16ème Étrange: Four Lions (2010)

Dieser Beitrag gehört zu meiner Berichterstattung über das 16ème L’Étrange Festival in Paris. Der Film war auch auf dem FFF 2010 zu sehen.

(Der Vollständigkeit halber: „Spoiler-Warnung“. Am besten einfach direkt den Film ansehen.)

Wenn man über Four Lions schreibt, ist man versucht, erst einmal politisch korrekt zu betonen, wie unfähig hier auch die nicht-muslimischen, britischen Terrorfahnder und Zivilisten dargestellt werden: Die Polizei stürmt irgendwann auf der Suche nach einer Terrorzelle ein Haus, nimmt aber dort nur eine Gruppe äußerst frommer und friedfertiger Muslime fest, die zwar ihre Frauen in winzige Räume sperren, aber jedenfalls keine Bomben bauen. Und zwei Scharfschützen streiten sich kurz darauf angeregt darüber, ob der von Ihnen frisch Erschossene nun ein Bären- oder ein Wookie-Kostüm trug; daß er auf jeden Fall der Falsche war, ist ihnen offenbar völlig wurscht.

Aber dieser Reflex, den Film in Schutz zu nehmen vor allzu einseitiger Interpretation ist eigentlich verfehlt. Denn man redet damit am Kern des Films vorbei, der im Wesentlichen auf dem Grundsatz beruht, daß jede_r das Recht habe, verarscht zu werden, und somit an jeder Form politischer Korrektheit erst einmal völlig desinteressiert ist. Das heißt nicht, daß Four Lions ein Experiment in planloser Grenz- und Geschmacksverletzung wäre (wie dies zum Beispiel Uwe Boll seinerzeit mit Postal [meine Kritik] angepeilt hatte).

Christopher Morris, der bisher vor allem fürs Fernsehen gearbeitet hat, legt mit seinem Film (das Drehbuch stammt von ihm, Jesse Armstrong und Sam Bain) erst einmal den Finger ziemlich präzise in die Wunden, die die im Westen verbreiteten Vorstellungen vom Islam darstellen – und das heißt für uns weiße Mittelschichteuropäer: unser Denken, der Islam sei weitgehend mit dem militanten Islamismus identisch. Da findet es ein Kollege von Omar (Riz Ahmed) zwar befremdlich, daß einer von Omars Freunden eine Krähe in die Luft gesprengt hat. Er läßt sich dann aber alsbald beruhigen mit dem Argument, das sei eine kulturelle Sache – auf der Hochzeit in Pakistan kürzlich habe man auch einen Vogel Strauß mit einer Bazooka beschossen.

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