Fame (1980)

Wenn man einen Anlaß bräuchte: Das Remake von Fame ist schon angekündigt und wird wohl im September und Oktober über europäische Kinos herfallen. Bestimmt ist das ein guter Moment, um die DVD mit dem Original einzulegen und sich noch einmal daran zu erinnern versuchen, was man daran eigentlich so toll fand. Oder auch sich vorzunehmen, in den nächsten Wochen eine ganze Reihe von Musicalfilmen zu sehen, die mir z.T. auch bisher entgangen waren. (Auch als schöne Abwechslung zu den Zombiefilmen, die aus ganz anderen Gründen demnächst auf dem Programm stehen. Aber ich schweife ab.)

Damals in den letzten Jahren des vergangenen Jahrtausends in Bonn geschah es mir irgendwann, daß ich in einer Straßenbahn saß (das Welche, Wann genau und Wohin spielt hier keine Rolle) und eine große Gruppe von Schüler_innen, vor allem junge Damen, lautstark „I sing the body electric“ sang – und am Ende forderte der Fahrer über Lautsprecher von den anderen Fahrgästen den verdienten Applaus ein.

Das war eine Szene, an die ich natürlich bei Fame immer denken muß. Der Film hat es offenbar tief genug ins kulturelle Gedächtnis geschafft, um zumindest eine Zeitlang Stoff für Schulmusicals abzugeben. Eingängig genug ist die Musik allemal, die Figuren sind in einem ähnlichen Alter, und der Stoff, die Kämpfe junger Schauspieler_innen und Tänzer_innen (die Musiker_innen sind zwar auch dabei, aber doch eher Randfiguren), ist eh‘ ein international wirksamer Evergreen. Man denke nur an Save the Last Dance (2001) oder Un paso adelante (2002-2005); aber der Beispiele wären mehr.

Der Film braucht eine Weile, um in seinen Rhythmus zu finden, das sehr Episodenhafte, Fragmentarische wird er aber nie los. Am Anfang, während der Audition-Szenen, sind es immer nur Bruchstücke von Unterhaltungen und Selbstdarstellungen, die man zu sehen bekommt, später wird das eingängiger, nachdem sich auf der Handlungsebene die Beziehungskonstellationen gefunden und verfestigt haben. Trotzdem hat man hier das Gefühl, einem Ensemblefilm zuzusehen, der nie ganz zu einer Einheit zusammenwachsen will.

Vielleicht liegt es ein wenig auch daran, daß Fame, was zugleich sehr sympathisch ist, keine klare, eindeutige Richtung nimmt und sich nicht darauf einläßt, irgendein Erfolgserlebnis als ultima ratio zu feiern; am nächsten kommt dem allenfalls die obligatorische Schlußnummer („I sing the body electric“!), bei der alle sich dafür feiern, daß sie es trotz widriger Umstände bis zum Abschluß geschafft haben. Und dann blendet der Film ab, als die Herausforderung der bösen Außenwelt, vor der im Film so wortreich gewarnt wird, gerade erst heraufdämmern. (Dafür gibt es dann A Chorus Line.)

Spaß macht Fame natürlich immer noch, aber das liegt vor allem an der Musik, die wiederum wahrscheinlich einen gehörigen Nostalgiebonus auch noch mitbringt. Von den Figuren bleibt, Papptypologieumsetzungen, die sie sind, fast nichts im Gedächtnis. Aber es gibt ja weitaus Schlimmeres als sinnentleerte, schöne Erinnerungen.

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Das Remake arbeitet wohl nicht zuletzt mit einem etwas renovierten und aufgemotzten Musikrepertoire, wenn der Trailer hierzu schon Aussagen zuläßt. Interessant wäre aber sicher, ob er auch das doch recht charmingly verranzte New-York-Bild des Originals überarbeitet und vor allem: mit welchen Körperbildern er arbeitet. (Was ich meine z.B.: das geradezu obszöne Frauenkörperbild im Musikvideo von Geri Halliwell in ihrer Neufassung von It’s Raining Men im Vergleich zum Original mit den Weather Girls von 1982. Wobei ersteres in seiner Inszenierung natürlich zum Thema paßt.)

My Bloody Valentine (1981)

Der 1981 entstandene Horrorfilm Blutiger Valentinstag (My Bloody Valentine) ist lange nicht so glattpoliert und lange nicht so blutig wie sein alsbald in die Kinos einfallendes Remake, das seine eigentliche (um nicht zu sagen: einzige) Attraktion im Titel trägt: My Blood Valentine 3D. Da schwingt die Spitzhacke aufs Publikum zu, daß es eine allerdings bald langweilige Freude ist. (Meine detaillierte Kritik zu 3D gibt’s bei critic.de.)

Das „Original“ kommt da vergleichsweise – aber wirklich: vergleichsweise – zurückhaltend daher, auch darf man sich in Bezug auf Handlung und Effekte kaum Preziosen erwarten: Dies ist ein leidlich solider, leidlich spannender, aber keineswegs herausragender Slasher. Bemerkenswert ist allerdings der Vorspann des Films, der schon wie ein Teil der Handlung wirkt, aber mit dem Rest des Films in keinem näheren Zusammenhang steht – sieht man einmal davon aus, daß der Mann mit der Maske eine Frau mit einer Spitzhacke ermordet.

Die Szene, über die die Opening Credits zu sehen sind, verspricht allerdings eine sexuelle Verruchtheit, von der später nichts mehr zu sehen ist. Wie das natürlich blonde Opfer den Schlauch des Atemgeräts liebkost, das lockt mit fetischistisch aufgeladener Sexualität, gar mit einem Spiel der Identitäten. Was dann folgt, ist zahlreiches Morden, biedere, nie gefährliche Heterosexualität und kein Hauch von Verruchtheit mehr.

Die Opening Credits gibt’s natürlich bei YouTube zu sehen.