Sitges 2010, Tag 1

Eigentlich ist es ja schlecht, wenn man schon bei der Ankunft am Festivalort nicht so genau weiß, wie man nur die nächsten Tage durchstehen soll. Aber nach einer wegen langen Packens und unruhigem Kind doch eher sehr kurzen Nacht hatte ich auch im Flugzeug keine Ruhe mehr gefunden, und so kam ich gestern schon ziemlich müde hier in Sitges zum Sitges Film Festival – Festival Internacional de Cinema Fantàstic de Catalunya an, das bereits seit Donnerstag läuft.

Die Stadt liegt bezaubernd zwischen dem Mittelmeer und felsigen Hügeln – die Pyrenäen sind ja nicht allzu weit entfernt – eingeklemmt, auch der Ort selbst ist keineswegs flach, es gibt nur ein paar kleine, richtige Strände, ansonsten heben sich schnell Felsen aus dem Boden, für die Festivalbesucher_innen heißt das: viel Auf und Ab. Aber das ist ja nur gut, wenn man viel zu viele Stunden des Tages sowieso in abgedunkelten Räumen verbringt.

SitgesUnd draußen läßt es sich durchaus aushalten: Bequem über zwanzig Grad liegen die Temperaturen hier derzeit noch, so daß man auch abends noch gerne im T-Shirt draußen sein Abendessen zu sich nehmen mag oder vielleicht auch eine Fußvoll Zehen ins Mittelmeer stecken mag – es soll gerüchtehalber allerdings doch schon recht kühl sein.

Quer durch den leider bedeckten Himmel – am Nachmittag ließ sich schon etwas Blau sehen – flitzen immer wieder Flugzeuge im Tiefflug; im Anflug auf den Flughafen von Barcelona machen viele offenbar statt über die Stadt selbst eine Kurve über Sitges.

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Mit Wetter und Essen sind natürlich schon zwei große Vorteile von Spanien deutlich benannt. (Auch das Bier ist hier besser als in Paris, aber das nur am Rande.) Für mich bleibt dennoch ein großes Problem übrig: Ich verstehe praktisch nichts. Bei Alltagstransaktionen, beim Einkaufen und im Restaurant, kommt man hier in Sitges offenbar gut mit Englisch und Französisch klar – hier sind auch jetzt noch so viele Tourist_innen unterwegs, da ist das kein Problem.

Sitges 2010Auch die Festivalmitarbeiter_innen sprechen großteils Englisch, und die Filme sind oft auch dann Englisch untertitelt, wenn sie auf Spanisch gezeigt werden (wie gestern abend zum Beispiel Agnosia). Schwierig wird es aber dann, wenn (wie vor Agnosia) spanischsprachige Schauspieler_innen oder Crewmitglieder auf der Bühne stehen – deren dankende Worte werden natürlich nicht ins Englische übertragen. Leider blieb mir so auch verschlossen, was Tetsuya Nakashima an zahlreichen, den Reaktionen des Publikums nach durchaus interessante Dinge gesagt hat, den ich kann weder Spanisch noch Japanisch.

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Hotelwerbung mit Mut
Mindestens während des Festivals wird das Hotel Meliã zum „hotel de cine“, und mir hat sehr gut gefallen, auf welche durchaus selbstironische Weise dabei Bezug auf einen bekannten Film von Stanley Kubrick genommen wird, der auch für das offizielle Plakatmotiv (links im Bild) Pate stand – der Film selbst, von seinem Produzenten Jan Harlan begleitet, wurde auf dem Festival auch noch einmal gezeigt, wird im Festivalspot referenziert – und vor dem Eingang zum (riesigen) Kinosaal des Meliã steht eine mechanische Schreibmaschine…

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Natürlich gab es auch hier das übliche Festivalverspätungsproblem: Wenn sich eine Vorstellung etwas verzögert, dann schieben sich schnell alle weiteren Filme ebenfalls (und gerne: immer mehr) nach hinten. Besonders anstrengend gerät das in den Fällen, in denen man das Kino wechseln muß, was in Sitges schon einmal fünfzehn, zwanzig Minuten in Anspruch nehmen kann, weil das Meliã nicht bei den anderen zwei Hauptspielorten im Stadtzentrum liegt, sondern ein gutes Stück außerhalb.

Dort aber, und das war die freudige Entdeckung des späten Abends, sind, vermutlich weil der Kinosaal zugleich auch für Vorträge und Konferenzen genutzt wird, die Sitze mit einem hochklappbaren Tischchen versehen, was natürlich für Leute wie mich, die während der Vorstellung Notizen machen, ein echtes Geschenk ist.

(Hier etwas zu den Filmen, die ich am ersten Tag gesehen habe.)

Fotos: ich

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