Podcast #001: The Expendables, L’Étrange Festival

Der erste Podcast von buttkickingbabes.de ist da, und er ist noch ganz klein und etwas wacklig auf den Beinen; vor allem bestreite ich ihn (weil ich noch sehr tastend versuche) allein. Es geht um The Expendables (die ich nicht so gut fand wie z.B. Oliver, aber vielleicht ähnlich wie Michael) und um das Pariser Étrange Festival, von dem ich bereits berichtet hatte.

Die nächsten Folgen sind bereits in Planung. Ich freue mich über Kritik und Anregungen, Vorschläge für Musik und Themen, Gesprächspartner_innen und sonstwas; aber seid nett zu mir, ich mache das zum ersten Mal. ;-)

Quellen und Links:

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16ème Étrange: Vampires (2010)

Dieser Beitrag gehört zu meiner Berichterstattung über das 16ème L’Étrange Festival in Paris. Der Film war auch auf dem FFF 2010 zu sehen.

Den belgischen Film Vampires als Vampirkomödie zu beschreiben, ist zwar einerseits insofern zutreffend, als er sich einen komischen Zugang zum Sujet Vampir sucht, verfehlt den Film aber insofern, als er dies völlig anders betreibt als etwa (Namensverwandtschaften jetzt einmal ignorierend) Suck oder Vampires Suck.

Vampires ist stattdessen ein Mockumentary, ein konsequent als Dokumentarfilm verkleideter Blick auf die (natürlich fiktionale) Vampirgesellschaft in Belgien am Beispiel zweier in einem Haus zusammenlebenden Vampirfamilien.

Vincent Lannoo läßt seinen Film mit einigen Texttafeln beginnen, die von den schwierigen und sogar tödlichen Versuchen berichten, diesen Film zu drehen – meistens wurde die Crew zum Hauptgericht der zu Portraitierenden. Nun aber sei man beim dritten Mal und unter großen Sicherheitsvorkehrungen endlich erfolgreich gewesen – und widme den Film gerne den bei seiner Entstehung Verstorbenen.

Solcherlei schwarzer Humor findet sich später noch öfter; er zieht seine Kraft vor allem daraus, daß hier eine bürgerliche Normalität konstruiert und gezeigt wird, die allerdings mit den Wertvorstellungen und vor allem aber: Ernährungsgewohnheiten der Vampire kollidiert. Da ist dann die Käfighaltung von illegalen Einwanderern plötzlich nicht mehr unmoralisch, sondern Bestandteil der Nahrungskette; die Vampire sind wie Reinigungskräfte für die Population, erzählt der eine. Und um die dahinter kaum verborgene politische Ebene noch zu verstärken, schwadroniert eine andere Vampirin von Reinheit und Sittenverfall.

Dazwischen walzt Vampires noch eine Idee aus, die in Daybreakers (meine Kritik) nur ganz am Anfang durchschien: Was passiert eigentlich, wenn man mitten in der Pubertät zum Vampir wird, wenn man die dauernden Hormonschübe nicht mehr loswird? Hier trifft es die „Tochter“ der Familie, stets in Rosa, aber stets verzweifelnd. (Allein die Szene, in der sie sich scheckig über einen rosa Sarg freut, darf man sich nicht entgehen lassen.) Wie also, das ist ja das in Daybreakers nicht ganz zu Ende gedachte Problem, geht man in der potenziell ewigen Unsterblichkeit mit den Problemen und Sorgen des Alltags um?

Darauf sucht Vampires wenigstens einige Antworten. Mit einer Mischung aus „Talking Heads“ und immersiv dokumentarischem Stil ahmt der Film dabei ziemlich effektiv derzeit gängige Dokumentarstile nach – und gibt ihnen, gerade bei den ethisch fragwürdigen Momenten, einen schalen Beigeschmack. Und das ist natürlich die wahre Größe: Daß einem das Lachen gelegentlich im Halse stecken bleibt. Dort also, Sie wissen schon, wo die Vampire vermutlich beißen werden. (Wobei, der Hals, scheint es mir nach Sichtung dieses Films, ist wohl dem Familienoberhaupt vorbehalten.)

Foto: Fantasy Filmfest

16ème Étrange: Suck (2009)

Dieser Beitrag gehört zu meiner Berichterstattung über das 16ème L’Étrange Festival in Paris. Der Film war auch auf dem FFF 2010 zu sehen.

Wo wir schon bei Vampirkomödien sind: Suck dürfte in diesem Subgenre zu den etwas interessierter erwarteten Filmen gehört haben, bevor er jetzt auf dem Fantasy Filmfest auch in Deutschland und hier in Paris beim L’Étrange Festival zu sehen war.

Eine kleine kanadische Band, die seit vermutlich ewigen Zeiten herumtouren, ohne je auf einen grünen Zweig zu kommen, werden plötzlich erfolgreich, nachdem zuerst ihre Bassistin und dann auch die männlichen Mitglieder zu Vampiren werden. Allerdings sind nicht alle Beteiligten besonders glücklich mit dieser Entwicklung.

Die Handlung von Suck ist nicht besonders aufregend, zumal sie ohne große Höhepunkte und dramatische Zuspitzungen so dahinerzählt wird. Wenn man so will, ist das die Geschichte, die Jennifer’s Body im Hintergrund nicht (oder jedenfalls nicht so) erzählt (allerdings mit Vampirismus statt Dämonen, dafür auch hier mit einer Jennifer): Wie es der Band ergeht, die den Pakt mit dem Teufel schließt. Suck macht daraus eine schwärzliche Komödie, die man sich vor allem deshalb gerne ansehen mag, weil sie bei kurzer Filmzeit flott erzählt ist und durch reichliche Musikbeigaben sehr palatabel.

Die Musik kommt nicht nur von der Film-Band The Winners, sondern auch von zahlreichen Größen des Rockgeschäfts, die Autor/Regisseur/Hauptdarsteller Rob Stefaniuk irgendwie davon überzeugen konnte, hier mitzuspielen: Moby, Alice Cooper, Iggy Pop… und Malcolm McDowell spielt „Eddie Van Helsing“, einen einäugigen, versoffenen Vampirjäger, was ihm offenbar große Freude bereitet. Mit Lust spielt auch Dmitri Coats den Vampir Queeny, der den Stein ins Rollen bringt; er wirkt dabei stets wie Johnny Depps Mad Hatter aus Speed.

Ansonsten verbringt Stefaniuk viel Zeit damit, seine Hauptdarstellerin Jessica Paré als Vampirin ins rechte Licht (gerne überstrahlt) zu setzen und verführerisch auf die Leinwand zu bringen. In welcher Konsequenz er das betreibt, ist schon fast wieder amüsant für sich. Suck ist ein grundsympathischer Film, der über seine Schau- und Hörwerte ganze anderthalb Stunden lang trägt. Dann ist Schluß, und dann ist auch gut.

Foto: Fantasy Filmfest

16ème Étrange: Four Lions (2010)

Dieser Beitrag gehört zu meiner Berichterstattung über das 16ème L’Étrange Festival in Paris. Der Film war auch auf dem FFF 2010 zu sehen.

(Der Vollständigkeit halber: „Spoiler-Warnung“. Am besten einfach direkt den Film ansehen.)

Wenn man über Four Lions schreibt, ist man versucht, erst einmal politisch korrekt zu betonen, wie unfähig hier auch die nicht-muslimischen, britischen Terrorfahnder und Zivilisten dargestellt werden: Die Polizei stürmt irgendwann auf der Suche nach einer Terrorzelle ein Haus, nimmt aber dort nur eine Gruppe äußerst frommer und friedfertiger Muslime fest, die zwar ihre Frauen in winzige Räume sperren, aber jedenfalls keine Bomben bauen. Und zwei Scharfschützen streiten sich kurz darauf angeregt darüber, ob der von Ihnen frisch Erschossene nun ein Bären- oder ein Wookie-Kostüm trug; daß er auf jeden Fall der Falsche war, ist ihnen offenbar völlig wurscht.

Aber dieser Reflex, den Film in Schutz zu nehmen vor allzu einseitiger Interpretation ist eigentlich verfehlt. Denn man redet damit am Kern des Films vorbei, der im Wesentlichen auf dem Grundsatz beruht, daß jede_r das Recht habe, verarscht zu werden, und somit an jeder Form politischer Korrektheit erst einmal völlig desinteressiert ist. Das heißt nicht, daß Four Lions ein Experiment in planloser Grenz- und Geschmacksverletzung wäre (wie dies zum Beispiel Uwe Boll seinerzeit mit Postal [meine Kritik] angepeilt hatte).

Christopher Morris, der bisher vor allem fürs Fernsehen gearbeitet hat, legt mit seinem Film (das Drehbuch stammt von ihm, Jesse Armstrong und Sam Bain) erst einmal den Finger ziemlich präzise in die Wunden, die die im Westen verbreiteten Vorstellungen vom Islam darstellen – und das heißt für uns weiße Mittelschichteuropäer: unser Denken, der Islam sei weitgehend mit dem militanten Islamismus identisch. Da findet es ein Kollege von Omar (Riz Ahmed) zwar befremdlich, daß einer von Omars Freunden eine Krähe in die Luft gesprengt hat. Er läßt sich dann aber alsbald beruhigen mit dem Argument, das sei eine kulturelle Sache – auf der Hochzeit in Pakistan kürzlich habe man auch einen Vogel Strauß mit einer Bazooka beschossen.

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