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12Nov/090

Jennifer’s Body (2009)

Update 13.11.2009: Dieses sehr lesenswerte Portrait von Megan Fox, das zugleich eingehende Analyse ihrer star persona ist (und ihrer eigenen Rolle in der Herstellung derselben) läßt meine letzten paar Absätze unten durchaus noch ein bißchen weiter ausgreifend schillern. Unbedingt empfehlenswert.

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Ich habe mich schon einigermaßen ausführlich auf critic.de zu Jennifer's Body geäußert, für den ich nach wie vor und auch nach längerem Nachdenken sehr gemischte Gefühle hege.

Ein paar Gedanken und Anmerkungen habe ich, vor allem aus Gründen der Textökonomie, für den Text weggelassen, darauf möchte ich hier noch kurz eingehen. (In der Kritik stehen alle Basisinformationen, auf die ich mich z.T. beziehen werde, die eine oder der andere wird die also vorher lesen wollen... ;-) )

Ein Nebenaspekt, der mir ganz gut gefallen hat, ist die Auseinandersetzung mit dem Post-9/11-Gedenkkitsch, die hier zunächst frontal thematisiert wird und später in der Art und Weise aufgeht, mit der die Menschen von Devil's Kettle (den gleichnamigen Wasserfall, der im Film eine Rolle spielt, gibt es übrigens tatsächlich) das Gedenken an die Toten des Feuers in der Bar und an die ermordeten jungen Männer praktizieren.

Es beginnt mit einem 9/11-Cocktail, den Jennifer den Bandmitgliedern von "Low Shoulder" anbietet - in den amerikanischen Nationalfarben Blau, Weiß und Rot, aber man muß schnell trinken, bevor sich die Farben zu einer braunen Suppe vermischen. Das geht dann weiter damit, daß das Gedenken an das Leiden anderer explizit zur Gemeinschaftsbildung dienen soll - inklusive "inoffizieller Hymne", natürlich von "Low Shoulder".

Die Art und Weise, wie der Cocktail präsentiert wird, manifestiert die distanzierte Haltung des Films zu solchen Mechanismen, und die Fortsetzung dieses Themenstrangs durch den ganzen Film ist deshalb sicher kein Zufall. Möglicherweise habe ich dabei noch einige Stellen übersehen, an der sich der Film kritisch auf Konzepte wie Nation oder Gemeinschaft bezieht - für entsprechende Hinweise wäre ich sehr dankbar.

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Genevieve/ScarletScribe hat ausführlich argumentiert, warum sie Jennifer's Body für einen feministischen Film hält; ich bin allerdings noch nicht vollständig von den Argumenten überzeugt.

Natürlich trifft es zu, daß es hier zwei weibliche Hauptpersonen gibt, die nicht nur ausführlich miteinander reden, sondern die auch Interessen haben und miteinander Teilen, die nichts mit Männern zu tun haben - der Film erfüllt also in doppelter Hinsicht den Bechdel-Test, einen möglichen Indikator für Sexismus im Film. (Daß die beiden dennoch an Männern interessiert sind, wenn auch mit unterschiedlichen Motiven - Liebe, Nahrungsaufnahme - spielt dabei keine Rolle.)

Aber genügt es schon, daß ein Film nicht sexistisch ist, um ihn feministisch zu nennen? Es gibt wahrlich nicht genug Filme, die starke Frauen so in den Vordergrund rücken und bei denen auch noch Regie und Drehbuch in Frauenhand liegen, alles heftige Desiderata, aber eine explizit oder implizit politische Position des Films erscheint mir für eine solche Einordnung doch wichtig. Oder sind wir feministisch schon so ausgehungert, daß ein nicht-sexistischer Film gleich als politisches Statement gelten muß?

Oder versteckt sich hier ein politischer Film, und ich habe es nur nicht so genau bemerkt? Ich lasse mich da gerne auf Details oder große Linien aufmerksam machen.

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Stark finde ich an Jennifer's Body die Art und Weise, wie der Film und Megan Fox mit Fox' star persona spielen, denn natürlich ist sie für diese Rolle nahezu perfekt besetzt, gilt sie doch als "Sexbombe" mit großer Klappe und wenig Hirnschmalz. (Daß sie ihre Rolle nicht mit etwas mehr Tiefe auszustatten weiß und vielleicht wirklich keine besonders talentierte Schauspielerin ist, ist eine andere Sache.)

Hier liegt, glaube ich, auch ein Punkt in dem sich Genevieve in ihrem oben verlinkten Text irrt: Denn natürlich kann man Fox' Jennifer dafür kritisieren, daß sie sich selbst als Sexualobjekt wahrnimmt und so wahrgenommen werden will. Allerdings ist sich Jennifer zugleich sehr darüber bewußt, daß sie aus der Umsetzung dieser Haltung heraus etwas erlangt, was man wohl, mit etwas begrifflicher Toleranz, als agency bezeichnen könnte: Aus der Rolle als Sexualobjekt gewinnt sie (schließlich auch noch verstärkt durch ihre Dämonenkräfte) eine Machtposition, die sie zu eigenem Handeln ermächtigt. Ihr Körper ist dabei das Mittel ihrer Wahl.

Daß sie sich dabei gleichzeitig in Abhängigkeit von Anderen, von gesellschaftlichen Schönheitskonventionen etc. begibt und nur innerhalb dieser Kontexte existieren kann, ist davon unbenommen; so einfach sind diese Machtzuweisungen nicht, daß man ohne solches auskäme.

Der Film fällt im übrigen nicht in die Falle, Jennifer nur aus diesen Machtstrukturen heraus ernst zu nehmen; dem entzieht er sich, indem er vor allem Needys Perspektive einnimmt.

Nicht zuletzt deshalb richtet sich der Film womöglich wirklich zunächst an Frauen; bzw. an Menschen, die an Freundschaften zwischen Frauen interessiert sind. Insofern liegt das Marketing für den Film, wie mir scheint, weltweit völlig daneben, wenn es sich immerzu auf Jennifer in sexuell anzüglichen Posen konzentriert; selbst das Werbematerial des deutschen Verleihs gibt kaum Bilder her, in dem Jennifer und Needy gemeinsam zu sehen sind.

Fotos: 20th Century Fox

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