Noch ein, noch viele 2010

Soll ich das wirklich auch noch machen, noch eine Liste mit guten Filmen, mit denen man dann mal mehr, mal weniger übereinstimmen kann? Und das alles mit dem Bewußtsein, so viele Filme gerade des ausgehenden Jahres nicht mehr rechtzeitig gesehen zu haben, weil viel zu viel anderes gerade erledigt werden mußte? Mit dem Wissen, daß ich The Social Network noch ebenso wenig gesehen hatte wie Des Hommes et des Dieux, unverpaßbar offenbar beide?

Aber das ist ja wurscht, die Fragen waren bereits gekommen, die Listen sind publiziert: meine besten Zehn und schwächsten Drei des vergangenen Kinojahres sowie, der variatio halber, meine fünf liebsten Animationsfilme.

Aber schreit die Welt nicht nach Originellerem, nach einem filmischen Zusammenschnitt etwa, noch einem, oder noch einem filmischen Essay? Einer ist davon besser als das andere, aber ich kann da ebenso wenig mithalten wie viele andere, die stattdessen, nicht weniger berufen, die besten 10 Horrorfilme des Jahres besingen, die besten Filmszenen beschreiben oder schlichtweg: die am besten besprochenen Filme zusammenstellen.

So viele Möglichkeiten also, ein Jahr zu sehen, gesehen zu haben. Im Endeffekt zählt vor allem, daß man im Kino war, am Bildschirm, vor der Leinwand, mit eigenen Augen gesehen hat.

Meinem Kinojahr 2010 bin ich dankbar:

  • Für meine Love-on-first-sight mit dem Giallo, vor allem Argentos Profondo Rosso, aber auch Suspiria und Inferno, nicht zuletzt aber und in Extension des Gesagten, Amer.
  • Für das Vergessen, daß sich doch recht schnell über die Details solcher Machwerke wie Transformers: Revenge of the Fallen, Killers, Knight & Day, Fase 7 oder Skyline legt.
  • Für die Festivalbesuche in Gérardmer, vor allem aber Sitges, das nicht nur mit filmischen Perlen in größerer Stückzahl aufwarten konnte (Confessions, Red, White & Blue, Secuestrados, Super, Rare Exports: A Christmas Tale, Stake Land, La Casa Muda), sondern vor allem mit herzlichen, wunderbaren Menschen.
  • Für ein paar großartige Dokumentarfilme, vor allem Ulrike Ottingers Prater (von ihr selbst, Eyjafjallajökull sei Dank, vorgestellt) und Alle meine Väter von Jan Raiber.
  • Für ein paar großartigen Zeitreisen in die 1920er Jahre. (Danke, Marcel! Danke, Martin!)
  • Für meine Verwunderung darob, wie humorlos Menschen darauf reagieren, wenn man eine Komödie mit Kindern aus Gründen nicht leiden kann: daß ich also noch nicht völlig zynisch verhärtet bin.
  • Dafür, daß ich Shutter Island nicht so gut finden mußte wie alle anderen, und The Ghost Writer auch nicht.
  • Vor allem aber dafür, daß ich zumindest in diesem Jahr all dies meine Arbeit nennen durfte.

(Ominös fehlend ist in meiner oben verlinkten Bestenliste übrigens Kynodontas aka Dogtooth, und eigentlich auch Splice. Für die müßte irgendwo noch Platz sein.)

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