Prince of Persia: The Sands of Time (2010)

Ganz ehrlich, so ganz ist mir nicht klargeworden, worüber sich Rüdiger Suchsland bei Telepolis so im Angesicht von Prince of Persia: The Sands of Time aufgeregt hat. Gewiß, das ist kein besonders guter Film, aber im Hinsicht auf sonstige Abenteuerschmonzetten, die Hollywood so absondert, auch nicht besonders schlecht. Wenn das, wie er sich beschwert, „Aufmacher der Tageszeitungen“ wird, dann wohl vor allem, weil hier mit gewissem Aufwand und Erfolg schick aussehende Bilder zusammengepixelt wurden, mit denen man seine Bleiwüsten gut schmücken kann; daß nicht der gleiche Aufwand und Erfolg auf Drehbuch, Charaktere, Stringenz und Logik verwendet wurden: geschenkt.

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Prince of Persia ist ein wahrer Sandsturm des Eklektizismus, in dem moderne Kriegsführung und Geheimdienstdenken in eine exotistischer kaum ausstaffierbarere Antike verfrachtet werden, und ein bißchen Parkour gibt’s gleich noch obendrein. Das Ergebnis ist ein Film, der seine völlige Ahistorizität nicht einmal im Ansatz zu kaschieren versucht („Straußenrennen immer dienstags und donnerstags“) und stattdessen wohlfeile, aber keineswegs völlig beliebige politische Gegenwartsbezüge herstellt (die Suche nach Waffen in der eingenommenen Stadt, deren Existenz immer nur eine Lüge, ein Vorwand zur Invasion war). Und natürlich wird das Labor von James Bonds „Q“ aufgerufen, wenn Prinz Nizam im Trainigslager der „Hassansinen“ vorbeischaut, die dann, ganz in Schwarz, zur Mordtat schreiten wie moderne Filmsoldaten in verdeckten Operationen („Black-Ops“).

Und dann kann man natürlich in den Film sehr viel Selbstreflektion hineininterpretieren (es aber auch trefflich lassen), wenn man den „Sand der Zeit“ (oder auch nur den Sand, der in jeder zweiten Einstellung den Schauspielern in die Unterwäsche und zwischen die Zähne geweht sein müßte, wäre er denn echt gewesen) als grobe Metapher für den Entstehungsprozeß des Films lesen möchte: Jedes Sandkorn ein Pixel, jede zurückgedrehte Sekunde eine entfernte Hautunreinheit. Wann immer sich die Zeit umkehrt, kann man das sogar sehen: Dann verwandeln sich Gesicht und Körper der gerade zeitreisenden Person in einen Zombie aus dem Uncanny Valley, einen Besucher aus The Polar Express oder vielleicht auch aus dem Spiel, aus dem der Film offenbar seine Story gewann.

In diesen Momenten, in denen die Figuren leblos wirken und die Technik sich, obwohl sie das doch verschleiern soll, zum Vorschein kommt, schreit Prince of Persia mit Donnerhall: Alles gar nicht echt! Und ist damit tausendmal sympathischer als, nur so zum Beispiel, Avatar.

Außerdem mag ich Gemma Arterton.

Foto: Disney

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