinegrippe“ beugten und bekundeten: Alles nur Beschiss. Denn gleichzeitig war in V zu sehen, wie die bösen Fernsehaliens genau solch eine Impfaktion anregen, die angeblich vor allen möglichen Krankheiten bewahren solle, tatsächlich aber nur Teil ihres großen Plans zur Eroberung der Welt und Unterjochung der Menschheit darstellt…

Der Witz ist nun, und das hat mich sehr für die Serie eingenommen, daß die Macher_innen damit wiederum Verschwörungstheorien von Leuten wie David Icke aufgenommen haben, die man gar nicht so genau kennen will, wenn man sich seinen Wikipedia-Eintrag ansieht:

At the heart of his theories lies the idea that a secret group of reptilian humanoids called the Babylonian Brotherhood controls humanity, and that many prominent figures are reptilian, including George W. Bush, Queen Elizabeth II, Kris Kristofferson, and Boxcar Willie.

Für Icke sind diese Reptilien selbstverständlich auch direkt in die „Propaganda“ für die Impfprogramme involviert, wie sich z.B. hier und hier nachlesen läßt. Die Folge 1×04 von V nimmt diese Geschichte nun eben ziemlich nah am Wortlaut wieder auf und wendet sie gewissermaßen wörtlich in Fernsehfiktion um. Was für ein brillanter Plan der Reptilien, damit wir jetzt wirklich glauben, das sei nur erfunden! (Doch, doch, die Verbindungen sind vielfältig!)

[amazon_iframe asin=“B002YGSZZK“]

(Etwas problematisch ist dabei, daß von der „Universal Health Care“, die die Außerirdischen anbieten, gerade im vergangenen Jahr die Assoziation zu Barack Obamas Gesundheitsreform nicht besonders weit entfernt ist – sich die Serie also womöglich in ein politisches Gebiet begab, in dem sie eigentlich gar nicht unbedingt wildern wollte.)

+++

Die eigentlichen Hauptfiguren der Serie sind, und da wird’s dann wirklich spannend, die FBI-Agentin Erica Evans (Elizabeth Mitchell) und die Alienrepräsentatin Anna (Morena Baccarin). Es ist, im Lauf der Serie wird das immer stärker, ein Kampf der Mütter, der sich in den Kindern fortsetzt – Anna setzt ihre Tochter Lisa (Laura Vandervoort) gezielt ein, sie soll sich einen menschlichen Partner suchen. Daß Lisas und Annas Wahl ausgerechnet Ericas Sohn Tyler (Logan Huffman) wird, ist eher zufällig.

Erica gerät eher zufällig an eine Widerstandsgruppe gegen die Vs, die sie zunächst als terroristische Schläfer bekämpfen soll – schon bald wird ihr aber klar, womit sie es hier wirklich zu tun hat, und sie wird zur treibenden Kraft einer neuen Widerstandszelle. (Daß sie die einzige Frau in dieser Gruppe bleibt, ist auch bezeichnend, hebt es doch ihren besonderen Status hervor.) Zugleich wird sie im FBI einer Gruppe zugeordnet, die sich mit Anti-Alien-Bestrebungen auseinandersetzen soll, und kommt auf diese Weise auch direkt in Kontakt mit Anna.

Die erste Staffel der Serie lebt so von der unterschwelligen Ambivalenz der Beziehungen zwischen Menschen und Aliens, zwischen womöglich echten Bindungen und harten Machtkämpfen. Das „real face“, das man zeigen soll, wird freilich darin problematisch, daß es Überläufer in beide Richtungen gibt und für die Menschen die wahren Motive der Aliens, die sich in Frieden und mit Wohltaten (Gesundheit, saubere Energiequellen) nähern, nicht ersichtlich sind. (Die Zuschauer_innen erfahren sie letztlich übrigens auch nicht. Man weiß nur, daß sie wohl nichts Gutes im Schilde führen.)

Anna weiß, wohlgemerkt, in dieser Zeit nichts davon, welche Rolle Erica in der Widerstandsbewegung „Fifth Column“ spielt; für die FBI-Agentin ist der Konflikt allerdings zugleich immer ein Kampf um die Rettung ihres Sohnes, dessen Ausprägungen auch sprachlich gelegentlich an Ripley aus Aliens denken lassen: „If I have to cross a line to blow that bitch out of the sky, I will.“

Die Männer spielen hier in allen für die Serie relevanten Strukturen immer nur die zweite Geige; überdeutlich wird das in der Folge 1×06, die erstmals die Sexualität der Vs thematisiert, die auf irritierende Weise sehr menschliche Vorstellungen von erotischer Sexualität und vager weiblicher Dominanz mit insektenhafter Animalität verbindet – da wird auch deutlich, warum sich die Vs, Insektenstaaten gleich, um eine „Königin“ herum organisieren.

(Daß in Ericas Leben kein Mann vorkommt, auch Tylers Vater nicht, sie somit zur – gutartig – alleinherrschenden Mutter wird, verstärkt die Gegenüberstellung der beiden Frauenfiguren natürlich noch.)

Die erste Staffel endet mit der Geburt eines Mensch-Alien-Mischlings, den Anna zunächst als „a mongrel, a threat to our survival“ einstuft, dann aber doch um alles in der Welt besitzen will. Die Themen von Reproduktion (und ihrer impliziten Monstrosität), von Reinheit und Mischung, Weiblichkeit und Macht – sie sind alle angerissen und aufgeladen. Ab heute kann man sehen, wie das weitergehen soll.

Kurz verlinkt, 16. Dezember 2010

Lesens- und Sehenswertes aus den vergangenen Tagen (25. November 2010 bis 16. Dezember 2010):

River Tam

Selten waren Kampfszenen so elegant und zugleich so blutig wie wenn Summer Glaus River die Kontrolle über sich verliert, hatte ich seinerzeit zu Serenity geschrieben, und das ist heute noch so wahr wie vor fünf Jahren. Hier kann man sich noch einmal visuell erinnern, und hier einen klugen Text u.a. dazu lesen, warum wir die Butt-kicking Babes des Kinos wirklich brauchen.

(via)

[filminfo_list]

Online ansehen: Guest of Cindy Sherman (2008)

Auf der Website babelgum.com ist der Dokumentarfilm Guest of Cindy Sherman in voller Länge als „online world premiere“ im Stream zu sehen. Das Video, wie unten geschehen, kann auch auf eigene Webseiten eingebettet werden.

Die Dokumentation von Tom Donahue und Paul Hasegawa-Overacker („Paul H-O“) beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen H-O und der (von mir sehr verehrten) amerikanischen Künstlerin und Fotografin Cindy Sherman. In ihrem Blog beim Independent beschreibt Matilda Battersby den Film als a unique insight into the Nineties art scene und als a candid look at the culture of celebrity among contemporary artists but is also a bittersweet love story filmed over 15 years.

Der Film ist meiner Meinung nach allein schon deshalb interessant, weil Aufnahmen von Sherman (außer in ihren eigenen Fotos, in denen sie fast immer selbst die Hauptdarstellerin, das Motiv ist) einigermaßen selten sind.

Sherman hat sich übrigens selbst einmal als Regisseurin versucht, in dem hochgradig amüsant grenzwertigen Office Killer; und in John Waters‘ Pecker hat sie einen kurzen Auftritt als sie selbst.

(via)

Mother’s Day (1980)

[Natürlich spreche ich in diesem Text nur von der geschnittenen FSK16-Fassung des Films, die nicht wegen Gewaltverherrlichung verboten und beschlagnahmt wurde. Nur damit mir niemand unterstellen kann, ich würde derlei Darstellungen womöglich gutheißen oder gar bewerben wollen. Käme mir nie in den Sinn.]

Da ich vor wenigen Wochen während der Filmfestivals in Sitges (meine Berichterstattung) die Gelegenheit hatte, mir Darren Lynn Bousmans neuen Film Mother’s Day anzusehen (meine Kritik ist gerade bei blairwitch.de erschienen), habe ich mir vorher natürlich das „Original“ angesehen, das Charles Kaufman im Jahr 1980 inszeniert hat und das seither einigermaßen berüchtigt geworden ist für seine Gewaltdarstellungen – die man freilich in Deutschland nicht legal zu sehen bekommt, da der Film in seiner ungeschnittenen Fassung nach Paragraph 131 StGB aus dem Verkehr gezogen wurde.

Mother’s Day ist von seiner Grundanlage zuallererst – obwohl er das für eine Weile gut zu kaschieren weiß – ein klassischer Backwoods-Slasher, der Städterinnen gegen Landeier stellt. Hier steht, mehr noch als in ähnlichen gelagerten Filmen, die Familie sogar noch im Vordergrund, denn es ist die titelgebende Matriarchin, die das mörderische Treiben anstößt und vorantreibt. Ihre zwei Söhne hat sie zu mordenden Folterknechten herangezogen, die sich gleichwohl ordentlich zu benehmen haben, zumindest ihrer Mutter gegenüber. Gelegentlich fährt sie auch in die Stadt und bringt ihnen ein paar Mordopfer mit, die sie nur für eine harmlose alte Dame halten.

Die Opfer sind natürlich junge Leute, die vielleicht ein bißchen zu freizügig sind in ihrem Leben – schließlich sind die 1970er Jahre gerade erst vorbei, der neue Ernst der 80er, von der Gier der Finanzmärkte bis hin zu Ronald Reagan, hat noch nicht wirklich Einzug ins amerikanische Filmleben gehalten. Auch die drei jungen Frauen Abbey, Jackie und Trina, die dann – wieder so ein klassisches Motiv – am nahegelegenen See zelten wollen, sind natürlich selbstbewußt und frei genug, auch nackt ins Wasser zu springen, und ohne Männer kommen sie an dem Wochenende auch gut aus.

So richtig überzeugen konnte Mother’s Day mich zu keinem Zeitpunkt, dafür ist der Film – berüchtigt hin, Gewaltdarstellungen her – dramaturgisch und inhaltlich zu schwach und zu sehr Dutzendware; daß er sich selbst nie ernst nimmt, macht ihn immerhin sehr unterhaltsam. Die Bösen sind so richtig böse und degeneriert (und verwenden etwa Bier zum Zähneputzen), überall stehen Fernseher herum, als wolle der Film mit Nachdruck suggerieren (bzw. die Behauptung ad absurdum führen), Fernsehkonsum führe zu Gewalt. (Das Remake hätte, wollte es die gleiche Richtung einschlagen, überall ganz viele Computer und Spielekonsolen aufstellen müssen. Aber es hat einen gänzlich anderen, interessanteren Weg eingeschlagen.)

Gemordet und gerächt wird mit allem, was so an Materialien und Werkzeugen im Haushalt herumsteht. (Und natürlich auch mit dem Fernseher, dem Teufelszeug.) Und ein ganz irritierender Moment ist, wenn die Überlebenden sich für ihren Rachefeldzug gegen die böse Kernfamilie rüsten – das ist in einer Montage inszeniert, die geradewegs aus Rambo: First Blood Part II stammen könnte: man legt sich ein Stirnband um, die Kette einer Verstorbenen wird umgehängt.
Das bedeutet womöglich, daß auch dieser Trashfilm in Sachen feministischer Gleichberechtigung des Rache- und Mordgedankens Hollywood nicht nur Jahre, sondern Jahrzehnte voraus war (schon die bösartige Frauenhauptrolle deutet das ja an); oder hat Rambo, immerhin erst fünf Jahre später entstanden, sich die Szene etwa abgeguckt?

Kurz verlinkt, 25. November 2010

Lesens- und Sehenswertes aus den vergangenen Tagen (19. November 2010 bis 25. November 2010):

Kurz verlinkt, 19. November 2010 (2)

Lesens- und Sehenswertes aus den vergangenen Stunden:

Kurz verlinkt, 19. November 2010

Lesens- und Sehenswertes aus den vergangenen Tagen (17. November 2010 bis 19. November 2010):