Fantasy Filmfest Nights 2010: Meine Kritiken

In einem Akt schamloser Selbstbepreisung möchte ich kurz darauf verweisen, daß von mir in den letzten Wochen zu vier Filmen, die auf den jetzt beginnenden Fantasy Filmfest Nights zu sehen sein werden, schon Kritiken erschienen sind.

Im Einzelnen sind das:

Über Rückmeldungen und Meinungsäußerungen zu den Texten – hier oder in den verlinkten Medien – freue ich mich stets.

Kurzfilm: I Love Sarah Jane

Dieser Kurzfilm gibt dem geneigten Publikum die Möglichkeit, die Titelfigur von Tim Burtons neuem Alice in Wonderland in einem sehr viel weniger freundlichen Alternativuniversum zu beobachten. (Sie hat aber zuletzt noch einige Filme mehr gemacht, The Kids Are All Right etwa, der auf der Berlinale den Teddy eingeheimst hat, Defiance oder Amelia.)

I Love Sarah Jane ist ein düsterer, insgesamt glücklicherweise nicht sehr blutiger Zombiestreifen, in dem Mia Wasikowska (Burtons Alice) die titelgebende Sarah Jane spielt. Der Film hält trotz seiner kurzen Laufzeit einiges an seelischen Abgründen bereit.

Auch Regisseur Spencer Susser hat der Film jedenfalls keine Karriereprobleme bereitet; er hat gerade in Sundance seinen Film Hesher vorgestellt, mit Joseph Gordon-Levitt und Natalie Portman in den Hauptrollen. (Hier gibt es zu einem Interview mit Susser auch einige Einstellungen daraus zu sehen.)

(via; Nerdcore hat den Film natürlich schon vor ewigen Zeiten gehabt)

28 Drinks Later

Bevor ich mir heute abend mit La Horde frisches Zombiefleisch zu Gemüte führe, gibt es hier noch eine hübsche Zombiefilmtrailerparodie (falls das ein Genre ist), die sich an 28 Days/Weeks Later abarbeitet:

(via)

Fantastic’Arts – Festival du Film fantastique à Gérardmer

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Kommenden Mittwoch fahre ich in die Vogesen – zum 17. Festival du Film fantastique oder Fantastic’Arts, das bis Sonntag in dem kleinen Ort Gérardmer stattfindet. (Schön ist’s da, auch wenn es dieser Tage wohl eher kalt sein wird und vielleicht etwas eingeschneit.) Das Festival dauert viereinhalb Tage, an denen regelmäßig über 30.000 Kinotickets verkauft werden; ich freue mich besonders darauf, endlich Moon von Duncan Jones sehen zu können, den neuen Romero sowie natürlich Splice.

Ich werde hier im Blog unmittelbar vom Festival berichten, auf längere Kritiken, die anderswo erscheinen, weise ich dann noch gesondert hin. Weitere Festivalimpressionen werden sich auf Französisch wohl bei den Kolleg_innen von Film de Culte, Films Horreur und Mad Movies finden lassen. Ist noch jemand aus Deutschland da?

Im Folgenden habe ich aufgelistet, welche Filme in Gérardmer auf dem Programm stehen – die fettgesetzten Titel stehen bereits fest auf meinem Sichtungsplan, Anregungen nehme ich gerne entgegen, auch wenn mein Zeitplan nicht mehr viel Spielraum hat, ich muß ja auch mal schlafen, essen und schreiben. ;-)

Unbedingt ansehen: Alma

Alma ist ein wunderbarer, sehr gruseliger Kurzfilm von Rodrigo Blaas, der sonst für Pixar arbeitet. Der Film ist zu Weihnachten für kurze Zeit online zu sehen; die Homepage zum Film ist hier.

Unbedingt auf den ganzen Bildschirm großziehen!

(via)

Jennifer’s Body (2009)

Update 13.11.2009: Dieses sehr lesenswerte Portrait von Megan Fox, das zugleich eingehende Analyse ihrer star persona ist (und ihrer eigenen Rolle in der Herstellung derselben) läßt meine letzten paar Absätze unten durchaus noch ein bißchen weiter ausgreifend schillern. Unbedingt empfehlenswert.

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Ich habe mich schon einigermaßen ausführlich auf critic.de zu Jennifer’s Body geäußert, für den ich nach wie vor und auch nach längerem Nachdenken sehr gemischte Gefühle hege.

Ein paar Gedanken und Anmerkungen habe ich, vor allem aus Gründen der Textökonomie, für den Text weggelassen, darauf möchte ich hier noch kurz eingehen. (In der Kritik stehen alle Basisinformationen, auf die ich mich z.T. beziehen werde, die eine oder der andere wird die also vorher lesen wollen… ;-) )

Ein Nebenaspekt, der mir ganz gut gefallen hat, ist die Auseinandersetzung mit dem Post-9/11-Gedenkkitsch, die hier zunächst frontal thematisiert wird und später in der Art und Weise aufgeht, mit der die Menschen von Devil’s Kettle (den gleichnamigen Wasserfall, der im Film eine Rolle spielt, gibt es übrigens tatsächlich) das Gedenken an die Toten des Feuers in der Bar und an die ermordeten jungen Männer praktizieren.

Es beginnt mit einem 9/11-Cocktail, den Jennifer den Bandmitgliedern von „Low Shoulder“ anbietet – in den amerikanischen Nationalfarben Blau, Weiß und Rot, aber man muß schnell trinken, bevor sich die Farben zu einer braunen Suppe vermischen. Das geht dann weiter damit, daß das Gedenken an das Leiden anderer explizit zur Gemeinschaftsbildung dienen soll – inklusive „inoffizieller Hymne“, natürlich von „Low Shoulder“.

Die Art und Weise, wie der Cocktail präsentiert wird, manifestiert die distanzierte Haltung des Films zu solchen Mechanismen, und die Fortsetzung dieses Themenstrangs durch den ganzen Film ist deshalb sicher kein Zufall. Möglicherweise habe ich dabei noch einige Stellen übersehen, an der sich der Film kritisch auf Konzepte wie Nation oder Gemeinschaft bezieht – für entsprechende Hinweise wäre ich sehr dankbar.

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Genevieve/ScarletScribe hat ausführlich argumentiert, warum sie Jennifer’s Body für einen feministischen Film hält; ich bin allerdings noch nicht vollständig von den Argumenten überzeugt.

Natürlich trifft es zu, daß es hier zwei weibliche Hauptpersonen gibt, die nicht nur ausführlich miteinander reden, sondern die auch Interessen haben und miteinander Teilen, die nichts mit Männern zu tun haben – der Film erfüllt also in doppelter Hinsicht den Bechdel-Test, einen möglichen Indikator für Sexismus im Film. (Daß die beiden dennoch an Männern interessiert sind, wenn auch mit unterschiedlichen Motiven – Liebe, Nahrungsaufnahme – spielt dabei keine Rolle.)

Aber genügt es schon, daß ein Film nicht sexistisch ist, um ihn feministisch zu nennen? Es gibt wahrlich nicht genug Filme, die starke Frauen so in den Vordergrund rücken und bei denen auch noch Regie und Drehbuch in Frauenhand liegen, alles heftige Desiderata, aber eine explizit oder implizit politische Position des Films erscheint mir für eine solche Einordnung doch wichtig. Oder sind wir feministisch schon so ausgehungert, daß ein nicht-sexistischer Film gleich als politisches Statement gelten muß?

Oder versteckt sich hier ein politischer Film, und ich habe es nur nicht so genau bemerkt? Ich lasse mich da gerne auf Details oder große Linien aufmerksam machen.

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Stark finde ich an Jennifer’s Body die Art und Weise, wie der Film und Megan Fox mit Fox‘ star persona spielen, denn natürlich ist sie für diese Rolle nahezu perfekt besetzt, gilt sie doch als „Sexbombe“ mit großer Klappe und wenig Hirnschmalz. (Daß sie ihre Rolle nicht mit etwas mehr Tiefe auszustatten weiß und vielleicht wirklich keine besonders talentierte Schauspielerin ist, ist eine andere Sache.)

Hier liegt, glaube ich, auch ein Punkt in dem sich Genevieve in ihrem oben verlinkten Text irrt: Denn natürlich kann man Fox‘ Jennifer dafür kritisieren, daß sie sich selbst als Sexualobjekt wahrnimmt und so wahrgenommen werden will. Allerdings ist sich Jennifer zugleich sehr darüber bewußt, daß sie aus der Umsetzung dieser Haltung heraus etwas erlangt, was man wohl, mit etwas begrifflicher Toleranz, als agency bezeichnen könnte: Aus der Rolle als Sexualobjekt gewinnt sie (schließlich auch noch verstärkt durch ihre Dämonenkräfte) eine Machtposition, die sie zu eigenem Handeln ermächtigt. Ihr Körper ist dabei das Mittel ihrer Wahl.

Daß sie sich dabei gleichzeitig in Abhängigkeit von Anderen, von gesellschaftlichen Schönheitskonventionen etc. begibt und nur innerhalb dieser Kontexte existieren kann, ist davon unbenommen; so einfach sind diese Machtzuweisungen nicht, daß man ohne solches auskäme.

Der Film fällt im übrigen nicht in die Falle, Jennifer nur aus diesen Machtstrukturen heraus ernst zu nehmen; dem entzieht er sich, indem er vor allem Needys Perspektive einnimmt.

Nicht zuletzt deshalb richtet sich der Film womöglich wirklich zunächst an Frauen; bzw. an Menschen, die an Freundschaften zwischen Frauen interessiert sind. Insofern liegt das Marketing für den Film, wie mir scheint, weltweit völlig daneben, wenn es sich immerzu auf Jennifer in sexuell anzüglichen Posen konzentriert; selbst das Werbematerial des deutschen Verleihs gibt kaum Bilder her, in dem Jennifer und Needy gemeinsam zu sehen sind.

Fotos: 20th Century Fox

Doghouse (2009)

Weitere Beiträge zu Filmen, die auf dem Fantasy Filmfest 2009 zu sehen waren, unter dem Tag FFF2009

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Daß Doghouse und Lesbian Vampire Killers nicht nur in ihrer Story gewisse Ähnlichkeiten haben, muß nicht weiter verwundern; beide dürften sich an ein ähnliches Publikum richten, man darf sie getrost lad movies nennen. Es sind Filme, die mann sich bevorzugt mit seinen bevorzugt heterosexuellen Kumpels ansehen wird, um sich Szenen des Geschlechterkampfs anzusehen, ins Horrorgenre transferiert und angeblich ironisch unterfüttert. Die Frauen kommen dabei nicht unbedingt besonders gut weg.

Die Sache mit der Ironie funktioniert in Doghouse leider nicht besonders gut, das glückte bei den Lesbian Vampire Killers besser, deren Frauenbild so offenbar übertrieben war, daß es, nicht zuletzt durch die patente zentrale weibliche Figur, nie als besonders ernst gemeint ‚rüberkam. (Feministisch ist das aber noch lange nicht.)

Was sich in Doghouse als solche Lust am Spiel mit den Bedeutungen ausgibt, ist aber nur altes Männergeplapper, das zu modernisieren allein mit leichtem Augenzwickern (alles nur Spaß, wink, wink, nudge, nudge) schon erledigt sein soll, und das geht natürlich, wie stets, grandios in die Binsen.

Dabei mag ich mich keineswegs über die Grundprämisse der Geschichte aufregen, da wäre ja durchaus Potential. Eine Handvoll mehr oder minder junger Männer macht sich in ein verschlafenes Dorf auf, einer von ihnen ist frisch geschieden und seine Kumpel wollen mit ihm so richtig saufen und männlich sein, um ihn aus seiner Trübsal zu erretten. Das Dorf aber entpuppt sich, da verrate ich nicht zuviel, als Stätte eines militärischen Experiments mit biologischen Kampfmitteln: Ein Virus, das nur Frauen befällt, hat diese sämtlich in menschenfressende, äußerlich an Zombies gemahnende Furien verwandelt; die Männer sind alle verspeist.

Das läßt schonmal reichlich Raum für reichlich Splatter, aber da ist der Film so halbherzig wie sonst auch; in der ersten Filmhälfte kommen die Fanboys auf ihre Kosten, danach geht es eher einfallslos zu – in Sachen Splatter wie in Sachen Handlung. Die Hauptpersonen sind nicht besonders einfallsreich konstruierte Typen, ein Schwuler ist für die Quote auch dabei, und natürlich gibt es ein paar Anspielungen auf Day of the Dead etwa, aber all das führt nirgends hin und will es wohl auch nicht.

Das könnte man dann schon wieder als entspannte lad-Haltung pro Fun-Splatter durchgehen lassen, wenn zugleich die Geschlechterkampf-Thematik nicht derart mit dem Holzhammer eingeführt und fortgeschrieben würde. Natürlich haben alle Streit mit ihren Partnerinnen bzw. dem (als effiminiert gezeigten) Partner, natürlich stellen sie sich die Selbstdiagnose einer „social gender anxiety“, und natürlich flucht gegen Ende einer der Überlebenden über die „pissed-off, man-hating, feminist cannibals“, mit denen sie es zu tun haben. („Now“, wird dann auch noch betont, „is not the time to stop objectifying women.“)

Wenn man es dennoch wirklich komisch findet, wie sich drei der Männer in einer Referenz sowohl an Some Like It Hot als auch an Shaun of the Dead als Frauen verkleiden und so eine Weile lang unbehelligt an den durch das Virus offenbar auf Minimalinstinkte reduzierten, männermordenden Frauen vorbeikommen, dann wird einem Doghouse vielleicht wirklich gefallen. Immerhin muß man dem Film zugute halten, daß er keine glatt polierte Filmästhetik vor sich her trägt und vor allem darauf verzichtet, die Frauen, wie Lesbian Vampire Killers das problematischerweise durchaus macht (oder auch Zombie Strippers [meine Kritik], um ein allerdings ganz anders gelagertes Beispiel zu nennen), ausschließlich als Geschlechtsobjekte in Szene zu setzen.

Foto: Fantasy Filmfest

Twisted Princess

Daß mir die klassischen Disney-Heldinnen nicht immer zusagen, mag manche_r am Titel des Blogs oder an eventuell von mir anderswo getanen Äußerungen sich schon denken können.

Da ist es umso schöner, wenn sich ein Künstler wie Jeffrey Thomas der Prinzessinnen annimmt und ihnen jenen gewissen Twist verpaßt. Die historisch etwas, ähem, unpräzise gezeichnete Pocahontas aus dem gleichnamigen Film bekommt dann plötzlich ein neues Gesicht:

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Und diese kleine Meerjungfrau dürfte auch bzw. gerade René von Nerdcore gefallen:

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Alle Prinzessinnen gibt es in Jeffrey Thomas‘ Blog. Dort auch weitere seiner Arbeiten, ebenso wie auf seiner DeviantArt-Seite.

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The Zombie Diaries (2006)

Daß die Handkameras, deren Träger damals im Blair Witch Project ein so schweres Schicksal traf, auch rasch in andere Horrorsubgenres Einzug halten würden, war ja nur eine Frage der Zeit. Neue Technologien schreien nach neuen Formaten, und im Horrorgenre (pun intended) lechzte man ja schon immer dem letzten Schrei hinterher.

Noch vor dem Monsterfilm Cloverfield (2008; meine Kritik) und Altmeister Romeros very own Zombievariation Diary of the Dead (2007) hatten die Briten sich an den lebenden Toten versucht. The Zombie Diaries erzählt von den Ereignissen, die auf einen wohl durch Viren verursachten Zombieausbruch (weltweit, dann auch in Großbritannien) folgen. Das Virus wird dabei anfangs in Verbindung mit dem Vogelgrippevirus gebracht; das war eben, bevor man stattdessen die Schweinegrippe fürchtete.

In seiner Perspektive bleibt The Zombie Diaries frelich nicht ganz konsequent und verheimlicht das auch zu keinem Zeitpunkt. Anders als Cloverfield oder auch [REC]/Quarantine (meine Kritik), dessen Fiktion es will, daß wir das kontinuierlich aufgenommene, ungeschnittene Material einer Kamera zu sehen bekommen, sind es hier offenbar Aufnahmen mehrerer Kameras, die in ihrer zeitlichen Abfolge verändert (und markiert durch Überschriften und Zeitangaben) in Episoden zusammengefaßt wurden. Gelegentlich ist auch offenbar nachträglich eingefügte Musik zu hören; die Grundhaltung des Films ist damit zwar nicht vollends flöten, es entsteht aber doch die Frage, wessen Film, wessen Werk das zu Sehende nun ist. (Romero hat für Diary of the Dead sein Problem etwas eleganter gelöst, indem er seinem Film eine zusätzliche Fiktion seiner eigenen Genese unterschob.)

Wie bei den anderen genannten Filmen auch bleibt dabei stets das Problem, daß der Film zwar größtmögliche Authentizität vorgibt, diese aber im Rahmen der Handlung schwer vermittelbar ist: Wer im Angesicht solcher Ereignisse immer noch die Kamera nicht nur mitlaufen läßt, sondern eben auch insbesondere weiter trägt (und so weniger handlungsfähig wird), kann nicht so normal und menschlich sein, wie er von den anderen Figuren behandelt wird. Zumal der Kameramann (hier sind es augenscheinlich nur Männer) anscheinend über wenig ausgeprägte Überlebensinstinkte verfügt.

Andererseits fungiert hier die Kameralampe oft genug als einzige Lichtquelle – und das macht dann auch den Reiz der Perspektive aus: Nicht nur ist sie eh‘ schon auf das Bild der Kamera begrenzt, die zuweilen wild herumgeschwenkt wird und so für reichliche Desorientierung sorgt (ein durchaus beabsichtiger Effekt), in den Nachtaufnahmen, zum Teil mit Kameralampe, zum Teil als Infrarotbilder gefilmt, verengt und verschlechtert sich dieses Bild auch noch – einem Horrorfilm kommt das nur gelegen. Die gelegentlich vorkommenden unscharfen Bilder verstärken das Ungewisse der Bilder noch zusätzlich.

Wie sich das für einen ordentlichen Zombiefilm gehört, ist The Zombie Diaries ein bißchen selbstreflexiv und letztlich vor allem daran interessiert, was mit den Menschen passiert, die einem solchen Ereignis ausgesetzt sind und es (vorerst) überleben. Eine spannende Geschichte haben Michael Bartlett und Kevin Gates, die gemeinsam für Drehbuch und Regie verantwortlich zeichnen, allerdings nicht zu erzählen. Die Szenen sind alle stereotype Momente des Zombiefilms, die Auseinandersetzungen zunächst wenig dramatisch und vor allem deshalb egal, weil man sich für die Figuren nicht wirklich erwärmen kann. Erst im letzten Kapitel des Films geschehen dann wirklich aufregende, furchtbare Dinge, die aber dann so eng zusammengedrängt und so schludrig miteinander verbunden werden, daß sich das bislang fehlende emotionale Engagement zumindest bei mir auch nicht mehr einstellen wollte.

Genrefanboys werden da womöglich schon abgeschaltet haben, denn an Zombiesplatter ist hier nicht viel zu sehen: In letzter Konsequenz geht es in The Zombie Diaries nicht besonders und vor allem: nicht besonders oft blutig zugeht. Die alte Weisheit, daß der Mensch des Menschen Wolf sei und es dazu keiner Zombies bedürfe, haben wir schon unterhaltsamer und auch eindringlicher präsentiert bekommen.

Zombie mathematics

Daß es Mathematiker_innen mit Humor gibt, ist ja kein Geheimnis – schließlich tauchen auch sie (gelegentlich) als Preisträger_innen bei den Ig-Nobel-Preisen auf. Und immer wieder beschäftigen sie sich auch mit Logik und Wissenschaftlichkeit von Filmen, oft genug dankenswerterweise nicht mit dem Furor der Ernsthaftigkeit, sondern in geboten ironischer Distanz.

Nun haben Philip Munz, Ioan Hudea, Joe Imad und Robert J. Smith? (das Fragezeichen gehört zu seinem Namen, wie auf seiner Homepage nachgelesen werden kann) einen Aufsatz veröffentlicht, in dem sie mathematische Modelle für den Ausbruch einer Zombieepidemie verwenden. Für Genrefans wenig überraschend kommen sie zu dem Schluß:

In summary, a zombie outbreak is likely to lead to the collapse of civilisation, unless it is dealt with quickly. While aggressive quarantine may contain the epidemic, or a cure may lead to coexistence of humans and zombies, the most effective way to contain the rise of the undead is to hit hard and hit often. As seen in the movies, it is imperative that zombies are dealt with quickly, or else we are all in a great deal of trouble.

Das Paper gibt es hier zum Download (PDF).

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